Kategorie: Kapital und Arbeit

Spanien: Sieg der Belegschaft von Tubacex nach 236 Streiktagen

236 Tage lang – fast acht Monate – streikten die Beschäftigten des Unternehmens Tubacex gegen die Massenentlassung von 129 Kollegen. Ihr Durchhaltevermögen ist von Erfolg gekrönt, am 5. Oktober kehrten alle Tubacex-Beschäftigten an ihren Arbeitsplatz zurück, denn die Entlassungen wurden zurückgenommen.

Bild: Lucha de clases


Diese Erfahrung zeigt, dass der entschlossene kollektive Kampf von Beschäftigten gegen die Kapitalinteressen der Unternehmen erfolgreich sein kann, wenn er konsequent geführt wird. Das Unternehmen Tubacex stellt Rohre für die Öl- und Gasförderung her und hat drei Fabriken im Tal von Ayala in der Provinz Araba im Baskenland. Die Tubacex Group hat zudem weltweit weitere Produktionsstandorte. Dort verfolgte sie bis 2020 Maßnahmen zur Kostensenkung um 20 Prozent. Anfang Februar 2021 legte das Management dann einen Plan für Massenentlassungen für 150 der ca. 800 Beschäftigten der Fabriken im Ayala-Tal vor.

Geschlossen die Stirn bieten

Die Reaktion der Belegschaft war ein entschlossener Streik aller Kollegen der drei Fabriken, der von allen Gewerkschaften (ELA, CCOO, ATAB, STAT und LAB) koordiniert wurde, die an diesen Produktionsstandorten aktiv sind. Aber der Streik beschränkte sich nicht nur auf die Fabrikhallen von Tubacex. Ein kritischer Faktor bei so langen Streiks ist die Solidarität anderer Beschäftigter. Deshalb haben die Streikenden ihren Kampf mit den Kämpfen weiterer Belegschaften, z.B. von H&M, Repsol-Petronor, Alestis, Aernova, u.v.m. solidarisch gekoppelt. Diese Ausweitung des Konfliktes sprang auch auf Schulen, Universitäten, Gemeinden und Nachbarschaften über, dort organisierten die Bewohner im Tal von Ayala Solidaritätskassen für die streikenden Tubacex-Beschäftigten. Ohne diese allgemeine soziale und finanzielle Unterstützung wäre der Kampf sicherlich anders ausgegangen.

Trotz einiger Streikeinbrecher, trotz der systematischen Repression durch die Ertaintza (Regionalpolizei) und trotz des Schweigens der Massenmedien, ließen sich die Beschäftigten von Tubacex in ihrem Kampf um ihre Arbeitsplätze nicht demoralisieren. Neben den Streiks gingen sie gerichtlich gegen die Massenentlassungen vor und errangen Anfang Juli einen wichtigen juristischen Sieg. Das Unternehmen ignorierte jedoch das Gerichtsurteil und wandte sich an den Obersten Gerichtshof, im Vertrauen darauf, dass die Klassenjustiz den Fall zu Gunsten der Kapitalseite entscheiden würde.

Im September bat das Unternehmen nach mehr als sieben Monaten Streik um eine Vermittlung durch die baskische Regierung. Die Einigkeit und Entschlossenheit der Beschäftigten den Kampf fortzusetzen, blieb ungebrochen, zudem setzte eine Wiederbelebung der Wirtschaft ein. Die Verhandlungen wurden von Vertretern aller Betriebsräte der streikenden Fabriken geführt. Die Verhandlungsergebnisse wurden in den einzelnen Gewerkschaftsgliederungen diskutiert und Entscheidungen durch die Beschäftigten demokratisch beschlossen.

Klassenzusammenhalt lohnt sich

Das Ergebnis dieses Kampfes war für die Streikenden ein wichtiger Erfolg, der schwer zu erringen war. Es war nur durch die Entschlossenheit und Standfestigkeit der Kolleginnen und Kollegen, die Einigkeit der Gewerkschaftsführung und die Unterstützung der Bevölkerung im Tal von Ayala möglich. Das Tubacex-Management musste alle Entlassungen zurücknehmen. Dieser wichtige Sieg kommt jedoch mit einem bitteren Beigeschmack daher, im Gegenzug erzwang das Management einen Stopp von Lohnerhöhungen bis 2025 und die Verlängerung der Arbeitszeit um 40 Stunden pro Jahr – d.h. umgerechnet eine Woche (bei 40-Stunden-Woche) unbezahlte Mehrarbeit im Jahr.

Die Tubacex-Beschäftigten wurden auf eine harte Probe gestellt, wie Sergio Zaballa, Delegierter der Gewerkschaft LAB, im Gespräch erzählte: „Selbst in ihren schlimmsten Träumen hätten die Beschäftigten nicht erwartet, dass sie in einem großen Unternehmen mit anständigen Löhnen und guten Arbeitsbedingungen einen so brutalen Kampf führen müssten wie den, den sie 236 Tagen zur Verteidigung ihrer Arbeitsplätze führten.“

Er kommentierte weiter, dass sie „viele Lektionen gelernt haben“ in ihrem erfolgreichen Kampf, „aber wir lassen nicht locker, der Kampf geht weiter, wir werden unsere Rechte verteidigen. Der Kampf erzielt Ergebnisse, wir haben gelernt, dass wir, wenn wir wollen, es schaffen können. Was könnten wir nicht erreichen, wenn wir Arbeiter uns zusammenschließen?“

Klassenkampf ist die Antwort

Die letzten Jahrzehnte der sozialpartnerschaftlichen Praxis der Gewerkschaften mit den Kapitalisten hat die Arbeiterklasse geschwächt. Weite Teile der arbeitenden Klasse haben diese Politik mit Verarmung, Prekarisierung und steigender Ausbeutung bezahlt. Die Reallöhne der Arbeiterklasse sind heute laut OECD-Daten niedriger sind als im Jahr 2000 und die Arbeits- und Sozialrechte werden tagtäglich abgebaut.

Die Erfahrung der Beschäftigten von Tubacex zeigt, dass nur Klassenkampf die Interessen der Beschäftigten verteidigen und durchsetzen kann. Ein entschlossen geführter ausdauernder Kampf der Kollegen und die Solidarität der Belegschaften anderer Unternehmen und der Bevölkerung insgesamt haben dem Kapital eine klare Grenze aufgezwungen. Klassensolidarität und Organisierung der Beschäftigten um ein klassenkämpferisches Programm in den Gewerkschaften und Betrieben sind die Mittel im krisengebeutelten Kapitalismus, die Angriffe der Kapitalistenklasse abzuwehren. Diese Lektion muss wieder weltweit Teil des kollektiven Bewusstseins in der Gewerkschaftsbewegung werden.

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