Kategorie: Kapital und Arbeit

Erfolgreicher Streiktag: Erzieherinnen und Sozialarbeiter kämpfen für bessere Arbeitsbedingungen

Die Beteiligung übertraf alle Erwartungen: Statt der erwarteten 3000 kamen rund 5000 Beschäftigte aus kommunalen Sozial- und Erziehungsdiensten im südlichen Hessen und der Region Mainz am Dienstag nach Frankfurt. Es war der dritte Arbeitskampftag in der Auseinandersetzung um bessere Arbeitsbedingungen in Kindertagesstätten und sozialen Einrichtungen.



Über 230 Einrichtungen unterschiedlicher Art blieben an diesem Tag nach Angaben der Dienstleistungsgewerkschaft ver.di in der Region geschlossen.
Dass die Wut der (überwiegend weiblichen) Fachkräfte überkocht, brachten die vielen selbst angefertigten Schilder und Transparente zum Ausdruck: "Die Zustände sind eine Qual, darum fordern wir mehr Personal", "Gehaltvoll lebt es sich gesünder" oder "Lieber Social Sisters als Lehman Brothers" hieß es auf den Schildern. "Erzieherinnen sind wie Dessous - Spitzenqualität für einen Hauch von nichts", hieß es auf einem riesigen Transparent, das Beschäftigte kommunaler Kindertagesstätten in Mördfelden-Walldorf angefertigt hatten.

Es ist eine Kombination aus geringem Einkommen und zunehmenden Alltagsbelastungen und gestiegenen Anforderungen, die die ansonsten so geduldigen und verständnisvollen Erzieherinnen auf die Straße treibt. "Wir sind Mädchen für alles und müssen gleichzeitig Psycholgin, Pädagogin, Pflegekraft, Handwerkerin und Hausmeisterin sein", bringt es eine Demonstrantin auf den Punkt. Daher fordern die Streikenden zusammen mit den Gewerkschaften ver.di und GEW den Abschluss eines Tarifvertrages zur betrieblichen Gesundheitsförderung, bessere Einkommen durch Aufwertung der professionellen Erziehungstätigkeit, mehr Personal in den Kindertagesstätten und dadurch kleinere Gruppenstärken. "Wir haben eine lange Ausbildung und verdienen mindestens ein Drittel weniger als Lehrer", beklagt sich Alexandra Ihrig, die sich vor allem über den Lärm in dem Frankfurter Betonbau beschwert, in dem sie tätig ist: "Ich komme nach Hause und mein Mann sagt: 'Schrei mich nicht so an'". Die Erzieherin trägt bewusst eine GEW-Kappe und ein ver.di-Streik-T-Shirt. "Gemeinsam sind wir stark", lautet ihre Überzeugung.

"Erzieherinnen haben einen Bildungsauftrag und sind keine Basteltanten", ruft Sibylle Lust von der ver.di-Landesleitung aus und kritisiert, dass eine Erzieherin nach fünfjähriger Ausbildung in Vollzeit bei Berufseinstieg weniger als 2000 Euro brutto verdiene und nach 15 Berufsjahren nur ein Höchstgehalt von 2474 Euro erreichen könne. Wer einen Milliardenschutzschirm für die Banken aufspanne und unfähigen Managern mit Boni und Abfindungen in Millionenhöhe die Taschen vollstopfe, "der soll uns nicht kommen und erzählen, es sei kein Geld da für die ordentliche Bezahlung von Erzieherinnen und Sozialpädagogen", so die Gewerkschafterin. Sie forderte die Frankfurter Oberbürgermeisterin in ihrer Eigenschaft als Präsidentin des deutschen Städtetages auf, sich für eine deutlich bessere Bezahlung der Erzieherinnen und Erzieher einzusetzen und dafür zu sorgen, dass der kommunale Arbeitgeberverband bei der nächsten Verhandlungsrunde in der kommenden Woche entsprechende Angebote unterbreitet. Um den Druck auf diese Verhandlungen zu verstärken, rufen die Gewerkschaften für Mitte nächster Woche zur nächsten landesweiten Protestdemonstration in Fulda auf.

"Es wurde auch langsam Zeit, dass Ihr Euch bewegt", erklärte Yvonne Rentrop vom Rüsselsheimer Stadtelternbeirat, die sich im Namen von 2000 Eltern in der Opelstadt solidarisch zeigte und als mehrfache Mutter Einblick in die Arbeitsbedingungen in den Kindertagesstätten gewonnen hat: "Wer für einen Hungerlohn in gebückter Haltung und bei einem Lärmpegel wie auf dem Flughafen arbeitet, für den ist das eher eine Berfufung als ein Beruf", so Rentrop. Die meisten Familien seien auf zwei Arbeitseinkommen und damit auf gute Dienste in den Einrichtungen angewiesen.

Verständnis für die Forderung nach besserem Gesundheitsschutz der Beschäftigten in Kindertagesstätten zeigt auch der hessische Landesverband der Betriebskrankenkassen (BKK). Er weist darauf hin, dass „die betriebliche Gesundheitsförderung eigentlich ein gesellschaftlicher Common sense“ sei. Von daher sei es „überfällig, die betriebliche Gesundheitsförderung tarifvertraglich zu regeln“, so der BKK-Landesverband.

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