Kategorie: Asien

Afghanistan: Bilanz nach 20 Jahren Invasion und Besatzung

Die zunächst unter dem Namen Operation Enduring Freedom („Operation andauernde Freiheit“) geführte Militärintervention der USA in Afghanistan endet nach zwanzig Jahren nun in einer demütigenden Niederlage für den schwächelnden US-Imperialismus.

Bild: ISAFMedia


Tatsächlich bestand die einzig nachhaltige Freiheit des Vorhabens in der selbsternannten Freiheit der USA, Afghanistan in ein Schlachtfeld für eigene machtpolitische Interessen zu verwandeln. Zwei Jahrzehnte nach Beginn der von den USA befehligten Intervention gegen Afghanistan hinterlässt der US-Imperialismus ein vom Horror des Krieges gezeichnetes Land. Laut den Vereinte Nationen (UN) leidet ein Drittel der Bevölkerung Hunger. Insbesondere auf den afghanischen Frauen lastet das Joch der Barbarei. Der bis dato längste Krieg der US-Geschichte forderte Schätzungen zufolge mindestens 220.000 Todesopfer, ein Vielfaches an Verletzten und verschlang dabei hunderte Milliarden US-Dollar allein für Waffen und Streitkräfte.

Die Geschichte der US-amerikanischen Einmischung in der Region hat Tradition. Ausgangspunkt war die sogenannte Saur-Revolution von 1978. Diese von höheren Armeeoffizieren und Intellektuellen angestoßene „Revolution von oben“ stützte sich zwar nicht auf die Arbeiterklasse und Bauernschaft wie etwa die russische Oktoberrevolution von 1917. Dennoch wurden radikale Forderungen nach Enteignung des Bodens, Einführung planwirtschaftlicher Elemente und bestimmte Rechte für Frauen aufgestellt. Die Revolution bot trotz aller Engpässe die Hoffnung auf Befreiung vom Elend des Kapitalismus, der Afghanistan zu einem der ärmsten und rückständigsten Länder der Welt machte.

In den Machtkämpfen zwischen den Revolutionsführern bot der Kreml militärische Unterstützung an und sandte sowjetische Truppen nach Kabul. Dies rief natürlich prompt die NATO-Mächte auf den Plan – sie waren sich einig, dass die fortschrittliche Regierung in Kabul um jeden Preis gestürzt werden müsse. Der zu zahlende Preis war der Pakt mit Saudi-Arabien mit dem Ziel einen Dschihad gegen die sowjetischen Besatzer zu führen und damit reaktionäre Gruppen wie die Taliban und auch Al-Quaida auf den Plan zu rufen. Die USA und Großbritannien übernahmen dabei zum Teil die militärische Ausbildung dieser islamischen Fundamentalisten und versorgten sie mit Waffen.

Finanziert wurden die Taliban sowohl von Saudi-Arabien als auch durch die Einnahmen von Drogengeschäften, allen voran durch die Heroinproduktion, die die Zahl der Heroinabhängigen in ganzen Regionen rasant in die Höhe schnellen ließ und auf mafiöse Strukturen zurückgriff. Was zunächst nach einem guten Deal für die USA aussah – man hatte die Rote Armee verbannt und die Revolution mit all ihren Errungenschaften zerschlagen – entpuppte sich auf lange Sicht als Frankensteinsches Monster.

So war es etwa auch der in den Genuss amerikanischer Militärausbildung gekommene Osama Bin Laden, der in den späten 1990er Jahren (noch von den Amerikanern geduldet) mit den Taliban seinen Siegeszug durch Afghanistan antrat. Später gilt er als Hauptdrahtzieher für den 11. September 2001.

Neues Kräfteverhältnis

Die deutsche Beteiligung am Afghanistankrieg wurde 2001 unter der damaligen regierenden Koalition aus SPD und Grünen beschlossen. Nur wenige Abgeordnete stimmten damals gegen den Kriegseinsatz der Bundeswehr. SPD-Bundeskanzler Gerhard Schröder versprach den USA unverzüglich „uneingeschränkte Solidarität“. Auch grüne Politprominenz wie Katrin Göring-Eckard machte im Vorfeld der Abstimmung unmissverständlich klar, wo ihre Partei steht: „Für die Grünen ist dieser Einsatz ein sehr wünschenswerter Einsatz, weil er den Neuanfang in Afghanistan begleiten soll“. Bis heute verweigern sich die Grünen einem grundsätzlichen Verbot von Rüstungsexporten.

Welche Interessen wirklich am Hindukusch verteidigt werden wird besonders deutlich, wenn man die Fülle an mineralischen Bodenschätzen betrachtet, die in den Tiefen der afghanischen Erde schlummern. Diese Gesteine haben laut Schätzungen einen Gesamtwert von bis zu drei Billionen US-Dollar. Dabei ist gegenwärtig vor allem Lithium für den Ausbau von Elektroautos interessant.

Trotz der exorbitanten finanziellen und militärischen Ressourcen für den „Krieg gegen den Terror“ haben die USA in Afghanistan ähnlich wie in Vietnam ein paar Jahrzehnte zuvor, sowie auch im Irak und in Syrien, zerschmetternde Niederlagen erlitten. Der Misserfolg ihrer imperialistischen Abenteuer in Afghanistan ist keine Lappalie. Er ist Ausdruck eines verschobenen Mächtegleichgewichts und eines historischen relativen Niedergangs des US-amerikanischen Imperialismus.

Zunehmend tritt nun auf globalem Maßstab auch der chinesische, russische und regional der iranische Imperialismus auf den Plan und sorgt für verschärfte Handelskonflikte. Schon jetzt ist das an Afghanistan angrenzende China der größte ausländische Investor im Land. Vor allem Kupferabbau und Ölförderung werden von chinesischen Unternehmen betrieben. Ebenso könnte Afghanistan als Verbindung zum Persischen Golf im Zusammenhang mit dem Ausbau der sogenannten neuen Seidenstraße und Gaspipelines durch Zentralasien von geostrategischem Interesse für China sein.

Egal ob China oder die USA – imperialistische Interessen können niemals Frieden und Stabilität schaffen und bedeuten die Fortsetzung der Barbarei. Eine revolutionäre Bewegung in Pakistan oder im Iran wäre eine Inspiration für die von jahrzehntelangen Kriegen ausgezehrte afghanische Arbeiterklasse und der erste Schritt hin zu einer sozialistischen Revolution in Zentralasien und weltweit!

 

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