Kategorie: Kapital und Arbeit

Opel den Opelanern

Es war ein verlorenes Jahr. Dieses Wort geht vielen Opelanern über die Lippen, wenn sie auf zwölf Monate Wechselbäder zurückblicken und sich um ihren Hoffnungsschimmer auf eine Zukunft ohne den US-Mutterkonzern GM betrogen sehen. Wie von Kritikern befürchtet, hatten Spitzenpolitiker, die sich von der Opel-Belegschaft als "Held der Arbeiterklasse" feiern ließen, vor allem den Wahltag im Sinn. Sie sind bloßgestellt und stehen bestenfalls als impotente Scharlatane da.



Dass Opel-Betriebsratschef Klaus Franz vor seiner Belegschaft Angela Merkel in höchsten Tönen lobt und Roland Koch als absolut zuverlässigen Verbündeten feiert, mag verstehen wer will. Koch legt sich als hessischer Regierungschef dauernd mit den Gewerkschaften an und war im Bundesrat ein Scharfmacher beim Stricken der Hartz-Gesetze.

"Der Staat ist ein schlechter Unternehmer", wiederholen Koch und Merkel gebetsmühlenartig ihr neoliberales Dogma. Mit ihrer Polemik gegen einen "VEB Opel" wollen sie die jetzt wieder IG Metall-Chef Berthold Huber geäußerte Forderung nach mehr Mitbestimmung im Betrieb und öffentlicher Mitsprache als Gegenleistung für staatliche Hilfen diskreditieren.

Erfahrene Opelaner wissen zu berichten, wie die Vorgaben der GM-Zentrale seit langem die Kreativität der Konstrukteure und Arbeiter hemmen. Aber auch ein neuer renditehungriger Investor würde am Grundübel Überproduktion und Überkapazitäten wenig ändern. Mit Magna wären die Beschäftigten am Ende vermutlich vom Regen in die Traufe gelangt.

Wenn die Parole "Wir sind Opel" einen Sinn machen und Anleitung zum Handeln sein soll, dann müssten die Belegschaften sich den Verlockungen des Standortnationalismus widersetzen, europaweit zusammen stehen und um jeden Betrieb, jede tarifliche Errungenschaft und jeden Arbeitsplatz kämpfen. GM hat genug kassiert. Den utterkonzern "zum Wohle der Allgemeinheit" zu enteignen und Opel unter der demokratischen Kontrolle der Beschäftigten und der Allgemeinheit weiter zu führen, ergibt sich auch aus der Satzung der IG Metall, dem Grundgesetz und den Landesverfassungen in Hessen und NRW. Dann könnte ein europaweiter zukunfsträchtiger sozialer und ökologischer Mobilitätskonzern entstehen, der mit der schöpferischen Kraft seiner Arbeiter, Techniker und Ingenieure weitaus mehr fertig bringt als "nur" schöne Karossen mit Verbrennungsmaschinen und Gummireifen. Lasst endlich die Opelaner ran! Sie können es besser.

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