Miliciana oder Hure? Die Rolle der Frauen im Spanischen Bürgerkrieg

In diesem Jahr jährte sich zum 70. Mal der faschistische Putsch Francos gegen die spanische Volksfrontregierung. Dem vorangegangen waren, seit der Gründung der 2. Republik 1931, Jahre verschärfter Klassenauseinandersetzungen, innerhalb derer nicht zuletzt auch Millionen von Frauen zum ersten Mal politisch aktiv wurden.

In diesem Jahr jährte sich zum 70. Mal der faschistische Putsch Francos gegen die spanische Volksfrontregierung. Dem vorangegangen waren, seit der Gründung der 2. Republik 1931, Jahre verschärfter Klassenauseinandersetzungen, innerhalb derer nicht zuletzt auch Millionen von Frauen zum ersten Mal politisch aktiv wurden.

Spanien war in den 1930er Jahren eines der rückständigsten Länder Europas, in dem die Reste des Mittelalters noch nicht beseitigt waren und die katholische Kirche einen enormen Einfluss besaß. Dem traditionellen Rollenbild entsprechend wurde dem weiblichen Geschlecht der private, häusliche Bereich zugeschrieben. Für so manche Frau auf dem Lande, die sich nicht außerhalb des Hauses Arbeit suchen musste, blieb der tägliche Kirchgang die einzige Möglichkeit Sozialkontakte zu knüpfen. Aus Armut waren aber viele Frauen gezwungen neben der Hausarbeit auch noch in der Landwirtschaft, der Textilindustrie oder als Dienstmädchen für reiche Familien zu arbeiten.

Zumindest seit der Gründung der 2. Republik im Jahr 1931 befand sich Spanien in einer Situation verschärfter Klassenauseinandersetzungen. Als im Juli 1936 faschistische Generäle unter der Führung Francos putschten - um im Interesse der Unternehmer und Großgrundbesitzer die „Ordnung“ wieder herzustellen – lösten sie damit einen Aufstand der ArbeiterInnen und armen Bauern aus, die umgehend den Kampf gegen die Faschisten aufnahmen. Damit hatte der Bürgerkrieg begonnen, der das Leben vieler spanischer Frauen radikal veränderte. In der Massenbewegung in den auf den Putsch folgenden Tagen spielten die Frauen eine bedeutende Rolle. Viele verließen zum ersten Mal den traditionellen Platz am Herd und begannen am gesellschaftlichen Leben und damit an gesellschaftlichen Kämpfen teilzunehmen. Sie kämpften Seite an Seite mit den Männern und teilweise mit der Waffe in der Hand für Freiheit und Revolution.
Generell fielen den Frauen aber trotzdem mehr ausführende als planende Aufgaben zu. Es war zu Beginn des Bürgerkriegs aber auch nichts Außergewöhnliches, wenn Frauen als Kämpferinnen in die antifaschistischen Milizen eintraten.

Damit hatte der Ausbruch des Bürgerkriegs das Leben der spanischen Arbeiterinnen, Bauern und Hausfrauen grundlegend verändert, das gesellschaftliche Frauenbild aber nur zum Teil. Auf dem Land übernahmen zwar im Laufe des Krieges immer mehr Frauen die Arbeit der Männer, die sich an der Front befanden - am Frauenbild änderte sich aber nicht viel und traditionelle Rollenbilder und Verhaltensweisen wurden kaum hinterfragt. Im Gegensatz dazu wurde in den städtischen Zentren (Barcelona, Madrid, Valencia...) ein neues Frauenbild propagiert. Dieses lässt sich heute noch gut an den Plakaten der linken Parteien und Gewerkschaften dieser Zeit erkennen. In den ersten Kriegsmonaten wurden auf den Plakaten Frauen zum ersten Mal „sichtbar“. Dabei dominierten anfangs Bilder von jungen milicianas (Milizkämpferinnen), den Frontkämpferinnen. Diese Bilder von Frauen in blauen Arbeitsoveralls und mit Gewehren in der Hand, die auf Plakaten dazu aufriefen, sich in die Milizen einzuschreiben, wurden zu einem Symbol des antifaschistischen Widerstandes. Auf ihnen wurde für alle sichtbar mit traditionellen Rollenbildern gebrochen.

Die Frauenorganisationen

Im Zuge der Revolution wurden von fast allen linken Parteien Frauenorganisationen gegründet. Alle hatten ähnliche Aufgaben: sie boten Alphabetisierungskurse und berufliche Ausbildungen (z.B. zur Krankenschwester) an, übernahmen (an der Front, in den Krankenhäusern...) unterstützende Tätigkeiten und organisierten Frauen politisch. Sie thematisierten Geburtenkontrolle, Abtreibung und Sexualität.

Die größte und einflussreichste Frauenorganisation in Spanien war die „mujeres antifascistas“ (antifaschistischen Frauen), die – obwohl mehrfach umbenannt - ihre Wurzeln in einer 1933 von der KP gegründeten Frauengruppe hatten. Auf dem Höhepunkt des Bürgerkrieges vereinte sie ca. 100.000 Frauen. Die „mujeres antifascistas“ hoben die Bedeutung der Mutter für Krieg und Heimat hervor und kratzten somit wieder kräftig am in der Revolution entstandenen neuen Frauenbild. Sie gaben sich zwar unparteiisch, waren aber in Wirklichkeit hauptsächlich gegründet worden, um Frauen in die KP zu bringen, deren Politik sie auch mittrugen. Das bedeutete hauptsächlich die Anwendung einer Volksfronttaktik, derzufolge KommunistInnen auch mit bürgerlichen Kräften gegen den Faschismus zusammenarbeiten müssten. Diese Politik des Klassenausgleichs erwies sich als Desaster (siehe Der Funke, Nr. 60: Die Spanische Revolution und die Republik 1931). Anstatt die soziale Revolution zu vertiefen, wurden ihre bisherigen Errungenschaften Stück für Stück zurückgenommen.

Am 3. Februar 1937 wurde erstmals eine Industriekollektivierung für illegal erklärt und der stalinistische Landwirtschaftsminister Vicente Uribe erdreistete sich sogar, kollektiviertes Land an die vormaligen Großgrundbesitzer als „staatliche Mitverwalter“ zurückzugeben. Es war diese Politik, die letztlich die soziale Basis der Spanischen Revolution untergrub und dem Faschismus den Weg ebnete.
Die zweitgrößte Frauenorganisation war mit ca. 40.000 Mitgliedern die anarchistische „mujeres libres“ (freie Frauen). Diese war aber nicht auf Ansinnen der anarchistischen Organisationen entstanden, sondern aus dem Kampf vieler Anarchistinnen, die sich von ihren männlichen Genossen missachtet und herablassend behandelt fühlten. Die „mujeres libres“ sahen die Beteiligung von Frauen an der Produktion nicht nur als notwendiges Mittel um den Krieg zu führen, sondern als Mittel zur Befreiung der Frau, zur Teilnahme am öffentlichen Leben.

Die Zurückdrängung der Frau

Hauptsächlich durch die Politik der KP, die ihre (bürgerlichen) Verbündeten in der Volksfront nicht abschrecken wollte, wurde alles was nach Revolution roch aufs schärfste bekämpft. Das bedeutete, dass der Enthusiasmus und die unabhängige Aktivität der Massen begrenzt werden musste. Das brachte auch aus der Sicht des Kampfes um Frauenbefreiung schmerzvolle Rückschritte.

Schon Anfang 1937 sind auf den antifaschistischen Plakaten kaum mehr Milizkämpferinnen zu sehen. Schon davor hatten es die Frontkämpferinnen nicht leicht gehabt. Auf ihnen lastete immer der Druck, sich als Frau beweisen zu müssen. Von Seiten der Faschisten wurden die milicianas besonders diffamiert und die Söldner Francos behandelten sie mit außergewöhnlicher Brutalität und setzten Vergewaltigung als Mittel der Erniedrigung ein. Viele milicianas verübten daher Selbstmord, bevor sie in die Hände der Faschisten fielen.

Als von Seiten der republikanischen Volksfront die Revolution zurückgedrängt wurde, wurden die Frauen nach und nach aus dem öffentlichen Raum verdrängt und zurück an den Herd geschickt. Allem voran musste die Achtung vor den milicianas zerstört werden. Zunächst wurde die Gefährdung der Frauen an der Front als Argument genommen. Bald aber wurden sie vom Symbol des heldenhaften Kampfes zum Zeichen der Entehrung der Front gemacht. Teilweise wurde sogar behauptet, dass alle Frauen an der Front Prostituierte wären. Aus diesem Vorwurf ergab sich die von der republikanischen Regierung an die männlichen Frontkämpfer gerichtete Warnung vor den milicianas, die Geschlechtskrankheiten verbreiten und dadurch die Kampfkraft der Antifaschisten schwächen könnten. Ein Grund für die Abwertung der milicianas war, dass die Bilder von kämpfenden Frauen bei anderen europäischen Regierungen - die besonders die KP im Interesse der sowjetischen Außenpolitik nicht verstimmen wollte - auf Missfallen gestoßen waren.

Mit jedem Schritt zurück, den die spanische Revolution – hauptsächlich aufgrund des Verrats durch die Stalinisten – machen musste, wurde das neue Frauenbild mehr zerstört. Die Frauen an der Front hatten deshalb bald wieder mit dem Misstrauen von Seiten ihrer Genossen zu kämpfen und sie wurden nach und nach aus der Miliz verdrängt. Der englische Spanienkämpfer und Schriftsteller George Orwell schreibt 1937 in „Mein Katalonien“ treffend: „Einige Frauen dienten noch immer in der Miliz, aber nicht mehr viele. In den ersten Schlachten hatten sie ganz selbstverständlich Seite an Seite mit den Männern gekämpft. Während einer Revolution scheint das eine natürliche Sache zu sein. Jetzt aber änderten sich die Ansichten schon.“

Schließlich wurden die Frauen wieder in den privaten Raum verbannt. Auch das ist an den Propagandaplakaten schön abzulesen: Diese zeigten Frauen bald nur noch als von den Faschisten verstümmelte Opfer, die es zu retten galt. Schließlich wurden Ende 1936 die Milizen der linken Organisationen zu einem Heer zusammengefasst, das der Volksfrontregierung unterstellt wurde. Damit wurden die letzten Frauen von der Front verdrängt.

Rückblickend kann gesagt werden, dass durch die Revolution und die damit verbundene Aktivität der Massen alle Arten von Herrschaftsverhältnissen - so auch die Geschlechterverhältnisse - grundlegend in Frage gestellt wurden. Die Revolution beflügelte auch den Kampf um Frauenbefreiung. Als die revolutionäre Bewegung insgesamt eine Niederlage erlitt oder sich auf dem Rückzug befand, hatte diese auch für den Kampf um Frauenbefreiung verheerende Auswirkungen.

Literatur:
C.Krasser/J.Schmück (Hg.), Frauen in der Spanischen Revolution 1936-39
Mary Low/Juan Brea, Rotes Notizbuch

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