Britische Gewerkschaften unterstützen die Revolution in Venezuela

Der britische Gewerkschaftsdachverband TUC hat sich auf seinem Jahreskongress in Brighton einmütig für uneingeschränkte Solidarität mit der venezolanischen Revolution ausgesprochen. Damit hat sich erstmals in Europa ein nationaler Gewerkschaftsbund in dieser Frage klar positioniert. Diese Beschlussfassung ist das Ergebnis der systematischen Arbeit unserer Initiative "Hands off Venezuela" ("Hände weg von Venezuela")

Der britische Gewerkschaftsdachverband TUC hat sich auf seinem Jahreskongress in Brighton einmütig für uneingeschränkte Solidarität mit der venezolanischen Revolution ausgesprochen. Damit hat sich erstmals in Europa ein nationaler Gewerkschaftsbund in dieser Frage klar positioniert. Diese Beschlussfassung ist das Ergebnis der systematischen Arbeit unserer Initiative "Hands off Venezuela" ("Hände weg von Venezuela") in den Gremien der Einzelgewerkschaften im TUC. Orlando Chirinos, nationaler Koordinator der neuen und klassenkämpferischen venezolanischen Gewerkschaftsorganisation UNT, wurde vom Kongress mit stehenden Ovationen begrüßt.

 

Die über 1500 Delegierten, die 6,7 Millionen Mitglieder der Einzelgewerkschaft repräsentieren, nahmen den entsprechenden Entschließungsantrag einmütig an und brachten damit auch ihre Unterstützung für die UNT zum Ausdruck, die aus der Erfahrung mit der rechtslastigen und in den Putsch von 2002 verstrickten Führung des alten Gewerkschaftsbundes CTV heraus entstanden war. Die weltweite Solidaritätskampagne „Hands off Venezuela“ engagiert sich in Zusammenarbeit mit der UNT-Führung für gewerkschaftliche Solidarität mit der venezolanischen Revolution und hatte sich von Anfang an speziell für eine enge Zusammenarbeit mit der neuen venezolanischen Arbeiterbewegung und der UNT ausgesprochen.

 

Der entsprechende Antrag Nr. 79 wurde in Brighton von den Vertretern der Gewerkschaft NATFHE eingebracht, die die Lehrkräfte an den britischen Hochschulen organisiert. NATFHE hat sich schon bei ihren letzten beiden Konferenzen für eine Unterstützung der Venezuela-Solidaritätskampagne ausgesprochen. Der NATFHE-Vorsitzende John Wilkin begründete den Antrag mit einem Hinweis auf die konkreten Errungenschaften der bolivarischen Revolution und die Bedrohung durch die USA und regte an, auch in Großbritannien „ein Stück Bolivarismus“ zu verwirklichen. Wilkin kritisierte scharf das Zusammenspiel von CTV-Bürokratie und Unternehmerverband Fedecamaras beim gescheiterten Putschversuch im April 2002. Die Bolivarische Revolution bezeichnete Wilkin als eine Ermutigung für Kämpfer in aller Welt.

 

Antrag 79 wurde auch von den Vertretern der Lehrergewerkschaft AUT und der Eisenbahnergewerkschaften TSSA und ASLEF unterstützt. Der vom Kongress angenommene Zusatzantrag der TSSA forderte den TUC-Generalrat auf, direkte Kontakte mit der venezolanischen UNT aufzunehmen und damit einen größeren Informationsfluss über Gewerkschaftsfragen zu gewährleisten.

 

Mit dieser Beschlussfassung steht die TUC-Führung jetzt unter Zugzwang. Jeremy Dear, Generalsekretär der Journalistengewerkschaft NUJ und Mitbegründer von „Hands off Venezuela“ brachte es auf den Punkt: „Der TUC hat sich als erster europäischer Gewerkschaftsbund klar für die venezolanische Revolution positioniert.“ Der venezolanische Botschafter in London, Alfred Toro Hardy, hat inzwischen den Sprecher von „Hands off Venezuela“, Jorge Martin, zu diesem Abstimmungserfolg beim TUC-Kongress beglückwünscht, der „das Ergebnis einer dreijährigen ernsthaften Überzeugungsarbeit in den Gewerkschaften“ sei.

 

Die Beschlussfassung des TUC ist von besonderer Brisanz, weil der TUC ebenso wie der DGB und die meisten anderen großen Gewerkschaftsbünde dem Internationalen Bund Freier Gewerkschaften (IBFG) angehört. Bis zum heutigen Tage betrachtet die IBFG-Führung die CTV als ihre rechtmäßige venezolanische Sektion und zeigt der UNT die kalte Schulter. Nach der Beschlussfassung von Brighton könnte jetzt auch in den anderen IBFG-Gewerkschaften die Forderung nach Trennung von der CTV und voller Unterstützung für die UNT auf allen Ebenen neuen Auftrieb erhalten. Der DGB-Vorsitzende Michael Sommer machte im April bei einer Lateinamerikareise auch einen Zwischenstopp in Venezuelas Hauptstadt Caracas. Allerdings konnten wir trotz mehrfacher Nachfragen bis zum heutigen Tage nicht in Erfahrung bringen, ob Sommer dabei mit Vertretern der CTV über Strategien zum Sturz von Staatspräsident Hugo Chávez sprach oder gar hinter den Kulissen geheime Kontakte mit Vertretern der UNT knüpfte.

 

Hans-Gerd Öfinger

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