Währungskriege - Was kommt danach?

Obwohl sie alle erklärt haben, dass sie ihre Lektion aus den 1930er Jahren gelernt haben, betreiben die herrschenden Klassen erneut die gleiche Politik, die sich vor 80 Jahren als so katastrophal erwiesen hat. Tiefgreifende Spannungen innerhalb des Internationalen Währungsfonds (IWF) sind kürzlich aufgrund von Währungsmanipulationen aufgetreten, da einzelne Länder Maßnahmen ergreifen, um ihre eigenen nationalen Interessen gegen ihre Rivalen zu verteidigen. Wie Verbrecher teilen sie sich die Beute in den "guten Zeiten", aber wenn die Zeiten problematischer werden, springen sie sich gegenseitig an die Gurgel.


Obwohl sie alle erklärt haben, dass sie ihre Lektion aus den 1930er Jahren gelernt haben, betreiben die herrschenden Klassen erneut die gleiche Politik, die sich vor 80 Jahren als so katastrophal erwiesen hat. Tiefgreifende Spannungen innerhalb des Internationalen Währungsfonds (IWF) sind kürzlich aufgrund von Währungsmanipulationen aufgetreten, da einzelne Länder Maßnahmen ergreifen, um ihre eigenen nationalen Interessen gegen ihre Rivalen zu verteidigen. Wie Verbrecher teilen sie sich die Beute in den "guten Zeiten", aber wenn die Zeiten problematischer werden, springen sie sich gegenseitig an die Gurgel.

"Jeder, der die Weltwirtschaftskrise in den 1930er Jahren analysiert hat, sieht es als Fakt an, dass der ökonomische Nationalismus in dieser Zeit eine bereits schlimme Situation noch verschlechtert hat. Das Wetteifern um Abwertungen in dieser Periode und die Bemühungen Exporte anzukurbeln und Importe einzuschränken bedeuteten eine ernsthafte Beeinträchtigung des Welthandels zu einer Zeit, die schließlich alle ärmer machte - deshalb wurde diese Politik als Beggar-thy-neighbour-Ökonomie (Bring' deinen Nachbarn an den Bettelstab) bekannt." (Business, Evening Standard, 12.10.2010)

Da verschiedene Staaten darum rangeln den Status quo zu erhalten und ihre Exportmärkte zu verteidigen, wird ein gefährlicher Wettlauf nach unten in der Wechselkurspolitik, bei dem jede Währung versucht gegen die andere abgewertet zu werden, vorbereitet. D. h. jedes Land versucht billigere Exporte und teurere Importe durchzusetzen. Der brasilianische Finanzminister Guido Mantega platzte mit dem heraus, was alle anderen dachten, die Welt befindet sich mitten in einem Währungskrieg.

Stellungskrieg

Insbesondere die Feindseligkeiten zwischen Washington und Peking sind zu einer Art Stellungskrieg eskaliert. Wenn es sich hierbei auch nicht um einen echten Krieg handelt, so sind sie doch am Rande eines ausgemachten Währungskriegs. Salven sind abgeschossen worden. Die US-Imperialisten werfen den Chinesen Währungsmanipulationen vor, weil diese sich weigern, den Wert des Renminbi aufzuwerten (was ihre Exporte teurer machen würde). Die Chinesen haben im Gegenzug die USA wegen ihrer enorm lockeren Geldpolitik angegriffen, die zu einer Destabilisierung bei der Kapitalabwanderung geführt hat.

Die Japaner, die mit einer rückläufigen Konjunktur zu kämpfen haben, haben mit einer Salve interveniert, um den Wert des Yen niederzuhalten und ihre Exporte zu steigern. Die Brasilianer wenden eine Guerillataktik an, um die Aufwertung des Real zu stoppen, nachdem sie sich beschwert hatten, dass Pekings Währung ihren Exporten Schaden zufügten. Aber sie dürfen nicht so laut aufschreien da Peking ihr größter Kunde ist. Die Südafrikaner ergreifen einseitige Maßnahmen um ihre Märkte zu schützen. In der Zwischenzeit haben Indien und Thailand gedroht, "schwere Geschütze" ins Spiel zu bringen.

Eine Welle von "Fluchtkapital" nach Thailand (wo Spekulanten schnelle Gewinne machen wollen) hat den thailändischen Bhat auf den höchsten Stand gegenüber dem Dollar seit vor der Asienkrise 1997- 98 gebracht. Die Geschwindigkeit, mit der Geld auf die asiatischen Märkte fließt, ist atemberaubend. Das hat die thailändische Regierung gezwungen, eine 15prozentige Steuer auf Kapitalgewinne und Anleihen zu verhängen, um so die Flut abzuwehren. Solche Maßnahmen werden sich als zwecklos herausstellen, da der Geldzufluss nicht zu stoppen ist. Die milliardenschweren Spekulanten, wie George Soros, sind fest entschlossen, ihren Anteil zu gewinnen, indem sie gegen verschiedene Währungen "wetten".

Die Grenzen des Kapitalismus

Mit den Überkapazitäten in der gesamten Weltwirtschaft investieren die Kapitalisten ihr Geld in alles Mögliche, nur nicht in die Produktion. Das zeigt erneut die Grenzen des Kapitalismus, in dem die Produktivkräfte über den Nationalstaat und das Privateigentum an Produktionsmitteln hinausgewachsen sind. Die Welt wird mit "Überschussliquidität" überflutet, Geldkapital, das nach vorteilhafter Kapitalanlage sucht. Warum sollte man in Industrien investieren, die bereits durch Überproduktion gesättigt sind, wenn man mit Währungen spekulieren und Milliarden verdienen kann? Diese so genannte "Finanzialisierung" durch den Kapitalismus, eine Widerspiegelung der Sackgasse, in der er sich befindet, ist auf Krisen und Instabilität gebaut, wie wir momentan sehen können. Riesige Mengen von fiktivem Kapital (Papiervermögen, das nicht durch reale Werte abgedeckt ist) schwappen durch die Weltökonomie wie lockere Fracht auf einem Schiffsdeck, die bei jeder Drehung Löcher in die Schiffseite schlagen. Solche faulen Kapitalanlagen drohen - wie während der Kreditkrise - das Finanzkartenhaus zum Einsturz zu bringen.

Das Ausmaß des Finanzpokers ist wirklich erstaunlich. Als Devisenkontrollen abgeschafft wurden, stieg der Devisenhandel von 70 Mrd. Dollar Anfang der 1980er Jahre auf 550 Mrd. Dollar 1988 und auf 3,2 Billionen Dollar 2007 täglich. Die Hälfte davon sind Derivate, Finanzhexerei, bei der Geld aus Geld gemacht wird. Währungen werden weiterverkauft, getauscht oder es wird auf zukünftige Preise gewettet.
Um das Ganze ins rechte Licht zu führen: 2007 umfasste das weltweite Bruttosozialprodukt 65 Billionen Dollar. Der Gesamtwert von börsennotierten Unternehmen betrug 63 Billionen Dollar. Aber der Gesamtwert der Derivate belief sich 596 Billionen Dollar und war damit acht Mal so hoch wie der Wert der Realökonomie. Der Gesamtwert der Währungen, der gehandelt wurde, betrug 1,168 Billiarden Dollar und war 17 Mal höher als das weltweite BSP. Der größte Teil davon ist eindeutig fiktives Kapital, das nicht durch wirkliche Sicherheiten gedeckt wird. Diese gesamte irrsinnige Struktur hat die Tatsache, dass ohne die reale Produktion keine Werte geschaffen werden, vollkommen aus den Augen verloren. Sie sind das Phantom der Fantasie", um den von Marx verwendeten Ausdruck zu verwenden.

Bei einem Versuch, die Krise in den Griff zu bekommen, haben laut IFR Markets, die Zentralbanken in Südkorea, Malaysia, Indonesien, Thailand und Taiwan zwischen dem 27. September und dem 11. Oktober gemeinsam 28,7 Mrd. Dollar gekauft. Das war ein Versuch zur Stärkung des Dollar und zur Erhaltung ihrer Wettbewerbsfähigkeit. Aber diese Maßnahme hat nichts geändert. Diese Währung steigt im Verhältnis zum US Dollar und macht ihre Exporte teurer.

Handelsdefizit

Die US-Amerikaner wollen, dass die Chinesen ihre Währung aufwerten, damit der Dollar fallen kann und es so der Weltwirtschaft ermöglicht wird, wieder "ins Gleichgewicht zu geraten". Für sie bedeutet dies, dass die Chinesen ihre Exporte zurückfahren und den Import US-amerikanischer Waren steigern sollen. Das zunehmende US-Handelsdefizit trägt zu dem Druck bei. Die Chinesen haben diese Probleme nicht. Sie wollen ihre Exporte behaupten und weiter steigern, um ihre hohen Wachstumsraten zu erhalten. Wenn ihnen das nicht gelingt, stehen ihnen Fabrikschließungen, soziale Unruhen und eine steigende Instabilität bevor. Sie wollen das um jeden Preis vermeiden, denn sie haben erst kürzlich eine Reihe von Streiks und Fabrikbesetzungen in ihrem Land erlebt.

Die größte Macht, welche den Dollar untergräbt ist die US-Notenbank Federal Reserve (FED) mit dem Ziel, die US-amerikanischen Exporte konkurrenzfähiger zu machen. Paradoxerweise ist die Volksbank Chinas der größte Verteidiger des Dollar, die versucht, das genaue Gegenteil zu machen. Die schwächelnde US-Wirtschaft hat die FED dazu gebracht, über eine neue Phase der quantitativen Lockerung nachzudenken, die zur Inflation führen, den Dollar schwächen und den US-Exporten helfen könnte. Die Abwertung des Dollar hat den Gold- und Silberpreis rapide ansteigen lassen, weil die Spekulanten ihr Geld in sichere Häfen investiert haben. Die Zentralbanken weltweit sind dieses Jahr zum ersten Mal seit 1988 bereit, Nettokäufer von Gold zu sein. Dieser Schnellschuss nach Sicherheit hat auch dazu beigetragen, den Euro als verlässlichere Reservewährung aufzuwerten, ganz zum Ärger der Europäer.

"Fast alles ist besser als Papiergeld … jeder Dummkopf kann eine Druckmaschine bedienen", erklärte der frühere Öl-Milliardär Nelson Bunker Hunt. Der Dummkopf in diesem Fall ist die US-Regierung.
Ein Währungskrieg zwischen den kapitalistischen Mächten könnte in einem Retourkutschen-Protektionismus ausarten, da alle versuchen, ihre Exporte auf Kosten ihrer Mitbewerber zu steigern. Die US-Wirtschaft verliert an Tempo, ebenso die Industrieproduktion in Asien. Europa bleibt fest in der Flaute. Damit besteht die Gefahr, dass es an einem bestimmten Punkt zu einem kompromisslosen Handelskrieg zwischen den konkurrierenden Mächten kommt.

Dieser zunehmende Widerspruch entsteht aus der schrecklichen ökonomischen Lage im Weltmaßstab, in der jedes Land versucht durch die Steigerung seiner Exporte vor seinen Problemen zu flüchten. Sie wollen, dass ihre Konkurrenten die Last tragen. Es ist klar, dass nicht jeder dies zur selben Zeit tun kann, aber sie alle bestehen darauf.
Die Aussichten auf eine weitere quantitative Lockerung in den USA und Britannien, die eine Schwächung ihrer Währung zur Folge hätte, hat die Spannungen erhöht. Der daraus resultierende Zufluss von Überschusskapital in die Schwellenländer übt Druck auf deren reale Wechselkurse aus und zwingt diese dazu, eigene Abwertungen vorzunehmen. Dabei handelt es sich in der Tat um einen glitschigen Abhang.
Sticheleien von Wen Jiabao, dem chinesischen Premierminister, Jean-Claude Trichet, dem Chef der EZB und Jean-Claude Juncker aus der Gruppe der EU-Finanzminister und anderen haben die Spannungen zum Kochen gebracht. Die Europäer schwanken hin und her, je nach der jeweiligen Stärke des Euro. Der schwache Euro war ihnen, und besonders den Deutschen, von Vorteil. Sein jüngster Anstieg hat dazu geführt, dass vermehrt europäische Stimmen gegen China laut wurden, mit dem sie ein großes bilaterales Handelsdefizit haben.

Vergeltung

Die USA haben keine Skrupel. Das Repräsentantenhaus stimmte unlängst für ein Gesetz, das es erlauben würde, als Rache für den unterbewerteten ("manipulierten") Renminbi chinesische Importe zu blockieren. Das Wirtschaftsministerium plant, Steuern auf chinesische Waren zu schlagen, die als "unterbewertet" betrachtet werden. Dabei handelt es sich um eine verwässerte Version des Schumer-Graham-Plans, der alle chinesischen Importe mit einer 27,5prozentigen Steuer belasten wollte - das ist ein klarer Verstoß gegen die Regeln der Welthandelsorganisation. "Sie betrügen, um uns die Jobs zu stehlen", sagte Mike Rogers, ein Mitglied des Repräsentantenhauses aus Michigan. Momentan gibt es eher Drohungen als eine Kriegserklärung.

Trotz aller Interventionen haben die Zentralbanken wenig Einfluss ihre steigenden Währungen gegen den fallenden Dollar zurückzuhalten. Der japanische Yen befand sich Mitte Oktober auf einem 15jährigen Hoch gegenüber dem Dollar, obwohl 25 Mrd. Dollar ausgegeben worden waren, um die eigene Währung zu senken. Das Gleiche trifft auf die Währungen von Thailand, den Philippinen und Malaysia zu. Mit einer möglichen quantitativen Lockerung wird der Dollar, der seit Anfang September um mehr als sechs Prozent gefallen ist weiter an Wert verlieren.

Das hat den Währungsspekulanten weltweit einen unerwarteten Wohlstand verschafft. Sie haben Milliarden eingesetzt und gegen den Yen und andere Währungen spekuliert.
Offenkundig ist kein Waffenstillstand in Sicht. "Der jetzige Scheinkrieg könnte schnell zu einem Nahkampf werden", erklärte The Economist. "Die Bedingungen, die das Auseinandergehen in der Wirtschaftspolitik - besonders das schwerfällige Wachstum in der reichen Welt - vorantreiben, scheinen noch jahrelang anzuhalten." (16. Oktober). Der ökonomische Stellungskrieg wird weitergehen und an Stärke zunehmen. Dieser Krieg der Worte könnte in einen umfassenden Handelskrieg ausarten und die Weltwirtschaft in eine neue Weltwirtschaftskrise führen. Die herrschenden Klassen rodeln mit geschlossenen Augen in ein Unglück.

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