Kategorie: Kapital und Arbeit

Angedrohter Verkauf der Lufthansa Service Gesellschaft (LSG) löst Ängste aus

Das Lohndumping rund um die Luftfahrt hält an. Die Lufthansa möchte ihre Tochter Lufthansa Service Gesellschaft (LSG) verkaufen.


Ein Bieterverfahren hat begonnen. In den deutschen LSG-Niederlassungen Frankfurt am Main, München, Düsseldorf, Köln, Alzey, Stuttgart, Hannover und Berlin herrscht Angst vor einer ungewissen Zukunft. Bundesweit wären vom Verkauf etwa 7.000 Arbeitsplätze betroffen, davon allein in Frankfurt rund 3.000 Beschäftigte.

Die LSG ist mit insgesamt über 35.500 Beschäftigten der zweitgrößte Caterer der Welt und produziert jährlich für rund 300 Fluggesellschaften etwa 700 Millionen Einheiten Bordverpflegung. Nun wächst auch der Widerstand gegen den angedrohten Verkauf. Am vergangenen Donnerstag kamen mehrere hundert Beschäftigte in der Mittagspause zu einer Protestkundgebung auf dem Parkplatz des LSG-Betriebsgeländes am Frankfurter Flughafen. Weitere Proteste gab es nach ver.d-Angaben auch vor LSG-Niederlassungen in München, Köln und Düsseldorf. Am Mittwoch hatten Beschäftigte der LSG dem Vorstand der Konzernmutter Lufthansa (LH) mehr als 4.000 Unterschriften gegen einen LSG-Verkauf übergeben. Für Ende Juni sind gemeinsame Betriebsversammlungen geplant.

Die Dienstleistungsgewerkschaft ver.di lehnt den geplanten Verkauf als „sozial verantwortungslos und wirtschaftlich fragwürdig“ ab und verweist darauf, dass die LSG an den Mutterkonzern über viele Jahre hohe Millionengewinne abgeführt habe. Viel spricht dafür, dass der LH-Vorstand mit der Androhung des Verkaufs weiter Druck auf die Belegschaften ausüben und sie weichklopfen möchte. 2013 hatte ver.di unter diesem Druck in einem umstrittenen Absenkungstarifvertrag weniger Lohn und Urlaub sowie eine unbezahlte Arbeitszeitverlängerung zugestanden. Der damit verbundene Verzicht auf betriebsbedingte Kündigungen läuft Ende 2020 aus.

Inzwischen gehören hier dem Vernehmen nach prekäre Arbeitsverhältnisse wie Leiharbeit, Minijobs und Arbeit auf Abruf mit 40-Stunden-Verträgen zum betrieblichen Alltag. Insider berichten über Schikanen durch Vorgesetzte und eine äußerst schlechte Stimmung in der Belegschaft. Nun droht eine verstärkte Verlagerung von Arbeitsplätzen in das benachbarte Ausland.

Neuer Meilenstein nach Ablauf der teuer erkauften Jobgarantie am 31. Dezember 2020 könnte die Fertigstellung einer neuen Großküche in Bor (Tschechien) sein. Dort wird unweit der deutschen Grenze derzeit offensichtlich ein bereits bestehender Betrieb stark erweitert, in dem nach Insiderangaben zahlreiche Beschäftigte aus den Philippinen eingesetzt werden sollen. Sie würden bestenfalls mit einen tschechischen Mindestlohn von rund drei Euro pro Stunde entlohnt. Die fertigen Bordgerichte würden dann Tag und Nacht mit Lastkraftwagen über die gut 360 Kilometer lange Strecke zum Frankfurter Rhein-Main-Flughafen transportiert und dort auf dem schnellsten Wege zu den Flugzeugen gekarrt werden, was auch aus ökologischer Sicht höchst fragwürdig ist.

Damit verschwänden in Frankfurt fast alle Arbeitsplätze rund um die Küche. Dies träfe besonders langjährige Beschäftigte, die noch nach altem ver.di-Haustarif entlohnt werden. Insider berichten, dass viele von ihnen massivem Druck ausgesetzt seien, „freiwillig“ mit Abfindungen oder Altersteilzeitregelungen den Job aufzugeben.

Vor dem Hintergrund der 1997 abgeschlossenen Privatisierung der einst bundeseigenen Airline ging in den letzten Jahrzehnten ein energisches Outsourcing zahlreicher Dienstleistungen rund um den Flugbetrieb einher. Es erfasste neben der Bordverpflegung auch Bereiche wie Bestückung der Kabine, Gateservice, Lager, Reinigung und Verwaltung. Ähnliche Prozesse finden auch in anderen Bereichen rund um deutsche und europäische Flughäfen statt. So streikten in den vergangenen Jahren auch Beschäftigte in der privatisierten Luftsicherheitsbranche und in den ausgegliederten und privatisierten Bodendiensten an den Flughäfen für bessere Löhne und Arbeitsbedingungen. Die Wut ist groß. Die hessische Landtagsabgeordnete Christiane Böhm (LINKE) hat nun die Gründung eines breiten Solidaritätskomitees für bessere Arbeitsbedingungen und sichere Beschäftigungsperspektiven am Frankfurter Flughafen angeregt.

Die Lufthansa war einst eine bundeseigene, staatliche Fluggesellschaft. Mit der Privatisierung gingen Ausgliederungen und Lohndumping einher. Ähnliche Probleme plagen die Beschäftigten auch europaweit und weltweit. Die von der EU ausgehenden Richtlinien zur Liberalisierung und Privatisierung staatlicher Betriebe und Einrichtungen liegen ausschließlich im Interesse großer Konzerne und Kapitalbesitzer. Der vorauseilende Gehorsam politischer Entscheidungsträger bei der Umsetzung hat an Flughäfen wie auch bei Eisenbahnen, Post, Telekom und anderswo großen sozialen Flurschaden angerichtet.

Es ist an der Zeit, die Umsetzung dieser Politik zu blockieren. Die Betroffenen müssen zusammenstehen, für bessere Arbeitsbedingungen und eine Rücknahme der Privatisierungs- und Liberalisierungsorgien kämpfen. Statt profitable Anlagemöglichkeiten und Filetstücke für Kapitalbesitzer zu schaffen, sollten Großkonzerne, Banken, Versicherungen sozialisiert und unter demokratische Kontrolle gestellt werden.

 

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