Kategorie: International

Entlassungen im Technologiesektor: Die Blase beginnt zu platzen

In der gesamten Technologiebranche kommt es zu Massenentlassungen, auch bei Online-Giganten wie Twitter und Facebook. Das bedeutet Ärger für Investoren, Nutzer und Mitarbeiter. Es ist an der Zeit, die Technikunternehmen zu verstaatlichen und sie unter die Kontrolle der Arbeiter zu bringen!

Socialist Appeal


Der Social-Media-Gigant Twitter ist nach Elon Musks kürzlichem Kauf der Microblogging-Plattform im Wert von 44 Milliarden US-Dollar ins Chaos gestürzt. Nachdem die Einführung des neuen Dienstes „Twitter Blue“ zum Preis von 8 US-Dollar pro Monat dazu führte, dass Nutzer durch die Einrichtung einer Reihe von Parodieaccounts ein Chaos verursachten, zogen sich Investoren schnell zurück und entziehen dem Unternehmen dadurch wichtige Einnahmen.

Unter anderem gehörten der Waffenhersteller Lockheed Martin, die große Pharmafirma Eli Lilly und der Monopolist für fossile Brennstoffe BP zu den Unternehmen, die von satirischen Nachahmungen verhöhnt wurden. Andere Ziele waren etablierte Politiker und Prominente.

Aber die wahren Opfer von Musks Twitter-Umstrukturierung sind die Beschäftigten, denn der milliardenschwere Unternehmer entließ daraufhin 50 % der 7.500 Beschäftigten des Unternehmens. Massenentlassungen dieser Größenordnung sind jedoch keineswegs auf Twitter beschränkt. Meta, die Muttergesellschaft von Facebook, WhatsApp und Instagram, hat kürzlich 11.000 Arbeiter entlassen – etwa 13 % der Belegschaft. Außerdem kündigte Amazon Pläne an, zeitnah 10.000 Arbeiter zu entlassen. 

Auch gab es Massenentlassungen bei Eventbrite, wo 45 % der Beschäftigten entlassen wurden; Groupon mit 44 % Stellenabbau; Crypto.com mit 30 %; AirBnb mit 25 %; Informationen, 20 %; Snapchat, 20 %; Coinbase, 18 %; Uber, 14 %; Lyft, 13 %; und viele weitere mehr…

Allein in diesem Jahr fanden über 120.000 Entlassungen im Technologiesektor in über 780 Unternehmen statt. Es ist offensichtlich, dass sich in dieser Schlüsselindustrie der Weltwirtschaft eine enorme Krise zusammenbraut – ein Spiegelbild der sich vertiefenden Krise des Kapitalismus.

Das Kartenhaus bricht zusammen

Der Technologiesektor hat in den letzten zehn Jahren ein unglaublich rapides Wachstum erlebt und im Jahr 2022 eine Gesamtmarktrate von 9,3 Billionen US-Dollar mit einer Wachstumsrate von 11,6 % erzielt. Da Lockdowns während der Corona-Pandemie die Nachfrage nach elektronischen Geräten und Onlinedienstleistern steigerten, erlebte die Industrie einen großen Boom. 

Begleitet wurde dieser Wachstumsschub von einem Aufstieg sogenannter „Unicorns“: Von Investoren finanzierte Startup-Unternehmen in Privatbesitz, die einen Wert von über einer Milliarde US-Dollar erreichten. Ausgehend von weniger als zehn dieser Startups im Jahr 2010 gibt es jetzt 1.201 Unicorns mit einem Gesamtwert von etwa 3,9 Billionen US-Dollar. 

Doch solche berauschenden Unternehmenswerte spiegeln selten die Realität wider. Die steigenden Aktienkurse dieser Startups sind lediglich eine weitere Spekulationsblase: Möglicherweise ein äußerst profitables Unterfangen für diejenigen, die früh eingestiegen sind; aber eine Katastrophe für diejenigen, die zu spät zur Party erschienen sind. Da es in der Realwirtschaft an profitablen Investitionsmöglichkeiten mangelt, sind Anleger bereit, bei diesen hochspekulativen Wetten ein Risiko einzugehen. Das wird befeuert durch die Hoffnung, auf einen der wenigen Gewinner in diesem Wettbewerb zu setzen.  

Eine Flut von billigen Krediten und neu gedrucktem Geld hat die Blase unterdessen nur weiter aufgeblasen und weiter das Glücksspiel gefördert. Infolgedessen ist das Geld der Anleger in die Taschen von „radikalen Großdenkenden“ mit großen Ambitionen (und noch größeren Egos) geflossen. Dazu gehören Unternehmen mit grundlegend fehlerhaften Geschäftsmodellen und keinem klaren Weg zur Rentabilität, wie z. B. WeWork.

Dieses Spekulieren erklärt das Phänomen unrentabler Unternehmen, die es schaffen, Jahr für Jahr bestehen zu bleiben: Investitionen treiben die Bewertungen in die Höhe, was weitere Investoren und günstige Kredite anzieht. Doch viele dieser Unicorns haben noch nie einen Gewinn erzielt. Selbst etablierte Tech-Firmen wie Twitter schaffen es nur vereinzelt, Gewinne zu erzielen. 

Schon jetzt sehen wir die ersten Anzeichen eines Zusammenbruchs, da sich eine neue globale Krise abzeichnet, die die schwachen Fundamente des Technologiesektors erschüttert. Das Kartenhaus könnte jeden Moment einstürzen!

Erschütterungen und Massenentlassungen

Aus der Langzeitperspektive betrachtet, muss jedes dieser Unternehmen früher oder später einen von zwei Wegen einschlagen: 

Sie können einerseits versuchen, profitabel zu werden, indem sie sich von ihrer Abhängigkeit von spekulativen Investitionen und Werbeeinnahmen befreien. Dies würde jedoch eine massive wirtschaftliche Regression erfordern. Konkret bedeutete dieser Weg, Personal abzubauen und gleichzeitig Wege zu finden, mehr Geld aus Arbeitern und Nutzern herauszupressen.

Die Alternative wäre andererseits, dass die Blase platzt und die Unternehmenswerte einbrechen. Das Unternehmen ginge hierbei entweder vollständig unter oder würde von einem der riesigen Technologiemonopole aufgekauft werden, was wiederum ebenfalls zu enormen Kürzungen führen würde.

Dies ist eine Lektion, die Elon Musk auf die harte Tour lernt. Momentan muss der Tech-Baron über ein loderndes Inferno bei Twitter herrschen, das zusehends außer Kontrolle gerät. 

Und diese prekäre Position verschlimmert sich weiter in Anbetracht dessen, dass Musk vor der Aufgabe steht, Kredite im Wert von 13 Milliarden Dollar zurückzahlen zu müssen, die er aufgenommen hat, um seinen jüngsten Kauf zu finanzieren. Das erhöht den finanziellen Druck, unter dem das Unternehmen steht, extrem. Aus diesem Grund hat Musk die Hälfte der Twitter Belegschaft entlassen und experimentiert mit alternativen Einkommensquellen wie dem abonnementbasierten Verifizierungssystem „Blue Tick“ – mit katastrophalen Folgen.

Zombie-Kapitalismus

Als prominentes Vehikel für Spekulationen sind Tech-Startups – sowie die gesamte Technologiebranche – besonders anfällig für Abschwünge in der Weltwirtschaft. Jetzt, angesichts einer drohenden Rezession, zwingt ihre Angst die Anleger, ihr Geld beisammenzuhalten, während billige Kredite aufgrund der steigenden Zinssätze der Vergangenheit angehören.

Viele der „Unicorn“-Unternehmen ließen sich treffender als „Zombie-Unicorns“ beschreiben: Unternehmen, die allein durch niedrige Kreditkosten und das Anhäufen von Schuldenbergen am Leben bleiben. Doch wenn diese Lebenserhaltungsmaßnahmen wegfallen, sind diese schwachen Unternehmen zunehmend gezwungen, auf ihren eigenen Beinen zu stehen. Vielen fehlt jedoch die kraft dazu. 

Wie in vielen anderen Bereichen der Wirtschaft offenbart der jüngste Einbruch die Instabilität und Fragilität, die sich im Technologiesektor seit langem entwickelt hat. Die Tatsache, dass der selbst ernannte Kaiser Musk wie im bekannten Andersen Märchen gar keine Kleider trägt, ist für alle längst sichtbar. 

Ein ständiges Auf und Ab

Die Tech-Industrie könnte das Symbol der Moderne sein. Letztlich handelt es sich aber nur um einen weiteren klassischen Ausdruck der Überproduktionskrise, wie sie Karl Marx bereits vor über 150 Jahren beschrieben hat: Auf ihrer Suche nach immer größeren Profiten werden die Kapitalisten dazu getrieben, ihren Profit ständig zu reinvestieren, die Produktion auszuweiten und nach neuen (Absatz-)Märkten zu suchen. 

Die Kapitalisten gehen anarchisch unter der „unsichtbaren Hand des Marktes“ vor und strömen getrieben von unstillbarem Hunger in eine Branche nach der anderen, was dazu führt, dass die Märkte gesättigt und überschwemmt werden. Rentable Investitionsmöglichkeiten beginnen zu versiegen, Waren bleiben unverkauft, die Krise setzt ein. Der Boom wird zur Pleite!

Parallel dazu breitet sich der Casino-Kapitalismus aus. Anstatt in die reale Produktion zu investieren, stecken die Banker und Milliardäre ihr Geld in riskante, kurzfristige Unternehmungen, was überall zu Spekulationsblasen führt. Heute bedeutet dies Kryptowährungen, NFTs und Tech-Unicorns. 

Das haben wir bereits 2007/08 im Immobiliensektor anhand des Subprime-Hypothekenskandals und allerhand zwielichtiger Derivate gesehen. Und genau das sehen wir jetzt in der Technologiebranche, die einen erheblichen Teil des „Werts“ vieler großer Aktienmärkte ausmacht. Sobald die Krise beginnt, breitet sie sich, von den Schlüsselsektoren ausgehend, schnell auf den Rest der Wirtschaft aus. Am Ende ist es die Arbeiterklasse, die für diese riskanten Spekulationen bezahlen muss – durch Entlassungen, Sparmaßnahmen und andere Angriffe.

Arbeiterkontrolle - sofort!

Der Zyklus von Boom und Abschwung ist dem Kapitalismus inhärent. Nur durch eine rationale und demokratische Wirtschaftsplanung – nach sozialistischen Grundsätzen und unter Arbeiterkontrolle – können wir diesen periodischen Krisen ein Ende setzen.

Unter Privatbesitz sind die Technologiefirmen, wie alle Monopolisten, nicht daran interessiert, den tatsächlichen gesellschaftlichen Bedürfnissen nachzukommen, sondern allein am Maximieren ihres Profits. Die werbetreibenden Geschäftsmodelle der meisten Social-Media-Unternehmen nutzen beispielsweise Algorithmen, die darauf ausgelegt sind, die Benutzerbindung zu steigern und Suchtverhalten zu erzeugen.

Ganz zu schweigen davon, dass diese Unternehmen Nutzerdaten sammeln, um sie für Profit weiterzuverkaufen oder – im Fall von Elon Musk – seine anderen Plattformen und Unternehmen auf Twitter zu bewerben. Das ist der wahre Grund für die Twitter-Übernahme des Tesla-CEOs. Es hat nichts mit dem „Schutz der Meinungsfreiheit“ zu tun, sondern allein mit dem Verfolgen von Geld- und Eitelkeitsprojekten. 

Anstatt als profitables Spielzeug von narzisstischen Milliardären verwendet zu werden, sollten Social-Media-Plattformen als öffentliche Versorgungsunternehmen betrieben werden: Kommunikations- und Interaktionsmöglichkeiten für alle Menschen bereitstellen – frei vom Einfluss und den Interessen des Großkapitals. 

Das können wir nur erreichen, indem Technologiemonopole als Teil eines sozialistischen Produktionsplans unter demokratische Arbeiterkontrolle in öffentliches Eigentum gebracht werden. Nur dann können wir den Spekulationen, Skandalen und der Instabilität ein Ende setzen! 

Tech-Arbeiter zeigen uns bereits den Weg nach vorne und organisieren sich in Gewerkschaften wie United Tech und Allied Workers. In Zusammenarbeit mit der übrigen Arbeiterbewegung, die ein klares sozialistisches Programm fordert, können wir Kapitalisten wie Musk und ihre Systeme dorthin befördern, wo sie hingehören: Auf den Müllhaufen der Geschichte!

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