Kategorie: Kapital und Arbeit

Europa in Aufruhr: Gewerkschafter stehen auf

Für den 16. Mai hat der Europäische Gewerkschaftsbund (EGB) zu Aktionstagen gegen die Krise aufgerufen. Großdemonstrationen finden in Brüssel, Berlin, Prag und Madrid statt.
Wir rufen alle unsere LeserInnen und UnterstützerInnen auf, sich an dieser Demo zu beteiligen.



„Was in Griechenland, Island, Irland und Frankreich angefangen hat, wird hier weitergehen, das ist die Europäische Einheit die wir brauchen.“ Dies erklärte der Stuttgarter Daimler-Betriebsrat Tom Adler bei der Frankfurter Demonstration gegen die Krise am 28. März.

Europa von unten

In der Tat: In den letzten Wochen und Monaten gab es europaweit Streiks, Demos gegen Stellenabbau und Jugendproteste bis hin zu Betriebsbesetzungen. Aus den Erfahrungen dieser Kämpfe gegen die Folgen der Wirtschaftskrise können auch GewerkschaftsaktivistInnen und linke Jugendliche in Deutschland lernen.

Streik in der britischen Bauindustrie: Erfolgreicher Kampf gegen Lohndumping und Rassismus
Großbritannien wurde im Februar von einer Streikwelle erschüttert, bei der es gegen die Aushöhlung des Arbeitsrechts und eine Verschlechterung der Arbeitsbedingungen ging.
Griechenland: Generalstreik gegen Massenentlassungen und Nullrunden
Am 2. April erschütterte ein neuerlicher Generalstreik Griechenland. In 60 Städten demonstrierten Hunderttausende gegen die Massenentlassungen und Nullrunden für die Beschäftigten im Öffentlichen Dienst.
England/Nordirland: ArbeiterInnen von Visteon besetzen drei Fabriken
Visteon Arbeiter in Enfield and Basildon haben sich mit ihren Belfaster Kollegen zusammengeschlossen und ihren Betrieb besetzt. Der Autozulieferer Visteon (ehemals Ford) wollte alle Werke in Großbritannien mit sofortiger Wirkung schließen.
Massenstreiks und „Bossnapping“ in Frankreich
Am 19. März demonstrierten 2,5 Millionen Menschen in Frankreich gegen die Wirtschaftskrise und die steigende Arbeitslosigkeit. Ebenso sperrten Arbeiter verschiedener Betriebe (Sony, Caterpillar, Scapa, 3M, FM Logistic) aus Protest gegen drohende Entlassungen ihre Chefs für Stunden oder Tage ein. Dieses „Bossnapping“ findet bei der Mehrheit der Bevölkerung bis weit ins bürgerlich-konservative Lager hinein Verständnis.
Dundee (Schottland): Besetzung von PRISME
Seit 4. März hält die Belegschaft der Verpackungsfabrik PRISME ihr Werk besetzt und protestiert damit gegen die Kündigung aller KollegInnen.
Irland: 200.000 Menschen demonstrieren gegen die Folgen der Krise
Am 21. Februar folgten 200.000 Menschen dem Aufruf des Irischen Gewerkschaftsbundes (ICTU) und demonstrierten gegen Stellenabbau und Sparpakete im öffentlichen Dienst. Am 30. März folgte ein landesweiter Streiktag.
Irland: Besetzung von Waterford Crystal
Im irischen Kilbarry sollte die Produktion bei Waterford Crystal stillgelegt und 480 der 700 Beschäftigen entlassen werden. Daraufhin besetzten die ArbeiterInnen den Betrieb. Tausende Menschen beteiligten sich seither an den Solidaritätsdemos und beliefern die ArbeiterInnen mit Nahrungsmittelpaketen.
Ukraine: Arbeiter von Kherson KNF besetzen die Fabrik und fordern die Verstaatlichung
Kherson KNF ist ein Betrieb, in dem landwirtschaftliche Maschinen hergestellt werden. Die 300 ArbeiterInnen haben seit September 2008 keinen Lohn mehr ausbezahlt bekommen. Mit der Betriebsbesetzung wollen sie Demontage und Abtransport der Maschinen verhindern und für die entschädigungslose Verstaatlichung kämpfen. Mittlerweile hat die Belegschaft die Fabrik nach dem einstigen kommunistischen Arbeiterführer Grigori Ivanowitsch Petrowski umbenannt.

Diese (äußerst) unvollständige Liste zeigt: Überall die gleichen Probleme und vielfach die gleichen Antworten der abhängig Beschäftigten. Europa ist in Aufruhr geraten. Wo Konzerne und Regierungen Belegschaften gegeneinander ausspielen und einzeln plattmachen wollen, brauchen wir eine gemeinsame internationale Gegenwehr.

Auf nach Berlin!

Die Berliner Großdemonstration am 16. Mai muss dazu beitragen, die deutsche Gewerkschaftsbewegung wachzurütteln und ernsthafte Abwehrkämpfe zu organisieren. Die Herrschenden und Regierenden in Deutschland wollen uns einlullen und bis zur Bundestagswahl am 27. September still halten – mit Kurzarbeit, mit Versprechungen und vagen Hoffnungen.

Nach dem 27. September werden sie uns das Geld auf der Tasche ziehen und wird die Arbeitslosigkeit sprunghaft ansteigen. „Die Verursacher müssen zahlen“, heißt es aber im Aufruf des DGB zur Demo am 16. Mai. Worauf warten wir noch? „Veränderung beginnt mit unserem Widerstand! Wir brauchen Gewerkschaften, die entschlossen voran gehen! Wir brauchen Mobilisierung, um Zorn und Wut an der Basis in kämpferische Energie zu wandeln! Wir müssen nicht Dampf ablassen, sondern den Kessel anheizen! KollegInnen und Kollegen, Kapital und Kabinett müssen uns wieder fürchten lernen!“, so Tom Adler am 28. März: „Nur wenn wir sie wieder das fürchten lehren, grenzüberschreitend, können wir verhindern, dass sie die Kosten ihrer Krise auf uns abwälzen und sich davon machen mit dem, was sie sich aus unseren Taschen genommen haben!

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