Kategorie: Deutschland

"Eier aus Kruppstahl": Böhmermann stellt Hohenzollernprinz bloß

Unter der Rubrik „Eier aus Stahl“ stellt Jan Böhmermann in seiner ZDF-Show Neo Magazin Royale besonders mutige Menschen vor, die sich trotz Kritik von allen Seiten und der scheinbaren Absurdität ihrer Ziele nicht von ihren Vorhaben abbringen lassen und so echten Mut beweisen.


Dieser Tage war Georg Friedrich Prinz von Preußen Protagonist der Sendung, also der Ururenkel des letzten deutschen Kaisers. Dass Georg Friedrich als Vertreter seiner Familie, der Hohenzollern, seit einiger Zeit in geheimen Verhandlungen mit dem deutschen Staat Entschädigungen in Millionenhöhe, Kunstwerke sowie unentgeltliches Wohnrecht im Potsdamer Schloss Cecilienhof fordert, schien auch Böhmermann so zu irritieren, dass er dem Prinzen eine halbe Stunde seiner Sendezeit widmete. Darin rückte Böhmermann die Rückerstattungsforderungen in den Kontext des politischen Wirkens der Familie Hohenzollern in der deutschen Geschichte. So beschrieb er die Rolle des Hohenzollern-Kaisers Wilhelm II. beim ersten deutschen Völkermord an den Herero in den deutschen Kolonien. Dieser Völkermord wird bis heute nicht von der Bundesregierung als solcher anerkannt, aus Angst Entschädigungen an die Überlebenden und ihre Familien zahlen zu müssen. Während der deutsche Staat die Nachfahren der Opfer also um ihre Entschädigung bringt, verhandelt er mit den Nachfahren der Tätern um Entschädigung.

Dabei sind die Hohenzollern alles andere als arm. Böhmermann brachte es in der Sendung auf den Punkt: „(…) der Kaiser wurde nach dem Krieg nämlich nicht etwa vor Gericht gestellt und zum Tode verurteilt, wie es sich für einen anständigen Monarchen gehört. Ne ne, er durfte seinen ganzen Krempel in über 50 Eisenbahnwagoons verpacken und abhauen, verschwinden, flüchten nach Holland ins Exil. Über 50 Eisenbahnwagons voll mit wertvollem Kaiserzeug hat er mitgenommen (…) Vom Steuerzahler finanziert. Das alles müsste doch noch irgendwo bei dir [gemeint ist Georg Friedrich Prinz von Preußen. Anm.des Verfassers] rumliegen im Schloss.“

Aber das ist natürlich noch nicht alles. Nicht nur besitzt der Prinz und seine Familie bereits Immobilien, sondern ist auch selber Unternehmer. Arm und bedürftig ist Georg Friedrich also wahrlich nicht. Und das im Gegensatz zu den Zehntausenden, die gegenwärtig in Berlin nach einer erschwinglichen Wohnung suchen, während Georg Friedrich kostenloses Wohnrecht im Potsdamer Schloss Cecilienhof mit über 170 Zimmern verlangt.

Böhmermann wirft auch die entscheidende Frage auf: Woher hat die Familie der Hohenzollern überhaupt ihr Vermögen? Die Antwort ist klar: Aus unseren Steuern und der Arbeit, dem Schweiß und dem Blut unserer Vorfahren und unterdrückter Völker aus aller Welt. Wie Georg Friedrich also auf die Idee kommt, all dieser Reichtum sei sein Eigentum, ist dem Autor ein Rätsel.

Die Hohenzollern und die Nazis

Die Hohenzollern haben in der deutschen Geschichte schon immer eine reaktionäre Rolle gespielt. Seien es die Niederschlagung der Revolution von 1848, der deutsche Kolonialismus oder der 1. Weltkrieg. Aber entscheidend für die Frage der Entschädigung ist ein anderes Kapitel der deutschen Geschichte.

Damit die Hohenzollern nach einem Gesetz von 1994 entschädigt werden, dürfen ihre Vorfahren, also die, die durch die Sowjetunion nach dem zweiten Weltkrieg enteignet wurden, den Nazis keinen erheblichen Vorschub geleistet haben. Ob das der Fall war, ist gegenwärtig Gegenstand eines historischen und juristischen Streits in dessen Verlauf vier Gutachten zu dieser Frage entstanden sind. Bislang waren diese Gutachten geheim, doch Böhmermanns Redaktion veröffentlichte sie vollständig auf der Website hohenzollern.lol. Alle vier sind lesenswert und sprechen für sich. Wir werden diesem Thema zeitnah einen eigenen Artikel widmen.

Der Rechtsstreit

Böhmermann erwähnt in seiner Sendung die große Zahl von Rechtsstreitigkeiten, die Georg Friedrich und sein Anwalt gegen Journalisten, Historiker und Parteien angezettelt haben. Auch diese Website www.derfunke.de war Teil eines solchen juristischen Konflikts. Nachdem wir das erste Mal einen Artikel zu diesem Thema veröffentlichten (Hohenzollern und Co. Enteignen vom 26.8.19) flatterte uns ein Mahnschreiben eines Anwalts des Prinzen ins Haus.

Uns wurde vorgeworfen, in drei Punkten inkorrekte Aussagen getätigt zu haben und uns im Sinne des Medienrechts nicht auf sogenannte "privilegierte Quellen", sondern auf "nicht bestätigte Meldungen" wie zum Beispiel andere Zeitungsartikel oder Presserklärungen von Parteien berufen zu haben.

Eine davon betraf die angebliche Forderung der Hohenzollern nach einem staatlich finanzierten Museum über die Geschichte der Hohenzollern, in dem die inhaltliche Linie von den Hohenzollern bestimmt werden solle. Der Prinz bestreitet dies. WIr bezogen uns dabei auf eine Petition der LINKEN, also eine "nicht bestätigte Meldung" und den Aufruf „Keine Geschenke den Hohenzollern!“ Daraus zitierten wir.

Doch wir waren nicht die einzigen, die in diesem Sinne berichteten. Der Tagesspiegel, eine bürgerliche Zeitung, schrieb in einer "nicht bestätigten Meldung" schon am 14.07.2019:

„Doch das Begehr von Hohenzollern-Prinz Georg Friedrich reicht weiter. Es geht ihm, kurz gesagt, um Geschichtspolitik. Ein Hohenzollernmuseum soll her. Und augenscheinlich soll ein solches Museum nicht nur die Biografien von Wilhelm und seiner Auguste Victoria erzählen, von den vier Friedrich Wilhelms auf dem Thron oder den drei Friedrichs. Nein, es geht offenbar um die die Deutungshoheit über die Geschichte. Denn was sollten die eingeklagten „Mitwirkungsrechte“ anderes ermöglichen, als eine gezielte Einflussnahme auf die Darstellung der regierenden Vorfahren?“ (Quelle: https://www.tagesspiegel.de/kultur/bizarre-forderungen-der-hohenzollern-eine-zumutung-fuer-die-aufgeklaerte-gesellschaft/24591532.html, zuletzt abgerufen am 16.11.2019)

Interessant ist, dass nun auch Jan Böhmermann in seiner Sendung eine sogenannte "nicht bestätigte" und vom Prinzen bestrittene Meldung publiziert, nämlich die Forderung nach „Mitspracherecht in den Stiftungen und einem noch zu schaffenden Hohenzollernmuseum“. Um es nochmal zu sagen: Im Sinne des Medienrechts handelt es sich bei den Urhebern dieser Zitate nicht um sogenannte "privilegierte Quellen", sondern um "nicht bestätigte Meldungen". Auch hier sei die Schlussfolgerung der Leserschaft und ihrer Urteilskraft überlassen!

Deine Spende kämpft

Nachdem DIE LINKE diese vom Anwalt des Prinzen beanstandeten und von uns zitierten Aussagen von ihrer Website nahm, sahen wir uns gezwungen, das selbe zu tun. In der Folge blieb uns zwar ein möglicherweise langer und teurer Rechtsstreit vor Gericht erspart, aber uns flatterte eine Rechnung des Preußen-Anwalts ins Haus. Insgesamt entstanden uns Kosten in Höhe von rund 2500 Euro.

Wir kämpfen für Demokratie und Transparenz, aber vor allem auch gegen Geheimverhandlungen über die realitätsfernen Forderungen eines abgehobenen Möchte-Gern-Königs, der von uns zurück haben will, was schon immer unser war. Daher unsere Forderung: Die Hohenzollern und andere Adelshäuser gehören endlich enteignet!

Damit wir weiterhin eine kritische und unabhängige Stimme bleiben können, brauchen wir Deine Hilfe! Spende, um die uns entstandenen Kosten von 2500 Euro zu decken. Wir bedanken uns herzlich bei allen, die bereits gespendet haben, müssen aber noch eine Schippe drauflegen, um das Ziel zu erreichen. Mögliche Überschüsse werden für weitere Aufklärungskampagnen über die Hohenzollern, über die gegenwärtigen Geheimverhandlungen und die Rolle der Hohenzollern im Hitlerfaschismus sowie ähnliche Solidaritätsprojekte eingesetzt. Den Spendenaufruf findest du hier: Dringender Solidaritätsaufruf: Keine Einschüchterung durch Hohenzollern und Co.!

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