Airbus/EADS: Nein zum Gift des Nationalismus! Nein zu Power 8!

Vorwort der Redaktion: Die Airbus-Mutter EADS mit Sitz in Paris wollte im Zuge des Sparprogramms Power 8 insgesamt sechs europäische Werke verkaufen und 10.000 Arbeitsplätze abbauen, in einem weiteren Verfahren zudem den Standort in Laupheim. Ende März hatte der Flugzeugbauer allerdings das Scheitern entsprechender Verhandlungen mit der deutschen MT Aerospace über den Verkauf der deutschen Werke Varel, Nordenham und Augsburg bekannt gegeben. Auch in Frankreich scheiterte der Verkauf von zwei Werken an den Zulieferer Latécoère. Sie bleiben vorläufig bei der Airbus-Mutter EADS.

Vorwort der Redaktion: Die Airbus-Mutter EADS mit Sitz in Paris wollte im Zuge des Sparprogramms Power 8 insgesamt sechs europäische Werke verkaufen und 10.000 Arbeitsplätze abbauen, in einem weiteren Verfahren zudem den Standort in Laupheim. Ende März hatte der Flugzeugbauer allerdings das Scheitern entsprechender Verhandlungen mit der deutschen MT Aerospace über den Verkauf der deutschen Werke Varel, Nordenham und Augsburg bekannt gegeben. Auch in Frankreich scheiterte der Verkauf von zwei Werken an den Zulieferer Latécoère. Sie bleiben vorläufig bei der Airbus-Mutter EADS.

Der Rückzieher der Geschäftsleitung betreffs des Werksverkaufs, der zum Teil ein Erfolg unserer Mobilisierung ist, wird nicht von Dauer sein – die „Filialisierung“ der zum Verkauf gestellten Werke innerhalb von EADS ist der erste Schritt. Im Gegenteil, die Geschäftsleitung will ihr soziales Zerstörungswerk fortsetzen, wie der Verkauf des Airbus-Werks in Laupheim an Diehl-Thales zeigt.

Wurden Latécoère und Airbus-France „verraten“?

Zur Zeit kann man beobachten, wie eine große Medienkampagne mit dem Ziel, die Aufmerksamkeit der Arbeitnehmer von Power 8 abzulenken, versucht, nationalistische Ressentiments zwischen Deutschland und Frankreich zu schüren. In einem Schreiben der Toulouser Industrie- und Handelskammer CCI, das der Wirtschaftsministerin Christine Lagarde am 26. Mai überreicht wurde, werden die Deutschen beschuldigt, Airbus France und Latécoère „betrogen“ und „manipuliert“ zu haben, und für das Scheitern der Verkaufsverhandlungen mit Latécoère verantwortlich zu sein.

Der Geschäftsführer von Latécoère droht jetzt mit Entlassungen oder sogar mit Konkurs, obwohl es jede Menge Arbeit gibt. Aber wir wissen, dass dies nur ein Vorwand ist, um von den Arbeitnehmern noch mehr Opfer zu fordern. Die CGT wird sich dem Verkauf von Airbus-Werken weiterhin widersetzen, denn dieses Vorhaben würde im Endeffekt zu Standortverlagerungen führen, wie z.B. der Aufbau eines Werks von Latécoère in Tunesien.

Nein zum Wiederaufflammen des Nationalismus!

Manche hohen Politiker und Airbus-Manager beklagen sich plötzlich über das immer größere Gewicht, das die Deutschen in den führenden Positionen bei Airbus innehaben. Aber dies dürfte sie eigentlich nicht überraschen – schließlich waren sie selber an der Neuorganisation und der Umverteilung der Aktivitäten und Verantwortlichkeiten innerhalb von Airbus beteiligt!

Jetzt wird versucht, die Arbeitnehmer dazu zu bewegen, sich den nationalen Beweggründen des französischen Unternehmertums und seiner Industriekapitäne anzuschließen. Diese Manager haben ihre Energie einzig und allein in den geplanten Verkauf von Airbus-Werken gesetzt, statt sich darum zu kümmern, die Probleme der Firma zu lösen. Sie sind unfähig, die Verspätungen bei der A380 aufzuholen. Sie sind unfähig, Verzögerungen bei der A400M zu vermeiden. Sie sind unfähig, die A350 termingerecht zu lancieren.

Der massive Einsatz von mehr als 2000 deutschen Arbeitnehmern (hiervon eine große Anzahl Leiharbeitskräfte), die seit 2 Jahren versuchen, « Restarbeiten » durchzuführen, ist auf eine schlechte Arbeitsorganisation zurückzuführen, mit der verzweifelt versucht wird, die Verzögerungen bei der A380 aufzuholen. Französische und deutsche Arbeitnehmer sitzen im selben Boot (bzw. Flugzeug) !
Während manche vorgeben, dies sei allein „die Schuld der Deutschen“, mit dem Ziel, die Arbeitnehmer gegeneinander aufzuwiegeln, versuchen sie, davon abzulenken, dass dies in Wirklichkeit die Schuld von POWER 8 ist !

Gemeinsam gegen Power 8!

2007 hatte die Geschäftsleitung alles unternommen, um die innereuropäische Zusammenarbeit der Gewerkschaften durch Ausspielen der nationalistischen Karte kaputtzumachen. Trotzdem ist es uns gelungen, gemeinsame Kundgebungen durchzuführen, deutsche Arbeitnehmer haben unter der Fahne der IG Metall in Toulouse demonstriert. Diese Möglichkeit einer einheitlichen Gewerkschaftsfront hat zu großer Panik bei unserem Management geführt! Aber durch Unterstreichen von nationalistischen Argumenten, stark hervorgehoben durch manche der französischen Gewerkschaftsführer, wurde die Zusammenarbeit der europäischen Gewerkschaften zerstört. Wir müssen uns jedem Versuch, gleich aus welcher Richtung, die Arbeitnehmer eines Landes gegen die eines anderen Landes aufzuwiegeln, energisch widersetzen. Von der Spaltung der Arbeitnehmer profitieren einzig und allein die Befürworter von Power 8!

Schuld ist nicht die Tatsache, dass wir Deutsche oder Franzosen sind, sondern, dass nur die egoistischen Interessen der Aktionäre, gleich welcher Nationalität, Gewicht haben. Wir fordern alle Länder auf, Power 8 fallen zu lassen!


Nachwort:

Auf Initiative von Hubert Prévaud, gewerkschaftlicher Vertrauensmann der linken Gewerkschaft CGT bei Airbus in Toulouse und Aktivist unserer französischen Schwesterströmung La Riposte, wurde im März 2007 ein internationalen Aufruf zur Verstaatlichung von Airbus-EADS unter Arbeiterkontrolle gestartet (http://www.derfunke.de/content/view/415/75), der auch in Deutschland viel Aufmerksamkeit erweckte und auch eine Diskussion über die Forderung nach Verstaatlichung entfachte (siehe Antwort auf Prof. Joachim Hirsch http://www.derfunke.de/content/view/437/75/). Auf seine Initiative ist auch dieser Appell entstanden.

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