Kategorie: Kapital und Arbeit

Onlinehandel: Boom beim Profit, Talfahrt bei Arbeitsbedingungen

Die Pandemie hat dem Onlinehandel und den Lieferunternehmen einen gewaltigen Boom beschert. Die Umsätze erklimmen Rekordhöhen. Aber für die Beschäftigten kommt dabei nur gesteigerte Ausbeutung rum.

Bild: Amazon Logistikzentrum in Spanien (Álvaro Ibáñez/wikicommons CCBYSA2.0)


Das Jahr 2020 bedeutete für viele Arbeiterinnen und Arbeiter nicht nur erhebliche Einschränkungen und finanzielle Einbußen, sondern auch unerträgliche Arbeitsbedingungen in gewissen Branchen. Nicht erst seit dem Beginn der Pandemie und dem daraus folgenden Zuwachs an Paketauslieferungen arbeiten viele Beschäftigte von Amazon, Hermes, DPD, DHL, TNT und GLS in prekären Beschäftigungsverhältnissen.

Selbst Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) beschrieb die Entwicklung in Teilen der Paketbranche 2019 als „beschämend“. Diese moralische Anteilnahme kann angesichts der mit Hilfe der SPD 1994 eingeleiteten Postprivatisierung von Betroffenen eher als zynisch und pietätslos wahrgenommen werden. Immerhin brachte diese Privatisierung den Dumpingwettbewerb zwischen privaten Konzernen auf dem Rücken der Beschäftigten, Kleinkunden und im Übrigen der Umwelt.

Onlineeinkauf in der Pandemie

Durch den Teil-Lockdown ging eine enorme Anzahl von Menschen und Haushalten dazu über, ihre Waren fast ausschließlich per Mausklick zu bestellen. Einerseits um mögliche Infektionsketten in Innenstädten zu unterbrechen und andererseits hat der florierende Onlinemarkt dem Handel in Städten tiefgreifend zugesetzt.

Die Deutsche Post und ihre Tochtergesellschaft DHL verzeichneten laut Thomas Schneider, dem Produktionschef der Brief- und Paketsparte der Deutschen Post, einen Zuwachs von bis zu 20 Prozent der Paketmenge im Vergleich zum Vorjahr 2019. Wohlgemerkt entsprechen diese Zahlen nur dem Repräsentativwert vor dem Weihnachtsgeschäft. Ferner stellte Schneider die Vermutung auf, dass das Unternehmen am profitstärksten Tag vor Weihnachten 11 Millionen Pakete zählen würde und somit den Jahresdurchschnitt von 5,4 Millionen Paketen pro Tag mehr als verdoppeln könnte.

Die Zunahme der Online-Bestellungen von Waren schlägt sich ebenfalls im Onlinehandel Amazon nieder. Dessen Umsatz ist im Vergleich zum Vorjahresquartal um rund 37 Prozent auf 96,15 Milliarden US-Dollar (Stand November) gestiegen, womit sich Amazon den Weg zum Monopolherren im Onlinehandel weiter ebnet. Die gewaltige Umsatzsteigerung der führenden Unternehmen, die ihre Waren versenden, sorgte im Umkehrschluss jedoch für keine sichtbaren und notwendigen Verbesserungen der Arbeitsbedingungen der Paketzusteller und des anderen Personals in den Versandhäusern beziehungsweise in der Logistik.

Enorme Ausbeutung im Job

Pakete zustellen, das heißt in mehrfacher Hinsicht Knochenarbeit: Ständige Anspannung am Steuer auf überfüllten Straßen, Zeitdruck, schwere Pakete über steile Treppen bis hin ins höchste Stockwerk im Laufschritt tragen, Benachrichtigungen ausfüllen, wenn Empfänger nicht da sind, die optimale Route ausarbeiten, die eigene Müdigkeit unterdrücken und der stetigen Gefahr ausgesetzt sein, sich mit dem Corona-Virus im Treppenhaus zu infizieren.

Auch Unternehmen wie die Deutsche Post können sich nicht von Subunternehmen freisprechen, welche konzentriert Menschen aus Herkunftsländern wie Bulgarien oder Rumänien unter Zeitverträgen anstellen und zeitgleich wie im Fall Tönnies in Mehrbettzimmern in katastrophalen Zuständen zu horrenden Mietpreisen unterbringen. Ihre Löhne sind ohnehin niedrig, doch Betroffene sprechen in besorgniserregender Häufigkeit von verspäteten oder ausfallenden Gehältern und unbezahlten Überstunden. Viele können kaum oder nur schlecht Deutsch sprechen und kommen aus bitterer Armut, in der Hoffnung sich und ihre Familien ernähren zu können zum Arbeiten her. Das wird von den Unternehmern zynisch ausgenutzt.

Letztendlich konnte auch der DHL Pressesprecher Mattias Persson in einer kürzlich vom „Y-Kollektiv“ veröffentlichten Dokumentation über Paketboten, keine ausreichende Zusicherung darüber mitteilen, dass Arbeitsstandard wie Vergütung und Arbeitssicherheit von DHL an die Subunternehmen kommuniziert und vertragsgemäß festgehalten werden. In den Subunternehmen fehlt es weitgehend an Betriebsräten als Interessenvertretung der Beschäftigten, um die Einhaltung von Gesetzen, Regelungen, Mindeststandards, Schutzrechten und auf Corona abgestimmte Sicherheitskonzepte zu gewährleisten. Staatliche Behörden können keine effektive Kontrolle von Arbeitszeiten, Mindestlohn und anderen Schutzbestimmungen garantieren.

Kampf den Konzernen

Bei Amazon legten Arbeiterinnen und Arbeiter an den Standorten Werne, Rheinberg (beide Nordrhein-Westfalen), Leipzig (Sachsen), Koblenz (Rheinland-Pfalz) und an zwei Standorte im hessischen Bad Hersfeld ihre Arbeit nieder. Die Gewerkschaft ver.di hatte zu den Streiks aufgerufen. Seit Jahren kämpfen Kolleginnen und Kollegen bei Amazon zusammen mit ver.di für einen flächendeckenden Tarifvertrag des Einzel- und Versandhandels, sowie bessere Arbeitsbedingungen insbesondere in Zeiten von Corona.

Während Amazon-Chef Jeff Bezos, reichster Mensch auf Erden, sein Vermögen 2020 um 97 Milliarden Dollar erhöht hat, gehen die Arbeiter bei Amazon leer aus. Für menschenwürdige Arbeitsbedingungen und damit das Vermögen und die Logistikinfrastruktur von Amazon im Interesse der Arbeiterklasse zum Einsatz kommen kann, gehört Amazon unter demokratischer Arbeiterkontrolle verstaatlicht. Überhaupt muss die gesamte Logistik für Briefe, Pakete und Verkehr in öffentliche Hand überführt, gebündelt und demokratisch geplant werden.

 

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