Kategorie: Kapital und Arbeit

Gefahr für die Einheitsgewerkschaft?

Bei ver.di Hessen wird am Freitag eine neue hauptamtliche Landesleitung gewählt. Weil sich dabei zwei Männer um einen Posten bewerben und einer von beiden, Hans Kroha, Mitglied der WASG ist, sieht die die ansonsten weniger um den Zustand der Gewerkschaften besorgte Frankfurter Allgemeine (FAZ) die Einheitsgewerkschaft in Gefahr. Auch der ehemalige ÖTV-Vorsitzende und Arbeitsdirektor des Flughafenbetreibers Fraport AG, Herbert Mai, mischte sich ein. Ein Interview mit Hans Kroha.



Hans Kroha, langjähriger Sekretär der Gewerkschaft Handel, Banken, Versicherungen (HBV), wirkte in letzten vier Jahren als stellvertretender ver.di-Landesbezirksleiter in Hessen. Er engagiert sich in der bundesweiten Initiative zur Vernetzung der Gewerkschaftslinken und ist Mitglied der WASG ohne Funktion.

Sie kandidieren am Freitag bei der ver.di-Landeskonferenz wieder für die Landesleitung von ver.di Hessen. Einwände gegen Ihre Kandidatur wurden in den letzten Wochen in der Regionalpresse ausführlich wiedergegeben. Woran macht sich die von Ihnen beklagte Verleumdungskampagne gegen Ihre Person im Vorfeld dieser Wahl fest?

Die in den letzten Tagen öffentlich gegen mich ausgelöste Kampagne steht in keinerlei Zusammenhang mit meiner Praxis und lässt nur einen Schluss zu: Interessierten Kreisen in der Organisation geht es nicht darum, eine inhaltliche Auseinandersetzung um die Weiterentwicklung von ver.di Hessen zu führen, sondern um eine Ausgrenzung meiner Positionen und Person mit dem Ziel, die gewerkschaftliche Organisation öffentlich zu diskreditieren.

Nun spricht die Frankfurter Allgemeine von einer „Richtungsentscheidung“ und „heiklen Lage“ und sieht die Einheitsgewerkschaft in Gefahr, falls ein WASG-Mitglied wie Sie überhaupt in die Landesleitung gewählt wird.

Ich kandidiere als Gewerkschafter, weil das meine Lebensbiografie ausmacht. Meine Arbeit liegt in der konsequenten Interessenvertretung mit und durch die Kollegen auf der betrieblichen und gesellschaftlichen Ebene. In der Einheitsgewerkschaft finden alle Positionen und Meinungen bis auf das rechtsextremistische Spektrum ihren Platz. Einheitsgewerkschaft heißt für mich, unabhängig von Parteipolitik die Interessen der Mitglieder und noch nicht Organisierten zu vertreten.

Sie betonen die Notwendigkeit der Konfliktorientierung. Herbert Mai, ehemaliger ÖTV-Vorsitzender und heute Arbeitsdirektor des Frankfurter Flughafenbetreibers Fraport AG, und der stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende im Landtag, Jürgen Walter, sprechen ihnen jedoch die politische Unabhängigkeit und Dialogfähigkeit ab.

Ich bin seit Jahren unmittelbar und direkt in der Betriebsbetreuung tätig und habe täglich Gespräche mit Arbeitgebern zu führen. Ich formuliere die Interessen der Mitglieder klar und eindeutig und muss natürlich aufgrund realer Kräfteverhältnisse immer wieder zu konkreten betrieblichen Lösungen kommen. Was da öffentlich dargestellt wird, trifft auf meine Gewerkschaftsarbeit nicht zu. Ich bin gesprächs- und kompromissfähig. Nach meiner Erfahrung wird ein konsequenter, kämpferischer Gewerkschafter auch von der anderen Seite als Verhandlungspartner ernstgenommen.

Wie erklären Sie sich, dass Herbert Mai so stark an Ihrer Niederlage bei der Wahl zur Landesleitung interessiert ist?

Ich kann dafür nur eine Erklärung finden. Die letzte ver.di-Landeskonferenz 2003 hat sich mehrheitlich gegen den Ausbau des Frankfurter Flughafens ausgesprochen. Dazu habe auch ich mich in der Debatte bekannt. Dieser Beschluss wurde aber nie in praktisches Handeln umgesetzt.

Reduziert sich das Problem letzten Endes nur auf Ihre Mitgliedschaft in der WASG, oder wo liegen sonst die Unterschiede?

Die Auseinandersetzung geht in der Tat darum, welche Konsequenzen wir als Gewerkschaften aus der aktuellen Entwicklung ziehen. Das Modell der Sozialen Marktwirtschaft ist in der Auflösung. Kurzfristige Kapitalinteressen haben Vorrang vor langfristigen Interessen. Armut wird immer größer. In der Politik herrscht der neoliberale Mainstream vor. Wir brauchen breite gesellschaftliche Bündnisse für einen Politikwechsel und müssen diese aktiv voranbringen. Gesellschaftliche Rahmenbedingungen hängen immer mit unserer tariflichen und betrieblichen Arbeit zusammen.

Woran hat es in den letzten 4 Jahren gehapert?

Wir haben die vielen guten Ansätze in ver.di in unterschiedlichen Branchen – Handel, Finanzdienstleistungen, Telekom, Druckindustrie – nur vereinzelt durchgeführt und nicht miteinander verknüpft. In Hessen hat ver.di auf der Ebene der Landesbezirksleitung ihre verallgemeinernde, führende Rolle nicht wahrgenommen. Wir wurden nicht als politischer Faktor sichtbar und haben kein geschlossenes einheitliches Profil. Auch gegen die Rente 67 ist es in Hessen durch ver.di kaum zu größeren Aktivitäten gekommen, obwohl es hier an der politischen Orientierung durch den Bundesvorstand nicht gefehlt hat.

Wie soll der Mitgliederrückgang in ver.di gebremst und wieder umgekehrt werden?

Gewerkschaften gewinnen dann an Stärke und an Mitgliedern, wenn sie sich in Betrieb und Gesellschaft für die elementaren Interessen der Menschen einsetzen und gemeinschaftliches Handeln ermöglichen. Unser einziges Potential ist die Solidarität. Wir müssen erlebbar machen, dass gemeinsames Handeln zu Fortschritt und Verbesserungen führt.

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