Aktienmärkte weltweit in Hektik

In den letzten Tagen ist es an den Aktienbörsen weltweit zu Kursstürzen gekommen. Es schien so, als ob alles in China angefangen habe. Die Regierung in Peking deutete an, dass Spekulationen an der Schanghaier Börse außer Kontrolle geraten würden und die Regierung sich gezwungen sehe, eine Sondersteuer auf Kapitalgewinne einzuführen. Das hatte einen Kursverfall von 10%, dem größten seit zehn Jahren, zur Folge.


In den letzten Tagen ist es an den Aktienbörsen weltweit zu Kursstürzen gekommen. Es schien so, als ob alles in China angefangen habe. Die Regierung in Peking deutete an, dass Spekulationen an der Schanghaier Börse außer Kontrolle geraten würden und die Regierung sich gezwungen sehe, eine Sondersteuer auf Kapitalgewinne einzuführen. Das hatte einen Kursverfall von 10%, dem größten seit zehn Jahren, zur Folge.



Es war schon eine Ironie, dass die chinesische Regierung dieses Signal aussandte. Erst sechs Monate zuvor hatte sie die Börse für Spekulanten geöffnet, indem sie Restriktionen gelockert und den Verkauf von Aktien aus Staatsbetrieben angekündigt hatte. Der Aktienmarkt stieg in einem halben Jahr um 100% an. Das zeigt auch, dass die von den so genannten "kommunistischen" Führern vollzogene Wende in Richtung Kapitalismus die chinesische Wirtschaft den Schwankungen der kapitalistischen Unbeständigkeit ausgesetzt hat.
Aber der Kurssturz auf den Aktienmärkten hat sich nicht nur auf China ausgewirkt. Er breitete sich schnell auf die Märkte in Japan, Europa und den USA aus. Die Kurse fielen hier um 3-4% am Tag, was eigentlich nicht besonders viel ist, aber doch schon bedeutungsvoll nach dem kontinuierlichen Anstieg seit dem letzten Sommer.

Dass ein Schluckauf in China eine Welle auf den Aktienmärkten weltweit zur Folge hat, beweist, wie sehr der Kapitalismus, besonders auf seinem finanziellen Sektor, globalisiert worden ist: wenn der Schmetterling in Peking mit den Flügeln schlägt, fällt der Schnee auf New York.
Das Problem wurde durch zwei zusätzliche Ereignisse verstärkt. Die gerade veröffentlichten Zahlen zur Wirtschaftslage in den USA deuten an, dass die US-Wirtschaft sich schneller abschwächen könnte als die Märkte erwarteten. Es hatte den Anschein, als ob das wirkliche Bruttoinlandsprodukt der USA im letzten Quartal nur um 2%, statt der vorher erwarteten 3,5%, gestiegen war.
Zusätzlich hielt der frühe Präsident der US-Notenbank Alan Greenspan eine Videorede vor Investoren in Hongkong (für die er 150.000 Dollar erhielt), in der er sagte, es bestünde 2007 die Möglichkeit einer wirtschaftlichen Rezession in den USA.

Das alles reichte aus, um den Investoren einen Schrecken einzujagen und sie dazu zu bewegen, ihre Aktien zu verkaufen. Gestern schien der US-Aktienmarkt sich zu stabilisieren. Aber heute hat sich der Kursabfall in China, Japan, Europa und den USA fortgesetzt.
Wie weit kann das gehen? Es hängt von der Analyse für die Ursachen dieses Rückschlages ab. Die Kapitalisten behaupten, die Grundlagen des kapitalistischen Wachstums seien in Ordnung: die Beschäftigung sei gut, die Profite seien gut, die Zinsen seien niedrig und die Inflation unter Kontrolle. Aus diesem Grund seien die Kursstürze auf den Aktienmärkten nur eine gesunde "Korrektur", die schnell beendet sei, ehe der Markt sich wieder zu erholen beginne, genau wie er es im letzten Sommer nach einer "Korrektur" tat.
So denkt die Mehrheit, auch der gegenwärtige Präsident der US-Notenbank Ben Bernanke, der Greenspan in dieser Funktion folgte. In einer Rede vor dem Kongress bemühte sich Bernanke gestern, dies auch den Senatoren zu erzählen. Daraufhin stabilisierte sich der US-Markt kurzzeitig.

Es gibt jedoch auch andere Experten, die behaupten, die Finanzmärkte der USA seien wegen der "übermäßigen" Kredite in der Wirtschaft zu hoch bewertet. Riesige Geldbeträge werden investiert um Gesellschaften durch so genanntes privates Beteiligungskapital (Private Equity) zu erwerben und um Kredite für den Erwerb von Eigentum und Aktien zu vergeben. Es wird kaum Geld für produktive Investitionen ausgegeben (die Investitionen in neue Fabriken oder Maschinen in den USA steigen kaum), es wird nur verschwendet.

Die Maßlosigkeit ist derart, dass jegliches Anzeichen, welches auf die Abschwächung bei den großen asiatischen Produzenten (besonders China) deutet und so die Inflation anheizen und das Wachstum weltweit abschwächen würde, zum Zusammenbruch der Aktienpreise führen und die Welt in eine Rezession treiben könnte.
Ich sehe das etwas anders. Der Schlüssel zum Verständnis des Gesundheitszustands des Kapitalismus ist die Wirtschaftlichkeit. Die Profite in den USA und der übrigen Welt sind seit der Rezession von 2001 in die Höhe geschossen. Große Teile dieser Profite sind nicht real (sie sind in Wirklichkeit Profite des Finanzkapitals, die von den produktiven Sektoren abgeschöpft wurden). Obwohl die Wirtschaftlichkeit in den letzten fünf Jahren gestiegen ist und höhere Aktienkurse zur Folge hatte, liegt sie immer noch unter dem Niveau von 1997.
Am wichtigsten jedoch ist die Tatsache, dass die Wirtschaftlichkeit im Sinken begriffen ist. Die Produktivitätssteigerung in den USA verlangsamt sich, während die Produktionskosten im Vergleich zum Wachstum der Erträge steigen. Durch den Preissturz auf dem Immobilienmarkt gehen die Erträge zurück. Außerdem sind die Kreditzinsen gestiegen, da die US-Notenbank den Zinssatz erhöht hat.
Die Gewinne werden in den nächsten Jahren stetig unter Druck geraten und die Begeisterung für den Aktienmarkt schwächen. Die Wirtschaftlichkeit wird schließlich auf ein Niveau fallen, das eine Wirtschaftsrezession und einen langfristigen Kursverfall an den Aktienbörsen hervorrufen könnte

Der gegenwärtige Kurssturz wird wahrscheinlich nicht zu einem Zusammenbruch oder einer direkten Wirtschaftsrezession führen. Er ist aber ein Hinweis auf eine zukünftige Verschlechterung des Gesundheitszustands des Kapitalismus, die sich in den nächsten Jahren entfalten wird.

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