Kategorie: Kapital und Arbeit

„Notfalls die rote Fahne rausholen“: Mehrere tausend Journalisten kamen zu Streikversammlung

In der aktuellen Tarifauseinandersetzung um Löhne und Arbeitsbedingungen in Druckindustrie und Zeitungsverlagen haben sich am Donnerstag erneut bundesweit Tausende Beschäftigte an Warnstreiks beteiligt. Höhepunkt des Aktionstags war eine zentrale Versammlung, zu der über 3000 Streikende aus mehreren Bundesländern in die Innenstadt von Frankfurt am Main gekommen waren. Aufgerufen hatten ver.di und der Journalistenverband DJV.



In den tarifgebundenen Druckereien geht es um die historische Errungenschaft der 35-Stunden-Woche. Vor genau 27 Jahren hatte die damalige IG Druck und Papier im Schulterschluss mit der IG Metall den Einstieg in die Arbeitszeitverkürzung bei vollem Lohnausgleich erkämpft.

Die Unternehmerverbände hätten „jegliches Interesse am Flächentarifvertrag verloren“ und dienten „nur noch als Beratungsinstanz für Tarifflucht“, beklagte der stellvertretende ver.di-Vorsitzende Frank Werneke. Er hält einen monatelangen Tarifkampf für möglich. In der Druckindustrie geht es in diesem Konflikt vor allem um die Verteidigung der 35-Stunden-Woche. Der Bundesverband Druck und Medien hat den Manteltarifvertrag gekündigt und will zurück zur 40-Stunden-Woche.

Der drohende Generalangriff des Druckerei-Verbands BVDM und des Zeitungsverlegerverbands BDZV auf tarifliche Errungenschaften der letzten Jahrzehnte zwingt ver.di und den DJV zur Aktionseinheit. „Ich schlafe nicht mit der roten Fahne unterm Bett, doch wenn sie gebraucht wird, dann holen wir sie eben raus“, zeigte DJV-Hauptgeschäftsführer Karl-Josef Döhring bei der Kundgebung Kampfbereitschaft.

Unübersehbar waren Beschäftigte der Tageszeitung Mannheimer Morgen. „Bei drastisch gesenkten Einstiegsgehältern, wie es dem BDZV vorschwebt, kriegen wir auf Dauer keine guten Leute mehr“, erklärte einer von ihnen. Aus der Ruhrmetropole Essen waren gut 120 Drucker dabei. „Ich habe drei Kinder und muss was für ihre Zukunft tun. Lieber jetzt streiken als nichts machen und hinterher arbeitslos sein“, erklärte einer von ihnen.

Nächste Woche gehen die separaten Tarifgespräche für Druckereiarbeiter, Verlagsangestellte und Tageszeitungsredakteure weiter. Dass die Arbeitgeberseite einsichtig wird, glaubt hier auf dem Römerberg niemand.

Im Wiesbadener Landtag brachte die Linksfraktion am Donnerstag einen Entschließungsantrag zum Thema „Streiks in der hessischen Druckindustrie – 35-Stunden-Woche erhalten“ ein. Ohne große Debatte lehnte das Parlament mit den Stimmen von CDU, FDP und Grünen den Antrag ab. Die SPD-Fraktion beteiligte sich nicht an der Abstimmung. „Wir haben Sympathie für Arbeitszeitverkürzung und angemessene Vergütung“, beteuerte SPD-Mann Günter Rudolph: „Aber der Landtag ist dafür der falsche Ort.“

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