Truppen raus aus Afghanistan

Mehr als 2000 Menschen haben am Samstag in Bonn gegen den Krieg in Afghanistan protestiert. Sie forderten den sofortigen Abzug aller NATO-Truppen aus dem Land am Hindukusch. Ein breites Bündnis aus linken und Friedensorganisationen, Jugendverbänden sowie Gewerkschaften und DIE LINKE hatte zu den Protesten unter dem Motto „Truppen raus aus Afghanistan“ aufgerufen. Anlass ist die am 5. Dezember beginnende internationale Afghanistan-Konferenz in Bonn und Petersberg, bei der Delegationen aus 90 Ländern erwartet werden.


Mehr als 2000 Menschen haben am Samstag in Bonn gegen den Krieg in Afghanistan protestiert. Sie forderten den sofortigen Abzug aller NATO-Truppen aus dem Land am Hindukusch. Ein breites Bündnis aus linken und Friedensorganisationen, Jugendverbänden sowie Gewerkschaften und DIE LINKE hatte zu den Protesten unter dem Motto „Truppen raus aus Afghanistan“ aufgerufen. Anlass ist die am 5. Dezember beginnende internationale Afghanistan-Konferenz in Bonn und Petersberg, bei der Delegationen aus 90 Ländern erwartet werden.



Zehn Jahre nach der ersten Petersberg-Konferenz im Dezember 2001 sollen Pläne für die Zeit nach 2014, wenn die NATO-Truppen wie vorgesehen abgezogen sind, entwickelt werden. Afghanische Militärs und Polizisten sollen ausgebildet werden, um stellvertretend für die NATO den Krieg fortzusetzen. Die KriegsgegnerInnen sind sich aber sicher, dass die Abzugspläne nicht eingehalten werden würden.

Der Demonstrationszug zog durch die Bonner Innenstadt. Die zahlreichen Redebeiträge haben die wahren Hintergründe des Krieges und die aktuelle soziale und politische Lage in Afghanistan thematisiert. Der LINKE-Fraktionsvorsitzende im Bundestag Gregor Gysi will „raus aus der Logik des Krieges“ und wies auf die schlimme soziale Lage in diesem Land hin, wonach nicht nur die Armut, sondern auch der Drogenanbau und die Kriminalität seit zehn Jahren zugenommen habe. Es sei kein Krieg für Demokratie und Menschenrechte, sondern ein Krieg um „geostrategische Interessen“ und um „die Profite der Rüstungsindustrie“, so Wolfgang Uellenberg vom Bundesvorstand der Gewerkschaft ver.di und resümierte, dass Afghanistan in die Steinzeit gebombt worden sei.

Die eigentliche Hauptrednerin war die ehemalige afghanische Parlamentarierin Malalai Joya, deren Rede mit viel Applaus bedacht worden ist. Sie bezeichnete die Afghanistan-Konferenz als eine Versammlung „von Warlords, Drogenbaronen und westlichen Technokraten“ und forderte weiterhin internationale Solidarität gegen die Besatzungsmächte ein. Sie hoffe ähnlich wie in vielen arabischen Ländern auf einen „arabischen Frühling“ auch in Afghanistan.
Auf der Abschlusskundgebung kam es zu einem Zwischenfall, bei dem auf der Bühne der Grünen-Politiker Christian Ströbele von einigen TeilnehmerInnen ausgebuht und mit Eiern beworfen wurde. Ströbele ist einer der letzten Kriegsgegner der Grünen-Bundestagsfraktion und beklagte auch auf der Kundgebung den verstärkten Einsatz von „Killerdrohnen“ und die zunehmende Zahl illegaler Tötungen in Afghanistan. Er forderte einen sofortigen Waffenstillstand und Verhandlungen auch mit den Taliban.

Zeitgleich mit der Bonner Demonstration gingen in Frankfurt am Main über 300 Menschen pakistanischer Herkunft aus südwestlichen Bundesländern gegen den Afghanistankrieg und für den Abzug aller NATO-Truppen aus der Region auf die Straße. Anlass der kurzfristig einberufenen Protestaktion war der jüngste NATO-Luftangriff auf pakistanische Grenzposten, der zahlreiche Todesopfer verursacht und in Pakistan starke Unruhe ausgelöst hatte.

Das pakistanische Volk leide „mehr als alle anderen unter Terror und Krieg“ und habe „die Unterstützung der Regierung für die westliche Allianz mit mehr als 35.000 Toten durch Terrorismus bezahlt“. Der NATO-Krieg werde „scheitern, weil die Politik der Willkür und Einmischung in die inneren Angelegenheiten der Nachbarländer von den Bevölkerungen abgelehnt wird“, so der Aufruf. „Falls der Krieg in Afghanistan nach Pakistan ausgeweitet wird, wird die Welt am Abgrund einer Katastrophe stehen.“
Unter Beifall der Teilnehmer appellierten mehrere Redner an die Bundesregierung und alle politischen Parteien, die deutsche Beteiligung an den Kriegshandlungen in Afghanistan zu beenden und die Bundeswehreinheiten abzuziehen. Ebenso wurde die pakistanische Regierung aufgefordert, die bestehenden Geheimverträge mit den NATO-Ländern aufzukündigen.

Eine ausführliche Analyse zum Krieg in Afghanistan von der Redaktion Der Funke.

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