Kategorie: Deutschland

Editorial Funke Nr. 118: Nehmt ihnen die Welt aus der Hand

Immer hohler und platter wirkt das liberale Credo „Der Markt wird’s schon richten“. Denn auch über 10 Jahre nach Ausbruch der Krise von 2008 und etliche Klimagipfel später ist nichts gelöst, im Gegenteil: eine Klimakatastrophe jagt die nächste.


Die Symptome der in ihm wütenden Krankheit sind schwer zu übersehen: in Luft, Wasser und Erdreich finden sich zunehmend mehr Schadstoffe aus Industrie, Verkehr und intensiver Landwirtschaft. Politiker und Kapitalisten sehen tatenlos zu, wie die grünen Lungen der Erde in Asche aufgehen und der CO2-Ausstoß immer weiter ansteigt. Und das ist durchaus keine Lappalie: nicht nur im Amazonas-Gebiet brennen die Wälder, zusammengerechnet stehen in Angola und im Kongo mehr als 10.000 einzelne Waldgebiete in Flammen.

Die Antwort der G7-Staaten auf die verheerenden Waldbrände bei ihrem jährlichen Treffen Ende August in Biarritz? Läppische 17,9 Millionen Euro für die Rettung des Amazonas von den führenden Industrienationen der Welt. Zum Vergleich: 2018 haben die USA umgerechnet knapp 590 Milliarden Euro für Militärausgaben verschwendet, in Deutschland beträgt der Rüstungsetat immerhin knapp 45 Milliarden. Kriege sind die mitunter schlimmsten Umweltkiller, aber für das Säbelrasseln der Kriegstreiber scheinen ohne Probleme Summen in Milliardenhöhe aufgebracht werden zu können.

Gleichzeitig sind die Staatskassen scheinbar leer, zum Beispiel wenn es darum geht, in Großstädten bezahlbaren Wohnraum zu schaffen. Vor allem für junge Menschen wird die Wohnungssuche zur Qual, da sie kaum ein bezahlbares Zimmer finden. Der Ansturm auf die wenigen, die es gibt, ist immens. Immer mehr Jobs sind befristet und prekär. Es ist nicht zu viel verlangt, wenn wir uns eine saubere Umwelt, eine qualitativ hochwertige Bildung, eine sinnvolle und gut bezahlte Arbeit, gute Ernährung und eine bezahlbare Wohnung wünschen. Wir haben ein Recht auf all das. Aber was erhalten wir stattdessen?

Fürs Leben sollen wir lernen, sagt man uns. Werden wir an den Schulen und Hochschulen tatsächlich fürs Leben vorbereitet? Mit dem Erlernten wollen wir etwas Sinnvolles für die Menschheit bewirken, aber wir stellen sehr früh fest, dass wir ein kleines Rädchen sind, das funktioniert um weiter das große Rad des privaten Profits zu drehen. Wo man hinsieht, dominiert das Interesse der Kapitalisten ihren Profit zu maximieren: Wenn ich Medikamente entwickeln will, um Krankheiten zu heilen, merke ich schnell: Geld regiert auch in der Forschung und meistens nicht für das Wohl der Patienten. Wenn ich in der Pflege und Medizin kranken oder alten Menschen helfen will, merke ich schnell, dass es die Lebensbedingungen sind, die viele Menschen körperlich und psychisch krank machen und die Zeitvorgaben für Therapie und Pflege vorne und hinten nicht reichen. Wenn ich Menschen zu ihrem Recht verhelfen will, merke ich schnell: Das Gesetz ist wie ein Spinnennetz. Die Kleinen werden gefangen, während die Großen das Netz zerreißen und entkommen.

Das ist doch alles krank, denken sich viele. Manche resignieren und blenden alles aus. Andere werden selbst krank, weil sie den Irrsinn nicht mehr ertragen können. Nicht umsonst ist die Zahl der Depressionen in den letzten 10 Jahren um ein vielfaches gestiegen.

So kann es nicht weiter gehen. Ein Plan(et) B steht nicht bereit. Die Symptome sind unübersehbar. Aber wie sehen die Diagnose und die Therapie aus, ohne die sich auch eine Krankheit nicht erfolgreich behandeln lässt?

System change, not climate change!

Es ist an uns zu sagen, was ist: Die Krankheit heißt Kapitalismus. Solange sich nichts an den Zuständen ändert, werden wir immer mehr Zerstörung erleben, eventuell mit ein paar Pillen gegen die Katastrophenschmerzen, wenn wir sie uns leisten können. Wir brauchen einen radikalen Wechsel. Alles untersteht dem Zwang zur Profitmaximierung, dem Privateigentum, dem Diktat weniger weltumspannender Großkonzerne. Das Wohl des Menschen und nicht der private Profit muss den Ton angeben. Wir haben nichts zu verlieren außer eine sichere Zerstörung unserer Erde.

Die historische Chance, den drohenden Klimawandel mit einem Systemwandel zu bekämpfen, tut sich jetzt auf. Klimastreikbewegung und Arbeiterbewegung gehören zusammen. Wir brauchen jede und jeden, um diese Krankheit zu überwinden und eine bessere Welt zu erschaffen. Warten wir nicht darauf, dass sich Wirtschaftsbosse und ihnen hörige Politiker erbarmen und vielleicht einsehen könnten, was sie anrichten. Das werden sie nicht tun. Nehmt ihnen die Welt aus der Hand und packt mit an beim Aufbau einer neuen Gesellschaft ohne Profitgier und ohne Ausbeutung von Mensch und Natur!

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REVOLUTIONÄRER WANDEL STATT KLIMAWANDEL


Inhalt

Editorial
2 Nehmt ihnen die Welt aus der Hand

Deutschland
3 Neue Abgründe tun sich auf
4 Warnschüsse aus Sachsen und Brandenburg

Kapital und Arbeit
7 Klimakiller Auto, Lkw und Flieger
8 Arbeit in der Autofabrik
9 „Das haben wir schon immer so gemacht“

Klimastreiks
10 Für revolutionären Wandel statt Klimawandel!
12 Gemeinsam gegen den Klimawandel streiken!
13 Warum wir eine CO2-Steuer ablehnen

Theorie
14 Warum du für den Sozialismus kämpfen solltest

Geschichte
16 Aufstieg und Krise der DDR

International
18 Wer braucht Reformismus ohne Reformen?
20 Was steckt hinter der Regierungskrise in Italien?

Kultur und Berichte
21 FAQ des Marxismus
22 Die IMT-Weltschule 2019


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