Kategorie: Kapital und Arbeit

Deutsche Post DHL will Gewerkschaft zerschlagen

Während global operierende deutsche Konzerne im Inland meist noch auf die Einbindung von Gewerkschaftsspitzen und Betriebsräten, auf Co-Manegement und Mitbestimmung setzen, zeigen ihre weltweiten Ableger schon längst ein hässlicheres kapitalistisches Gesicht.


 

Jüngstes Beispiel ist die Geschäftspolitik des türkischen Ablegers der  Deutschen Post DHL, wo das Management systematisch die kämpferische  Gewerkschaft Tümtis schwächen und zerschlagen will und ihre Mitglieder  auf die Straße setzt, um Tarifverhandlungen über menschliche  Arbeitsbedingungen und existenzsichernde Löhne zu verhindern. So berichteten aus Istanbul angereiste Gewerkschafter diese Woche in Frankfurt (Main) am Rande der Aktions-Hauptversammlung des Konzerns Deutsche Post DHL über ihre Erfahrungen. Mit angereist war die Angestellte Aysel Simsek, die nach vier Jahren Beschäftigung bei DHL in Istanbul Anfang Februar 2013 fristlos gekündigt wurde. „Ich war für Verpackung und Preisauszeichnung zuständig, liebte meinen Job und war stolz darauf“, blickt sie wehmütig zurück. „Ich wurde entlassen, weil ich mich für das grundlegende Menschenrecht auf Gewerkschaftszugehörigkeit eingesetzt habe.“

 

Aysel Simsek engagiert sich in der Gewerkschaft Tümtis. Außer ihr setzte das DHL-Management noch weitere 35 Gewerkschaftsmitglieder auf die Straße, so Tümtis-Sprecher Gurel Yilmaz. Auch sie hätten sich gegen Niedriglöhne und menschenunwürdige, extrem flexible Arbeitsbedingungen zur Wehr gesetzt. So gehörten unbezahlte Überstunden, ungeregelte Arbeitszeiten und willkürlicher Personaleinsatz bei DHL in der Türkei zum Alltag, berichtet Yilmaz: „Manchmal müssen Arbeiter, die um 3 Uhr früh Feierabend haben, schon um 7 Uhr wieder arbeiten.“ Jahrelang habe die Geschäftsleitung Beschwerden ignoriert. Die Gewerkschafter werfen den Managern eine systematische Strategie zur Zerschlagung ihrer Gewerkschaft und zum parallelen Aufbau einer gelben, unternehmer- und regierungsnahen Scheingewerkschaft vor. So wolle DHL den für Aufnahme von Tarifverhandlungen erforderlichen gewerkschaftlichen Organisationsgrad im Betrieb verhindern. „Mir wurde eine Lohnerhöhung angeboten, wenn ich aus Tümtis ausgetreten wäre“, berichtet Aysel Simsek: „Dazu war ich nicht bereit.“

 

Lügendetektoren

 

Dass DHL nicht nur in der Türkei selbstbewusste Gewerkschafter mobbt und seine eigene „Verpflichtung zur Gewährung von Vereinigungsfreiheit und Arbeitnehmerrechten“ nicht ernst nimmt, zeigen Erfahrungen in Kolumbien, Panama oder Südafrika. Dort setzen die DHL-Manager Lügendetektoren gegen Beschäftigte ein. Die Konzerntöchter in Malaysia, Indonesien und Indien greifen auf  Leiharbeitnehmer ohne Arbeitsplatzsicherheit zurück.

 

Solche Zustände kamen jetzt auch bei der Aktionärsdebatte zur Sprache. Dabei ging immerhin gut die Hälfte aller Redner, darunter auch Gewerkschafter, auf die miserable Lage vieler Beschäftigter im weltweiten Konzern ein. Schon vor Beginn der Hauptversammlung zeigten ver.di-Aktivisten mit Flugblättern vor der Halle Flagge. Ähnliche Klagen über eine Verletzung von Menschen- und Gewerkschaftsrechten wurden in den letzten Jahren auch aus Niederlassungen der Deutschen Telekom und der Deutschen Bahn in Übersee laut. Die kritisierten Konzerne haben eines gemeinsam: Sie sind aus der Privatisierung ehemaliger Bundesbetriebe entstanden und werden seit gut zwei Jahrzehnten von kapitalistischen Managern gesteuert, die unter Renditedruck auf Zukäufe, Eroberung von Auslandsmärkten und globale Vorherrschaft setzen. Bei dieser agressiven Strategie, die oft mit kriegerischen Tönen einher geht, sind unzumutbare Arbeitsbedingungen und brutaler Umgang mit den Beschäftigten als Kollateralschäden vorprogrammiert. Dass sich im Kampf um einen “Platz an der Sonne” und den Rang als „weltweit führender Logistikkonzern“ mit Deutscher Post und Deutscher Bahn  Konzerne als Rivalen in die Quere kommen, die früher als Bundesbehörden fruchtbar kooperierten, unterstreicht die Absurdität dieses Prozesses. So hat der Post-Konzern als  neuen Markt im Inland jetzt auch den Busfernverkehr im Blick.

 

Folgen der Privatisierung

 

Der Weltkonzern Deutsche Post DHL war aus der 1994 privatisierten Deutschen Bundespost hervorgegangen. Für die Privatisierung hatte damals im Bundestag neben CDU/CSU und FDP auch eine Mehrheit der SPD-Abgeordneten gestimmt. „Wir sind auf dem Weg zur erfolgreichen Volksaktie“, freute sich Post-Konzernchef Frank Appel bei der Hauptversammlung über den 11,9-Prozent Anteil von Kleinaktionären am Aktienbesitz. Institutionelle Anleger halten rund zwei Drittel, während der Anteil der bundeseigenen KfW-Bankengruppe weiter sinkt ist und nun unter der Sperrminorität von 25 Prozent liegt. Für die Masse der Postkunden brachte die Privatisierung eine Service-Wüste und viele Verschlechterungen.

 

Der hessische ver.di-Sekretär Detlev Borowsky bringt es auf den Punkt: “Der Umgang des Konzerns mit unserer türkischen Partnerorganisation Tümtis lässt ahnen, wie mit den deutschen Beschäftigten bei der Deutschen Post DHL umgegangen würde, wenn sie nicht mehr zu 70 Prozent organisiert wären.“ So bleibt internationale Solidarität das Gebot der Stunde – und die Forderung nach Wiederverstaatlichung von Post, Telekom und Bahn unter demokratischer Kontrolle und Verwaltung.

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