Kategorie: Frauenbefreiung

„Ich hasse Männer“: Spaltung schwächt den Kampf!

„Das feministische Skandalbuch aus Frankreich, das fast der Zensur zum Opfer gefallen wäre – ein Debattenbeitrag über Sexismus und das Patriarchat, Pflichtlektüre für alle Frauen.“ So bewirbt der Rowohlt Verlag dieses 2020 erschienene Buch von Pauline Harmange. Was verbirgt sich dahinter sowie hinter dem provokanten Titel „Ich hasse Männer“?

Bild: der funke


Harmanges Buch lässt sich im Großen und Ganzen als eine lang gezogene Schimpftirade über Männer mit vereinzelten falschen politischen Schlussfolgerungen beschreiben. Viele ihrer Bemerkungen zu Männern sowie zum erlebten Sexismus entsprechen leider der Wahrheit oder enthalten zumindest einen wahren Kern. Dabei arbeitet sie unter anderem mit Überspitzungen, Verallgemeinerungen und vereinzelt auch mit Strohmännern. Ihre Darstellung soll ihr Ausgangsargument stützen: Männerhass ist legitim.

Bei der Definition von Männerhass wendet sie allerdings einen Kunstgriff an. Dieser sei nämlich nicht nur das, was man hinter dem Begriff eigentlich vermutet, sondern fange bereits beim schlichten Misstrauen gegenüber Männern an. Damit wird der Begriff nutzlos. Schließlich ist die Spannweite zwischen der letztlich auch begründeten Vorsicht von Frauen gegenüber Männern und wirklichem Hass gegenüber letzteren einfach zu groß, als dass diese Definition sinnvoll angewandt werden könnte. Gegen Männerhass zu argumentieren, würde sonst auch bedeuten, dass Frauen nicht einmal Misstrauen gegenüber den Vertretern des Geschlechts haben dürften, das statistisch gesehen für die meisten Fälle sexualisierter Gewalt verantwortlich ist. Dabei sind wiederum in den meisten dieser Fälle Frauen die Opfer.

Geschlechter- statt Klassenkampf?

Vorsicht beim Umgang mit Männern ist für Frauen angesichts der real existierenden Zustände alles andere als falsch. Männerhass kann im persönlichen Einzelfall sogar sehr gut nachvollziehbar sein. Aber die politische Forderung nach kollektivem Männerhass beruht auf einer falschen Analyse des Ursprungs der Frauenunterdrückung. Und deshalb ist sie in der Praxis auf verschiedenste Weise schädlich für den Kampf für die Befreiung der Frau. Einerseits verschreckt man mit men-are-trash-Parolen potenziell solche Leute, die noch nicht überzeugt, aber durchaus für die Sache gewinnbar sind. Andererseits lenkt man damit die Aufmerksamkeit auf das falsche Ziel. Indem das mehr oder weniger homogene Kollektiv der Männer für den Sexismus verantwortlich gemacht wird, lässt es den Ursprung dessen in den Mechanismen der Klassengesellschaft völlig außer Acht.

Diese Klassenblindheit zieht sich durch das gesamte Buch, wo Harmange das Konzept von Klassen nicht einmal implizit erwähnt. Solange es sich nur um eine oberflächliche Tirade handelt, mag man das vielleicht durchgehen lassen. Allerdings zieht sie an verschiedenen Stellen politische Schlussfolgerungen und stellt auch Thesen auf, die ohne Klassenstandpunkt dazu verdammt sind, inkorrekt zu sein. Neben verschiedenen kritisierbaren Aspekten des politischen Teils des Buchs, stellt sie eine Hauptthese auf, die falscher nicht sein könnte. Der Weg zur Frauenbefreiung wäre es nämlich, dass sich alle Frauen, unabhängig ihrer Klassenzugehörigkeit, zusammenschließen und die Männer hassen sollten.

Wie kommt Harmange zu dieser politischen Forderung? Ihrer Argumentation zu Folge wird Sexismus von den verschiedenen gesellschaftlichen Faktoren lediglich „unterstützt“. Wenn die Ursache nicht gesellschaftlicher Natur ist, dann muss sie essenzialistischer Natur sein. Anders formuliert: Das Problem liegt in den Männern selbst und nicht in den materiellen Bedingungen, die die Klassengesellschaft ihnen und auch den Frauen auferlegt. Eine „Lösung“, die auf dieser Erkenntnis beruht, kann also nur spalterisch und idealistisch sein, denn sie kehrt den Ursprung der Frauenunterdrückung in der Klassengesellschaft vollkommen unter den Tisch. Damit sabotiert Harmanges Forderung den Klassenkampf und wird nie zur Überwindung der Unterdrückung führen.

Wie gelingt die Frauenbefreiung wirklich?

Friedrich Engels hat den historischen Prozess, der zur Frauenunterdrückung geführt hat, in seinem Buch „Der Ursprung der Familie, des Privateigentums und des Staats“ analysiert. Das war nur möglich, weil er sich auf die materialistische und dialektische Geschichtsauffassung des Marxismus gestützt hat. Die Frauenunterdrückung ist das Produkt der Klassengesellschaft, also des Privateigentums an den Produktionsmitteln und der Ausbeutung. Deshalb kann die Frauenbefreiung nur durch den Klassenkampf und die sozialistische Umwälzung der Gesellschaft erreicht werden. Da die materiellen Umstände den Sexismus reproduzieren, indem dieser als Spaltungsinstrument und zur Steigerung der eigenen Profite durch die herrschende Klasse ausgenutzt wird, muss die Lösung folglich sein, die materiellen Umstände zu verändern. Das wird aber nur durch die Abschaffung der Klassengesellschaft als Ganzes, also durch die sozialistische Revolution gelingen. Hierfür ist es unumgänglich, die Spaltung in der Arbeiterklasse entlang des Geschlechts wie auch entlang von Religion, Herkunft usw. im gemeinsamen Kampf gegen den Kapitalismus zu überwinden.

Klar ist natürlich, dass die Welt nach der Revolution nicht sofort in Ordnung sein wird. Es wird lange Zeit dauern, die Nachwirkungen der Frauenunterdrückung in Form von Vorurteilen, sexueller Übergriffe etc. vollends zu beseitigen. Mit der Überwindung des Kapitalismus und der Klassengesellschaft wird allerdings der Rahmen geschaffen, in dem dieser Kampf überhaupt die Aussicht auf Erfolg hat.

Pauline Harmange: Ich hasse Männer. Rowohlt Taschenbuch, 112 Seiten, 8,00€.

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