Kategorie: Antifaschismus

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Kampf gegen Faschismus und Rassismus - aber wie?

Der Nazi-Aufmarsch in Dresden am 13. Februar 2010 hat eine breite Gegenmobilisierung ausgelöst. Tausende Antifaschistinnen und Antifaschisten werden am Samstag in Dresden erwartet, um sich den Nazis in den Weg zu stellen. Im letzten Jahr sind 7.000 Nazis durch Dresden marschiert und haben Deutschland als „Opfer des Zweiten Weltkriegs“ dargestellt. Dies gilt es mit vereinigten Kräften zu verhindern!
Wie kann sich die Linke erfolgreich gegen faschistische Tendenzen in der Gesellschaft zur Wehr setzen?




Für uns bedeutet Antifaschismus nicht nur überall gegen Rechts aufzutreten, sondern auch die Bekämpfung des Kapitalismus, der durch seine Krisen den Boden für fremdenfeindliche Stimmungen vorbereitet. Den antifaschistischen mit dem antikapitalistischen Kampf zu verbinden ist das Gebot der Stunde.

Krise des Kapitalismus

In Deutschland wie auch auf Weltebene erleben wir gerade einen Angriff des Kapitals auf den Lebensstandard breiter Teile der Bevölkerung: Massenarbeitslosigkeit, Privatisierung öffentlicher Dienstleistungen und soziale Einschnitte sind für viele existenzbedrohend.

Die internationale Situation, die von der Wirtschaftskrise und ihren sozialen Folgen geprägt ist, verunsichert die Menschen. Sie werden sich immer bewusster, dass sie es sind, die für die Krise bezahlen müssen. Seit Jahren hat sich eine ungeheure Unzufriedenheit mit den herrschenden Verhältnissen angestaut, die infolge der Krise weiter zunehmen wird.

Die Krise des Kapitalismus führt im Allgemeinen zu einem gesellschaftlichen Trend nach links. Dies sehen wir ganz offen in Lateinamerika, aber auch die Gründung der LINKEN ist Ausdruck dieser Entwicklung. Im allgemeinen Klima der Instabilität entstehen gleichzeitig mit der grundlegenden Tendenz nach links aber auch Bewegungen nach rechts, d.h. es kommt zu einer Polarisierung der Gesellschaft. In vielen Ländern ist dieses Klima ein Nährboden für Rassismus und alle möglichen Spielarten extrem rechter und faschistischer Organisationen. Die zahlreichen Arbeitsimmigranten, die im Aufschwung als billige Arbeitskräfte angeheuert wurden, dienen in vielen europäischen Ländern den rassistischen Demagogen und ihren Unterstützern im Großkapital als Sündenbock für die Krise des Systems.

Warnschüsse gegen die Linke und die Arbeiterbewegung

Anfang der 1990er Jahre kamen Nazis mit Anschlägen auf Asylbewerberheime in die Schlagzeilen. Mit der NPD hat die faschistische Bewegung jedoch eine neue Qualität erreicht. Die NPD versucht die verschiedenen zersprengten Strömungen und Gruppierungen der faschistischen Bewegungen, von Skinheads über die Kameradschaften bis zu den Burschenschaften und Landsmannschaften, zu einer schlagkräftigen Kraft nach dem traditionellen Vorbild der NSDAP zu formen.

Übergriffe auf Immigranten sind zwar nach wie vor an der Tagesordnung, die NPD orientiert sich aber auch vermehrt auf den Kampf gegen die organisierte Arbeiterbewegung und linke Jugendliche. Schon beim Bauarbeiterstreik 2003 sind in Berlin Nazischläger gegen streikende Bauarbeiter vorgegangen. Im Herbst 2004 versuchten NPD und DVU in Ostdeutschland die Montagsdemonstrationen gegen Hartz IV zu übernehmen, durch Anmeldung von eigenen Demonstrationen zu verhindern oder sogar mit Gewalt zu sprengen.

Die Aufmärsche der NPD am 1. Mai können nur als offene Kriegserklärung an die organisierte Arbeiterklasse aufgefasst werden. Der Trend, dass sich die faschistische Aggression mehr und mehr gegen organisierte Lohnabhängige und kritische Jugendliche richtet, ist seit einigen Jahren europaweit zu beobachten. So wurden in Italien seit dem Jahr 2000 Attentate auf Linke verübt. In Mailand gab es eine Serie von Brandanschlägen gegen Jugendzentren. In Spanien kam es zu faschistischen Gewaltakten gegen kämpferische Gewerkschafter und gegen Aktivisten der Kommunistischen Jugend.
Niemals vergessen!

Im Geschichtsunterricht in der Schule wird der Frage, wie der Faschismus in der ersten Hälfte des vorigen Jahrhunderts die politische Macht erringen konnte, meistens aus dem Weg gegangen. In der offiziellen Geschichtsschreibung wird gerne der Eindruck erweckt, dass plötzlich die Masse der Bevölkerung verrückt geworden sei, die Macht den wahnsinnigen Nazis übergeben hätte, die nach dem ganzen Spuk ebenso schnell ins Nichts verschwanden wie sie gekommen waren.

In Wirklichkeit war der Faschismus eine Folge der allgemeinen Krise des Kapitalismus nach dem Ersten Weltkrieg, der mit einem Zusammenbruch der politischen und wirtschaftlichen Ordnung in Europa endete. Inspiriert durch die russische Oktoberrevolution 1917 forderten in ganz Europa Millionen Arbeiter und Soldaten nach dem Vorbild ihrer Kollegen in Russland eine neue Gesellschaftsordnung ein. In diesem Zusammenhang begannen die herrschenden Eliten die faschistische Bewegung zu unterstützen, um sie im Bürgerkrieg gegen die revolutionären Massen als Kampfinstrument einsetzen zu können.

Es reichte nicht mehr aus, der revolutionären Massenbewegung mit den traditionellen Unterdrückungsinstrumenten Heer und Polizei zu begegnen. Eine faschistische Massenkraft musste her, um der Bewegung der Lohnabhängigen mit Hilfe von Terrormethoden die Straße streitig machen zu können. Die Hauptaktivität der Faschisten lag im Versuch, durch Gewaltakte jede Versammlungs-, Rede-, Demonstrations-, Streik-, Koalitions-, Organisations- und Pressefreiheit zunichte zu machen. Gleichzeitig lieferten die faschistischen Massenorganisationen, die sich in erster Linie aus dem durch die Krise deklassierten Kleinbürgertum rekrutierten, mit ihrer pseudorevolutionären Rhetorik einen für die Bürgerlichen ungefährlichen Kanal für die revolutionäre Stimmung der Massen.

Der Schoß ist fruchtbar noch aus dem dies kroch!

Schließlich ist die faschistische Massenbewegung in Deutschland durch die entschlossene Unterstützung der Banken, der Großindustriellen und des Staatsapparats an die politische Macht gelangt. In dieser Machtübergabe sahen Kapital und Staatsapparat die einzige Möglichkeit, die Arbeiterklasse, die seit 1918 immer wieder durch revolutionäre Massenbewegungen den Kapitalismus in seinen Grundfesten erschütterte, endgültig zu zerschlagen.

Trotzki beschrieb bereits 1932 folgendermaßen den Charakter des Faschismus:
"Der Faschismus ist nicht einfach ein System von Repressionen, Gewalttaten, Polizeiterror. Der Faschismus ist ein besonderes Staatssystem, begründet auf der Ausrottung aller Elemente proletarischer Demokratie in der bürgerlichen Gesellschaft. Die Aufgabe des Faschismus besteht nicht allein in der Zerschlagung der proletarischen Avantgarde, sondern auch darin, die ganze Klasse im Zustand erzwungener Zersplitterung zu halten. Dazu ist die physische Ausrottung der revolutionärsten Arbeiterschicht ungenügend. Es heißt, alle selbständigen und freiwilligen Organisationen zu zertrümmern, alle Stützpunkte des Proletariats zu zerstören und die Ergebnisse eines dreiviertel Jahrhundert Arbeit der Sozialdemokratie und der Gewerkschaften zu vernichten. Denn auf diese Arbeit stützt sich in letzter Instanz auch die Kommunistische Partei." („Was nun?“)

Heutzutage ist zumindest in den westlichen Industrieländern eine erneute Machtübernahme durch den Faschismus äußerst unwahrscheinlich. Zum einen ist durch die Industrialisierung der Nachkriegszeit der soziale Nährboden des Faschismus, das Kleingewerbe und die Landwirtschaft, äußerst zusammengeschrumpft. Die überwältigende Mehrheit der Bevölkerung sind heute Lohnabhängige, die aufgrund ihrer Stellung in der Produktion ganz andere Möglichkeiten haben, um auf die Krise zu reagieren. Zum anderen hat sich das Kapital mit der Übergabe der Macht an die Faschisten vor 77 Jahren gehörig die Finger verbrannt. Die Gefahr, dass faschistische Banden als Hilfstruppen von Staat und Kapital im Kampf gegen die Arbeiterbewegung eingesetzt werden, wird jedoch mit der Zuspitzung des Klassenkampfs und der kapitalistischen Krise wieder aktuell.

Eine Klassenfrage

Der Kampf gegen den Faschismus und Rassismus ist eine Klassenfrage. Diese Idee muss alle unsere Aktionen im Kampf gegen diese Phänomene bestimmen. Marxisten sollten sich gegen alles wenden, was die Aufmerksamkeit der Arbeiterbewegung vom Hauptziel ablenkt und Klassenfragen mit allerlei moralischen und pazifistischen und "demokratischen" Phrasen vermischt und so das Bewusstsein senkt. Daher sollten Linke und Gewerkschafter nie die Führung in der antifaschistischen Bewegung den bürgerlichen Politikern, Liberalen, Geistlichen und dergleichen überlassen oder sich an deren Methoden und Ideen anpassen. Der Kampf gegen den Faschismus kann nicht mit der falschen Auffassung erfolgreich geführt werden, dass sich die Arbeiter mit "guten" Bürgerlichen gegen "schlechte" Bürgerliche verbünden müssten. Eine solche Politik ist fatal und in der Praxis wirkungslos, weil durch und durch bürgerliche, pro-kapitalistische Kräfte nichts zum wirklichen Kampf gegen die Faschisten beitragen und die Arbeiter durch solche Bündnisse eingebläut bekommen, dass man dem Klassenfeind in dieser Frage trauen könne.

Gegen die Nazi-Machtergreifung 1933 half Reichspräsident von Hindenburg ebenso wenig wie die Reichstagsabgeordneten der verschiedenen bürgerlichen Parteien, die für Hitlers Ermächtigungsgesetz stimmten - darunter auch der spätere Bundespräsident Heuss (FDP).

Trotzki erklärte im August 1937:
"Die Erfahrung in Italien, Deutschland, Österreich und anderen Ländern zeigt, dass ‚liberale Gruppen’ im Kampf gegen den Faschismus völlig versagen. Dieser stellt ihnen ein demagogisches Sozialprogramm entgegen und verurteilt sie zur völligen Vernichtung. Man kann gegen den Faschismus nur auf der Grundlage eines echten, ernsthaften revolutionären Sozialprogramms kämpfen, das nicht nur das Proletariat, sondern auch die unterdrückten kleinbürgerlichen Massen mobilisieren kann. Indem die ‚liberalen Gruppen’ Gegner eines revolutionären Programms sind, sind sie dazu in der Lage, die Initiative der Massen zu lähmen und sie in das faschistische Lager zu drängen. Die Formel ‚Antifaschismus’ passt sehr genau auf ehrenwerte Abgeordnete, Professoren, Journalisten und Salonschwätzer. Der bloße Begriff ‚Antifaschismus’ sagt dem Arbeiter, Arbeitslosen, armen Bauern, ruinierten Landwirt oder bankrotten Kleinhändler - wie der überwiegenden Mehrheit der Bevölkerung - nichts konkretes. ‚Antifaschistische’ Paraden, Bankette und Bündnisse usw. können nur Illusionen schüren und der Reaktion dienen. Nur Millionen und Abermillionen arbeitender, unterdrückter und ausgebeuteter Menschen können die Seuche des Faschismus vom Erdboden verdrängen."

Faschisten und bürgerlicher Staat

In den 1920er und 1930er Jahren riefen die SPD-Führer öfters den Staat auf, gegen die Faschisten einzugreifen ("Staat, greif zu!"). Dies war ein fataler Fehler, der sich auf die falsche Auffassung stützte, dass der bürgerliche Staat eine unparteiische Instanz sei, die über dem Klassenkampf steht. In Wirklichkeit ist der Staat ein Instrument der Klassenherrschaft; er vertritt die Interessen der Banken und Großkonzerne und wird von ihnen völlig beherrscht. Der bürgerliche Staat greift nur dann gegen faschistische Banden ein, wenn die herrschende Klasse ihre Dienste nicht benötigt und sie die Gegenbewegung der Arbeiter provozieren. Allerdings - wer den Arbeitern Vertrauen in den angeblich "antifaschistischen Charakter" des Staates und seiner Gesetze und Polizei einflößt, der trägt zu ihrer Verwirrung bei, schläfert sie ein und fördert somit die Katastrophe. Appelle an die Polizei, sie solle doch wirksamen Schutz gegen Faschisten und Rassisten bieten, sind reine Zeitverschwendung. Abgesehen davon, dass nicht wenige Polizisten selbst Faschisten oder Rassisten sind, wären sie - selbst wenn sie es wollten - nicht in der Lage, Arbeiter und Immigranten gegen die Faschisten zu schützen.

Wenn wir über den Zusammenhang zwischen Staatsapparat, Kapital und faschistischer Bewegung reden, brauchen wir nicht in die Vergangenheit ausschweifen, es genügt das Scheitern des NPD-Verbots in Deutschland anzusehen. Die Verfassungsrichter geben zu, dass die NPD wegen ihrer Verfassungsfeindlichkeit verboten werden müsste. Das Verbot scheiterte daran, dass auf Grund der hochgradigen Unterwanderung der NPD durch Mitarbeiter des staatlichen Verfassungsschutzes die NPD laut Verfassungsgericht für ihre Aktionen nicht eindeutig verantwortlich gemacht werden könne. In dieser Haltung des deutschen Verfassungsgerichtshofs kommt die Verwicklung zwischen Staat und NPD klar zum Ausdruck.

Wenn es stimmt, was die Verfassungsrichter sagen, dann würde das bedeuten, dass die NPD vom Staat mit aufgebaut und gesteuert wird. Wenn es nicht stimmt, was die Verfassungsrichter sagen, dann schützt der Staat die NPD gegen die Bestimmungen der deutschen Verfassung vor einem Verbot. In diesem Zusammenhang dürfen wir nicht vergessen, dass nach 1945 in Westdeutschland der Staatsapparat, besonders in den Bereichen Justizwesen sowie Polizeiapparat, fast nahtlos aus dem Dritten Reich übernommen wurde und autoritäre Traditionen bis heute munter fortbestehen. Es wurde bekannt, dass über Jahrzehnte im Auswärtigen Amt der Bundesrepublik die Bilder der Spitzenbeamten des Dritten Reichs in der Ehrengalerie hingen. Als der damalige Außenminister der Regierung Schröder, Josef Fischer, die Bilder abnehmen ließ, sprach der deutsche Botschafter in der Schweiz von einer Spaltung des Auswärtigen Amts!

Auf die eigene Kraft bauen!

Marxisten müssen den Arbeitern klarmachen, dass sie sich nur auf die eigene Organisation, Stärke und Klassensolidarität bei der Lösung ihrer Probleme verlassen können. Appelle an den bürgerlichen Staat sind aus verschiedenen Gründen konterproduktiv. Zunächst lenken sie die Aufmerksamkeit der Arbeiter von der Notwendigkeit ab, die Faschisten dort zu schlagen, wo es drauf ankommt - in den Betrieben, in den Wohnvierteln, und auf der Straße. Solche Appelle tragen dazu bei, das Selbstbewusstsein der Arbeiter zu schwächen und die Faschisten werden dadurch nur noch frecher. Letztlich werden die Arbeiter hinsichtlich der Rolle des bürgerlichen Staates im Allgemeinen und seines Verhältnisses zu den Faschisten im Besonderen fehlgeleitet. Ein Teil der Kapitalisten finanziert und fördert die Faschisten als Streikbrecher und Provokateure. Die Kapitalisten haben insgesamt zwar nicht die Absicht, den Faschisten die ganze Staatsmacht zu überlassen, aber sie wissen, dass diese als nützliche Hilfskräfte eingesetzt werden können, wenn einmal der Klassenkampf die "normalen" Eingrenzungen überschreitet. Daher ist es sinnlos, von der herrschenden Klasse eine Auflösung faschistischer Banden zu erwarten. Trotzki spricht davon, dass die Forderung an den Staat, die Faschisten zu entwaffnen, der Forderung an die Bourgeoisie gleichkommt, sich selbst zu entwaffnen. Wo der Staat mit Gesetzen faschistische Aktivitäten einzuschränken vorgibt, werden diese Gesetze in erster Linie nicht gegen die Faschisten, sondern gegen die Arbeiterbewegung angewandt, um Demonstrationen, vor allem auch Antifa-Demos, zu verbieten oder zu behindern.

Unter gewissen Umständen kann sich die herrschende Klasse gezwungen sehen, antirassistische Gesetze einzuführen. Wenn solche Gesetze auch nur im Geringsten fortschrittlich sind, werden Marxisten sie natürlich nicht ablehnen. Aber wir müssen den Arbeitern und unterdrückten Nationalitäten erklären, dass Gesetze nicht das Problem des Rassismus lösen, das von der kapitalistischen Gesellschaft selbst kommt. In einzelnen Fällen kann eine begrenzte Wirkung durchaus möglich sein, wenn solche Gesetze von Polizei und Justiz tatsächlich befolgt werden - dies ist nicht unbedingt immer der Fall. Dies kann aber auch das Problem verschlimmern, wenn nämlich die Arbeiterklasse und die nationalen Minderheiten sich in einem falschen Gefühl der Sicherheit wiegen und sich somit entwaffnen, während gleichzeitig die rassistischen Banden ihr Spiel mit stillschweigender Komplizenschaft der Polizei weitertreiben.

Die tragenden Säulen des Staates regen sich immer wieder gerne über rassistische Anschläge auf. Sie mögen es nicht, dass das Bild Deutschlands und speziell deutsche Exportchancen in alle Welt Schaden nehmen. Aber wie wenig ernst sie es mit einer echten Gleichberechtigung für die hier lebenden Ausländer meinen, zeigt ihr permanentes Sträuben etwa gegen eine Einführung des vollen Ausländerwahlrechts auf allen Ebenen.

Keine Stellvertreterkriege!

Es macht wenig Sinn, antirassistische Organisationen und Kampagnen ohne die Einbeziehung der Arbeiter-Massenorganisationen zu bilden. Isolierte Vergeltungsschläge von linken Antifa-Aktivisten ohne politisch motivierte breite Mobilisierung bringen stets die Gefahr mit sich, dass die Masse passiv zuschaut und die meisten Medien und bürgerlichen Politiker - heuchlerisch wie sie nun mal sind - "extremistischen Terror von links und rechts" verurteilen. Nur die Massenmobilisierung der Klasse kann letztlich systematische faschistische Angriffe und Faschismus und Rassismus überhaupt erfolgreich abwehren. Und dies trotz der Politik rechter Arbeiterführer, die eine unabhängige Bewegung der Arbeiter fürchten und alles unternehmen, um sie zu verhindern. Die Arbeiterführer hätten die Möglichkeit in der Hand, mit minimalem Aufwand die Faschisten und Rassisten zu schlagen. Wo immer sie sich vor dieser Verantwortung drücken, ermöglichen sie ultralinken Abenteurern am Rande der Arbeiterbewegung, ihre zerstörerische und schädliche Taktik voll zu entfalten.

Marxisten müssen systematisch darauf hinarbeiten, die Basis der Arbeiterorganisationen über die faschistische und rassistische Bedrohung aufzuklären und dagegen zu mobilisieren. Wir müssen von den Gewerkschaftsführern verlangen, dass sie eine Massenbewegung gegen diese Bedrohung initiieren. Wo immer Faschisten und Rassisten sich in Betrieben regen, müssen dagegen Massenversammlungen einberufen werden. Gewerkschaften sollten ihre Mitglieder dazu bringen, dass sie die Zusammenarbeit mit Faschisten am Arbeitsplatz ablehnen. Die Weigerung etwa von Postgewerkschaftern in Deutschland und Großbritannien, faschistische und ausländerfeindliche Literatur zu befördern und zuzustellen, ist ein wichtiger Schritt in diese Richtung.

Wo immer dies möglich ist, sollten Proteststreiks gegen rassistische Angriffe ausgerufen werden. Allerdings ist hier auch Augenmaß angebracht. Denn normalerweise werden die Arbeiter nur dann streiken, wenn das Problem so ernst und bedrohlich geworden ist, dass die Mehrheit es klar erkennt. Übertriebenes und hysterisches Verhalten kann nur dazu beitragen, die Idee des antifaschistischen Kampfes in den Augen der Arbeiter zu diskreditieren.

Schutz von Veranstaltungen durch gut geschulten Ordnerdienst

Bei drohender handfester Störung von Versammlungen und Demonstrationen durch faschistische Kräfte spielt eine gut geschulte Ordnertruppe eine zentrale Rolle. Natürlich liegt die Aufgabe einer solchen Ordnertruppe nicht darin, die Polizei anzugreifen. Diese öfters von Ultralinken und Anarchos eingeschlagene Taktik wäre Wahnsinn und würde den Faschisten und der Polizei in die Hände spielen. Oftmals treten bei Demos deshalb auch gezielt als Demonstranten verkleidete Agenten und Provokateure auf, um Krawalle mit der Polizei vom Zaun zu brechen und somit der Polizei einen Vorwand zu liefern, Antifa-Demos aufzulösen.

Schließlich lässt sich der antifaschistische Kampf auf die Frage der Verteidigung der Arbeiterorganisationen wie auch der physischen Unversehrtheit einzelner Arbeiter hin zuspitzen. Die faschistischen Mordanschläge gegen Schwarze, Türken und andere Minderheiten bedrohen die ganze Arbeiterklasse. Minderheiten lassen sich am besten verteidigen, wenn alle Arbeiter dies kollektiv bewirken. Organisationen zur Selbstverteidigung sollten gegründet werden, die sowohl die Angehörigen der unterdrückten Minderheiten als auch die der gesamten Arbeiterorganisationen umfassen. Denn wenn beispielsweise türkische Jugendliche alleine ihre Verteidigung organisieren, könnte dabei ohne Programm, Ziele und Bezug zur gesamten Arbeiterbewegung letzten Endes nur ein normales "Bandentum" herauskommen.

Die Lehren der Vergangenheit wieder auffrischen!

In Italien versuchten die Faschisten in den 1960er Jahren, ihr Haupt wieder zu erheben, indem sie eine Mordkampagne gegen aktive Gewerkschafter ähnlich wie 1920-1922 initiierten. Die Arbeiter antworteten massiv: faschistische Parteibüros wurden angezündet und Faschisten wurden in ganz Italien auf der Straße zusammengeschlagen. Diese großartige Bewegung entfaltete sich trotz der Rolle der KP-Führer, die sich als unfähig erwiesen, mit der Reaktion fertig zu werden. Die Bewegung entfaltete sich auf Initiative von KP-Mitgliedern und Gewerkschaftern, die nach der Erfahrung mit Mussolini sofort die faschistische Gefahr wieder erkannten.

Leider ist im heutigen Italien die Erinnerung an den Faschismus verblasst. Daher kommt es - in Italien wie auch in Deutschland und sonst wo - darauf an, der neuen Generation von Arbeitern und Jugendlichen die Lehren der Geschichte zu erklären - dabei nicht nur an die Schrecken des Faschismus zu erinnern, sondern etwa auch an die große Bewegung der italienischen Arbeiter 1920-1922, 1943-1944 und vor allem das glänzende Beispiel der antifaschistischen Bewegung in der 1960er Jahren, die deutlich macht, wie man mit faschistischen Provokationen fertig werden kann.

Eine revolutionäre Alternative zur kapitalistischen Misere aufzeigen
Der Faschismus ist ein Produkt des kapitalistischen Systems. Aber selbst in der Phase der kapitalistischen Krise kann der Faschismus nur dann Anhänger um sich sammeln, wenn es die Arbeiterorganisationen versäumen der antikapitalistischen Stimmung unter den Massen einen Ausdruck zu geben. Wie der deutsche Dichter Erich Fried sagte: "Ein Antifaschist, der nichts ist als ein Antifaschist, ist kein Antifaschist."

Es ist unsere Aufgabe als Marxisten und als Antifaschisten, in der Arbeiterbewegung und in der Jugend am Aufbau einer Kraft mit zu wirken, die endlich beginnt, ernsthaft für die Verteidigung des Lebensstandards der Lohnabhängigen und für die Zukunftschancen der Jugend zu kämpfen, die den Weg aus dem kapitalistischen Jammertal in eine wirklich menschliche, eine sozialistische Gesellschaft weist. Den faschistischen Rattenfängern könnte das Wasser so endlich restlos abgegraben werden. Die krankhaften Ideologien des Faschismus, des Rechtsextremismus, des Rassismus entspringen einer durch und durch kranken Gesellschafts- und Wirtschaftsordnung. Das kapitalistische Weltsystem produziert für Profite, nicht für die Bedürfnisse der Menschen. So wie der Mensch der Urgesellschaft den Naturkräften vollständig unterworfen war, so sind wir heute gesellschaftlichen Kräften ausgeliefert, die sich außerhalb unserer Kontrolle und außerhalb unseres Verständnisses befinden. Die Anarchie des Markes führt dazu, dass anstatt eines planvollen Einsatzes der Ressourcen und Produktionskapazitäten auf Weltebene zum Wohl aller, ein weltweiter Vernichtungskampf konkurrierender Unternehmen stattfindet.

Dieser Konkurrenzkampf führt auf zwischenstaatlicher Ebene zu kriegerischen Auseinandersetzungen um Ressourcen und Märkte. Große Militärblöcke bilden sich, um in der internationalen Anarchie des Fressens und Gefressenwerdens bestehen zu können. Der von den Faschisten verherrlichte anarchische „Kampf ums Dasein“ ist der barbarische Alltag des Kapitalismus, das Gesetz des „freien Marktes“.

Die tragische Komik liegt darin, dass der „Kampf ums Dasein“ in seiner letzten Konsequenz und beim heutigen Stand der Technik zum „Nichtmehrdasein“ der gesamten Menschheit führt. Überführen wir im Gegenzug die anarchische Weltproduktion in eine demokratische Planwirtschaft unter der Kontrolle der gesamten Weltbevölkerung, dann hat die Menschheit auf dem heutigen Stand der technischen Möglichkeiten eine menschenwürdige Zukunft. Die Weggabelung unserer Zeit heißt: Sozialismus oder Barbarei.

Siehe auch folgende Artikel:
Holocaust: Zum 65. Jahrestag der Befreiung des ehemaligen KZ Auschwitz
Deutschland 30. Januar 1933: Wie kam es zu Hitlers "Machtergreifung"?

Modulblock Revolution

Heute vor 100 Jahren:

Modulblock DefenceMarxism

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