Ein Kommentar pakistanischer Marxisten zur Situation im Nahen Osten

Die putschistische Übernahme des Gazastreifens durch die Hamas stellt eine neue Wende in der Geschichte der Palästinenserbewegung dar – sie markiert einen Wandel, der sich auf große Teile des Nahen Osten ausbreiten wird. Der mörderische Kampf zwischen den beiden wichtigsten Parteien Palästinas, der Fatah und der Hamas, hat sich derart zugespitzt, dass befürchtet wird, er könnte zu Spaltung ihres vermeintlichen Staates führen. Der gegenwärtige Flächenbrand hat nicht nur bewiesen, dass die Zweistaaten-Lösung eine reine Utopie ist, sondern er läutet auch die Totenglocke des bürgerlichen Nationalismus in unserer Epoche.

Die putschistische Übernahme des Gazastreifens durch die Hamas stellt eine neue Wende in der Geschichte der Palästinenserbewegung dar – sie markiert einen Wandel, der sich auf große Teile des Nahen Osten ausbreiten wird. Der mörderische Kampf zwischen den beiden wichtigsten Parteien Palästinas, der Fatah und der Hamas, hat sich derart zugespitzt, dass befürchtet wird, er könnte zu Spaltung ihres vermeintlichen Staates führen. Der gegenwärtige Flächenbrand hat nicht nur bewiesen, dass die Zweistaaten-Lösung eine reine Utopie ist, sondern er läutet auch die Totenglocke des bürgerlichen Nationalismus in unserer Epoche.

Vor mehr als vierzig Jahren erklärte der Genosse Ted Grant in London Vertretern der al-Fatah und anderer linker Gruppen, dass es für die Befreiung Palästinas nur den Weg über die revolutionäre Bewegung der Arbeiterklasse auf einer unversöhnlichen Klassengrundlage gebe. Er skizzierte die Auswirkungen des individuellen Terrors im Namen des bewaffneten Kampfes und betonte, dass jegliche Verhandlungen mit dem Imperialismus oder dem zionistischen Staat die Unterjochung der palästinensischen Massen verstärken werden und benutzt würden, deren Unterdrückung zu intensivieren.

Nach vierundvierzig Jahren, zwei regionalen Kriegen und drei Intifadas hat sich Misere der Palästinenser immer weiter verschlechtert. Die Flamme des palästinensischen Nationalismus flackert und ist kurz davor auszugehen. Der pathetische Zustand des palästinensischen Nationalismus widerspiegelt sich in den letzten Versen des gefeiertsten Dichter der nationalistischen Bewegung dieses tragischen Landes

Oh Zukunft: Frage uns nicht: Wer seid ihr?
Und was willst du von mir?
Denn wir wissen es nicht.

Die mutige und aufsässige Bewegung der Massen für die Befreiung Palästinas, zu der Episoden des Heldenmuts, unzählige Opfer und die Hingabe für die Sache der Palästinenser aus fast fünf Generationen gehörten, waren das Kennzeichen eines Massenwiderstandes, der schon ein halbes Jahrhundert andauert. Die Ideologie, Methoden und der Charakter der Führung hat bei den Unterdrückten in Palästina jedoch zu einem traumatischen Verhängnis geführt und ist in einer Sackgasse angekommen. Der Niedergang der Fatah ist die grausame Konsequent dieser Kompromisspolitik.

Der Aufstieg der Hamas beruht auf das Vakuum, dass durch die Degeneration und den Niedergang der stalinistischen/nationalistischen Linken geschaffen wurde. Die Fatah hat sich unter Mahmood Abbas derart tief herabgelassen, dass sie israelische und US-amerikanische Waffen gegen ihre palästinensischen Brüder und Schwestern einsetzt. Hamas ist vielleicht die erste fundamentalistische islamische Organisation, die ein Gebiet im Nahen Osten kontrolliert. Aber wie bei Fundamentalisten überall auf der Welt sind ihre Ehrlichkeit und Frömmigkeit nur eine Fassade in der Wahrnehmung deklassierter Horden, die aufgrund von Arbeitslosigkeit, Armut, Elend und sozio-politischer Inaktivität ihrer Führer von gewalttätigen und reaktionären Gruppierungen angezogen werden.

Es ist eine Sache, die Sehnsüchte und Gefühle einer verarmten Bevölkerung zu wecken, eine andere jedoch Ordnung zu schaffen und die Kriegsherren, Schmuggler und kriminellen Banden und Jihadisten im Gazastreifen unter Kontrolle zu bringen. Diese Fähigkeiten besitzt die Hamas nicht. Bei einer Arbeitslosigkeit von 70%, verabscheuungswürdigen Gesundheits- und Sozialverhältnissen, können die unbeschreibliche Armut und die Gewalt nicht mit den mythologischen Dogmen und der metaphysischen Rhetorik der Hamas gelöst werden. Sie besitzt keine wissenschaftliche Analyse, Methode und Perspektive, um die Krise zu lösen.

Außerdem werden gewalttätige Erschütterungen ausbrechen, die Risse sowohl in der Hierarchie der Hamas als auch der Fatah öffnen. Es gibt bereits derartige Risse zwischen Khalid Meshaal, dem obersten Führer der Hamas, und Ismael Hamiyah, dem von Abbas seines Amtes enthobenen Premierminister.
Die Anhänger des linken Fatah-Führers Marwan Bargoughti (der in Israel inhaftiert ist und mehrere lebenslange Strafen verbüßen muss) fordern Abbas heraus. Je mehr er gegenüber dem Imperialismus kapituliert und je mehr er als dessen Marionette entlarvt wird, desto stärker wird er sich einer noch größeren Revolte innerhalb der Fatah und der linken Organisationen innerhalb der PLO gegenübersehen.

Die wütenden Feuer in Palästina werden nicht durch so genannte Grenzen und riesige Mauer, die von dem reaktionären Staat Israel errichtet wurden, eingedämmt werden. Die Führer von Ägypten, Jordanien, Saudi Arabien und den anderen arabischen Staaten sind in Panik. Verbunden mit dem wütenden Widerstand im Irak und der neuen Welle von Aufständen im Libanon, wird das palästinensische Inferno diese reaktionären arabischen Diktaturen nicht verschonen.

Ironischerweise werden die Machtkämpfe unter den Palästinensern eine vollkommen andere, noch nie da gewesene Botschaft an die israelische Führung senden. Der Niedergang des palästinensischen Nationalismus wird die Fassade der nationalen Geschlossenheit des Staates Israel anknacksen.
Die heutigen Herrscher in der arabischen Welt können und wollen den palästinensisch-israelischen Konflikt nicht lösen. Sie haben diesen Konflikt schon so lange als Quelle der Duldung für ihre despotische Herrschaft benutzt. Aber die Zunahme von Gewalt und Widersprüchen in den Palästinensergebieten wird die brodelnde Unzufriedenheit und Wut unter den arabischen Massen entfachen. Wenn der Vorhang des nationalen Chauvinismus in Israel fällt, wird dem israelischen Proletariat die reaktionäre, ausbeuterische und brutale Realität des israelischen Staates und der herrschenden Klasse vor Augen geführt.

Das weltweite Wiederaufleben von Klassenkämpfen und revolutionären Erhebungen in der gegenwärtigen Phase wird eine Blitzeinwirkung auf das Bewusstsein der ausgebeuteten ArbeiterInnen und Massen In Palästina, Israel und dem Rest des Nahen Ostens auslösen. Die herrschenden Klassen sind diskreditiert und entblößt worden. Der Fundamentalismus und der Nationalismus haben den Massen nur Elend, Gewalt, Blutvergießen, Entbehrung und Tyrannei gebracht. Wie Hegel einst sagte: "Wer sich der Geschichte nicht erinnert, ist dazu verdammt, sie zu wiederholen."

Mahmood Darveshs Verse verkünden das historische Versagen und die Überholtheit des bürgerlichen Nationalismus. Sein Pathos des palästinensischen Elends ist schmerzhaft und verkündet das Ende eines Zeitalters, einer Ideologie. Der einzige Weg für die wirkliche Befreiung der palästinensischen Massen führt über den Klassenkampf. Die Vereinigung der ArbeiterInnen und der Unterdrückten in allen Ländern, aller Religionen, Ethnien im Kampf zum Sturz des Kapitalismus und Imperialismus kann nur durch eine sozialistische Revolution erfolgreich sein. Die Palästinenser können das nicht allein erreichen. Nur durch einen gemeinsamen Klassenkampf mit den israelischen ArbeiterInnen und anderen unterdrückten Massen in den anderen Ländern der Region kann ein sozialistischer Sieg errungen werden. Dieser Sieg ist nicht nur möglich, sondern der einzige Ausweg aus Kriegen, Zerstörungen, Kreuzzügen, Ausbeutung, Hunger, Elend, Entbehrungen und Blutvergießen, in welche die Menschen in der Region seit mehr als zwei Jahrtausenden eingekerkert sind.

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