Finanzkrise nimmt Fahrt auf

Wieder rollt eine Schockwelle über die Finanzmärkte hinweg, sie ist größer und wuchtiger als alle anderen zuvor. Zwei Wochen nach der Verstaatlichung des halben Marktes für Wohnungsdarlehen in den USA geht mit Lehman Brothers die drittgrößte US-amerikanische Investmentbank mit ihrer 158-jährigen Geschichte Pleite – und 25.000 Beschäftigte verlieren ihren Job. Auch die weltgrößte Investmentbank Merrill Lynch steht vor der Insolvenz und flüchtet sich deshalb in die Arme der Bank of America. Die weltgrößte Versicherung AIG stand kurz vor dem Zusammenbruch, bevor sie dann von der US-Regierung „gerettet“ wurde. Die US-amerikanische Notenbank Fed gewährt dem angeschlagenen Riesen einen Kredit von 60 Milliarden Euro.


Wieder rollt eine Schockwelle über die Finanzmärkte hinweg, sie ist größer und wuchtiger als alle anderen zuvor. Zwei Wochen nach der Verstaatlichung des halben Marktes für Wohnungsdarlehen in den USA geht mit Lehman Brothers die drittgrößte US-amerikanische Investmentbank mit ihrer 158-jährigen Geschichte Pleite – und 25.000 Beschäftigte verlieren ihren Job. Auch die weltgrößte Investmentbank Merrill Lynch steht vor der Insolvenz und flüchtet sich deshalb in die Arme der Bank of America. Die weltgrößte Versicherung AIG stand kurz vor dem Zusammenbruch, bevor sie dann von der US-Regierung „gerettet“ wurde. Die US-amerikanische Notenbank Fed gewährt dem angeschlagenen Riesen einen Kredit von 60 Milliarden Euro.



Staatseingriffe

Während die US-Regierung Lehman Brothers untergingen ließ, handelte sie beim Versicherungsriesen in letzter Sekunde, da sie massive Auswirkungen auf die weltweiten Finanzmärkte befürchtete. AIG hat fast 20 Milliarden Dollar Verluste angehäuft. Die Aktie des Versicherers verlor seit Jahresbeginn mehr als 90 Prozent ihres Werts. Die US-amerikanische Regierung übernimmt knapp 80 Prozent der Kontrolle an dem Konzern und erhält ein Veto-Recht bei der Ausschüttung der Dividende.

Bislang sind schon zahlreiche Banken vom Staat gerettet worden. Mehrere Regierungen haben so eingegriffen, um einen Kollaps des Finanzsystems zu verhindern. Die Bundesregierung hat 10 Milliarden Euro für die Rettung der privaten Bank IKB ausgegeben. Die britische Regierung hat die Hypothekenbank Northern Rock verstaatlicht. Und die US-amerikanische Regierung hat mit einem Notkredit zuerst die Investmentbank Bear Stearns gerettet und danach die Immobilienfinanzierer Fannie Mae und Freddie Mac verstaatlicht, um einen Kollaps des Immobilienmarktes zu verhindern.

Die US-Regierung kann aber nicht unbegrenzt Rettungsaktionen zugunsten notleidender Kapitalisten durchführen. Milliarden wurden bereits ausgeben und die immense Staatsverschuldung der USA erhöht sich weiter. Das stößt an Grenzen.

Spekulation und Kapitalismus

Die Finanzmarktkrise hat ihren Ursprung in einer großen Spekulationsblase auf dem US-amerikanischen Häusermarkt, aus der eine Liquiditätskrise unter Banken wurde. Daraus folgte eine Kreditklemme mit steigenden Kosten für Gläubiger, was schließlich den Wirtschaftsabschwung verschärfte. So erhalten Unternehmen keine Kredite mehr von Banken, da diese selber erst neues Geld benötigen. Sie haben in den letzten Jahren durch Spekulation viel Geld verloren und müssen diese Verluste nun abschreiben. Deshalb schränken sie die Kreditvergabe ein. Sie müssen sich nach neuem Kapital und Investoren umsehen. Deshalb haben sie auch den in die Krise geratenen Banken nicht geholfen. Die US-Banken haben bislang 250 Milliarden Dollar an Abschreibungen („Wertberichtigungen“) vorgenommen. Die Finanzkrise wird aber Kreditausfälle von rund einer Billion Dollar verursachen. Wer gibt aber in dieser Situation den Banken Kapital – und wer den Unternehmen Kredite?

Weitere Banken werden Pleite gehen. Die Finanzmarktkrise wird weitere Kreise ziehen. Und sie betrifft nicht nur Broker, die Geld an der Börse und ihre Jobs verlieren. Sie wird den reichen Spitzenmanagern kaum etwas antun können, die hohe Abfindungen und intakte Alterspensionen erhalten. Die Krise trifft jedoch Zehntausende, die ihren Lohn in Aktien der Banken steckten, in denen sie arbeiteten, und diese Aktien sind jetzt nichts mehr wert.

Außerdem wird der Zusammenbruch des Finanzsektors zu einem spürbaren Wirtschaftsabschwung führen. Die USA, Großbritannien, Europa und Japan befinden sich bereits im Abschwung, die Gefahr einer Rezession ist groß. Das bedeutet: Unternehmen gehen bankrott, Erwerbslosigkeit und Inflation steigen an.
Der Kapitalismus wird aber nicht „von selbst“ zusammenbrechen – es sei denn, eine Regierung käme an die Macht, die der Herrschaft des Kapitals ein Ende bereitet.

Der Kapitalismus wird mit aller Gewalt auf eine Wiederherstellung der Rentabilität drängen. Die Konsequenzen werden viele von uns spüren: durch den Verlust vieler Arbeitsplätze und das Auslöschen ganzer Unternehmen, die durch größere oder wirtschaftlich stärkere verdrängt werden. Dieser Prozess hat im Finanzsektor begonnen und wird sich in der gesamten kapitalistischen Wirtschaft ausdehnen.



Zum Weiterlesen auf www.derfunke.de:

Hedge Fonds, Spekulation und Kapitalismus
Pest oder Cholera? Bürgerliche Wirtschaftspolitik in der Krise
Jenseits von Hayek und Keynes: Eine wirtschaftliche Interpretation der wirtschaftlichen Entwicklung

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