| Der Kapitalismus funktioniert nicht |
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| Geschrieben von Die Redaktion | |
| Thursday, 31 October 2002 | |
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Der Kapitalismus ist zur Zeit in der Krise - darin stimmen revolutionäre MarxistInnen und die Börsenanalysten bürgerlicher Zeitungen in seltener Einmütigkeit überein. Die Ökonomien der westlichen Nationen befinden sich seit März 2001 in einer Rezession und trotz des hoffnungsvollen Denkens von Bankern und Regierungspolitikern ist bisher kein Ende in Sicht.
Täglich kommt es zu neuen Entlassungen, überall gibt es Werkschließungen, Kürzungen stehen bei jedem Unternehmen auf der Tagesordnung (Stichwort: "lean production" und Kurzarbeit). Erst ein Jahr ist vergangen, seit dem uns die Börsenmagnaten die Tugenden der Wirtschaft priesen. Ein denkendes Mitglied der Arbeiterklasse kann unter diesen Voraussetzungen wohl nur zu einem Schluss kommen: Die Kapitalisten verstehen ihr eigenes System nicht mehr! Der Ausgangspunkt einer marxistischen Analyse der Geschehnisse sollte immer ein Blick zurück in die Geschichte sein: Um die Welt zu verändern, müssen wir zuerst die Prozesse innerhalb der Gesellschaft und der Wirtschaft aufdecken. Dies ist der erste Schritt, den Status Quo zu verändern. Für die herrschende Klasse gilt hier genau das Gegenteil. Die Minderheit kann hier nur die Mehrheit beherrschen, wenn sie uns davon überzeugt hat, dass es keinen Ausweg gibt und wir heute in der "besten aller (kapitalistischen) Welten" leben. Auf der Ebene der Wirtschaftswissenschaften und der Sozialwissenschaften führt das dazu, dass der "blinde Fleck", den die herrschende Klasse bei der Betrachtung der Klassengesellschaft hat, die Größe eines ganzen Busses haben muss. Sie können der Wahrheit nicht ins Gesicht blicken, wenn die Wahrheit ans Licht bringt, dass das System, welches ihre Privilegien beschützen und sichern soll, nicht mehr funktioniert. Regelmäßige Krisen Schon seit seiner Geburt ist der Kapitalismus durch ein Auf und Ab zwischen Booms und katastrophalen Rezessionen gegangen, doch in keinem wirtschaftswissenschaftlichen Werk werden wir über die Entstehung dieses Phänomens aufgeklärt. Jeder plötzliche Verfall der Börsenkurse oder wirtschaftliche Abschwung wird in diesen Werken als Ergebnis spezieller, spontan sich entwickelnder Bedingungen gesehen; einem Versagen der Börse, einem Mangel an Krediten, einer zu hohen Verschuldung, einer Inflation, einer Deflation, dem Mangel an Öl, einem Vertrauensverlust der Anleger etc., etc.. Der derzeitige Abschwung wurde zum größten Teil dem terroristischen Anschlag auf das World Trade Center zugeschrieben. Doch keine dieser "Entschuldigungen" trifft den Kern des Problems: die kapitalistischen Produktionsverhältnisse. Überproduktionskrise Der grundlegende Widerspruch innerhalb des Kapitalismus ist, dass er mehr Güter produziert als zu einem bestimmten Profit verkauft werden können. Dies ist die berühmte Überproduktionskrise; um es im Wortlaut des Kapitalismus zu sagen: Das Angebot übertrifft die Nachfrage. Natürlich liegt dem nur eine sehr eingeschränkte Definition von "Nachfrage" zugrunde: Es existiert eine riesige Nachfrage nach Häusern für Obdachlose, Nahrungsmittel für die Hungerleidenden, nach Medizin für die Kranken. Für den Kapitalisten zählt jedoch nur die Nachfrage, hinter der viel Profit steckt. Der Kapitalismus bringt sich also selbst in Schwierigkeiten, da er nicht für die Bedürfnisse der Menschen produziert, sondern nur für den Profit. Produkt menschlicher Arbeit Wie entsteht der Wert eines Erzeugnisses? Alle Erzeugnisse in der kapitalistischen Gesellschaft haben einen Wert, da sie das Produkt menschlicher Arbeit sind. Ein Stein, den Du vom Boden aufhebst, ist nichts wert, da niemand mit ihm etwas gesellschaftlich nützliches angestellt hat (egal wie schön er auch sein mag). Wenn jedoch eine Gruppe von Leuten ihre Bergbaukenntnisse einsetzen, um andere kleine Steine aus der Tiefe zu holen und daran anschließend noch begabtere Leute diese Steine schneiden und sie auf Ringe anbringen, dann bekommen wir ein sehr wertvolles Produkt heraus (diese Form der menschlichen Arbeit ist sogar so wertvoll, dass in Afrika verschiedene Gruppen von Kapitalisten Kriege darum führen). Die Arbeitswerttheorie mutet an dieser Stelle etwas akademisch an, sie ist jedoch einer der maßgeblichen Gründe, weshalb der Kapitalismus viel Zeug produzieren kann, aber nicht mehr Leute diese Menge kaufen. Beispiel Sagen wir z.B., Du arbeitest in einer Fabrik und verdienst 10 € pro Stunde. An einem Arbeitstag erzeugst Du Produkte im Wert von 200 €. Du wirst jedoch nur mit 80 € dafür bezahlt - wohin gehen die restlichen 120 €? ArbeitnehmerInnen werden für ihre Fähigkeit zu arbeiten bezahlt und nicht für die Arbeit, die sie leisten. Wir bekommen genug Geld, um zu leben, damit eine bestimmte Menge von Arbeiten für die Ausbeutung durch den Kapitalisten erhalten werden kann. Die Extra-120 € gehen also als Profit an den Kapitalisten. Er bekommt das Geld nur, weil er zu Beginn des Produktionsprozesses genug Geld (Kapital) besaß, um Fabriken und sonstige Ausrüstung etc. zu besitzen. Der Kapitalist hat aber nichts produktives im ganzen Prozess geleistet. (In der Tat funktioniert die Produktion der Güter weiterhin, wenn man den Kapitalisten, der den Profit abschöpft, entfernt. Das gleiche Resultat, d.h. eine funktionierende Produktion, bekämen wir jedoch nicht, wenn man die ArbeiterInnen aus dem Prozess entfernt). Mehrwert Dieser Extra-Profit, der über den Löhnen der ArbeiterInnen liegt, wird Mehrwert genannt. Nachdem der Kapitalist einen Teil des sich angeeigneten Mehrwertes für Immobilien und Flugzeuge ausgegeben hat, ist er gezwungen, den Rest des Mehrwerts in die Produktion zu reinvestieren. Investitionen sind der Motor der kapitalistischen Ökonomie und helfen, die Produktivität der menschlichen Arbeitskraft zu verbessern. Wenn unser Kapitalist nicht investiert, würde er durch andere Kapitalisten, die effektiver ihren Profit einsetzen, verdrängt. Wenn die Investitionen die Effektivität der Maschinen, mit denen produziert wird, um 20 % erhöhen, so kann der Kapitalist 20 % der ArbeiterInnen entlassen (oder die Arbeitszeit um 20 % kürzen) und immer noch die gleiche Menge produzieren. Unglücklicherweise hängt jedoch der Profit des Kapitalisten davon ab, wie viel Arbeitskraft bei der Produktion der Güter eingesetzt wird (120 € pro ArbeiterIn). Wenn er also Leute entlässt, so sinkt der Mehrwert pro Investition. Dies geht für den Kapitalisten so lange gut, wenn der Markt expandiert und er eine immer größere Anzahl seiner Produkte dort verkaufen kann. Profitrate Die derzeitige Explosion auf dem Computer-Markt ist ein Beispiel dafür. Leider jedoch stößt diese Entwicklung bald an ihre "natürlichen" Grenzen; der tendenzielle Fall der Profitrate bedeutet, dass der anfängliche, geringe Rückgang der Profite sich in einen absoluten Fall der Profite umwandelt. ArbeiterInnen, die an einem Tag 80 € verdienen, können nicht eine unbegrenzte Anzahl von Computern kaufen, und der Kapitalist kann nicht mehr seine Güter zur selben Profitrate verkaufen. Unser "armer" Kapitalist ist also gezwungen, Fabriken zu schließen und noch mehr Leute zu entlassen. Es ist klar, dass die ArbeitnehmerInnen in dieser Situation viel schlimmer dran sind als die Kapitalisten. Es ist eine Systemkrise des Kapitalismus. Während dieser Periode des Niedergangs haben Großkapitalisten bessere Überlebenschancen. Der Kapitalismus hat eine innere Tendenz zur Konzentration und Monopolisierung. Die Kapitalisten versuchen außerdem aus dieser Krise zu entfliehen, in dem sie ihre Produkte auf neuen Märkten zu verkaufen suchen. Allerdings versuchen alle anderen Kapitalisten das auch und die Welt hat nur eine bestimmte, endliche Größe. Durch den Export ihrer Produkte in andere Länder bzw. Märkte, entwickeln die Kapitalisten auch die produktiven Kräfte dieser Länder (Bsp. Indonesien, China). Diese beginnen dann ebenfalls einen Mehrwert zu produzieren: das Problem weitet sich aus. Dies war der Auslöser des ersten und zweiten Weltkrieges und gleichzeitig das beste Kennzeichen dafür, dass der Kapitalismus sein Potential zur Entwicklung der menschlichen Gesellschaft verbraucht hat. Wenn ein System Millionen von Menschen töten "muss", um seine Probleme zu lösen, dann hat es seinen Bankrott von selbst erklärt. Menschlicher Kapitalismus? Manche Linke fordern Reformen, die im wesentlichen darauf hinauslaufen, die Reichen zu besteuerrn und damit Sozialreformen für die Armen zu finanzieren. Der Reformismus will einen erträglicheren, menschlicheren Kapitalismus schaffen. Aber es ist halt immer noch der selbe Kapitalismus, in dem das Wertgesetz gilt und die parasitäre herrschende Klasse aus der Arbeitskraft Mehrwert herauspreßt, in dem Profit und nicht menschliche Bedürfnisse bestimmen, was produziert wird. Das System bringt immer noch Auf- und Abschwünge hervor - mit der einhergehenden Unsicherheit, die das Leben vieler arbeitender Menschen ruiniert. Außerdem würden die Kapitalisten - wenn man sie ernsthaft zur Kasse bittet - zurückschlagen und etwa in einen Investitionsstreik treten. Die Kapitalisten würden Kapital abziehen und vielleicht in Länder investieren, in denen Sozial- und Umweltstandards niedriger sind. Es ist einfach utopisch zu glauben, weitgehende Sozialreformen wären heutzutage möglich, ohne das kapitalistische System anzutasten. Unser Vorschlag: die Wirtschaft so grundlegend umbauen, daß für die Befriedigung menschlicher Bedürfnisse und nicht für privaten Profit geplant, investiert und produziert wird. Dazu müssen die Kommandozentralen der wirtschaftlichen Macht, die tonangebenden 200 größten Konzerne, Banken und Versicherungen in Gemeineigentum überführt und von den Beschäftigten demokratisch kontrolliert werden. Nur wenn die Betriebe von den Arbeitern und Angestellten besetzt und in eigener Regie weiter geführt werden, kann verhindert werden, daß die Bosse die Anlagen demontieren lassen und die Produktion in ein Niedriglohnland verlagern. Wenn Wirtschaft und Gesellschaft nicht nur von einer winzigen Elite, sondern kollektiv vom arbeitenden Volk geführt werden, können Armut und Not rasch überwunden werden. Wenn wir die Produktion an den menschlichen Bedürfnissen ausrichten, dann können wir das zerstörerische Auf und Ab der Konjunktur überwinden und die Arbeitszeit für alle radikal senken und Vollbeschäftigung zu menschenwürdigen Bedingungen erreichen. |
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