Kategorie: Deutschland

Editorial Funke Nr. 122: Raus aus der Schockstarre!

Die Wirtschaftskrise von 2008 läutete eine neue historische Periode ein. Ein Jahrzehnt später hat der Ausbruch der Corona-Pandemie wie ein Brennglas alle Widersprüche und Krisenerscheinungen der kapitalistischen Gesellschaft gebündelt und ein gesellschaftliches Inferno entfacht. Nun sind wir mitten in dieser neuen historischen Epoche angekommen!


Corona-Pandemie und Weltwirtschaftskrise werfen die Gesellschaft global aus den Fugen. Verschwörungsideologen wittern einen böswilligen Komplott der Eliten. In den Köpfen dieser Fantasten entwickelt manch ein Sterblicher fast schon göttliche Kräfte und sucht die Menschheit mit Plagen biblischen Ausmaßes heim. Niemand scheint in der Lage diese Schurken vom Schlage der apokalyptischen Reiter aufzuhalten. Wie die Schlange auf dem Baum der Erkenntnis habe Bill Gates den WHO-Vertretern mit gespaltener Zunge ins Ohr gesäuselt und sie mit ein paar lächerlichen Millionen Dollar davon überzeugt die Menschheit ins Unglück zu stürzen. Alles nur um uns einen Impfstoff zu verkaufen und dann dem schnöden Mammon zu frönen.

Dabei ist der Bösewicht je nach Gusto beliebig austauschbar. Impfgegner haben sich nun mal auf Gates eingeschworen. Andere wissen, dass hinter der Krise der Versuch steckt, unsere Hirne mit dem 5G-Netz zu schmelzen und uns Mikrochip-implantate zu verpassen. Wieder andere schwadronieren von Illuminaten und Bilderbergern. Und natürlich dürfen auch die ganzen widerwärtigen antisemitischen und anderen rassistischen Ideologien nicht fehlen. Verschwörungsideologen, Impfgegner und Faschisten raufen sich zusammen und verkünden den jeweils wahren Feind ausgemacht zu haben. Jetzt inszenieren sie sich als Bewahrer und Rächer der „wirklichen Demokratie“. Manch einer ist gar bereit sein Leben in die letzte Schlacht zu werfen.

Seit einigen Wochen organisieren sie landesweit Proteste gegen die Einschränkungen der demokratischen Rechte, die sogenannten „Hygiene-Demos“. Die Teil-nehmerzahl wächst in vielen Orten. In Stuttgart sollen am 9. Mai bis zu 15.000 teilgenommen haben. Dabei tummelt sich dort nicht nur das bereits beschriebene Klientel. Viele gehen hin, um ihrer Wut und ihren Existenzängsten einen Ausdruck zu verleihen. Die enormen Einschränkungen der Grundrechte machen ihnen Angst. Genauso die Sorge davor, den Arbeitsplatz zu verlieren oder dank Kurzarbeitergeld nicht über die Runden zu kommen.

Denn die Konsequenzen könnten für die Kapitalistenklasse und die Arbeiterklasse unterschiedlicher nicht sein. Während unglaubliche Mengen an Geld in die Rachen der Banken und Konzerne gepumpt werden, bahnt sich für Milliarden von Arbeiterinnen und Arbeitern weltweit eine erdrückende Katastrophe an. Ihnen werden das Geld und die Arbeitsplätze auf Schritt und Tritt gekürzt und gestrichen.

Trotzdem ist diese Krise kein diabolischer Plan einer verschworenen Elite. Im Gegenteil haben die Milliardäre und Millionäre dieses System nicht im Griff. Mögen sie Bill Gates oder George Soros heißen. Die ganze Kapitalistenklasse schaut mit Entsetzen auf das, was gerade geschieht. Die Bürgerlichen verbreiten nicht Fehlinformationen oder lügen uns gar ins Gesicht, weil sie uns Impfstoffe verkaufen oder eine Dystopie errichten wollen. Nein, sie wollen uns davon ablenken, dass ihr System gescheitert ist.

Ende März warnte der FDP-Parlamentarier Marco Buschmann seine Parlamentsfreunde im Bundestag und die gesamte Kapitalistenklasse: „Bald könnte Revolution in der Luft liegen, wenn das so weitergeht. Stellt die deutsche Mittelschicht irgendwann fest, dass ihr Betrieb pleite, ihr Arbeitsplatz verloren oder ihr Aktiensparplan wertlos ist, dann wird sie sich radikalisieren“. Und damit hat er völlig recht!

Das ist jedoch keine Zukunftsmusik mehr, sondern hat jetzt begonnen. Deshalb ist es umso notwendiger, echten Massenwiderstand zu organisieren. Gründe dafür gibt es genug: katastrophale Arbeitsbedingungen in den Schlachthöfen, unterbesetzte Kliniken, heruntergekommene Schulen und vieles mehr.

Stattdessen ordnen sich die aktuellen Führungen der DGB-Gewerkschaften und der LINKEN faktisch einer „nationalen Einheit“ unter. Dabei sollten sie der Wut und den Sorgen der Lohnabhängigen in den verschiedenen Betrieben und Branchen durch übergreifende Massenproteste und Streiks einen Ausdruck verleihen. Mit gegenseitiger Solidarität könnte so den Angriffen der Kapitalistenklasse die Stirn geboten werden. Aber stattdessen werden Hauptamtliche und Aktivisten in fragwürdigen Aktionen sowie end- und ergebnislosen Konferenzen verheizt.

Rechte Demagogen und Verschwörungstheoretiker haben nur dann eine Möglichkeit, die berechtigten Ängste und die Wut gegen die herrschende Klasse und ihr politisches Personal zu kapern, wenn die Arbeiterbewegung den Kopf einzieht. Deshalb raus aus der Schockstarre! Wir brauchen jetzt eine Offensive gegen das kapitalistische Krisendiktat! Wir zahlen nicht für ihre Krise!


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