Kategorie: Kapital und Arbeit

Lufthansa verstaatlichen und unter Belegschaftskontrolle stellen! Spohr vors Tor!

Die Corona-Pandemie bietet für die Manager und Eigentümer privater und privatisierter Luftfahrtgesellschaften einen willkommenen Anlass, um Arbeitsplätze zu zerstören und den verbleibenden Beschäftigten schlechtere Löhne und Arbeitsbedingungen aufzudrücken.


Ohne eine koordinierte und internationale Gegenwehr aller Beschäftigten und Gewerkschaften haben sie ein leichtes Spiel. Billigflieger wie Ryanair und Wizz-Air bauen tausende Jobs ab und verordnen den verbleibenden schlecht bezahlten Beschäftigten schmerzhafte Lohnkürzungen. Auch große europäische Airlines wie British Airways, Air France oder Lufthansa, die früher staatliche Flaggschiffe waren, haben die allermeisten Flüge eingestellt und die Maschinen auf Landebahnen geparkt. Die Lufthansa-Chefs wollen mindestens 10.000, die Manager von British Airways mindestens 12.000 Arbeitsplätze abbauen. Bei der Lufthansa soll die als Billigflieger konzipierte Tochterfirma Germanwings den Betrieb komplett einstellen.

Nun rufen die Manager, die immer auf unternehmerische Freiheit und Unabhängigkeit von Staat pochten, plötzlich nach milliardenschweren staatlichen Rettungsprogrammen – am besten ohne jegliche Auflage und Kontrolle. Lufthansa-Vorstandschef Carsten Spohr brachte die Idee einer Insolvenz der Lufthansa in Eigenverwaltung ins Gespräch. Damit, so seine zynische Kalkulation, könnte der Konzern über Jahrzehnte gewachsene Sozialleistungen und Zugeständnisse wie etwa die betriebliche Altersversorgung loswerden. Die Idee ist klar: Angst verbreiten und alle Errungenschaften der vergangenen Jahrzehnte über Bord werfen. Der Staat soll nach neuesten Infos bei Redaktionsschluss die in Aussicht gestellten zehn Milliarden Euro in die Lufthansa pumpen, aber mit einer Beteiligung von 25 Prozent plus eine Aktie Spohr und Co. weiter freie Hand bei ihrem Crashkurs gegen die Beschäftigten lassen, hoffen die Manager. Eine kämpferische Antwort muss lauten: Keine Entlassung! Keine Einkommenskürzung! Radikale Arbeitszeitverkürzung ohne Lohnverlust!

Seit Jahren hatte der Konzernvorstand mit seiner Salamitaktik Konflikte mit den Gewerkschaften provoziert. Mit einer klassischen Teile- und Herrsche-Strategie wurden die durch eine zunehmende Filetierung des Betriebs gespaltene Belegschaft und die verschiedenen Gewerkschaften gegeneinander ausgespielt. So bot jetzt die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) den Lufthansa-Chefs „eine signifikante Lohnkostenreduzierung bis zum 30.06.2022“ an. Für die Piloten bedeute dies ein bis zu 45% niedrigeres Gehalt gegenüber den vergangenen Jahren, so der VC-Vorstand. Am anderen Ende der Einkommensskala bangen die schlecht verdienenden Beschäftigten der Konzerntochter Lufthansa Service GmbH (LSG) um ihre Existenz. Der Konzernvorstand möchte die LSG an die Gategroup verscherbeln, die ihren Firmensitz in der Schweiz hat und einem Investmentfonds aus Singapur gehört.

Gewinne privatisieren, Verluste sozialisieren?

Die LSG-Beschäftigten wehren sich gegen diesen Ausverkauf, bei dem die meisten auf der Strecke bleiben würden. „Zerschlagung stoppen – Ja zum Aviation-Konzern – Zurück in öffentliche Hand!“ waren zentrale Parolen auf einem Banner, mit dem rund 100 von ihnen am 5. Mai vor dem Hessischen Landtag in Wiesbaden standen. Mit ihrer Forderung nach Verstaatlichung bekamen sie Rückendeckung von der Linksfraktion im Landtag. „Die Allgemeinheit zahlt rund zehn Milliarden Euro für ein Unternehmen, das an der Börse derzeit acht Milliarden Euro wert ist, erhält aber nur 25 Prozent der Aktien“, erklärte die Fraktionsvorsitzende Janine Wissler. Dies sei ein sehr dreister Fall von „Gewinne privatisieren, Verluste sozialisieren“. Auf keinen Fall dürften die Steuermilliarden genutzt werden, um unter dem Vorwand der Corona-Krise Arbeitsplätze abzubauen und Betriebe wie die LSG Sky Chefs zu verkaufen, so ihre Forderung. „Wenn schon verstaatlicht wird, dann müssen LSG, Germanwings und alle anderen Lufthansatöchter im Konzern dabei sein“, fordert der LSG-Betriebsrat und langjährige „Lufthanseat“ Paul Laslop.

Nur eine komplette Verstaatlichung der Lufthansa und demokratische Kontrolle durch die Belegschaft liegt im Interesse der Beschäftigten und der Allgemeinheit. Spohr und Co. sollen abtreten! Entschädigung der bisherigen Aktionäre nur bei erwiesener Bedürftigkeit! Die von der Lufthansa aufgekauften Auslandstöchter AUA (Österreich), Swiss (Schweiz) und Brussels (Belgien) sollten von den jeweiligen Staaten übernommen und der demokratischen Kontrolle durch die Belegschaft unterstellt werden. Bisher konkurrieren in Europa Flieger, Eisenbahn, Fernbusse, Autos und Lkw-Flotten in einem gnadenlosen Unterbietungs- und Dumpingwettbewerb gegeneinander. Eine Verstaatlichung des gesamten Luftfahrtbereichs und aller anderen Verkehrsträger wäre die Grundlage für eine harmonische, integrierte, demokratische und ressourcensparende Planung des Personen- und Güterverkehrs im Interesse von Mensch und Natur. Wir brauchen einen sozial und ökologisch verträglichen Neuanfang des Luftverkehrs und des gesamten Verkehrswesens frei vom Profitdruck privater Aktionäre.

 

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