Kategorie: Kapital und Arbeit

Protestaktion vor Maredo-Filialen

Wie berichtet wehren sich die Maredo-Angestellten gegen die Folgen einer an Szenen aus Wildwestfilmen erinnernden Blitzaktion, mit der das Management Ende November die komplette, völlig überraschte Belegschaft zuerst stundenlang eingesperrt und später vor die Tür gesetzt hatte.



„Ich wurde daran gehindert, auf die Toilette zu gehen“, berichtete eine Augenzeugin. Unter massivem Druck und Einschüchterungsversuchen hatten damals 13 Beschäftigte vorgedruckte Eigenkündigungen unterschrieben 16 andere blieben standhaft und gingen gegen die Kündigung vor Gericht. Sie fordern ihre Weiterbeschäftigung und erstatteten gleichzeitig Anzeige wegen Freiheitsberaubung und Nötigung.

Am Wochenende hatten Gewerkschafter und Unterstützer eines Solidaritätskomitees vor Maredo-Restaurants in Frankfurt, Wiesbaden, Kassel, Hannover, Bremen und Berlin Flugblätter und Unterschriftslisten der Gewerkschaft Nahrung, Genuss, Gaststätten (NGG) verteilt, in denen die Rücknahme der Massenkündigungen für die Beschäftigten der Filiale an der Frankfurter Einkaufsstraße „Fressgass“ gefordert wird. Vor der unweit des Wiesbadener Landtags gelegenen Maredo-Filiale bekam auch der zufällig vorbeigehende hessische Innenminister Boris Rhein (CDU) ein Blatt in die Hand gedrückt. Rhein war im zurückliegenden Wahlkampf um den Frankfurter Oberbürgermeisterposten der einzige Bewerber, der sich nicht mit dem Kampf der Maredo-Belegschaft solidarisierte.

Im Gegensatz zu den meisten der bundesweit 55 Maredo-Restaurants ist die Niederlassung an der Frankfurter „Fressgass“ bisher keine „betriebsratsfreie Zone“, sondern seit Jahren ein Stützpunkt der NGG mit engagierten Interessenvertretern. Die drei Betriebsratsmitglieder wollen sich am 8. Mai vor dem Frankfurter Arbeitsgericht gegen den Rausschmiss wehren. Das Maredo-Management will an diesem Tag in einem „Zustimmungsersetzungsverfahren“ die fehlende Zustimmung des Betriebsrat zu den Kündigungen einholen.

Die Betroffenen und AktivistInnen des im Dezember gebildeten Solidaritätskomitees hoffen auf ein starkes öffentliches Interesse an dem Verfahren. Die betroffenen Beschäftigten wollen nach eigenen Angaben „erhobenen Hauptes“ an ihren alten Arbeitsplatz zurückkehren. „Wir sind keine Diebe und weisen den Versuch der Kriminalisierung zurück“, erklärte ein Betroffener. Maredo hat an Stelle der Gekündigten inzwischen neue, billigere Arbeitskräfte eingesetzt, die mit 7,50 Euro Stunden deutlich weniger verdienen und aufgrund ihrer befristeten Arbeitsverträge derzeit kaum aufmucken dürften. „Wir haben nichts gegen diese Kollegen“, sagt einer der Gekündigten: „Die sind nicht unsere Feinde.“ Maredo habe vielmehr auch diesen neuen Beschäftigten gegenüber eine Fürsorgepflicht und müsse sie in einer ihrer Filialen in der Region weiter beschäftigen.

Der Rückhalt durch die Gewerkschaft NGG und die Arbeit des Solidaritätskomitees hätten den Gekündigten viel Kraft und Motivation gebracht, so ein Betroffener: „Die Zusammenarbeit zwischen Gewerkschaften und sozialen Bewegungen funktioniert.“

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