Kategorie: Kultur

Max Brym: „Skizzen - Arbeiterwiderstand gegen das NS Regime in Südbayern“

Lange bevor die Nazis daran gehen konnten, den Krieg gegen die Sowjetunion und den Rest der Welt vorzubereiten, musste die Arbeiterbewegung in ganz Deutschland zerschlagen werden.

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Max Brym zeichnet in seinem jüngsten Büchlein ein exaktes Bild des Widerstands gegen den Hitler-Faschismus in Südbayern. Es hat nicht den Anspruch, eine Gesamtdarstellung zu sein, trotzdem wird am Beispiel der Städte Bad Reichenhall, Traunstein, Rosenheim, Penzberg, Straubing, Burghausen und natürlich München und Feldmoching an Kämpfer und Opfer der Arbeiterschaft, die sich dem Hitler-Faschismus widersetzt haben, erinnert. Denn in der allgegenwärtigen bürgerlichen Geschichtsschreibung kommt der Widerstand der Arbeiterklasse mehr als zu kurz. In Wahrheit waren es die Arbeiter, die besonders schwer für den Faschismus zu gewinnen waren. Das NS-Regime musste zuerst ihre Parteien, KPD und SPD, ausschalten, die Gewerkschaften zerschlagen, anschließend ihre Aktivisten in Gefängnisse und Konzentrationslager einsperren und viele von ihnen ermorden. 20.000 Mitglieder hatte die KPD Ende 1932 in Bayern. Im Sommer 1933 waren 5.000 ihrer Mitglieder bereits im Gefängnis oder KZ.

Auch in Südbayern war die organisierte Arbeiterschaft 1933 das zentrale Hindernis für den Vormarsch der Nazibewegung. Oftmals erkannten die Arbeiter besonders in den kleinen und mittelgroßen Städten die Notwendigkeit, die Nazis gemeinsam zu bekämpfen. Diese spontane und richtige Erkenntnis hätte als Vorbild für die Politik in Gesamtdeutschland dienen sollen, doch die Parteileitungen von SPD und KPD im fernen Berlin ergingen sich bis 1933 wesentlich darin, sich gegenseitig zu beschimpfen. Die Sozialdemokraten nannten die Kommunisten „Kommunazis“, die kommunistische Parteileitung beschimpften die Sozialdemokraten als angebliche „Sozialfaschisten“. So ebneten die Parteileitungen der beiden großen Arbeiterparteien dem Faschismus den Weg zur Macht. Die KPD ignorierte die Aufforderung des exilierten russischen Revolutionärs Leo Trotzki, gegen die Nazibewegung eine breite und kämpfende Einheitsfront zu bilden, in der die kommunistische Partei ihren Verbündeten die Notwendigkeit einer revolutionären Umwälzung hätte unter Beweis stellen und die reformistischen Bonzen hätte entlarven können.

Die Wahlergebnisse von SPD und KPD lagen in Bayern in der Regel auf gleichem Niveau. Einmal waren die Kommunisten stärker, dann wieder die Sozialdemokraten, und umgekehrt. Zusammen bildeten die beiden Arbeiterparteien vor 1933 auch in Bayern ein von den Nazis nicht zu überwindendes Hindernis. Brym erwähnt hier interessante Details, z.B. dass die KPD in kleineren katholischen Arbeiterstätten (mit Ausnahme der Porzellanarbeiterstadt Selb) oftmals stärker war, als die SPD. Der Autor führt das auf die verzögerte Industrialisierung in diesen Gebieten zurück. Die absolute Ausbeutung war hier schlicht weg stärker als in den weiter entwickelten Städten wie Nürnberg, Fürth oder Schweinfurt. In Südbayern gab es keine Basis für sozialdemokratischen Reformismus und die Herausbildung einer Arbeiteraristokratie.

Auch ist es interessant, nachzulesen, wie die ADGB-Führung am 9. März 1933 kampflos das Münchner Gewerkschaftshaus an die SA übergab. Und das obwohl sich hunderte Arbeiter im Gewerkschaftshaus auf die Verteidigung mit Feuerwehrschläuchen und Schusswaffen vorbereiteten. Aus den Vorstädten, speziell aus München Giesing, marschierten Arbeiter heran, um von hinten in die Naziansammlung vor dem Gewerkschaftshaus hineinzustoßen – vergebens. Die KPD nahm diesen realen Verrat zum Anlass, die „Sozialfaschismus These“ erneut zu bekräftigen. In München und Augsburg glich die KPD 1933 bereits einer Partei der Arbeitslosen. Ihre sektiererische Politik der Revolutionären Gewerkschaftsopposition (RGO) hatte die KPD von breiten Teilen der Arbeiterschaft bei BMW, AGFA und in vielen anderen Betrieben isoliert. Aufgrund ähnlicher Fehler konnte der korrekte Aufruf der KPD zum Generalstreik in den Betrieben nicht mehr umgesetzt werden. Die KPD hatte sich zuvor selbst isoliert und die SPD blieb legal, bis ins KZ.

Max Bryms neustes Buch „Skizzen- Arbeiterwiderstand gegen das NS Regime in Südbayern“ ist empfehlenswert. Der Arbeiterwiderstand gegen die Nazis von Weiden in der Oberpfalz bis nach Berchtesgaden bleibt unvergessen. Es hat nicht nur regionalgeschichtliche Relevanz. Anhand vieler Beispiele wird klar, wie eine erfolgreiche Arbeiterpolitik hätte aussehen müssen. Gleichzeitig wird die Klassenbasis des Faschismus klar benannt: Die faschistische Bewegung hatte in München Schwabing und der nahe gelegenen Maxvorstadt ihre Hochburgen. Ihre Anhänger waren Kleinbürger, Lumpenproletarier und Landsknechte. Die Masse der verhafteten Widerstandskämpfer waren gelernte und ungelernte Arbeiter. Die Arbeiterviertel in München, genauso wie in Penzberg, Burghausen, Straubing und Rosenheim blieben lange Zeit politisch rot. Der Heroismus ihrer Widerstandskämpfer darf nicht vergessen werden.

Unbedingt lesen!

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