Griechenland: Belegschaft führt zweitgrößte Zeitung des Landes selbstverwaltet weiter

Das ist die Geschichte der linksgerichteten griechischen Zeitung Eleftherotypia, deren Belegschaft den „Sachzwängen“ trotzte und auf den drohenden Konkurs mit der Kontrolle des Betriebs durch die ArbeiterInnen reagierte.
Die Belegschaft bei Eleftherotypia, der zweitgrößten Zeitung Griechenlands, sichert damit nicht nur den Fortbestand des Blattes, sondern arbeitet auf einen Erfolg hin, wie er unter der Leitung der Eigentümer unmöglich war.

Das ist die Geschichte der linksgerichteten griechischen Zeitung Eleftherotypia, deren Belegschaft den „Sachzwängen“ trotzte und auf den drohenden Konkurs mit der Kontrolle des Betriebs durch die ArbeiterInnen reagierte.
Die Belegschaft bei Eleftherotypia, der zweitgrößten Zeitung Griechenlands, sichert damit nicht nur den Fortbestand des Blattes, sondern arbeitet auf einen Erfolg hin, wie er unter der Leitung der Eigentümer unmöglich war.
Dieser Bericht basiert auf einem Interview mit einem prominenten Mitglied des demokratisch gewählten Redaktionskomitees der ‚Beschäftigten von Eleftherotypia‘, Moisis Litsis, Vorstandsmitglied der Athener JournalistInnengewerkschaft.

Im August 2011 erklärten die Inhaber der Zeitung, dass es ihnen nicht mehr möglich sei die Angestellten zu bezahlen. Die ausstehenden Löhne wurden bis heute noch nicht überwiesen. Daraufhin organisierte die Belegschaft am 22. Dezember vergangenen Jahres einen Streik, der bis heute andauert.

Am Mittwoch, dem 15. Februar 2012, wurde die erste Ausgabe der neuen Eleftherotypia unter der Kontrolle der Belegschaft veröffentlicht. Das Blatt erschien mit dem Titel ‚Die Beschäftigten der Eleftherotypia‘. Seither verzeichnete die Zeitung Verkaufszahlen von 31.000 Stück bei der ersten Ausgabe und 33.000 bei der zweiten. „Die Menschen wollten genau ein Blatt wie dieses, die Reaktionen darauf waren sehr gut!“, sagt Litsis.

Angesichts der momentanen Lage in der griechischen Gesellschaft entspricht kritischer Journalismus genau dem Bedarf der Bevölkerung an zuverlässiger Information. Dass die bürgerliche Presse nur die Interessen der herrschenden Klasse zum Ausdruck bringt, ist für alle offensichtlich. Ursprünglich entstand die ‚Eleftherotypia’ in der Phase der politischen Radikalisierung nach dem Sturz der griechischen Militärjunta 1974. Die Zeitung befand sich auch damals im Besitz der JournalistInnen. Eleftherotypia verkörpert eine radikale Tradition und zeichnete sich immer durch eine klare internationalistische Haltung aus. Das Blatt ist seit Beginn dafür bekannt, dass es ein Forum für die Meinungen aus dem linken politischen Spektrum darstellt. Im April 1977 etwa betrieb die radikale Stadtguerilla N17 ihre Kommunikation rein über Eleftherotypia.

Nach einer ersten Phase der Selbstverwaltung durch die Belegschaft wurde die Zeitung 1978 von den Brüdern Tegopoulos gekauft. Die Verkaufsrechte gingen dann an Thanasias Tegopoulos über, derzeit befindet sich das Blatt offiziell im Besitz der Firma HK Tegopoulos. Unter den Bedingungen der Krise zeigt sich jedoch, dass die privaten Investoren nicht mehr imstande sind die Zeitung weiterzuführen.

Das Redaktionskomitee der Zeitung wurde bei einer Vollversammlung direkt von den Streikenden gewählt. Die Belegschaft umfasst 800 ArbeiterInnen, JournalistInnen, technisches Personal, Reinigungskräfte und HausmeisterInnen. Alle bemühen sich nun die neu entstandene Zeitung im Land zu vertreiben, zu einem Preis von einem Euro pro Stück. Dieses Geld wandert direkt in die Streikkasse für das Personal und dient zur Produktion weiterer Ausgaben. Damit zeigt die Belegschaft wie ArbeiterInnenkontrolle und -demokratie funktionieren kann, wenn es eine Strategie und einen Plan gibt.

Die KollegInnen bei der Eleftherotypia haben mittlerweile ausstehende Löhne in der Höhe von mittlerweile insgesamt sieben Millionen Euro. Der Streik erfuhr bisher eine breite Unterstützung seitens der Bevölkerung und es entwickelte sich eine hervorragende Solidaritätsbewegung, was sich auch in den hohen Verkaufszahlen widerspiegelt. „Viele LeserInnen leisteten schon von Anfang an Unterstützung“, erzählt uns Litsis. „Aber jetzt kaufen auch viele Menschen die Eleftherotypia, die sie zuvor nie gekauft haben.“ Gedruckt wird die Zeitung nun mit Unterstützung der Mediengewerkschaft.

Die neue Organisationsstruktur bei Eleftherotypia hat auch klare politische Auswirkungen. Die Redaktion verhandelt nicht mehr mit dem Management über den Inhalt der Zeitung, der rein von der Belegschaft beschlossen wird. „Das Wichtigste daran ist, dass wir zeigen, dass wir trotz der verschiedenen politischen Ansichten in der Belegschaft in der Lage sind eine bessere Zeitung zu veröffentlichen als unter den alten Eigentümern. Wir arbeiten gut zusammen und müssen uns von den gut bezahlten Managern nicht mehr sagen lassen, was wir schreiben dürfen und was nicht.“ Litsis erklärt auch wie politische Konflikte in der Vollversammlung der Streikenden gelöst werden: „Wir werden immer wieder gefragt, wie die Redaktion arbeitet. Nun, nach einer ausführlichen Diskussion entscheidet am Ende immer die Mehrheit.“ Er meint es stellt ein Problem dar, dass viele der Artikel in der neuen Zeitung aus Angst vor Repressalien anonym veröffentlicht werden.

Das Management bei HK Tegepoulos tut natürlich alles in seiner Macht stehende, um der Belegschaft das Leben weiter schwer zu machen. Es ließ im Redaktionsgebäude die Heizung, in weiterer Folge die Systeme, die von Redakteuren benutzt werden, und schließlich andere Bereiche des Produktionsbetriebs abschalten.

Der Fall von Eleftherotypia ist in der internationalen Presselandschaft einzigartig, in Griechenland aber nicht der einzige Fall von ArbeiterInnenkontrolle. Viele Unternehmen haben ihren MitarbeiterInnen schon lange keine Löhne mehr bezahlt. Auf Grund der kapitalistischen Krise, die Griechenland derzeit verwüstet, gehen unzählige Unternehmen in Konkurs und bekommen keine Kredite mehr. Derzeit hat das Management von HK Tegopoulos rechtliche Schritte eingeleitet, versucht das Redaktionskomitee einzuschüchtern und droht diesen KollegInnen mit der Entlassung. Die Beschäftigten versuchen aber ihrerseits ebenfalls das Management rechtlich zu belangen.

Die Lage in Griechenland verschlimmert sich unter der Diktatur der Troika und angesichts der Unterordnung der Regierung unter dieses Diktat immer mehr. Der Widerstand von Belegschaften wie jener von Eleftherotypia kann so zum Bezugspunkt für all jene werden, die einen Ausweg aus der kapitalistischen Sackgasse suchen. Diese grundlegenden Elemente einer ArbeiterInnendemokratie müssen vertieft und erweitert werden. Die linken Parteien haben jetzt die Aufgabe diesen Kämpfen eine politische Perspektive zu geben. Die Lösung der kapitalistischen Krise in Griechenland ist nur durch ein Programm der sozialistischen Umwälzung möglich.

Website der “Beschäftigten von Eleftherotypia”
Website des ArbeiterInnenkomitees Eleftherotypia

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