Die FIFA - Ein milliardenschwerer Kleintierzuchtverein

In unserer Serie zur Fußballweltmeisterschaft in Deutschland betrachteten wir zunächst das nervige Getöse in Politik und Wirtschaft im Vorfeld der WM mit der Brille eines Fans, der nur noch "Ab in die Toskana" wollte (s. derfunke.de), und stellten dann mit Blick auf die immensen Kosten für dieses "Mega-Event" die Frage, ob das noch "Unser Fußball?" sei (s. Der Funke, Nr.60). Im folgenden Beitrag schauen wir ein wenig hinter die Kulissen des Großkonzerns FIFA und seine kruden Machenschaften und gehen an gleicher Stelle auf Sepp Blatters schönste Skandale ein.

 


In unserer Serie zur Fußballweltmeisterschaft in Deutschland betrachteten wir zunächst das nervige Getöse in Politik und Wirtschaft im Vorfeld der WM mit der Brille eines Fans, der nur noch "Ab in die Toskana" wollte (s. derfunke.de), und stellten dann mit Blick auf die immensen Kosten für dieses "Mega-Event" die Frage, ob das noch "Unser Fußball?" sei (s. Der Funke, Nr.60). Im folgenden Beitrag schauen wir ein wenig hinter die Kulissen des Großkonzerns FIFA und seine kruden Machenschaften und gehen an gleicher Stelle auf Sepp Blatters schönste Skandale ein.

 

In unserer Serie zur Fußballweltmeisterschaft in Deutschland betrachteten wir zunächst das nervige Getöse in Politik und Wirtschaft im Vorfeld der WM mit der Brille eines Fans, der nur noch "Ab in die Toskana" wollte (s. derfunke.de), und stellten dann mit Blick auf die immensen Kosten für dieses "Mega-Event" die Frage, ob das noch "Unser Fußball?" sei (s. Der Funke, Nr.60). Im folgenden Beitrag schauen wir ein wenig hinter die Kulissen des Großkonzerns FIFA und seine kruden Machenschaften und gehen an gleicher Stelle auf Sepp Blatters schönste Skandale ein.

Die Ethikkommission, oder: Wie der Bock zum Gärtner wurde

Am 7. Juni 2006 eröffnete die FIFA zeitnah zum Start der WM ihren Münchner Kongress. Hauptthema der Veranstaltung waren die zunehmenden Skandale um Spielmanipulationen in europäischen Ligen. Schienen der "Kasus Hoyzer" in Deutschland oder verschobene Spiele in Tschechien noch ärgerliche Ausnahmen im ansonsten vermeintlich sauberen Fußballgeschäft zu sein, die man durch moralische Appelle wieder ausbügeln konnte, so schlugen die jüngsten Enthüllungen über die kriminellen Machenschaften bei Juventus Turin dem Fass den Boden aus. Turins mittlerweile zurückgetretener Manager Luciano Moggi brachte einmal auf den Punkt, was jeder halbwegs kritische Zeitgenosse weiß, von Seiten der FIFA aber geflissentlich übersehen wurde: "Fußball ist nur sonntags ein Sport, an Werktagen aber eine Industrie wie alle anderen auch" ; eine Industrie, in der Erpressungen, Drohungen und Bestechungen normal sind, wie das "System Moggi" beweist. Dabei handelte es sich um "eine Organisation nach Art der Mafia, in die Schiedsrichter, Funktionäre, Vereinspräsidenten und Journalisten eingebunden waren" und die zudem von Moggis guten Kontakten zu Staatsanwaltschaft und Polizei profitierte - ein System, das Juventus über zwölf Jahre den italienischen Calcio dominieren ließ.

Beschriebene Exzesse stören auf Dauer die Geschäfte, weshalb die FIFA im vergangenen September die Task Force "For the Good of the Game" einrichtete, welche genannten "Moralkonvent" in Bayerns Metropole inhaltlich vorbereitete und in dessen Rahmen die Einsetzung einer "Ethikkommission" vereinbart wurde. Die soll künftig dafür sorgen, dass der Fußball "sauber" bleibt. Angesichts der Tatsache, dass der Weltfußballverband spätestens seit der Ära Blatter einer "global operierenden Monarchie" gleicht , deren Machtstrukturen ähnlich untransparent sind wie die des Vatikans und in der Korruption zum Geschäftsalltag gehören, ist die Ernennung von FIFA-Funktionären zu Ethikwächtern nur auf den ersten Blick ein Scherz des Präsidenten. Denn nur wenn die "Basis", sprich die Clubs, Ligen und Verbände einigermaßen die Negativschlagzeilen meiden, können die Großkopferten aus Zürich gelassen weiter ihren Geschäften nachgehen, von denen im folgenden berichtet wird.

Das Vehikel des totalen Marktes: Horst Dassler gründet die ISL

Horst Dassler, Sohn des Adidas-Gründers Adi Dassler, zog bereits ab Mitte der 1950er Jahre die Strippen hinter den Kulissen der Sportwelt, ganz im Sinne des Unternehmens aus dem fränkischen Herzogenaurach, dem er über Jahrzehnte als Firmenchef vorstand. Dassler, dem Blatter-Vorgänger Havelange in den 1980er Jahren die Türen der FIFA weit aufstieß, erkannte rasch, dass letztere alle Voraussetzungen eines künftigen Großkonzerns erfüllte: Man war und ist im Besitz des Weltmonopols der "Ware" Fußball, eines Monopols, "das sich der Arbeit von Millionen Freiwilligen an der Basis bedienen konnte." Er führte eine Geheimkartei mit den Namen wichtiger Personen, steuerte über ein ausgefeiltes System von Adidas-Lobbyisten, einer "Art Turnschuh-CIA" nicht nur bei der FIFA Verbandswahlen, und erhielt auf diesem Wege die WM-Marketingrechte des Weltfußballverbandes mit Hilfe entsprechend präparierter Funktionäre. Deren Vermarktung organisierte Dassler über den 1982 von ihm und dem japanischen Medienkonzern Dentsu gegründeten Sportrechtehändler International Sports and Leisure (ISL). Ziel war es nun, Großkonzernen im Rahmen von Weltmeisterschaften Exklusivpakete anzubieten, d.h. mit deren Kauf konnten neben einem "Plätzchen an der Werbebande" auch "die Nutzungsrechte der WM-Symbole, Freikartenkontingente, Sonderkonditionen für Firmengäste (...)" erworben werden. In dieser Strategie dürfte die Ursache für die grotesken kommerziellen Auswüchse begründet liegen, denen man in Deutschland spätestens seit dem Confederations Cup 2005, der Nagelprobe für die WM, ausgeliefert ist. Bei besagtem "Confed" etwa wurden alle teilnehmenden Teams von Mercedes-Bussen chauffiert, da der Stuttgarter Konzern "Dauerpartner" des DFB ist; die bekannten Sterne aber wurden von den Karossen entfernt und durch Hyundai-Logos ersetzt - die Koreaner sind einer der Top-Sponsoren der WM. Und Fans aus aller Welt , die während der WM die "Arenen" besuchen und dabei das Logo eines unliebsamen T-Shirt-Produzenten auf der Brust tragen, können Stadionverbot erhalten, da während der vier Wochen, in denen "Die Welt zu Gast bei Freunden" ist, einzig die drei Streifen von Adidas das Auge potentieller Konsumenten erfreuen dürfen. "Für 40 Millionen hat man das Recht auf die Illusion, es gebe keine Konkurrenten." Jürgen Roth (s. Anm. 9) bezeichnet das als "ein begrüßenswertes Bild für den expandierenden Territorialzwang, der dem Kapitalismus inhärent ist: 'Ich muß Claims abstecken.' Das führt die FIFA vor."

Zürcher Hasenzucht e.V.

Bei der Durchsetzung ihrer finanziellen Interessen ist die FIFA nicht zimperlich. Sie "geht in ihren Vorschriften bis an die Grenzen des deutschen Rechts und teilweise auch darüber hinaus", bemerkt ein nicht mit Namen genannter Fachanwalt in Sachen Werbung. Für Kritiker dieses feudalen Gehabes hält Sepp Blatter, 70, immer eine verbale Ohrfeige wie die folgende bereit: "Wenn sie einen Weltkrieg wollen, können sie ihn haben." Eine beachtliche Machtfülle für eine Organisation, die nach Schweizer Vereinsrecht konstituiert ist und entsprechend keine externen Buchprüfungen zulassen muss - und von diesem Recht auch gerne Gebrauch macht. Bei einer Bilanzsumme von 1,44 Milliarden Franken in 2005 zahlt man 4,5 Prozent an Steuern. Die FIFA ist die "derzeit wohl bei weitem profitabelste Non-Profit-Organisation der Welt." Die Statuten des Fußball-Multis aus Zürich gleichen denn auch "eher einem Hasenzüchterverein" denn einem Weltkonzern, wie ein Staatsanwalt monierte, der 2002 gegen Blatter wegen Korruption ermittelte.

Mythos Blatter?

Wer die Machenschaften der FIFA verstehen will, kommt nicht um den Präsidenten Blatter herum. Manche Medien bezeichnen ihn gelegentlich als Mythos, zumindest als Mysterium. Um diese Zuweisung beurteilen zu können, muss erst der Begriff beschrieben sein. Eine weitgehend akzeptierte Definition ist die einer "Göttergeschichte", "da der Mythos in der Regel von Göttern, ihren Handlungen und Leidenschaften, ihren Kämpfen, Leiden und Siegen berichtet." Blatter, ein Gott wie die antiken römischen Cäsaren? Das könnte ihm gefallen, gilt er doch bei seinen Mitarbeitern als eitel und autoritär, und auch ein Hang zum Größenwahn ist ihm nicht abzusprechen. So ist überliefert, dass er vor wichtigen Veranstaltungen morgens um vier im Büro auftaucht, um zu überlegen, "ob er später auf der Bühne scheinbar spontan in Englisch oder nicht doch besser in Spanisch parlieren sollte." Und in der Neuen Zürcher Zeitung hieß es vor kurzem, der Personenkult im hauseigenen FIFA-Magazin anlässlich seines 70. Geburtstags mit 33 Abbildungen habe stalinistisches Niveau erreicht. Wie jeder "gute" Diktator beherrscht Blatter auch die Kunst des geheuchelten Understatements. Erwähntes Wiegenfest verband er mit einer pathetischen Show um seine "30 Jahre im Dienst für die FIFA", zu dem massig Fußballprominenz aus aller Welt, unter anderem Kaiser "Franz" Beckenbauer, auftauchte, dem Magazin teilte er aber mit, er wolle keinen Rummel um seine Person.

Fortsetzung folgt.

Torsten Tullius

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