Internationaler Appell: Die Bochumer Opel-Arbeiter brauchen praktische Solidaritätsaktionen

Das nachfolgende Flugblatt an die Arbeiter bei Vauxhall (britische General Motors-Tochter) wird von britischen Gewerkschaftslinken und Unterstützern unserer britischen Schwesterzeitschrift „Socialist Appeal“ an Vauxhall-Arbeiter verteilt.

 

 


Das nachfolgende Flugblatt an die Arbeiter bei Vauxhall (britische General Motors-Tochter) wird von britischen Gewerkschaftslinken und Unterstützern unserer britischen Schwesterzeitschrift „Socialist Appeal“ an Vauxhall-Arbeiter verteilt.

 

 

Die Arbeiter des Opel-Werkes in Bochum (Ruhr) haben am Donnerstag nachmittag, 14. Oktober 2004, die Arbeit niedergelegt. Seither ruht die Produktion. Bis zum Wochenende sind 5 komplette Schichten ausgefallen. Wenn auch in der neuen Woche die Produktion unterbrochen bleibt, so wird dies aufgrund der Just-in-time-Produktion auch Auswirkungen auf andere Werke des General Motors-Konzerns in Belgien, England und Polen haben und kann ab Montag auch die dortige Produktion zum Stillstand bringen.

Der Ausstand ist die spontane Reaktion einer streikerfahrenen und traditionell kämpferischen Belegschaft auf die Meldungen, wonach der General Motors Konzern in Europa und vor allem in den deutschen Betrieben der Adam Opel AG über 10.000 Stellen abbauen und die Lohnkosten radikal senken will. Würden allein in Bochum 4000 Stellen abgebaut, so wäre dies der Anfang vom Ende der Produktion in Bochum, fürchten die Arbeiter. Auch im traditionellen Opel-Stammsitz Rüsselsheim (bei Frankfurt) sollen insgesamt 4000 Jobs in Produktion, Verwaltung und Forschung verschwinden. Auch hier ist die ganze Stadt ist schockiert und fürchtet um die Zukunft des Werks. Doch anders als in Bochum herrscht in Rüsselsheim nach Aussagen einer Betriebsratssprecherin noch „Business as usual“, betriebliche Aktionen gab es bis Wochenende keine.

Die Bewegung der Bochumer Opel-Arbeiter hat in den letzten Tagen in ganz Deutschland Unterstützung und Solidarität gefunden. Viele Gewerkschafter aus der Region kamen persönlich vorbei, viele Solidaritätsbotschaften aus aller Welt sind eingegangen. Die Belegschaft hat Betriebsrat und Gewerkschaft unter Druck gesetzt, damit ohne eine Abstimmung der gesamten Belegschaft weder ein Verhandlungsergebnis angenommen noch der Ausstand abgebrochen werden kann. Der Betriebsrat will vom GM-Konzern die Zustimmung erreichen, dass keine betriebsbedingten Kündigungen ausgesprochen werden.

Gewerkschaftsaktivisten warnen allerdings davor, dass dies nicht ausreicht. Selbst bei einem Verzicht auf betriebsbedingte Kündigungen die Gefahr bestehe, dass durch freiwilliges Ausscheiden älterer Arbeiter die Arbeitsplätze für immer verschwinden und der Jugend der Weg in die Zukunft verbaut wird. Am Dienstag soll an allen europäischen GM-Standorten ein Aktionstag stattfinden. General Motors betreibt offensichtlich eine Politik des „Teile und Herrsche“ und will die Belegschaften der Werke gegeneinander ausspielen. Keiner soll glauben: wenn ich jetzt still bleibe und mit ansehe, wie die deutsche Opel-Belegschaft abgeschlachtet wird, dann kann ich meinen Kopf retten. Die Bochumer Kollegen brauchen Eure aktive Solidarität. Wenn die Produktion in allen Werken ruht, ist dies die Sprache, die die GM-Bosse verstehen. Sonst spielen sie uns gegeneinander aus. Konzernweite Protestaktionen stärken der Bochumer Belegschaft den Rücken und sind entscheidend, um das Diktat der GM-Zentrale zu durchbrechen.

Niemand soll denken: mich trifft es nicht. Viele Erfahrungen der letzten Jahre zeigen: Selbst wenn Belegschaft, Betriebsrat und Gewerkschaft in Vereinbarungen über „Standortsicherung“ durch Arbeitsplatzabbau und Lohnverzicht den Unternehmern alle Forderungen zugestehen, lassen uns die Arbeitgeber keine Ruhe und machen immer weiter. Abstriche an den Tarifverträgen und Kostensenkungsmaßnahmen sind in aller Regel nicht das Ende der Probleme, sondern der Beginn einer Spirale nach unten. Solange Arbeiter in Polen, Tschechien oder noch weiter östlich nur einen Bruchteil der in Westdeutschland üblichen Löhne verdienen, werden die Konzernlenker hartnäckig auch eine radikale Angleichung der Löhne und Arbeitsbedingungen nach unten drängen. „Wir werden uns in 15-20 Jahren kaum wundern, wenn Leiharbeiter am Bahnhof Schlange stehen um als Tagelöhner abgeholt zu werden“, sagte uns ein Rüsselsheimer Opel-Arbeiter. So weit darf es nicht kommen.

Sendet Soli-Erklärungen an die Bochumer OPEL-Belegschaft

Fax +49 234 - 989 2680

Fax +49 234 - 989 3499

Kopien an Labournet Germany:

Fax +49 234 – 3254143, e-mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Weitere Infos im Labournet Germany: www.labournet.de

 


Hier das englische Flugblatt, die an die Belegschaft von Vauxhall in Ellesmere Port verteilt wird:

To the Vauxhall workers

Dear brothers and sisters,

The workers at the German Opel plant in Bochum (Ruhr) downed tools on Thursday afternoon, October 14. Production has been at a standstill since then, including the five shifts up to the weekend. Early on Monday morning, October 18, 2004, a workplace meeting decided to continue the strike. This will have immediate effects on production in other General Motors plants in Belgium, Britain, and Poland, as the supplies of exhaust pipes and axles from Bochum are stopped.

The walk-out last Thursday was the spontaneous reaction of a militant and experienced workforce at the Bochum plant after the brothers and sisters had been informed about management plans to slash well over 10,000 jobs in Europe, above all in the German plants, and to cut wages and other benefits. They fear that the destruction of 4,000 jobs in Bochum alone would mean the beginning of the end of the Bochum plant. In the traditional Rüsselsheim Opel plant, some 4,000 jobs in production, administration and research are at stake, too. The entire community there is shocked and fearful about the future of the town. But unlike in Bochum, there has not been any industrial action so far but rather „business as usual“ as a works council spokesperson told reporters. The movement of the Bochum workers has found an enormous echo, support and solidarity all over Germany. Many trade unionists from other sectors and unions in the region came along to express their solidarity, messages were received from abroad, too. The workers have put pressure upon their local works council and shop stewards committee to make sure that no deal with the management is made without a prior vote being taken at the workplace assembly and that the assembly should have the final say on the calling off or continuation of the strike.

The German Opel works council wants to make a deal with GM management to exclude compulsory redundancies. Union militants, however, warn that this is not enough as even with solutions like voluntary redundancies and early retirement many jobs will be destroyed forever and there will be no future for the younger generation.

An international day of action has been called for all GM factories in Europe for Tuesday, October 19. GM have a policy of “divide and rule” and want to play off the workforce of different factories against each another. Let nobody outside Germany believe that if they allow the German Opel workforce to be slaughtered they could save their heads. The brothers and sisters in Bochum need your active solidarity. A standstill of production is the only language that the GM bosses will understand. Otherwise they will succeed. Protest action at all GM plants internationally will strengthen the Bochum workers and are decisive to break through the dictate of the GM headquarters.

Let nobody think: I will not be affected. Past experience shows: Even if workforce, shop stewards and unions are prepared to make enormous concessions to the management in terms of job losses and wage cuts and longer hours, the employers will not let us live and work in peace. These concessions on our part would not represent the happy end of the problem, but only the beginning of a downward spiral. As long as workers´ wages in Poland, Hungary, the Czech Republic and further east are only a fraction of our wages in Western Europe, the GM bosses will insist on pressing wages and conditions down to Eastern European levels. “We should not be surprised if in 15 or 20 years time subcontracted workers and casuals will be queuing outside the factory gates to be picked up and called in for a day´s work”, a worker from Rüsselsheim told us. We must not allow this to happen.

Send messages of solidarity to the Opel workers in the Bochum plant:

Fax +49 234 - 989 2680

Fax +49 234 - 989 3499

Copies to Labournet Germany:

Fax +49 234 – 3254143, e-mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Find further updated information at Labournet Germany: www.labournet.de

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