Kategorie: Deutschland

Schwabenstreich“ nun bundesweit

am Montag den 4. Oktober 2010 gab es wieder bundesweite Solidaritätsdemonstrationen gegen das Bahnprojekt Stuttgart 21. Außerhalb Stuttgarts soll es nun immer am Montagabend in mehreren Städten Deutschlands einen „Schwabenstreich“ mit anschließender Demonstration geben. Frankfurt am Main, Fulda, Dresden, Köln, Düsseldorf, München, Bremen, Wiesbaden, Mainz reihten sich am Montag mit in den Protest gegen den Bauwahnsinn in Stuttgart ein. Schon am vergangenen Freitag gab es in mehreren Städten erste Demonstrationen.



Wer sich über die Termine auf dem Laufen halten will, dem sei wärmstens die Internetseite vom Eisenbahnjournal Zughalt.de empfohlen. Diese Seite, die es sich zum Ziel gemacht hat, über das Verkehrsmittel Bahn und Schiene zu informieren, berichtet auch über geplante Protestaktionen zu Stuttgart 21.

In Frankfurt am Main fanden sich um 17:30 Uhr auf der Konstablerwache die Aktivisten ein. Während die Gruppe ATTAC sich zunächst an der Hauptwache treffen wollte und die DIE LINKE auf der Konstablerwache, einigte man sich schon im Vorfeld auf den gemeinsamen Treffpunkt an der Konstablerwache. Nach einem einminütigen „Schwabenstreich“, bei dem mit Trillerpfeifen und Schlaginstrumenten Krach geschlagen wurde, zog der Zug mit ca. 150 Demonstranten auf der Frankfurter Haupteinkaufsstraße „Zeil“ durch die Innenstadt. Die Leute reagierten meist wohlwollend und interessiert. Weiter ging es durch die „Fressgass“ über die Alte Oper zum Bankenviertel. Dort bekamen die gestressten Banker nach Feierabend ein paar beruhigende Worte über den Unsinn von kapitalistischen Großbauprojekten zu hören - unterlegt mit Sambaklängen der Demo-Percussion-Group, die den Zug anführte. Weiter ging es zum Hauptbahnhof, wo die Abschlusskundgebung stattfand.

Ein Gast aus Stuttgart war anwesend, der sich für die Solidarität aus Frankfurt herzlich bedankte. In den verschiedenen Redebeiträgen der Aktivisten wurde vor allem darauf hingewiesen, dass Rüdiger Grube, Vorstandsvorsitzender der Bahn AG Deutschland, nicht einfach ein Bauprojekt gegen den Willen der Bevölkerung durchführen könne. Da die Bahn immer noch zu 100% im Besitz des Bundes ist, sei Herr Grube unser Angestellter und nicht umgekehrt. Von nun an soll immer jeden Montag um 17:30 Uhr der Schwabenstreich an der Konstablerwache in Frankfurt am Main stattfinden, bis das Wahnsinnsprojekt Stuttgart 21 gestoppt wird.

Selbstverständlich geht der Protest auch vor Ort in Stuttgart weiter, und zwar täglich.
Der nächste Höhepunkt ist der kommende Samstag. Am 9. Oktober soll in Stuttgart wieder eine Großdemonstration stattfinden, die um 16 Uhr auf dem Stuttgarter Marktplatz losgeht. Zeit genug, um nach Stuttgart zu fahren ist also vorhanden. Bereits bei der letzten Großdemonstration, dem Freitagabend nach der Polizeieskalation, kamen 100.000 Menschen zusammen. Dies ist ein deutliches Signal an die verantwortlichen Politiker mit der Bevölkerung ins Gespräch zu kommen und die sinnlosen Gewaltaktionen der Polizei zu beenden. Eine Entschuldigung für die Eskalation am letzten Donnerstag, bei der der 66jährige Friedrich W. durch einen Wasserwerfer wahrscheinlich sein Augenlicht verlor und zahlreiche anderen Demonstranten zum Teil schwer verletzt wurden, blieb vom Innenminister Baden Württembergs, Heribert Rech (CDU), bisher aus. Er bezeichnete die Polizeieinsätze an diesem Tag als vollkommen rechtmäßig. Die Abrissarbeiten an der Nordseite des Bahnhofs gehen derweil weiter. Es ist gerade diese Arroganz und Überheblichkeit, die die Menschen auf die Straße treibt. Mittlerweile lenken einige Politiker in Baden Württemberg zu Verhandlungen ein. Der Protest hat inzwischen eine Qualität erreicht, die das ganze Bundesland Baden-Württemberg und seine politische Klasse erschüttert. Diese fängt an zu spüren, dass ein milliardenschweres Großbauprojekt gegen den Willen der Bevölkerung diese derart in Rage bringt und somit auch ihre eigene Legitimität als so genannte Volksvertreter gefährdet sein könnte.

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