Kategorie: Geschichte

Der indisch-pakistanische Krieg

Die Konflikte an den Grenzen von Indien und Pakistan nehmen zu. Beide Seiten bereiten sich auf einen Showdown vor. In den instabilen Beziehungen seit der Teilung Indiens war die Lage selbst im Grenzkrieg um Kaschmir 1965 nie so angespannt. Seit der Schaffung des Kapitalisten-Großgrundbesitzer-Staats Indien und des reaktionären theokratischen Staats Pakistan mit dem imperialistischen Ziel des Teile und Herrsche waren die Beziehungen zwischen den pakistanischen und indischen herrschenden Klassen immer ein erbitterter Gegensatz.

 


Jetzt wurde in diesen Hexenkessel die explosive Frage "Bangladesch" geschüttet. Die pandschabische Kapitalisten-Großgrundbesitzer-Clique hat mit der militaristischen pandschabischen Kaste, die die Armee kontrolliert, Ostbengalen als Kolonie behandelt, die zum Wohle der westpakistanischen Oberherren ausgeblutet werden muss. 22 westpakistanische Millionärsfamilien kontrollieren 60 Prozent der Industrie, 80 Prozent der Banken und 75 Prozent der Versicherungen. Obwohl Ostbengalen eine größere Bevölkerung hat, werden nur 20 Prozent der Einnahmen der Zentralregierung dort ausgegeben. In der Armee sind 80 Prozent der Posten an Pandschabis gegangen. Die meisten Spitzenjobs im Staatsdienst sind an Pandschabis gegangen. Offiziere und Militärs, die normalerweise Pandschabis sind, bekommen neu bewässertes Land zugeteilt.

Der Hunger der Arbeiterklasse und besonders der vielen Millionen BäuerInnen führte zu einer Revolte gegen die Militär- und Polizeidiktatur von Ajub Khan und seinen Nachfolger Jahja Khan, der gezwungen war, Wahlen zu versprechen. Bei diesen erzielte die Awami-Liga einen überwältigenden Erfolg in Ostbengalen, während im Westen die Pakistanische Volkspartei von Zulfikar Bhutto eine große Mehrheit der Sitze erzielte, 81 von 119. Dies wurde vom Erfolg der Awami-Liga übertroffen, die 151 der 153 Wahlkreise in Ostbengalen gewann. Dies gab ihr tatsächlich eine Mehrheit in ganz Pakistan. Sie bekamen über 75 Prozent der Stimmen in Ostbengalen, vielleicht der größte Wahlsieg in der Geschichte.

Dieser Sieg wurde wegen dem Programm erzielt, das die Awami-Liga unter dem Druck der ArbeiterInnen und BäuerInnen vertrat, um Unterstützung zu bekommen. Weder Mudschib noch Bhutto hatten die Absicht, so ein Programm durchzuführen. Das Programm umfasste Verstaatlichung der Banken, Versicherungen, Schwerindustrie, Transportwesen, Schifffahrt und anderer Schlüsselindustrien. Entwicklung von genossenschaftlichen Unternehmen, Beteiligung der ArbeiterInnen am Management der Industrie, Befreiung von Grundstücken unter vier Hektar von der Grundsteuer und Streichung der Steuerschulden solcher Grundstücke. Grundrechte sollten durch die Verfassung garantiert und nur in Kriegszeiten beschränkt werden. Pakistan sollte eine unabhängige Außenpolitik verfolgen und sich aus SEATO, CENTO und anderen Militärpakten zurückziehen. Bhuttos Partei stellte ähnliche demagogische Forderungen auf. Aber wie Bhutto der internationalen kapitalistischen Presse am 11. Dezember letzten Jahres erklärte, war er "ein demokratischer Sozialist, der an Sozialismus nach dem Muster von Willy Brandt und der britischen Labour Party glaubt." Gleichzeitig stellte Bhutto die Forderung nach Konfrontation mit Indien wegen Kaschmir auf und forderte einen "tausendjährigen Krieg, wenn nötig".

Die Awami-Liga stellte Forderungen auf, die praktisch die Trennung der beiden Flügel Pakistans bedeutet hätten.

Föderale Regierungsform

Bundeskontrolle über Verteidigungs- und Außenpolitik.

Zwei getrennte, frei umtauschbare Währungen, getrennte Bankreserven, getrennte Haushalts- und Geldpolitik.

Ausschließliche Steuerhoheit bei den zwei Flügeln.

Getrennte Außenhandelsbilanz.

Eine Miliz oder paramilitärische Truppe, eine Rüstungsfabrik, eine Militärakademie und Marinezentrale in Ostpakistan.

Es war für die Kapitalisten-Großgrundbesitzer-Clique an der Macht nicht möglich, das zu akzeptieren. Der überwältigende Sieg der Awami-Liga gab ihnen keinen Raum, zwischen den Parteien zu manövrieren, wie Jahja Khan das beabsichtigt hatte. Folglich spielte dieser Militärdiktator auf Zeit. Er tat so, als würde er mit Scheikh Mudschib Rahman [von der Awami-Liga] verhandeln und schickte Truppen und Kriegsmaterial auf dem Seeweg und mit Unterstützung des maoistischen Chinas per Luft nach Ostbengalen. Mudschib nahm die Verhandlungen für bare Münze, statt die ArbeiterInnen und BäuerInnen - in der Tat hätte fast die ganze Bevölkerung von Ostbengalen für den Kampf organisiert werden können - zu mobilisieren. Die Richter, Polizei, Staatsdienst und bengalische Truppen streikten zusammen mit den ArbeiterInnen und BäuerInnen, nachdem am 1. März das Kriegsrecht ausgerufen worden war. Am 2. März wurde ein Generalstreik in Dakka und Ostpakistan ausgerufen. Bei der Wahlversammlung, um den Sieg zu feiern, gab es in Dakka eine Demonstration von 2 Millionen ArbeiterInnen, BäuerInnen, Studierenden und Freiberuflern.

Anderthalb Millionen getötet

Jetzt waren sie angesichts der brutalen Unterdrückung vorübergehend desorganisiert. Die Militärclique dachte, dass sie das bengalische Volk mit blutiger Unterdrückung bald kleinkriegen werde. Statt dessen wurde ein unversöhnlicher Guerillakampf organisiert, der dazu führte, dass das Wirtschaftsleben auf Sparflamme zurück ging und anderthalb Millionen Bengalis von den pandschabischen Truppen und den Killern und Dieben der von der pakistanischen Armee bewaffneten "Kasakars" getötet wurden. Zehn Millionen Menschen sind geflohen, hauptsächlich nach Westbengalen, aber auch in andere indische Grenzstaaten. Ein endloser Abnutzungskrieg begann. De östliche Flügel wurde von einem wirtschaftlichen Vorteil zu einer Belastung für die westpakistanische Oligarchie.

Aber dass das Entsetzen der indischen herrschenden Klasse über die nationale Unterdrückung des ostbengalischen Volkes Heuchelei ist, zeigt sich an der Unterdrückung in Kaschmir, die nicht das Ausmaß des blutigen Terrors der Westpakistanis erreicht hat, aber monströse Unterdrückung ist. Sie haben die Plebiszitfront verboten, Scheikh Abdullah, den Führer der Kaschmiris, verhaftet und ein Gesetz über vorbeugenden Polizeigewahrsam in Kaschmir eingeführt, das schlimmer als in Südafrika ist, wo ein zehnjähriger vorbeugender Gewahrsam ohne Prozess möglich ist. Die kaschmirische Mehrheit von MoslemInnen wurde in Unterwerfung terrorisiert.

Für die Industrien Westpakistans wurde Ostbengalen als Rohstoffquelle, Absatzmarkt und Quelle von Deviseneinnahmen (hauptsächlich durch Jute-Exporte) verwendet - die klassische Lage einer Kolonie. Der Löwenanteil der Deviseneinnahmen und aller Ressourcen wird für Investitionen in Westpakistan genutzt, hauptsächlich im Pandschab. Folglich sind die Bengalis verarmt und ihr Lebensstandard ist etwa halb so groß wie der schon niedrige Standard der Westpakistanis. Das Durchschnittseinkommen ist etwa 20 £ im Jahr für die, die glücklich genug sind, Arbeit in der Industrie oder auf dem Land zu haben. Viele Millionen sind landlos oder arbeitslos.

Der Versuch von Jahja Khan und der pandschabischen Kaste, "die Moslem-Hindu-Karte zu spielen", ist völlig gescheitert. Sie haben es nicht geschafft, im bengalischen Volk Unterstützung für den Hass auf die Hindus zu bekommen. Das Verbrennen von Dörfern, Massenvergewaltigungen, Folter und Hinrichtungen in den Städten und Dörfern Ostpakistans haben ihren Zweck nicht erfüllt. Sie haben es nur geschafft, dem bengalischen Volk einen unsterblichen Hass auf ihre Oberherren einzupflanzen.

36 Millionen Arbeitslose in Indien

Aber die pandschabischen militärischen Oberherren reiten auf dem Tiger der Unterdrückung und können nicht heruntersteigen. Sie fürchten die Auswirkungen in Westpakistan von auch nur einem beschränkten Ausmaß an Autonomie im Osten. Autonomie würde angesichts der vorherrschenden Stimmung der Bengalis unausweichlich zu Trennung führen. Westpakistan könnte unter diesen Bedingungen nicht zusammenhalten. Die Sindhis, Balutschis und die Völker der Nordwest-Grenzprovinz würden Autonomie fordern. Das pandschabische Volk brodelt auch vor Unruhe unter der Tyrannei der Militärregierung der Großkonzerne. Folglich wäre eine Niederlage in Bengalen der Anfang vom Ende für die raffgierige herrschende Klasse von Westpakistan. Trotz ihrer unhaltbaren Lage in Ostbengalen würden sie lieber Krieg führen als freiwillig abzuziehen.

Auf der anderen Seite hatte Indien vor der Ankunft der Flüchtlinge 36 Millionen Arbeitslose. Die Wirtschaft des Kapitalisten-Großgrundbesitzer-Subkontinents Indien kann die Flüchtlinge nicht integrieren und sie auch nur für ihren Unterhalt arbeiten lassen. Es kostet (…) Die Hilfe, die von den entwickelten Ländern geschickt wird, besonders von Amerika und Britannien, deckt nur einen Bruchteil der Kosten ab. Für Indien sind es die Kosten eines kleinen Krieges. Obendrein stehen sie vor dem Druck des bengalischen Volkes in Westbengalen, die die selbe Sprache sprechen und Teil des selben Volkes sind wie im Osten.

Die indische Kapitalisten-Großgrundbesitzer-Wirtschaft kann die Belastung der zehn Millionen Flüchtlinge nicht unbefristet aushalten, folglich fordern sie, dass ihnen ermöglicht wird, "bald" zurückzukehren. Diese Widersprüche zwingen Indien und Pakistan in eine Konfrontation.

Weder Indien noch Pakistan können jahrelang warten, bis der Guerilladruck den Zusammenbruch in Ost- und die Explosion in Westpakistan erzwingt. Auf jeden Fall rechnen beide Seiten, dass dies noch gefährlicher als ein Krieg für sie wäre. Der Grenzkrieg von 1965 baute gesellschaftlichen Druck ab, wenn auch nur für einen sehr vorübergehenden Zeitraum. Aber ein Krieg jetzt wäre nicht länger ein Grenzkrieg, sondern ein umfassender Krieg.

In dieser Lage berechnen die Imperialisten kalt die Vor- und Nachteile für sich. Der amerikanische und britische Imperialismus machen hinter den Kulissen Druck für einen "Kompromiss". Aber ohne die Schaffung eines Marionettenregimes in Ostpakistan kann die herrschende Klasse in Westpakistan ihre Truppen nicht aus der Region abziehen, ohne einen Zusammenbruch im Westen des Landes in der unmittelbaren Zukunft zu provozieren. Es ist für die kapitalistischen Mächte leicht, den Vorteil eines Abzugs nach Vorbereitungen für die Errichtung einer Armee zur Niederhaltung der ArbeiterInnen und BäuerInnen von Bangladesch zu sehen. Aber für die Westpakistanis steht das Schicksal der Militär-Industriellen-Großgrundbesitzer-Clique auf dem Spiel.

Es ist eine Ironie, dass sich in dieser Lage die Gegner Indien und Pakistan auf der Suche nach Unterstützung den "sozialistischen" Staaten zuwenden. Indien hat mit Russland eine Vereinbarung über die Lieferung von Waffen und "Unterstützung gegen Aggression durch eine dritte Partei" unterzeichnet.

Die Zeitschrift der britischen "Kommunistischen" Partei berichtet die Haltungen von China und Russland als Meldungen ohne Kommentar. Herr Tschi (Chinas Außenminister) sagt: "Unsere pakistanischen Freunde können versichert sein, dass die chinesische Regierung und das Volk Pakistan immer entschlossen in seinem gerechten Kampf zur Verteidigung seiner Staatssouveränität und nationalen Unabhängigkeit unterstützen werden, sollte es einer ausländischen Aggression ausgesetzt sein." (Morning Star, 8. 11. 1971) So wird der blutige Schlächter Jahja Khan in seinem Krieg gegen das bengalische Volk von den chinesischen Stalinisten unterstützt.

Am 4. November berichtet der Morning Star auch als Meldung: "Das indische Volk muss bereit sein, der Möglichkeit eines Krieges gegen das Militärregime von Jahja Khan in Westpakistan ins Auge zu sehen, warnte die Kommunistische Partei Indiens hier." Sie führen im Detail die Forderungen auf, die sie an das indische Regime und die verschiedenen Kämpfe der indischen ArbeiterInnen stellen würden, einschließlich eines Generalstreiks in Westbengalen. Aber wie das Zitat andeutet, werden sie den Krieg der indischen herrschenden Klasse für die Ziele der indischen herrschenden Klasse unkritisch unterstützen.

Die indischen kapitalistischen Parteien vom regierenden Kongress zur reaktionären und antimoslemischen J. Sangh schreien alle nach Krieg. Beide indischen Kommunistischen Parteien haben sich dem patriotischen Spektakel angeschlossen. MarxistInnen in der Arbeiterbewegung in Britannien und auf der ganzen Welt werden ihre Haltung gegenüber so einem Krieg nach den beteiligten Klasseninteressen bestimmen. Für Pakistan wird es klar ein ungerechter und reaktionärer Krieg zum Zweck der Niederhaltung der Völker von Ost- und Westpakistan sein. Es hat keine grundlegende Bedeutung, wer den Krieg beginnt oder, nach der modischen Formulierung, "der Angreifer ist". Für ArbeiterInnen sollte die Frage sein: In wessen Interessen wird der Krieg geführt? Welchen Klasseninteressen dient er?

Für die Massen von Indien und Pakistan, die schon halbverhungert sind, kann der Krieg nur schlimmeren Hunger und Elend bedeuten. Die Ziele der indischen herrschenden Klasse sind nicht weniger reaktionär als die der Pakistanis. Ihre Absicht ist es, die bengalischen Großgrundbesitzer und Kapitalisten von Bangladesch wieder an die Macht zu bringen. Ein Krieg könnte zu einem Militär- und Polizeistaat in Indien führen. Also muss die Arbeiterklasse eine Position unabhängig von den beteiligten kapitalistischen Mächten einnehmen. Die bengalischen ArbeiterInnen und BäuerInnen müssen für ein vereinigtes sozialistisches Bengalen als Schritt zu einer demokratischen Föderation sozialistischer Staaten des Subkontinents eintreten.

 

 

Militant Nr. 84, 12. November 1971, an der englischen Vorlage fehlte der obere Rand. Das heutige Bangladesch bildete damals noch als Ostbengalen oder Ostpakistan den "östlicher Flügel" von Pakistan, zusammen mit dem "westlichen Flügel", dem heutigen Pakistan.

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