Venezuela: Rückgang der Armut und sozialen Ungleichheit

Schaut man sich Bilder vom Caracazo-Volksaufstand in den venezolanischen Armenvierteln des Jahres 1989 an, so sieht man die Armut der demonstrierenden Massen auf den ersten Blick. Doch die Zeiten haben sich geändert. Sieht man heute Bilder von linken Demonstrationen in Venezuela, so sieht man die Verbesserung der Lebensverhältnisse ebenfalls auf den ersten Blick. Die Menschen sehen nicht mehr aus wie Gespenster. Sie sind gut genährt und gekleidet. Aus den Gesichtern spricht der Stolz auf das bereits Erreichte. Zu Recht, wie aktuelle Daten des statistischen Amtes Venezuelas einerseits, der UNO und weiterer offizieller Stellen außerhalb des Landes andererseits belegen.

Schaut man sich Bilder vom Caracazo-Volksaufstand in den venezolanischen Armenvierteln des Jahres 1989 an, so sieht man die Armut der demonstrierenden Massen auf den ersten Blick. Doch die Zeiten haben sich geändert. Sieht man heute Bilder von linken Demonstrationen in Venezuela, so sieht man die Verbesserung der Lebensverhältnisse ebenfalls auf den ersten Blick. Die Menschen sehen nicht mehr aus wie Gespenster. Sie sind gut genährt und gekleidet. Aus den Gesichtern spricht der Stolz auf das bereits Erreichte. Zu Recht, wie aktuelle Daten des statistischen Amtes Venezuelas einerseits, der UNO und weiterer offizieller Stellen außerhalb des Landes andererseits belegen.

In den letzten zehn Jahren ist das Ausmaß der Armut in Venezuela zurückgegangen. Das Land hat darüber hinaus einen Rückgang der sozialen Ungleichheit und eine Verbesserung der gesamtgesellschaftlichen Entwicklung zu verzeichnen.

Armut auf 24.5% gesenkt

Laut den letzten verfügbaren Daten des Nationalen Instituts für Statistik (INE) ist der Anteil der Armen an der Bevölkerung in Venezuela in den letzten zehn Jahren auf 24,5% gesunken, ausgehend von 50.5% im Jahr 1998 (dem Jahr des Amtsantritts der Chávez-Administration, KF) und 26% am Ende des Jahres 2007.

Der Präsident des INE, Elias Eljuri, hat gleichfalls vorgerechnet, dass extreme Armut im letzten Jahr bei 7% der Bevölkerung (gesunken von 25% im Jahr 2002) vorlag und dass diese weiterhin abnimmt. Er schrieb den Niedergang der Armut in Venezuela den Sozialprogrammen der nationalen Regierung zu.

Weiterhin sagte er, dass die Statistiken über Armut bzw. extreme Armut, die von der Ökonomischen Kommission für Lateinamerika und die Karibik (Cepal) erstellt werden, einen Rückgang um 2.5 bzw. 0.9 Prozentpunkte für das zurückliegende Jahr, verglichen mit dem Jahr 2007 ausweisen.

Hinzu kommt, so sagte er, dass die INE-Armutsstatistik lediglich auf der Grundlage der Haushaltseinkommen berechnet wurde. „Wir haben hierbei noch nicht die vielen staatlichen Unterstützungen berücksichtigt, die z.B. den vier Millionen Kindern zugute kommen, die in den Schulen des Bolivarischen Staates kostenloses Essen erhalten oder die in die kostenfreien Gesundheitsdienste fließen. Beide Maßnahmen tragen mit dazu bei das Ausmaß der Armut zu senken.“

Geringste soziale Ungleichheit in Lateinamerika

Der Index, mit dem (Ökonomen überall auf der Welt offiziell, KF) das Ausmaß an sozialer Ungleichheit (in einer „Volkswirtschaft“, KF) messen, der GINI-Koeffizient, liegt dieses Jahr bei 0.42, wobei auf einem Maßstab, der von 0 bis 1 reicht, ein Wert von unter 0.49 als niedrige, ein Wert bis zu 0.7 als mittelmäßig stark ausgeprägte und ein Wert zwischen 0.8 und 1.0 als hohe soziale Ungleichheit gilt. Venezuela hält damit den aktuell besten Wert in ganz Lateinamerika, dieses inklusive Chile und Costa Rica, welche im Jahr 2007 die niedrigste Ungleichverteilung der Einkommen im Land (der GINI-Koeffient weist den Grad der Ungleichverteilung der Haushaltseinkommen aus, KF) vorweisen konnten. Die durchschnittliche soziale Ungleichheit (gemessen am GINI-Koeffizient, KF) in ganz Lateinamerika beträgt 0.52 (innerhalb der Skala des GINI-Koeffizienten, KF).

Dennoch glaubt Herr Eljuri, dass es notwendig ist, die Umverteilung der Einkommen in Venezuela noch weiter voranzutreiben.

Venezuelas Human Development Index (HDI) höher als in 118 anderen Ländern

Gemäß einer Vorveröffentlichung des Jahresberichts des UN-Programms für Entwicklung weist Venezuela einen höheren Entwicklungs-Index aus als 118 andere Länder der Welt. Venezuela liegt an 61. Stelle dieser Welt-Liste. (Der Daten des letzten HDI, basierend auf dem statistischen Material des Jahres 2005, wiesen für Venezuela Platz 74 aus [0,792 Index-Punkte, s.u.]. Deutschland übrigens lag dabei mit 0.935 Index-Punkte [s.u.] immerhin [sic!] auf Platz 22. Ergänzung durch: KF)

Der HDI-Index erfasst die Faktoren Lebensqualität, Lebenserwartung, Zugang zu Bildungsmöglichkeiten und Kaufkraft der Menschen.

„Grundsätzlich ergibt sich (für Venezuela, KF), dass die Lebenserwartung gesteigert werden konnte und dass der allgemeine Zugang zu Bildung verbessert worden, sowie die Kaufkraft, gemessen am Haushaltseinkommen, ebenfalls in einem bemerkenswerten Ausmaß gewachsen ist“, so Herr Eljuri.

Sieht man sich alle Länder Lateinamerikas an, so liegt Venezuela auf dem 13. Platz von insgesamt 33 Ländern und damit vor Brasilien, Peru und Ecuador.

Der Skala des Index reicht von 0 bis 1, wobei ein Wert von weniger als 0.49 einen geringen, ein Wert von 0.49 bis 0.79 einen mittelmäßig ausgeprägten und ein Wert von 0,80 bis 1.0 einen hohen Grad der menschlichen Entwicklung anzeigt. Venezuela erreicht 2008 den Index-Wert 0.834, im Jahr 1998 lag der Wert noch bei 0.78 Index-Punkten.

Übersetzung: Karl Friedrichen, 28.12.08

Ergänzung der FUNKE-Redaktion / In Verteidigung der Demokratie und ihrer Sittlichkeit

Freie Beobachtungen von Wahlen und Abstimmungen in Venezuela durch internationale Organisationen, Nichtregierungsorganisationen, auswärtigen Staaten und Staatenbünde haben wiederholt, über viele Jahre hinweg und damit nachdrücklich erwiesen, dass die Bolivarische Republik Venezuela ein demokratisch organisierter und demokratisch funktionierender Staat ist. Die beiden Tatsachen, dass die Regierung Chávez im vorletzten Dezember eine von ihr lancierte Verfassungsänderung durch Volksabstimmung verloren hat (und dieses Ergebnis sogleich akzeptierte) und dass das „rote Lager“ bei den gerade erfolgten Regional- und Kommunalwahlen u.a. auch Niederlagen hinnehmen musste (und diese Ergebnisse ebenenfalls sogleich akzeptiert wurden) unterstreichen nachdrücklich, dass Wahlen und Abstimmungen in dem Land dem Gebot der Freiheit der Stimmabgabe unterliegen. Was auch immer man – nicht zuletzt z.B. auch wir von der Internationalen Marxistischen Tendenz – im Konkreten am Verlauf des sozialistischen Transformationsprozesses in dem Land zu kritisieren hat, so hat man im Grundsatz gleichfalls anzuerkennen und zu respektieren, dass im heutigen Venezuela die weltweit gültigen demokratischen Standards gewahrt werden.

Dieses war im Übrigen nicht immer so. PolitologInnen haben den alten Staat Venezuelas früher gerne als Musterbeispiel demokratischen Regierens in Lateinamerika angeführt. Sie „vergaßen“ dabei zu erwähnen, dass unglaublich viele Menschen in den Armenvierteln des Landes von ihrem Wahlrecht faktisch keinen Gebrauch machen konnten. Viele arme Menschen waren noch nicht einmal als StaatsbürgerInnen anerkannt, weil niemand je ihre Geburt registriert hatte. Soviel zur Einhaltung des Wahlprinzips „Gleichheit der Wahl“ in der Zeit der alten venezolanischen Republik. Das Chávez-Lager gewinnt Wahlen und die meisten Abstimmungen nicht aufgrund von Manipulationen oder der gar der Ausschaltung des Wahlprinzips der „Freiheit der Wahl“, sondern weil es jenen Menschen eine Stimme gab, die im angeblich vorbildlichen „demokratischen Regime“ der alten Republik als Bürgerinnen und Bürger in der Regel gar nicht wahrgenommen worden sind. Man müsste ein echter Zyniker und/oder ein recht seltsamer Freund des Demokratieprinzips sein, wollte man Chávez und seinen Anhängern diese recht schlichte politische Logik negativ ankreiden wollen.

Meldungen darüber, dass im bolivarischen Venezuela ein „autokratisches Regime“ am Werk sei, entbehren jeder Faktizität und finden ihre „Begründung“ entweder in mangelnder Informiertheit, basierend auf den Manipulationsversuchen der bürgerlichen Opposition an der Weltöffentlichkeit, oder aber schlicht in politischer Böswilligkeit. Insbesondere politische Böswilligkeit ist sicherlich kein Ausweis einer besonders hoch stehenden demokratischen Gesinnung. Wir bitten PolitikerInnen und JournalistInnen wirklich sehr herzlich und nachdrücklich darum, bei ihrem Sprechen und Schreiben über das bolivarische Venezuela und seine Freundinnen und Freunde in aller Welt auf die Einhaltung demokratischer Tugenden und Geflogenheiten zunächst einmal bei sich selbst zu achten, bevor man (vorschnell) mit dem Finger auf andere zeigt. (Karl Friedrichsen)

Post Scriptum:

In Online- und Print-Ausgabe der „Frankfurter Rundschau“ schreibt Herr Professor Doktor Stratenschulte, Leiter der Europäischen Akademie Berlin, am 23.12.08 folgendes.
Er stellt sich vor, dem weihnachtlichen Konsum- und Moraltrubel nach Buenos Aires entkommen zu sein. Er berichtet: „Wenigstens scheint die Sonne. Leider hat man sich nach einer halben Stunde schon einen veritablen Sonnenbrand geholt. Die Wissenschaft liefert die Erklärung. Über Südamerika ist die Ozonschicht besonders dünn. Klimaschutz ist nicht nur ein europäisches Thema. Das merkt man auch daran, dass weiter im Süden Argentiniens, in Patagonien, die Gletscher abschmelzen.

Der Fluchtversuch ist gescheitert. Soziale Fragen, der Umgang mit der Vergangenheit und der Umweltschutz haben sich dem Ruhe Suchenden ins Bewusstsein gebohrt. 12 000 Kilometer von Frankfurt entfernt bestätigt sich der Satz eines Frankfurter Sozialwissenschaftlers: Es gibt kein richtiges Leben im falschen.

Aber uns, den Nachgeborenen von Theodor W. Adorno, der diesen Aphorismus (?!, KF) geprägt hat, kann es um unserer Kinder willen nicht genügen, darüber zu räsonieren. Wir werden uns anstrengen müssen, das Leben richtig zu machen, also die Fragen anzupacken, die uns in Buenos Aires genauso beschäftigen wie in Berlin. Die Weihnachtsfeiertage sind eine Zeit der Besinnung. Also besinnen wir uns - auf unsere eigene Zukunft.“

Nun denn. Besinnen? Eine paar Tage, ok. Aber dann: Kämpfen, Comrades!

Karl Friedrichsen

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