Kategorie: Kapital und Arbeit

35-Stunden-Woche verteidigt – Abwehrkampf geht weiter

Mit einer wochenlangen Streikbewegung in Druckereien und Zeitungsredaktionen konnten Verschlechterungen der Arbeitsbedingungen und massive Lohnabsenkungen verhindert werden. In den tarifgebundenen Betrieben der Druckindustrie bleibt es bei der 35-Stunden-Woche. Dies ist das zentrale Ergebnis einer achtwöchigen bundesweiten Streikbewegung im Mai und Juni, an der sich viele tausend Beschäftigte beteiligt hatten.



Im Vorfeld hatte der Arbeitgeberverband bvdm den Manteltarifvertrag (MTV) für die Branche gekündigt. Er wollte u.a. die Arbeitszeit verlängern, die Löhne für Helfertätigkeiten an den Maschinen absenken und die Regelungen zur Besetzung an großen Druckmaschinen kippen.

Doch den gewerkschaftlich organisierten Druckereibeschäftigten war klar, dass sie den MTV und eine zentrale Errungenschaft wie die 35 Stunden-Woche nicht preisgeben durften. Es ist nicht vergessen, dass die Wochenarbeitszeitverkürzung auf 35 Stunden bei vollem Lohnausgleich seit den 1980er Jahren hart erkämpft wurde. Viele erinnern sich an die wochenlange Streikbewegung im Frühjahr 1984. Damals gelang den Druckern und Metallern der erste Einstieg in die 35-Stunden-Woche. Das war kein Spaziergang. So gab es Polizeieinsätze und Gewalt gegen Streikposten. Den Streikenden schlug aber auch ein heftiger medialer und politischer Gegenwind entgegen. Der damalige Bundeskanzler Helmut Kohl (CDU) bezeichnete die 35-Stunden-Woche als „dumm und töricht“. Erschwerend kam dazu, dass mehrere DGB-Gewerkschaften 1984 die Wochenarbeitszeitverkürzung ablehnten und sich von der IG Druck und Papier und IG Metall distanzierten.

Doch es gab auch eine Solidaritätsbewegung und ein europaweites Echo. Das Verlangen nach mehr Freizeit für Familie, Kultur, Bildung und gesellschaftliches Engagement war nicht mehr zu unterdrücken. Nur wer geregelte Arbeitszeiten und ein existenzsicherndes Einkommen hat, kann sich dauerhaft gesellschaftlich engagieren.
Die „35“ wurde allerdings in Stufen und erst 1995 erreicht.
Während der MTV jetzt verteidigt wurde, war der Lohnabschluss bescheiden: Einmalzahlungen für 2011 (280 Euro) und 2013 (150 Euro) von sowie 2,0 Prozent ab August 2012. Das gleicht die Inflationsrate nicht aus. Bei den Tageszeitungsredaktionen zog sich der Arbeitskampf bis Mitte August hin. Dabei kam es auch zu Solidaritätsstreiks in Druckereien. Auch hier bleibt es beim MTV, aber die Gehaltserhöhungen liegen unter der Teuerungsrate.

Auch nach den Tarifabschlüssen gibt es keine Ruhe. Zunehmend wollen sich Unternehmen mit „Tarifflucht“ aus dem Tarifvertrag verabschieden.
So auch die Nürnberger Tiefdruckerei und Bertelsmann-Tochter Prinovis. Dort sollen 138 Beschäftigte entlassen werden. Sie gehören zu einem harten Kern von rund 200 Beschäftigten, die sich hartnäckig weigern, ein von der Betriebsratsmehrheit getragenes „Bündnis“ persönlich zu unterschreiben. Knackpunkte sind Lohnkürzungen, Verzicht auf Urlaubs- und Weihnachtsgeld sowie eine unbezahlte Verlängerung der Wochenarbeitszeit von 35 auf 38 Stunden. Die Betriebsratsminderheit, die dies ablehnt, wurde von der Verhandlungskommission ausgeschlossen. Die Bertelsmann-Stiftung ist seit Jahren Ideengeber der Politik und hat Agenda 2010, Hartz-Gesetze, Gesundheitsreform, Studiengebühren und Bildungsprivatisierung mit formuliert. Nun will sie aller Welt zeigen, wie man eine Belegschaft spaltet und die Gewerkschaft ausbootet.

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