Nieder mit den Kriegstreibern! Dalai Lama zu Besuch im Kanzleramt

Am kommenden Sonntag wird „Seine Heiligkeit der XIV. Dalai Lama“, das geistliche und weltliche Oberhaupt einer größeren Gruppe altbuddhistisch orientierter Menschen tibetischer Nationalität, von der Bundeskanzlerin im Kanzleramt empfangen werden. Schon bei seinem letzten Besuch Ende Juli 2007 hatte Der Funke mehrfach darauf hingewiesen, dass hinter den sich häufenden Besuchen „Seiner Heiligkeit“ in Deutschland erheblich mehr steckt, als ein religiöses Event. Es geht um grundsätzliche Fragen der internationalen Politik, um Krieg und Frieden.

Am kommenden Sonntag wird „Seine Heiligkeit der XIV. Dalai Lama“, das geistliche und weltliche Oberhaupt einer größeren Gruppe altbuddhistisch orientierter Menschen tibetischer Nationalität, von der Bundeskanzlerin im Kanzleramt empfangen werden. Schon bei seinem letzten Besuch Ende Juli 2007 hatte Der Funke mehrfach darauf hingewiesen, dass hinter den sich häufenden Besuchen „Seiner Heiligkeit“ in Deutschland erheblich mehr steckt, als ein religiöses Event. Es geht um grundsätzliche Fragen der internationalen Politik, um Krieg und Frieden.

Wir hatten insbesondere darauf aufmerksam gemacht, dass seit Anfang des Jahres 2007 verstärkt auf einen Kurswechsel der deutschen Außenpolitik in Bezug auf „Tibet“ gedrängt wird. Treibende Kraft in diesem Spiel ist der Hessische Ministerpräsident Roland Koch (CDU), der sich bereits seit mehr als 20 Jahren in der Tibetfrage „engagiert“ (Frankfurter Rundschau v. 15.9.07, S. 5). Die Politik des Auswärtigen Amtes unterstützt zurzeit noch nicht offiziell die Linie des Dalai Lama die Autonome Region Tibet von China zu lösen. Offiziell setzt man in diesem Hause seit langer Zeit auf die Ausdehnung der tibetischen Autonomie. Dieses nicht ohne Erfolg: Es gibt inzwischen wieder einen unglaublichen massiven „buddhistischen“ Klosterbetrieb in Tibet. Die Zeiten der so genannten Mao’schen „Kulturrevolution“, inklusive einer rücksichtslosen Unterdrückung der tibetischen Kultur, sind seit einigen Jahren vorbei. Die kapitalistische Oligarchie in Peking versucht vielmehr, das reaktionäre Potenzial des so genannten tibetischen „Buddhismus“ für ihre eigenen Ausbeutungs-Zwecke zu nutzen.

Während „Seine Heiligkeit“ die deutsche Politik und die hiesige Gemeinde des tibetisch orientierten Buddhismus – deren größte Autorität übrigens der ehemalige Kopenhagener Drogen-Papst Lama Olé Nydahl ist – zu instrumentalisieren versucht, um die Interessen der von ihm repräsentierten Tibet-Cliquen zu wahren, hat die kapitalistische Pekinger Oligarchie schon vor Jahren einen tibetischen Jungen als neunen Dalai Lama auserkoren und erzieht diesen systematisch für sein zukünftiges Amt. Der tibetische Buddhismus ist ein vielgestaltiges Phänomen und der Dalai Lama hat durchaus nicht alle Strömungen im Griff. Manche Orden sind durchaus der chinesischen Seite und dem Ausbau der Autonomie zugeneigt und erkennen den von Peking auserkorenen nächsten Dalai Lama an.

Die offensive Wiederzulassung des „buddhistischen“ Kosterbetriebs in Tibet mit inzwischen knapp 200.000 Mönchen hat durchaus auch Loyalität mancher Orden gegenüber der Pekinger Führung erzeugt. Nicht jeder tibetische Buddhist, ja noch nicht einmal jeder „buddhistische“ Orden dort teilt den Separatismus und die Oberhoheit des amtierenden „Dalai Lama“. Der tibetische Buddhismus ist seit Jahren in dieser Frage gespalten und viele einheimische Lamas betrachten Olé Nydahls Umtriebe des Aufbaus einer europäischen Ordensorganisation mit tiefer Skepsis. Der Besuch des Dalai Lama im „Tibetischen Zentrum Hamburg“ Ende Juli 2007 war also insbesondere auch ein politisches Zeichen innerhalb der Fraktionskämpfe des tibetischen „Buddhismus“. Häufige Äußerungen „Seiner Heiligkeit“ dahingehend, dass er nach seiner Rückkehr nach Tibet nicht mehr anstrebe, geistliches und/oder weltliches Oberhaupt der tibetischen Nation zu sein, sind keine Anzeichen von Aufgeklärtheit oder Liberalität, sondern sie sind nichts als das Eingeständnis, dass der amtierende Dalai Lama längst einiges an Strahlkraft und Autorität innerhalb des tibetischen Kulturkreises eingebüßt hat. Ebenso ist seine im Hamburg getätigte Bemerkung zu werten, dass der nächste Dalai Lama durchaus aus „dem Westen“ kommen könnte.

Die Frage nach der tibetischen Autonomie bzw. Sezession spiegelt innerhalb der Organisation des tibetischen „Buddhismus“ einen politischen Machtkampf zwischen den verschiedenen Ordens-Brüdern und ihren jeweiligen Interessen wider. Was ein solches Macht-Spiel – im Kontext wachsender imperialistischer Rivalitäten zwischen asiatischen und „westlichen“ Mächten auf dem asiatischen Kontinent - mit ernsthafter buddhistischer Friedens-Ethik zu tun hat, das müssen sich die streitenden Kloster-Brüder schon selbst zusammen reimen. Allerdings vermuten wir MaxistInnen, dass es ihnen schwer fallen dürfte, eine glaubhafte Antwort vor dem Buddha zu finden.

Die Bundeskanzler Kohl (CDU) und Schröder (SPD) lehnten Treffen mit dem Dalai Lama stets ab um die Beziehungen Berlins zu Peking nicht zu belasten. Als Kohl einmal seinen Außenminister Klaus Kinkel (FDP) dazu auserkor, den Dalai Lama offiziell zu empfangen, lehnte dieser es ab, sich von „Seiner Heiligkeit“ einen Seidenschal als Zeichen enger freundschaftlicher Verbundenheit umhängen zu lassen. Kanzler Schröder wiederum war stets darum bemüht, deutschen Firmen den Billig-Produktionsstandort China schmackhaft zu machen. Wer erinnert sich nicht noch daran, wie häufig der „Genosse der Bosse“ seinen Pekinger Stamokap-Freunden seine unkritische Aufwartung machte. Natürlich wies auch Schröder jeden Kontakt zu separatistischen tibetischen Kreisen weit von sich. Er überlies es 2005 Bundestagspräsident Wolfgang Thierse (SPD), dem Dauergrinser vom Dach der Welt die offizielle Aufwartung der Bundesrepublik machen zu lassen. Zu diesem Zeitpunkt traf erstmals auch die damalige CDU-Fraktionschefin Merkel mit „Seiner Heiligkeit“ zusammen.

Im Frühjahr dieses Jahres war der Dalai Lama in Deutschland um aus der Hand Roland Kochs den vom populistischen Springer-Verlag verliehenen Medienpreis „Osgar“ verliehen zu bekommen. Ende Juli bereiste er dann Deutschland und sprach auf Massenveranstaltungen auffällig viel über Politik und weniger zu religiösen Fragen im engeren Sinne. Anlässlich einer Veranstaltung mit buddhistischen Nonnen in Hamburg wurde auch dem deutschen Publikum offenbar, wie reaktionär jener „Buddhismus“ tickt, den „Seine Heiligkeit“ als weltliches und geistliches Oberhaupt verkörpert. Bis heute ist das offizielle Exil-Tibetertum eine reine Männerclique. Eine Frau als nächster „Dalai Lama“ ist laut in Hamburg getätigten Auskünften des amtierenden Grinsmeisters nur denkbar, wenn (sinngemäß wiedergegeben) es sich um eine sehr attraktive Frau handeln würde, die auf diese Weise viele Menschen anzöge.

Neben seinem Chauvinismus beweist „Seine Heiligkeit“ mit dieser Aussage genau besehen im Übrigen auch, dass es ihm nicht wirklich um die Verbreitung der Ideen des tibetischen „Buddhismus“, sondern um das bloße Wachstum der Anhängerschaft der Institutionen des Klerus geht. Buddhismus ist für diesen Herrn keine ernsthafte philosophische Angelegenheit - wir MarxistInnen achten ernsthafte philosophische und religiöse Lehren - sondern eine Frage rein äußerlicher „Attraktivität“ und der mit dieser einhergehenden Mehrung der Macht (über Menschen) und des Wohlstandes tibetischer Ordens-Brüder. Gleichzeitig zu dessen Deutschland-Tour bereiste Koch Tibet, gab im deutschen Fernsehen merkwürdige Interviews aus Fernost und trug sogar in Peking seine Vorstellungen zum Thema Tibet vor. In wenigstens einem jener Interviews bezeichnete der CDU-Rechtsausleger Koch den „Dalai Lama“ ausdrücklich als seinen persönlichen Freund. Am Wochenende wird der Hessische Ministerpräsident diesem seinen Freund „hessische Identität“ in Korbach präsentieren. … Dieses germanische „Volk“ der Chatten („Hessen“), das dem römischen Imperium einst blutige, permanente Kleinkriege am obergermanischen Limes lieferte und damit sein „Selbstbestimmungsrecht als Volk“ sozusagen erfolgreich in Szene setzte … Als Krönung des Koch’schen Wirkens wird es dem Dalai Lama endlich gestattet sein, im Bundeskanzleramt empfangen zu werden.

Alleine dieser Empfang macht deutlich, dass Koch seinem lange gehegten Ziel, einen Kurswechsel der deutschen Außenpolitik in Sachen Tibet herbeizuführen, inzwischen gefährlich nahe gekommen ist. Wie im Fall der Auflösung des jugoslawischen Staates blutig erprobt, kommt der deutsche Imperialismus auch dieses Mal im Gewand des Friedens daher. Kern der Strategie des deutschen Imperialismus war und ist es, sezessionistische Tendenzen einzelner „Völker“ unter dem unhinterfragten Schlagwort „Selbstbestimmungsrecht der Völker“ als ein natürliches, jederzeit kontextfrei unterstützenswertes Menschenrecht darzustellen. Unter Berufung auf ein vermeintliches kollektives (sic!) Menschenrecht wirkt der deutsche Imperialismus so äußerst aktiv an der Auflösung von konkurrierenden bzw. missliebigen Staaten und Blöcken mit. Hieraus resultierendes Morden und Vertreiben von Minderheiten wird dann wiederum von deutscher Seite zum barbarischen Überrest noch nicht ganz zivilisierter „Völker“ erklärt, denen durch die Zivilisation stiftende Kraft des deutschen Militärs, „das aus Auschwitz gelernt hat“, erst noch beigebracht werden müsse, wie man sich (Vorsicht Ironie) westlich bzw. deutsch und damit anständig-menschlich verhalte.

Lektüreempfehlungen:

Wir empfehlen sehr die auf dieser Homepage jüngst veröffentlichten Beiträge zu dem Thema zu lesen:

„Die Lunte brennt. Die Rolle der deutschen Außenpolitik auf dem Dach der Welt“
(vom 4.9.07 unter der Rubrik „International“)

„Dalai Lama auf Deutschland-Tour. Versuch einer marxistischen Annäherung an den Buddhismus“ (vom 11.8.07)

Aufschlussreich ist auch die Durchsicht der Rezension des Buches „Dalai Lama – Fall eines Gottkönigs“ von Colin Goldner.

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