Kategorie: Kapital und Arbeit

Streik gegen die Schließung von Voith in Sonthofen

Ein Arbeitskampf ist auch in Corona-Zeiten möglich. Am Donnerstag verließen die rund 500 Beschäftigten der Firma Voith in Sonthofen (Bayern) pünktlich um zehn Uhr ihre Arbeitsplätze und traten in einen unbefristeten Streik. Dazu aufgerufen hatte die IG Metall.


Mit dem Arbeitskampf richten sich die fast vollständig gewerkschaftlich organisierten Arbeiter und Angestellten gegen die drohende Schließung ihrer Fabrik. Das Werk produziert vor allem große Spezialgetriebe für Ölplattformen, Turbinen und Kraftwerke. Erst 2007 wurde der Betrieb vom Voith-Konzern übernommen, der seinen Stammsitz in Heidenheim (Baden-Württemberg) hat. Die Voith AG gehört immer noch voll der Familie Voith, die zu den reichsten Milliardären Deutschlands zählt.

Die Konzernspitze hatte im vergangenen Oktober die Stilllegung des Werks in Sonthofen bis Ende 2021 angekündigt. Sie behauptet, dass die Produktion in „vielen kleinen Standorten“ nicht mehr rentabel und die Schließung des Sonthofener Werks daher „alternativlos“ sei. Neben Sonthofen gehören auch Betriebe in Heidenheim, Crailsheim (Baden-Württemberg), Garching (Bayern) und Zschopau (Sachsen) zur Turbo-Sparte des Konzerns. Offensichtlich soll die Produktion von Sonthofen nach Crailsheim verlagert werden. Die IG Metall akzeptiert dies nicht und weist darauf hin, dass der Betrieb immer noch „schwarze Zahlen“ schreibt. Ein von der Gewerkschaft in Auftrag gegebenes Gutachten weist nach, dass alle Turbo-Standorte von Voith erhalten bleiben könnte

Nachdem in monatelangen Gesprächen mit der Geschäftsleitung der Konzern nicht von den Stilllegungsplänen abwich, war der Arbeitskampf unvermeidlich. Ihm liegt die Forderung nach einem Sozialtarifvertrag zur Abfederung der Folgen drohender Arbeitsplatzverluste für die Betroffenen zugrunde. Damit ist die Hoffnung verknüpft, die Schließung durch massiven Druck doch noch zu verhindern, indem der Preis dafür hochgetrieben wird.

Der Betrieb liegt am Fuße des gut 1700 Meter hohen Grünten und hat eine gut 500 Jahre alte Tradition, die mit der Verhüttung von Eisenerz begann. Anfang der 1930er Jahre begann hier der Bau von Getrieben. Der Betrieb ist eine Hochburg der IG Metall. Bei einer Urabstimmung Mitte April hatten bei 100 Prozent Wahlbeteiligung 98 Prozent der Befragten für einen unbefristeten Streik gestimmt. Wegen der Corona-Pandemie fand die Urabstimmung als Briefwahl statt.

Betriebsrat und Gewerkschaft hatten in den vergangenen Wochen unzureichende Corona-Schutzmaßnahmen im Betrieb kritisiert und sich für entsprechende Mindeststandards gegen eine Ansteckungsgefahr eingesetzt. Auch im Streik achten die Metaller auf Gesundheitsschutz. So tragen die rund um die Uhr am Tor eingesetzten Streikposten Mund-Nase-Schutz und halten einen Mindestabstand ein.

„Die Identifikation der Menschen mit ihrem traditionsreichen Werk ist riesengroß. Die ganze Region und die gesamte IG Metall stehen hinter der Belegschaft“, erklärte Bayerns IG Metall-Chef Johann Horn am Donnerstag. „Die Türen für Gespräche über den Erhalt des Werkes stehen bei uns weiter offen. Doch wir werden so lange streiken, wie es nötig ist, um unsere Ziele zu erreichen“, so Carlos Gil, Zweiter Bevollmächtigter der IG Metall Allgäu. „Wer in Zeiten der Pandemie ohne Not Arbeitsplätze und Existenzen vernichtet, muss mit entschiedener Gegenwehr rechnen“, so Carlos Gil. Am Freitag meldeten regionale Medien, dass die Streikenden die Tore blockiert hätten, um den Abtransport von Getrieben und Maschinen aus dem Werk zu verhindern

Der Streik in Sonthofen zeigt, dass Gegenwehr möglich und nötig ist. Wo im real existierenden Kapitalismus Konzerne auf der Jagd nach mehr Profiten Betriebe schließen und Existenzen vernichten, ist eine Gegenwehr gegen den Kahlschlag nötig und – wie wir in Sonthofen sehen – auch möglich. Solche Betriebe müssen in öffentliche Hände überführt und unter die Kontrolle der Arbeiter und Angestellten gestellt werden. Daher: Bundesweite Solidarität mit der Voith-Belegschaft in Sonthofen! Keine Schließung! Lasst die Belegschaft ran – sie kann es besser!

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