Kategorie: Ökologie

Umweltfrage ist Klassenfrage

Die 15-jährige Greta Thunberg hielt auf der Klimakonferenz der Vereinten Nationen eine packende Rede, die große Begeisterung für die Weitsicht einer Schülerin erzeugte und die Debatte um den Klimawandel neu in den Vordergrund beförderte. Ihrem Aufruf zu Demonstrationen folgten Schülerinnen und Schüler an 270 verschiedenen Orten in 17 Ländern. Mittlerweile gibt es wöchentliche Proteste.


Das Problem des Klimawandels und die damit verbundenen Gefahren sind natürlich nicht mehr zu leugnen und immer mehr Menschen sehen ein reelles Problem darin. Doch was sollen wir tun? Mit der Initialisierung dieser Proteste hat Greta Thunberg schon jetzt bessere Schlüsse gezogen als viele Grüne und Linke, die sich hinter ihren aussichtslosen Zukunftsvorstellungen verstecken. Wer heute noch leugnet, dass insbesondere die Jugend höchst empfänglich für sensible politische Themen ist und ein hohes Radikalisierungspotenzial besitzt, sollte dringend in der Realität ankommen.

Kapital und herrschende Politiker sind geneigt, davon abzulenken, wer für eine drohende Umweltkatastrophe verantwortlich ist - nämlich ihre kapitalistische Produktionsweise. Alibimäßig werden Klimagipfel ohne Ergebnisse abgehalten, und der Bevölkerung ein schlechtes Gewissen eingeredet, wenn sie Plastikprodukte oder Fleisch konsumieren. Auch in dem Punkt halten die nationalen herrschenden Klassen zusammen.

Die Anhänger des Ökologismus, wie kleinbürgerliche Grüne und (Links)liberale, knüpfen prinzipiell genau daran an. Der Ökologismus ist eine Ideologie, welche die Umweltprobleme auf individuelles Fehlverhalten zurückführt, sie getrennt vom Wirtschaftssystem und anderen von ihm produzierten Problemen sieht und demnach auch getrennt davon lösen will. Dabei kommt es den Anhängern häufig nur darauf an "etwas zu tun", ungeachtet der Auswirkungen ihrer zum Scheitern verurteilten Maßnahmen. Es lässt sich sagen, dass der Ökologismus unterm Strich nicht mehr als ein Identitätsinstrument ist, mit dem sich moralisch über andere Menschen gestellt wird.
Anstatt den Kampf für den Umweltschutz mit den sozialen Kämpfen zusammenzuführen, die Eigentumsverhältnisse und das Wirtschaftssystem, das Tonnen von CO2 für Unternehmensprofite ausstoßen lässt, anzugreifen, wird der ideologische Kampf der Herrschenden mitgeführt. Sie erzeugen einen künstlichen Widerspruch zwischen Interessen der Lohnabhängigen und dem Umweltschutz. Sie werden sich jedes Mal für Stellenabbau, wie in der Kohle- oder Autoindustrie der Fall, stark machen, und nicht weniger als die bürgerlichen Interessen in der Arbeiterbewegung und ihren Organisationen verbreiten. Am Ende werden sie nichts erreicht haben, außer Arbeitslosigkeit. Währenddessen freuen sich die Wirtschaftsvertreter, dass ihre Austeritätspolitik und speziell die Streichung von Arbeitsplätzen legitimiert wird.

Auch am Beispiel Hambacher Forst haben wir gesehen, dass Grüne, Teile der Linken und Teile der Arbeiterklasse auf unterschiedlichen Seiten standen. Linke und Gewerkschafter saßen der Frage "Arbeitsplätze oder Umwelt" auf. Eine Frage, die sich nicht stellt, wenn man das Problem bei der Wurzel packt. Das Ergebnis dieser Gegenüberstellung ist stets der aufgegangene Plan der Herrschenden - die Spaltung der Arbeiterklasse. Menschen im selben Boot demonstrieren gegeneinander, statt gegen ihrer beider Feind und Ausbeuter. Befeuert durch die Gewerkschaftsbürokratie, Parteiführungen und jene Kleinbürger, die letztlich nichts anderes tun, als Arbeiter und arme Menschen zum Problem und zur Ursache der Umweltprobleme erklären - Menschen, die auf ihren Job angewiesen sind, um sich und ihre Familie zu ernähren; Menschen, die es sich nicht leisten können das doppelte oder dreifache für Biolebensmittel zu zahlen; Menschen, die auf ihr Auto angewiesen sind, um zur Arbeit zu pendeln und eben nicht aufs Fahrrad umsteigen können;....

Die Ironie der kleinbürgerlichen Ideologen, die den Zusammenhang zwischen Kapitalismus und Umweltzerstörung negieren, ist, dass sie der utopistischen Auffassung sind, dass wenn nur immer mehr und schließlich alle Menschen ihrem grünen Lebensstil folgen, die Umwelt gerettet würde. Dabei leisten sie keine Agitationsarbeit und erheben nur stets den moralischen Finger über die bösen und eigentlich größtenteils "dummen" Arbeiter, an die sie ohnehin nicht glauben.

Auf der anderen Seite halten sie es aber für undenkbar und absolut realitätsfern, dass sich Massen von Arbeitern etwa zu einem Generalstreik zusammenfinden und gegenseitig mobilisieren. Sie halten Massenproteste gegen die Regierung für unmöglich. Sie sehen keine Notwendigkeit und Interesse, Kämpfe von Arbeitern aus unterschiedlichen Branchen und Studierendenkämpfe zusammenzuführen. Sie halten es für undenkbar, dass Menschen Schlüsse ziehen werden, Probleme erkennen können und das System, dass die Umwelt und sie selbst zerstört, dahin befördern, wo es hingehört: Auf den Müllhaufen der Geschichte.

Am Ende des Tages bleibt nur die Offenbarung, dass Liberalismus aller Farben keine Lösungen für den Stopp des Klimawandels anzubieten, und in der Debatte nichts als sozialchauvinistische Phrasen im Sinn und Stil des Kapitals in der Krise hervorzubringen hat.

„Wir sind nicht hierhergekommen, um die Regierungschefs dieser Welt anzubetteln diese Änderungen durchzuführen. Ihr habt uns in der Vergangenheit ignoriert und werdet uns auch in der Zukunft ignorieren. Euch gehen die Ausreden aus und uns die Zeit.“ - Ein wichtiger Aspekt, den Greta Thunberg verstanden hat. Es wird keinen gesetzlichen Umweltschutz geben. Wir brauchen eine demokratisch geplante Wirtschaft, die für die Gesellschaft produziert, nicht für die Profite der Eliten - „Unsere Zivilisation wird dafür geopfert, einer sehr kleinen Anzahl an Menschen die Möglichkeit zu geben, enorme Mengen an Geld zu machen“, sagt Greta Thunberg. Und sie fügt hinzu: „Wenn die Lösungen in diesem System so unmöglich zu finden sind, sollten wir das System selbst ändern.“

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