Alcasa, Venezuela: Co-Management, Arbeiterkontrolle und die Produktion

Was wir ArbeiterInnen der Alcasa zu aller erst festhalten müssen ist, dass unsere Form des Co-Managements sich niemals in eine Waffe der ausbeuterischen kapitalistischen Produktionsweise wandelt. Wir dürfen die traurigen Fehler der europäischen Geschichte, wo das System der „Mitbestimmung“ damit endete, dass die Eroberungen und die Rechte der ArbeiterInnen eliminiert wurden keinesfalls wiederholen.


Was wir ArbeiterInnen der Alcasa zu aller erst festhalten müssen ist, dass unsere Form des Co-Managements sich niemals in eine Waffe der ausbeuterischen kapitalistischen Produktionsweise wandelt. Wir dürfen die traurigen Fehler der europäischen Geschichte, wo das System der „Mitbestimmung“ damit endete, dass die Eroberungen und die Rechte der ArbeiterInnen eliminiert wurden keinesfalls wiederholen.

Damit wir uns nicht auf diesen falschen und betrügerischen Weg der Sozialpartnerschaft begeben, treiben wir im Betrieb die Kontrolle der ArbeiterInnen und der Kommune (gesellschaftliche Kontrolle) voran. Die höchste Autorität im Betrieb haben die Generalversammlungen aller ArbeiterInnen, gefolgt von den Arbeiterräten beziehungsweise Betriebsratskomitees* und die Kollegialleitung des Betriebes**. So wälzen wir die gesamte hierarchisch-juristische Struktur des Betriebes um, haben die alte Kommandomacht total geändert und alle Macht in die Hände der ArbeiterInnen und der Kommune gelegt, dass wir die gesamte Produktion und die Finanzen des Unternehmens kontrollieren, leiten, rechnen, koordinieren, analysieren, planen, unserer Kritik unterziehen etc.

Diese ArbeiterInnen- und Kommunekontrolle die sich in unserem Unternehmen entwickelt, verändert die bisherigen Produktionsbeziehungen radikal. Wir können sagen, dass wir ArbeiterInnen der Alcasa, die Dinge heute auf andere Art und Weise erledigen. Zuvor war es der Vorstandsvorsitzende und die Leiter die alles entschieden haben, und wir mussten alles ausführen, ohne das Recht etwas zurückzuweisen Heute ist das nicht mehr so, heute sind es wir ArbeiterInnen die in den Generalversammlungen unserer Abteilungen und der Produktionshallen entscheiden, was zu tun und was zu lassen ist. Zum Beispiel ist es so, dass der Jahresvoranschlag des Werks unter der Teilnahme von allen, eingeschlossen VertreterInnen der Kommune gemacht wird.

Ein anderes Beispiel. Auf einer Arbeitergeneralversammlung der Alu-Reduktionslinie III haben die KollegInnen entschieden, dass die LeiharbeiterInnen, die Reparatur- und Wartungsaufgaben an der Produktionslinie vornehmen sollten, diese Arbeiten nicht mehr durchführen dürfen. Dies deshalb weil die alten Manager früher diese Leihfirmen dazu benützen ihre korrupten Geschäfte abzuwickeln. Die Reparaturarbeiten waren daher immer von sehr schlechter Qualität, was bedeutete dass die von den Leihfirmen „reparierten“ Teile der Produktionslinie bald nach der Wartung wieder ausfielen. Angesichts dieser Situation beantragten die ArbeiterInnen im neuen Direktionskollegium und seinem Vorsitzenden Carlos Lanz, dass sie selber diese Arbeiten durchführen dürfen, und jene zusätzlichen ArbeiterInnen die für diese Arbeit benötigt würden eine fixe Anstellung an der Produktionslinie erhalten sollen. Wir nahmen diesen Vorschlag an (oder besser gesagt wir befolgten ihre Entscheidung) und einem noch nie da gewesenen Rekordtempo montierten die ArbeiterInnen die neuen Reduktionszellen und fuhren die Produktionslinie auf die maximale installierte Leistung von 180 Reduktionszellen. Das Unglaubliche, ja Kriminelle an dem Ganzen ist, dass über sieben Jahre mehr als zehn Prozent der Reduktionszellen nicht funktionierten, und dies dank der Korruptheit des alten Managements und der alten Produktionsweise. Beispiele wie dieses existieren in allen unseren Abteilungen. Dies zeigt, dass wir nicht nur die Art und Weise wie wir die Dinge machen verändern, sondern wir beweisen auch dass das Co-Management Resultate bringt. Nicht nur im Rahmen der sozialen Kontrolle über die Produktion, sondern auch als Modell der Verbesserung der Produktion, wir lassen die Gefahren der alten Geschäftsführung hinter uns, und erhöhen die Produktion der vier Produktionslinien des Unternehmens unter unserem Slogan „Co-Management mit Produktion unter Arbeiterkontrolle“ um damit dem Unternehmen, den umliegenden Gemeinden und dem Land zu nützen.

Edgar Caldera
Arbeitsdirektor
CVG Alcasa

*Diese Gremien sind von ArbeiterInnen, die in der Versammlung ihrer Abteilung gewählt worden zusammengesetzt. Diese BetriebsrätInnen sind jederzeit abwählbar, damit sie immer Stimme ihre KollegInnen bleiben.

** Anstatt eines Managers/Leiters wie es vorher war, ist dieser Posten nun ein Kollegialgremium von drei ArbeiterInnen. Alle sind jederzeit abwählbar.

Dieser Artikel wurde zuerst am 29.5.2005 auf der Seite der Webseite unserer Schwesterströmung Corriente marxista revolucionario veröffentlicht: http://venezuela.elmilitante.org/index.asp

Die Webseite des Unternehmens ist unter der url http://www.alcasa.com.ve/ abzurufen. Das Unternehmen produziert jährlich 185.000 Tonnen Aluminium, das zu 60 Prozent in den Export geht.

Die Slogans auf der Webseite lauten: „Revolution in der Revolution, Die neue Etappe: Auf dem großen Sprung nach vorne, in der Schlacht für die Produktionssouveränität“ sowie: „Alle Macht den ArbeiterInnen, Co-Management mit Produktion“

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