Kategorie: Kapital und Arbeit

Wertschätzung sieht anders aus!

Die Corona-Pandemie führt auch beim privatisierten Universitätsklinikum Gießen-Marburg (UKGM GmbH) zu Mehrbelastung und besonderem Stress für die Beschäftigten – nicht nur in den Corona-Stationen, sondern auch in Bereichen wie Reinigung oder Materialversorgung. Der Krankenstand der Belegschaft ist hoch. Das verschärft den Arbeitsdruck. Mit einer Fotoaktion haben Beschäftigte in Corona-Stationen daher jüngst die Forderung nach mehr Wertschätzung erhoben.


Offensichtlich unter dem Eindruck dieser Aktion war nun das Management der UKGM GmbH so gütig und hat den Beschäftigten des Standortes Gießen eine Summe in Höhe von 140.000 € als Corona-Prämien angeboten. In diesem Krankenhaus arbeiten rund 5000 Menschen, so dass jeder und jedem Mitarbeiter rechnerisch rund 28 € zustehen. Der Betriebsrat soll die Verteilung in Zusammenarbeit mit der Geschäftsführung übernehmen.

Dies ist ein weiterer Schlag ins Gesicht all jener, die während der aktuellen Pandemie in einer Ausnahmesituation arbeiten. Schon vor der Corona-Krise waren die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter überlastet und es fehlte deutlich an Personal.

Während des Krisenjahres 2020 hat die UKGM GmbH außergewöhnlich hohe Gewinne eingefahren und konnte den Aktionären daher eine sehr gute Rendite anbieten. Den Kolleginnen und Kollegen, welche diese Gewinne unter schwierigsten Umständen erwirtschaften mussten und nun alle am Ende ihrer Kräfte sind, wird hier ein Angebot gemacht, durch das sie sich nur verhöhnt fühlen können.

Gleichzeitig wird durch die geplante Einbeziehung des Betriebsrats versucht, diesen zu diskreditieren und in Erklärungsnot zu bringen, da am Ende alle unzufrieden sein werden. Damit wird anscheinend versucht, die Solidarität innerhalb der Belegschaft auszuhöhlen. Daher kann dieses Angebot nur als Aufforderung für einen aktiveren Arbeitskampf gesehen werden. Außerdem zeigt dies mal wieder deutlich, dass in unserem Gesundheitssystem Profite wichtiger sind als Menschen.

Der Betrag wurde vom Land zwar geringfügig um 70.000€ aufgestockt, dies haben wir jedoch in keinem Ansatz der profitorientierten Geschäftsführung zu verdanken. Die UKGM GmbH ist aus der Privatisierung der beiden Universitätskliniken in Gießen und Marburg entstanden. Diese wurde 2006 von der damaligen hessischen CDU-Alleinregierung unter Roland Koch durchgepeitscht. Der Betrieb gehört zu 95% der Rhön AG, bei der mittlerweile der Asklepios-Konzern einen bestimmenden Einfluss hat. Die restlichen fünf Prozent hält das Land Hessen – ohne spürbar Einfluss auf die Geschäftspolitik zu nehmen.

Ich fordere eine angemessene Wertschätzung für die Kolleginnen und Kollegen, welche seit fast einem Jahr im Dauerstress arbeiten und denen eine noch aufreibendere Zeit bevorsteht. Wir müssen private Krankenhausbetreiber endlich enteignen und das Gesundheitssystem in die öffentliche Hand zurückführen. Dann können und müssen wir auch gleich das DRG-Fallpauschalensystem abschaffen, welches eh nur dazu dient, dass sich private Betreiber auf Kosten der Gesellschaft bereichern.

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