Kategorie: Kapital und Arbeit

Streik bei Federal Mogul in Wiesbaden

Seit den frühen Morgenstunden legt ein Streik die Produktion im Wiesbadener Werk des US-amerikanischen Automobilzulieferers Federal Mogul (ehemals Glyco) lahm. Am Montag und Dienstag hatten sich die IG Metall-Mitglieder im Betrieb in einer Urabstimmung zu 94 Prozent für einen Arbeitskampf zur Durchsetzung eines Sozialtarifvertrags ausgesprochen. Der Abstimmung vorangegangen waren wochenlange Verhandlungen mit der Geschäftsleitung.




In dem Wiesbadener Betrieb, der u.a. Gleitlager und Buchsen für die Automobilindustrie herstellt und von dem drastischen Einbruch der Branche betroffen ist, möchte die Geschäftsleitung jetzt rasch 436 der rund 1600 Werksangehörigen loswerden. Weil aber Betriebsrat und IG Metall betriebsbedingte Kündigungen möglichst vermeiden möchten und andere Lösungen vorgeschlagen haben, drohte die Geschäftsleitung mittlerweile mit einer kompletten Stilllegung des Betriebs und goss damit weiter Öl ins Feuer. Für Empörung sorgte auch die Ankündigung des Managements, den Betroffenen bei Verlust des Arbeitsplatzes als Abfindung pro Beschäftigungsjahr lediglich das Viertel eines Monatslohns auszuzahlen. Schon vor zwei Wochen hatte die Belegschaft in einem befristeten Warnstreik ihren Unmut kundgetan. Auf das Angebot von Betriebsrat und Gewerkschaft, mit Altersteilzeit und Aufhebungsverträgen die Belegschaft auch ohne betriebsbedingte Kündigungen abzubauen, wollte das Management nicht eingehen.

Federal Mogul ist der größte Metallbetrieb im Raum Wiesbaden und hat einen gewerkschaftlichen Organisationsgrad von rund 90 Prozent. Die dem Streik zu Grunde liegende Forderung nach einem Sozialtarifvertrag, mit der schon vor einigen Jahren bei AEG-Elektrolux in Nürnberg gegen die Verlagerung der Produktion protestiert hatten, erklärte Alfred Matejka auf Anfrage:

"Wir können leider nicht direkt für den Erhalt der 436 Arbeitsplätze streiken, weil das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland die Unternehmensfreiheit vorsieht; es garantiert also die Freiheit des Fuchses im Hühnerstall. Die Hühner spielen dabei keine Rolle. Der Fuchs hat die Freiheit, sie zu fressen. Wenn die Hühner Grips genügend im Kopf hätten, würden sie sich konzertiert auf den Fuchs stürzen und ihm die Augen auspicken. Wir haben ein Gehirn und setzen unseren Kampf ein, um die Abfindungen für eine Entlassung so in die Höhe zu treiben, dass es auch für einen Unternehmer, der nachdenkt und intelligent genug ist, besser ist, von den Entlassungen abzusehen und lieber Kurzarbeit einzuführen. Das ist das Ziel. Wir sind auch schon kritisiert worden, dass die von uns geforderte Höchstsumme in einigen Fällen bei langer Betriebszugehörigkeit 350.000 Euro beträgt. Wir können die Forderung gerne auch auf 500.000 Euro erhöhen."

Alfred Matejka kritisiert, dass die Konzernleitung in den USA und die Helfershelfer in Wiesbaden "nach wie vor der Überzeugung sind, dass der Personalabbau für sie der einzige richtige Weg ist". Er kritisiert das "kurzfristiges Denken dieser US-amerikanischen Kapitalisten", die nur den Profit von heute und nicht die längerfristige Entwicklung im Blick hätten. Betriebsrat und Gewerkschaft hingegen möchten statt Massenentlassungen die Möglichkeiten der Kurzarbeit voll ausschöpfen und in Zusammenarbeit mit der Bundesagentur für Arbeit Qualifizierungsmaßnahmen für die Belegschaft durchführen.

Am vorletzten Wochenende hatten alle Belegschaftsangehörigen einen persönlichen Brief der Geschäftsleitung erhalten, der vor den gewerkschaftlichen Forderungen und möglichen Arbeitskampfmaßnahmen warnte und die Haltung von Betriebsrat und IG Metall kritisierte. "Dies war ein Versuch, die Belegschaft zu verunsichern", kommentiert Matejka das Schreiben und ist sich sicher, dass dieser Versuch einer Spaltung zwischen Belegschaft, Betriebsrat und IG Metall "nicht gelingen werde." Die Verunsicherung einzelner Belegschaftsangehörigen sei in den letzten Tagen ausgeräumt worden. "Bei der Urabstimmung werden wir sehen, wer den Kampf um die Köpfe der Mitarbeiter gewonnen hat - die Geschäftsleitung oder wir" bringt es der Betriebsrat auf den Punkt.

Um zu verhindern, "dass jede Belegschaft für sich alleine kämpft und am Ende auch noch verliert", möchte der ver.di-Sekretär und Wiesbadener Kreisvorsitzende der Partei DIE LINKE, Jörg Jungmann, jetzt in einem "Aktions- und Solidaritätsbündnis zur Rettung der Arbeitsplätze" Betriebsräte und gewerkschaftliche Vertrauensleute aus der Region an einen Tisch bringen. Dieses Bündnis konstituiert sich am Mittwoch und soll für eine Vernetzung sorgen, den gesellschaftlichen Widerstand organisieren und auf die Straße bringen. "Machen wir die Solidarität mit der Glyco-Belegschaft zu einem ersten Kristallisationspunkt des Widerstands", fordert Jungmann.

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