Kategorie: Antifaschismus

Kundgebung in München: Rote Karte für jede Art von Rassismus und Antisemitismus

Auf Initiative verschiedener Einzelpersonen und Gruppen sowie des Funken München fand am 16. August eine kurzfristig anberaumte Kundgebung gegen einen antisemitischen Angriff im Münchner Stadtteil Schwabing statt.


Ein Passant hatte dort am 3. August einen Rabbiner und seine zwei Söhne am 3. August angegriffen und beschimpft. Eine Frau, die mit ihrem Auto angehalten hatte, eilte nicht zur Hilfe, sondern beschimpfte die jüdische Familie ebenfalls und soll sie sogar bespuckt haben.

An der Kundgebung beteiligten sich viele empörte Jüdinnen und Juden und Aktive aus verschiedenen linken Organisationen, darunter auch LINKE-Mitglieder. Die Kundgebung wurde moderiert von Max Brym (LINKE- und Funke-Mitglied). Für den Funken richtete sich Andreas Lohse an das vornehmlich deutsch-jüdische Publikum. In seinem Redebeitrag drückte er Solidarität und Mitgefühl mit der betroffenen Rabbinerfamilie aus. Antisemitismus bedeute „Entmenschlichung von Jüdinnen und Juden in jeglicher Form, und die esoterische Phantasie, dass Juden Schuld haben an den Unzulänglichkeiten des Kapitalismus“, erklärte er. „Das unterscheidet Antisemitismus von anderem Rassismus.“ Vor dem Hintergrund zunehmender Krisenanfälligkeit der kapitalistischen Weltwirtschaft und einer wachsenden Anzahl von Kleinbürgern und abgeschlagenen Kleinunternehmern, denen die Zukunft verbaut zu sein scheine, nehme auch der Antisemitismus in Deutschland und der Welt zu. „Trotzdem distanziert sich eine Mehrheit heute von Angriffen und Pöbeleien wie hier in München. Aber reicht nicht eine tatbereite Minderheit, die Gleichgültigkeit der Mehrheit und eine tiefgreifende Krise der Gesellschaft?“, so seine Frage.

In einer tiefgreifenden wirtschaftlichen Krise könne sich ein Land schnell verändern. Und je schwächer in einer tiefgreifenden Krise sozialistische Antworten auf die Krise seien, umso stärker sei die rechte demagogische Scheinkritik unter dem Motto: „Nicht Dein deutscher Vermieter hat Dich auf die Strasse gesetzt. Nicht Dein deutscher Boss hat Dich entlassen. Nicht die Deutsche Bank hat Dir den Kredit gestrichen. Das waren Ausländer, Fremde und vor allem die Juden.“ Umso wichtiger sei jetzt Aufklärung über die Hintergründe, so Andreas Lohse. „Machen wir unter Kollegen bekannt, wie Antisemitismus von den Eliten im eigenen Land demagogisch als Blitzableiter für sozialen Protest benutzt werden kann“, so sein Appell. Es sei an der Zeit, Antisemiten und Rassisten aus den Gewerkschaften und den Organisationen der Arbeitenden zu vertreiben und Juden zu ermutigen, sich wieder mehr in der politischen Linken und den Organisationen der Arbeitenden zu organisieren. Diese Organisationen hätten auch die Pflicht, aktiv gegen faschistische Angriffe vorzugehen.

Max Brym hatte zuvor in seiner Rede betont, dass der Antisemitismus sich immer unverschämter zeige. Allein in Bayern wurden seit April 72 antisemitische Straftaten verübt, davon 36 in München. Die Dunkelziffer liegt nach seiner Auffassung „ allerdings viel höher“. Er erinnerte daran, dass der Stadtteil Schwabing einst die Hochburg der Hitlerpartei NSDAP gewesen sei. „Auch heute wird vor allen in bestimmten Kreisen des abstiegsbedrohten Kleinbürgertums wieder die antisemitische Karte gezogen.“ Daher sei es eine elementare Aufgabe der Arbeiterbewegung in Zeiten der hereinbrechenden Krise des kapitalistischen Wirtschaftssystems, der Gesellschaft eine sozialistische Perspektive aufzuzeigen und jeder Art von Rassismus und Antisemitismus die Rote Karte zu zeigen, so sein Appell.

 

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