Afghanistan: Aufstände der Taliban

Die Befreiung von Gefangenen in Kandahar beweist, dass die Besetzung des Landes durch die NATO die Aufstände der Taliban entfacht. Seit Jahren behaupten die Regierungen der in Afghanistan beteiligten NATO-Staaten, die bürgerliche Presse und eine Armee so genannter Experten unisono, dass sich "die Situation in Afghanistan verbessert". Es ist kaum möglich, sich mit Hilfe der bürgerlichen Medien, die versuchen, den Krieg aus dem Rampenlicht zu holen und ihn auf die hinteren Seiten zu platzieren, einen klaren Überblick über die Lage in Afghanistan zu verschaffen. Aber, wie so oft, haben bestimmte Vorfälle die Wahrheit ans Licht gebracht.
Bild: Nach dem Anschlag auf die indische Botschaft in Kabul.

Die Befreiung von Gefangenen in Kandahar beweist, dass die Besetzung des Landes durch die NATO die Aufstände der Taliban entfacht. Seit Jahren behaupten die Regierungen der in Afghanistan beteiligten NATO-Staaten, die bürgerliche Presse und eine Armee so genannter Experten unisono, dass sich "die Situation in Afghanistan verbessert". Es ist kaum möglich, sich mit Hilfe der bürgerlichen Medien, die versuchen, den Krieg aus dem Rampenlicht zu holen und ihn auf die hinteren Seiten zu platzieren, einen klaren Überblick über die Lage in Afghanistan zu verschaffen. Aber, wie so oft, haben bestimmte Vorfälle die Wahrheit ans Licht gebracht.
Bild: Nach dem Anschlag auf die indische Botschaft in Kabul.

Am 13. Juni führten Taliban-Kämpfer bei einer der bisher größten Guerilla-Aktionen einen groß angelegten Angriff auf das Gefängnis in Kandahar durch. Fast 1200 Gefangene wurden befreit, darunter waren 400 Taliban-Rebellen. In den folgenden Tagen eroberten die Taliban sieben Städte und Dörfer in der Region Arghandab in der Provinz Kandahar. Dies war ein großer Sieg der Taliban, die schon öfters von den Sprechern der Koalition und der "unabhängigen" Presse für tot erklärt worden waren.

Die Offensive kam für die NATO-Streitkräfte und die Regierung Karzai überraschend und zwang diese zu einem eilig vorbereiteten Gegenangriff. Das Gebiet wurde schließlich zurückerobert, was von den bürgerlichen Medien als Sieg deklariert wurde, in den Ohren der meisten Menschen jedoch unglaubwürdig klingt.

Die Taliban wollen die NATO nicht zu einem Stellungskrieg zwingen, welcher für sie mit einem Desaster enden würde, weil sie nicht die Panzer, Flugzeuge, Lenk- und andere Hochtechnologiewaffen haben, über die die NATO in Hülle und Fülle verfügt. Die Taliban waren schon immer eine Guerilla-Armee. Die NATO sollte das wissen, denn schließlich wurden sie in dieser Taktik von der CIA und dem US-Außenministerium im Afghanistan-Krieg ausgebildet. Das Ziel der Guerilla-Armee ist es, die Glaubwürdigkeit der Regierung Karzai und der NATO zu erschüttern und deren Unterstützung durch die afghanische Bevölkerung zu untergraben, ein Ziel, dass die Taliban - trotz ständiger gegenteiliger Beteuerungen aus dem Westen - zu erreichen scheinen.

Die letzte Schlacht ist nur ein weiterer Beweis für eine schon existierende Wahrheit: Der Krieg in Afghanistan ist nicht zu gewinnen. Die Fakten, welche die allgemeine Lage im Land beschreiben, sprechen für sich. 200.000 Afghanen wurden aus ihren Dörfern und Städten vertrieben und befinden sich noch irgendwo im Land, weitere zwei Millionen wurden gezwungen in den Iran und nach Pakistan zu fliehen; der Opiumhandel hat immens zugenommen; die Korruption ist allgegenwärtig, viele Polizisten, Soldaten und Regierungsangehörige sind desertiert und schließlich besteht die nichtbeherrschbare Widerstandskraft der Aufständischen. Es ist kein Wunder, dass man in den Schlagzeilen nichts vom Tod von Soldaten erfährt, denn die Bourgeoisie fürchtet sich davor, tiefgründig über die bestehende Lage zu sprechen. Die Diskussion über den Krieg wird durch die Medien und die westlichen Regierungen mit Hurrapatriotismus-Parolen wie "Unterstützt unsere Soldaten" abgewürgt.

Diese von Bush, Brown, dem kanadischen Premierminister Harper und Bundeskanzlerin Merkel verfolgte Linie erweist sich jetzt als völlige Lüge. Letztens berichtete der Armee-Kaplan Jean Johns vom Fall eines von ihm betreuten kanadischen Soldaten, der am posttraumatischen Stresssyndrom litt. Der Soldat wurde psychisch krank, als er beobachtete, wie ein afghanischer Soldat einen kleinen Jungen vergewaltigte und den Befehl bekam, nicht einzugreifen. Es stellte sich später heraus, dass solche Ereignisse in Afghanistan zur Tagesordnung gehören und immer mehr Soldaten am posttraumatischen Stresssyndrom leiden.
Die Regierungsparole "Unterstützt unsere Truppen" erweist sich aufgrund solcher Geschehnisse immer mehr als glatte Heuchelei. Durch das politische Mandat der NATO-Regierungen werden die SoldatInnen bewusst extrem gefährlichen Situationen in Afghanistan ausgesetzt. Das hat dauerhafte Auswirkungen auf sie. Was für eine Regierung definiert das Wort "Unterstützung" mit der Entsendung von Männern und Frauen aus der Arbeiterklasse in einen Krieg, der weder populär und noch gewinnbar ist und setzt sie unnötigen extremen psychischen Leiden aus? Für welche Zwecke werden diese jungen Soldaten geopfert?

Kürzlich veröffentlichte die kanadische CTV News einen Bericht über die transafghanische Ölpipeline, welche in naher Zukunft die von den Kanadiern kontrollierte Provinz Kandahar erreicht. Der Artikel erörterte die dringende Notwendigkeit, dort Truppen zu stationieren, um dieses wichtige unternehmerische Projekt zu schützen. Vor einigen Jahren haben wir erklärt, dass das ständige Streben der herrschenden Klasse im Westen nach Profit und Macht das eigentliche Motiv für den Afghanistan-Krieg ist.
Der Imperialismus ist die wirkliche Ursache, für welche die westlichen Soldaten und afghanischen Zivilisten geopfert werden. Die afghanische Pipeline, die das Ziel hat, Öl vom Kaspischen Meer durch Pakistan in das Arabische Meer zu pumpen, soll so schnell wie möglich fertig gestellt werden, um einer ähnlichen iranischen Pipeline, welche die gleichen Ziele verfolgt, zuvorzukommen. Es würde den Westen schwer treffen, wenn es dem Iran gelänge, Zugang zu und Kontrolle über kaspisches Öl zu bekommen, da dies den herrschenden Klassen im Iran, in Russland und China einen ernsthaften ökonomischen und politischen Vorteil verschaffen würde. Afghanistans strategische Lage ist für den westlichen Imperialismus lebenswichtig. Der CTV-Artikel bezeichnete diesen speziellen Kampf zwischen den imperialistischen Mächten als "The Great Game" (Das große Spiel), ein Name, der aus einer Serie von Kriegen stammt, die Russland und Großbritannien am Ende des 19. Jahrhunderts führten. Es scheint, dass sich seitdem wenig geändert hat: Die internationale Arbeiterklasse wird nach wie vor wie Bauern auf dem Schachbrett benutzt, um die Gier dieser oder jener imperialistischen Clique zu befriedigen.

Es handelt sich in Afghanistan um einen imperialistischen Krieg. Er wird geführt wegen der Profite der Bosse und der politischen Macht und des Einflusses, den sie benötigen, um sich zu schützen. Der wachsende Einfluss der Taliban ist völlig verständlich. Er widerspiegelt die reale Situation im Land. Die wachsende Enttäuschung der afghanischen Bevölkerung über die Regierung Karzai und den Westen hat zur Folge, dass sich immer mehr Menschen den Taliban-Kämpfern anschließen. Die Besetzung des Landes durch die NATO fungiert als einer der besten Rekrutierungsoffiziere der Aufständischen. Der Militärtheoretiker Carl von Clausewitz bezeichnete den Krieg als Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln. Andersherum ist es nicht möglich. Die Wirtschaftspolitik des Kapitalismus mit der ihr anhaftenden Ausbeutung, Gewalt und Instabilität wird mit vorgehaltenem Bajonett nach Afghanistan gebracht. Auf dieser Grundlage gibt es für das afghanische Volk keine Lösung seiner Probleme und die militärische Besetzung führt nur zu einer Verschärfung der Lage. Wir müssen dafür kämpfen, dass alle ausländischen Truppen das Land verlassen, damit sich das afghanische Volk selbst von der imperialistischen Unterdrückung befreien kann. Die Kriege im Nahen und Mittleren Osten sind ein Produkt des Kapitalismus und wir können uns letztendlich nur von den Kriegen befreien, wenn wir uns vom Kapitalismus befreien.

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