Kategorie: Kapital und Arbeit

"Lasst Euch nicht erpressen!" - Daimler-Betriebsräte besuchen Federal Mogul-Streik

Solidaritätsbesuch aus Stuttgart bekamen die streikenden Metaller beim Wiesbadener Automobilzulieferer Federal Mogul am Dienstag mittag. So überbrachten die Metaller und Daimler-Betriebsräte Michael Clauss und André Halfenberg (siehe Foto) die solidarischen Grüße der Belegschaft im Werk Stuttgart-Untertürkheim, in dem Motoren, Getriebe und Achsen hergestellt werden. Mit ihrem Besuch stärkten sie ihren Wiesbadener Kollegen den Rücken. "Euer Streik ist der richtige Weg", erklärte Clauss in einer spontanen Kundgebung bei strömendem Regen vor dem Federal Mogul-Gelände-Tor.



"Lasst euch nicht erpressen mit dem Argument, der Kunde Daimler sei gegen Euern Streik, weil er Eure Teile braucht. Unsere Belegschaft im Stuttgarter Motorenwerk steht definitiv hinter Eurem Kampf. Lasst Euch nicht von den Arbeitgebern falsch informieren! Macht weiter so!", rief Clauss den Federal Mogul-Beschäftigten zu. "Lieber die Stunden entlassen als die Menschen entlassen", brachte es der Betriebsrat auf den Punkt und bekam dafür viel Beifall.

"Gemeinsam sind wir stark", pflichtete ihm Richard Altz, stellvertretender Betriebsratsvorsitzender und IG-Metall-Vertrauenskörperleiter bei Federal Mogul Wiesbaden, bei: "Es freut uns, dass uns Kollegen aus einem Werk mit 20.000 Beschäftigten ihre Solidarität aussprechen."

Der Besuch aus Stuttgart war ein wichtiges Signal zu richtigen Zeit, um die in den letzten Tagen entstandenen Gerüchte zu widerlegen, wonach die Daimler-Belegschaft den Wiesbadener Streik ablehnte und den IG Metall-Vorstand auf einen Abbruch des Wiesbadener Streiks gedrängt hätte. "Es ist wichtig, dass Kollegen von Daimler hier sind und die Angstmache widerlegen, dass Daimler wegen des Streiks als Kunde abspringt", brachte es ein Wiesbadener Metaller auf den Punkt und regte eine bessere Vernetzung zwischen den Betriebsräten an. Federal Mogul liefert hochwertige Teile wie Gleitlager und Buchsen für deutsche und westeuropäische Pkw-Motorenwerke, darunter auch an das Daimler-Werk in Stuttgart-Untertürkheim.

Das Engagement der Federal Mogul-Beschäftigten gegen Entlassungen wird auch ein parlamentarisches Echo finden. Einen entsprechenden Vorstoß kündigte der Landtagsabgeordnete der hessischen LINKEN und gewerkschaftspolitische Sprecher seiner Fraktion, Hermann Schaus, am Dienstag morgen vor den Streikposten am Tor 1 des Federal Mogul-Werkes an. Die Linksfraktion hat für die Aktuelle Stunde im Rahmen der Plenarsitzung des Hessischen Landtags am Donnerstag eine Debatte über den Streik beantragt und ihr Begehren mit dem Titel "Solidarität mit den Beschäftigten von Federal Mogul" sowie der Unterzeile "In Zeiten wie diesen kämpfen wir um jeden Arbeitsplatz" versehen. Dies ist eine Anspielung auf eine gleichlautende Wahlkampfparole des hessischen Ministerpräsidenten Roland Koch (CDU), die im zurückliegenden Landtagswahlkampf landesweit auf großen Plakatwänden zu lesen war. "Koch tut das aber nicht", kritisierte Schaus und ermutigte die Streikenden zum Durchhalten, denn von Federal Mogul müsse jetzt eine breitere Bewegung zur Verteidigung aller Arbeitsplätze ausgehen. Ebenfalls am Donnerstag möchte die Fraktion Linke Liste in der Wiesbadener Stadtverordnetenversammlung den Streik auf die Tagesordnung des Stadtparlaments setzen.

Zu Beginn der neuen Streikrunde bei Federal Mogul, die nach IG Metall-Angaben diesmal auf zwei Tage und Nächte befristet ist, solidarisierten sich auch Vertreter der Gewerkschaften ver.di und NGG vor Ort mit dem Arbeitskampf und kündigten weitere Solidaritätsbesuche aus ihrem Bereich an.

Unterdessen tagte am Dienstag parallel zum Streik die Einigungsstelle, die einberufen worden war, nachdem sich Kluft zwischen Betriebsrat und Geschäftsleitung in der Frage der vom Management angestrebten 436 Entlassungen als unüberbrückbar erwiesen hatte.

Aufzeichnung der Ansprache von Michael Clauss (Daimler-Betriebsrat) auf Youtube:

http://www.youtube.com/watch?v=6RyRbpW0xB4
http://www.youtube.com/watch?v=DcPvNeI0GJ0&feature=channel_page

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