Buchpräsentation von “Aufstand der Vernunft” bei der Havanna Buchmesse

Am 8. Februar wurde bei der heuer zum 15. Mal stattfindenden Buchmesse in Havanna auch die kubanische Edition von “Aufstand der Vernunft – marxistische Philosophie und moderne Wissenschaft” der beiden britischen Marxisten Alan Woods und Ted Grant präsentiert. Das Buch wurde mit einer Auflage von 2000 Stück vom kubanischen Verlagshaus „Ciencias Sociales“ herausgegeben.

 


Am 8. Februar wurde bei der heuer zum 15. Mal stattfindenden Buchmesse in Havanna auch die kubanische Edition von “Aufstand der Vernunft – marxistische Philosophie und moderne Wissenschaft” der beiden britischen Marxisten Alan Woods und Ted Grant präsentiert. Das Buch wurde mit einer Auflage von 2000 Stück vom kubanischen Verlagshaus „Ciencias Sociales“ herausgegeben.

 

Die einleitenden Worte bei dieser Veranstaltung kamen von Hiram Hernandez, der eine wichtige Rolle dabei gespielt hat, dass dieses Buch tatsächlich in Kuba herausgegeben werden konnte. Er bedankte sich in seinem Eröffnungsstatement bei der Federico-Engels-Stiftung und bei den Autoren, dass sie die Autoren- und Übersetzerrechte der „Ciencias Sociales“ überlassen haben. Dann übergab er das Wort an Adan Chávez, dem Bruder von Venezuelas Präsident Hugo Chávez und Botschafter der Bolivarischen Republik in Havanna.

Adan Chávez ist von Beruf Physiker, widmet sein Leben aber seit langem schon der revolutionären Sache, wie er selbst erklärte. Er erklärte bei seinem Redebeitrag, dass „Aufstand der Vernunft“ in Venezuela als eines von „Chávez’ Büchern“ bekannt ist, weil es der Präsident schon mehrfach in seinen Reden und TV-Auftritten erwähnt hat. „In diesem Buch zeigen die Genossen Alan und Ted, dass der dialektische Materialismus eine Methode darstellt, die heute äußerst relevant ist, um zu verstehen was war, was ist und was sein wird, und ich empfehle allen diese Lektüre.“

Er pries nicht zuletzt das Kapitel über die Physik, das den Beweis erbringt, dass man die Entwicklung der Wissenschaft und die Gesetze der Natur nur verstehen kann, „wenn man über eine nichtlineare Denkweise verfügt und eine undogmatische sowie nicht deterministische Methode anzuwenden weiß und letztlich ist dies der dialektische Materialismus.“ Dies gelte für alle Wissenschaftsbereiche, so Adan Chávez.

Zum Abschluss meinte er, dass “genauso wie jene, die dachten, dass die Newtonsche Mechanik alles erklären würde, falsch lagen, genauso könne man mit einer wissenschaftlichen Methode beweisen, dass jene, die nach dem Fall der Sowjetunion vom Ende des Sozialismus, dem Ende des Kommunismus und dem Ende der Geschichte sprachen, ebenfalls falsch lagen.“

Nach Adans begeistert aufgenommenem Redebeitrag erklärte Buchautor Alan Woods, dass das Buch den Versuch darstellt, Friedrich Engels “Dialektik der Natur” auf der Grundlage der modernsten naturwissenschaftlichen Erkenntnisse ins 21. Jahrhundert zu übertragen, um damit diejenigen zu widerlegen, die Engels Hypothesen als wissenschaftliche Relikte abtun. Anhand mehrerer Beispiele aus der Evolutionstheorie, der Geologie oder der Chemie bewies er, dass die Natur auf eine dialektische Art und Weise funktioniert, und dass das Newtonsche Konzept der Bewegung ausgehend von externen Kräften nicht ausreicht für eine wissenschaftliche Erklärung der Natur.

Alan gab zu, dass er anfangs zwar davon ausging, dass die Dialektik durch die Erkenntnisse der modernen Wissenschaft bestätigt würde, dass er aber nicht dachte, dass man sie in einer mathematischen Formel ausdrücken könnte. Die neuesten Entwicklungen in der Chaostheorie, die auf eine Vielzahl von Phänomenen, von Börsencrashs über Waldbrände bis zu Lawinen, angewandt werden können, belehrten ihn jedoch eines Besseren.

Alan Woods stellte auch fest, dass die Krise der Wissenschaft im Grunde ein Ausdruck für die allgemeine Krise in der Gesellschaft, der Kultur und der Politik ist, die wiederum ihre Ursache in der Krise des Kapitalismus haben. „Im ersten Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts beim gegenwärtigen Entwicklungsstand in den Bereichen Wissenschaft und Technologie gibt es keine Rechtfertigung, warum jedes Jahr 8 Millionen Menschen an Hunger sterben sollten.“ Doch, so Alan, es reiche nicht aus, die Symptome dieser Krise aufzuzeigen, wie dies auch bei anderen Treffen im Zuge der Buchmesse geschehen ist. Es sei auch notwendig, die Ursachen dafür zu identifizieren und eine Lösung dieser Probleme anzubieten. „Ein Arzt, der nur die Symptome aufzählt und dann in Wehklagen und Tränen verfällt, wie dies die Reformisten tun, ist ein schlechter Arzt.“ Alan schloss mit der Benennung der eigentlichen Ursache dieser Probleme: die Krise des kapitalistischen Systems. Die Lösung könne nur im Kampf für den Sozialismus liegen.

Dieser revolutionäre Kampf ist heute in Lateinamerika am fortgeschrittensten, doch er ist zu sehen als Teil eines weltweiten Prozesses, der nur verschiedene Formen annimmt und sich in Europa in einer Reihe von Generalstreiks und einer Verschärfung des Klassenkampfes ausdrückt. Was es braucht ist „der Aufbau einer revolutionären Führung“, und dazu müssen wir die Ideen des Marxismus benutzen, die heute „relevanter denn je sind“. „Es gibt keinen Grund das Rad neu zu erfinden, wie dies viele Akademiker und Intellektuelle glauben. Das Rad wurde bereits erfunden, und es funktioniert noch immer so wie es ist, warum sollten wir ein rechteckiges oder quadratisches erfinden, das nicht funktionieren wird.“ Einmal mehr wurden Alans Worte bei dieser Veranstaltung mit heftigem Applaus beantwortet. Im Saal breitete sich nach diesem Referat eine Stimmung ehrlichen Enthusiasmus aus.

Ein Vertreter der Federico-Engels-Stiftung, dem wichtigsten marxistischen Verlag in Spanien, bedankte sich für die Möglichkeit, „Aufstand der Vernunft“ in Kuba präsentieren zu können. Diese Kooperation der Federico-Engels-Stiftung mit „Ciencias Sociales“ würde nach diesem Projekt erst am Anfang stehen und man strebe die Herausgabe weiterer Buchtitel an. Er verwies auch auf die Neuerscheinungen der Stiftung: einerseits Alan Woods „Die venezolanische Revolution – eine marxistische Analyse“ und eine Sammlung der Artikel von Celia Hart mit dem Titel „Revolutionäres Notizbuch“. Celia Hart, die ebenfalls Physikerin ist, war auch im Publikum.

Ein Vertreter von „Cientifico-Técnica“, ein Verlag, der eng mit „Ciencias Sociales“ koopriert, erklärte die Bedeutung eines Buches wie “Aufstand der Vernunft”. Es gibt ein Vakuum an marxistischen Büchern, die sich mit den Naturwissenschaften auseinandersetzen. Und die Versuche, die es nach dem Tod von Lenin in der Sowjetunion gegeben hat, litten unter den bürokratischen Fesseln im Stalinismus. Meist stellten sie nicht so sehr eine Anleitung für weitere Forschungen dar als vielmehr ein Hindernis auf dem Weg zur Entwicklung einer fortschrittlichen philosophischen Sicht auf die Wissenschaft.

Im Publikum waren auch Adalberto und Juan Leon Ferrer, zwei alte kubanische Revolutionäre, bekennende Trotzkisten, die aktiv an der Revolution mitwirkten und mit Che Guevara im Industrieministerium eng zusammenarbeiteten.

Das war zweifelsohne eine der politisch hochwertigsten Veranstaltungen auf der Buchmesse.

P.S.: Die deutsche Ausgabe von „Aufstand der Vernunft“ erschien im Promedia-Verlag und kann über die Funke-Redaktion bestellt werden.

Alan Woods/Ted Grant, Aufstand der Vernunft – marxistische Philosophie und moderne Wissenschaft, ISB 3-85371-197-9, br., 512 S., Euro 42,90; sFr. 71,60

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