Kategorie: Kultur

Filmrezension: „Farha“ – Eine ergreifende und kraftvolle Darstellung der Nakba

Ein neuer Netflix-Film wirft ein Licht auf die erschütternde Zerstörung, die die Menschen in Palästina durch die zionistische Gründung des Staates Israel erfahren mussten – eine Geschichte, die den Nerv der Zeit trifft! 


„Farha“ rückt ein oft vergessenes geschichtliches Ereignis wieder ins Rampenlicht: die Nakba. Während der Nakba 1948 – auf Arabisch wörtlich „Katastrophe“ – wurden schätzungsweise 700.000 Palästinenser von der zionistischen Haganah und paramilitärischen Kräften aus ihrer Heimat vertrieben, was einen blutigen Fleck in der gesamten Region hinterließ.

Es ist eine Sache, über diese Ereignisse zu lesen und die Gewalt zu verstehen, die sie hervorgebracht haben. Die stetige Zunahme der Todesopfer und das ständige ‚Aufflammen‘ des ‚Konflikts‘, können leicht eine desensibilisierende Wirkung gegenüber der Zerstörung des historischen Palästinas haben.

Es ist eine gänzlich andere Sache, die Verwüstung im Spielfilm zu sehen, die durch die ethnischen Säuberungen verursacht wurde, welche die Gründung des Staates Israel kennzeichneten. Und genau das ‚Erfahrbar-Machen‘ ist der jordanischen Regisseurin Darin J. Sallam meisterhaft gelungen.

Achtung! Die Rezension nimmt Inhalte des Films vorweg.

Das zionistische Projekt

Inspiriert von der wahren Geschichte eines 14-jährigen palästinensischen Mädchens, die die Zerstörung ihrer Heimat miterleben sollte, ist der Zuschauer mit der Protagonistin fast den gesamten Film über in einer Speisekammer gefangen, während ihre Hoffnungen und Träume zu Asche zerfallen.

Die 14-jährige Farha wünscht sich nichts mehr, als vom ruhigen beschaulichen Landleben in die Stadt zu ziehen und eine Schulbildung zu erhalten. Um ihren Wunsch zu erfüllen, schlägt gegenüber sie ihrem Vater einen trotzigen und selbstbestimmten Ton an – verheiratet zu werden ist sowieso ihr geringstes Interesse. Farhas Freude und Aufregung übertragen sich sofort auf den Zuschauer, als ihr Vater schließlich nachgibt und ihr einen Schulbesuch zusichert. 

Doch innerhalb von Minuten lösen sich Farhas Träume in Luft auf. Sirenen dröhnen, Munitionsgeschosse ertönen und Panik breitet sich in Farhas Augen und unter den Dorfbewohnern aus. Zionistische paramilitärische Gruppen fahren im Dorf vor. Um seine Tochter in Sicherheit zu bringen, schließt Farhas Vater das weinende Mädchen kurzerhand in einer Speisekammer ein, die er von außen provisorisch mit Lehm abdichtet. Der Zuschauer bleibt mit Farha in dem engen dunklen Raum zurück – angetrieben von der Hoffnung, ihr Vater würde bald zurückkommen und sie befreien. Tage und Wochen vergehen – Farhas Vater kommt nicht zurück. 

Das Fenster zum Leid

Den Großteil des Films verbringt der Zuschauer eingeschlossen mit Farha in der Speisekammer. Aus kleinen Spalten in der Holztür und einem winzigen Fenster lugen wir ebenso hilflos wie Farha auf die fortwährende Zerstörung. Das Entsetzen erreicht seinen Höhepunkt, als wir miterleben, wie eine palästinensische Familie kaltblütig hingerichtet wird. Wir sehen den Vater der Familie, der in die Enge getrieben mit seinem letzten Atemzug darum bittet, seine Familie verschont zu lassen. Ohne Nachsicht werden seine Schreie und Bitten ignoriert – die Familie wird bis auf den neugeborenen Sohn erschossen. Wir sehen Farhas junges Gesicht eingefallen und mit leerem Blick in den wenig belichteten Raum starrend, während die Schreie des im Staub liegenden Neugeborenen innerhalb der nächsten Stunden verstummen. 

Es ist besonders diese Szene, die in den Köpfen der Zuschauer noch lange nachklingt. Und es überrascht keineswegs, dass es diese Szene war, die unter israelischen Beamten für Lärm und empörte Aufschreie gesorgt hat. 

Und doch wird das, was wir sehen von der Geschichte bestätigt. Egal welches historische Beispiel wir uns ansehen – die Massaker von Tantura oder Deir Yassin 1948 oder von Dahmash bis zum heutigen Tage – überall finden wir einen Fluss aus Blut, der die Sehnsucht der Palästinenser nach einem friedlichen Leben von dem zionistischen Kolonialprojekt trennt. 

Die Art und Weise, wie in den Mainstream-Medien und in Schulbüchern über die Staatsgründung Israels und das zionistische Projekt im weitesten Sinne berichtet wird, ist empörend und zum Teil geschichtsrevisionistisch. Es wird meist schamlos versucht, die Geschichte der palästinensischen Bevölkerung auszulöschen und den Terror zu beschönigen der von dem ausging, was kurz darauf die israelische Verteidigungsmacht werden sollte.

Diese tragische Geschichte macht deutlich, dass die Anfänge Israels auf der brutalen Enteignung des palästinensischen Volkes gründeten: Das zionistische Projekt war immer für solche Tragödien bestimmt.

Die Nakba geht weiter

Es ist unmöglich, sich zum Ende des Films gleichgültig zu verhalten. Farha sieht ihren geliebten Vater nie wieder und schließt sich unzähligen anderen Flüchtigen an, die nicht mehr als ihre Geschichte besitzen.

Obwohl die Handlung der Erzählung einfach gehalten wurde, geht die Wirkungsmacht und Durchschlagkraft des Films weit über den beschränken Handlungsrahmen hinaus. Es ist wahrhaft eine Rarität, dass dieser Film, der ein verlorenes Ereignis der Geschichte so gekonnt darstellt, seinen Weg auf die großen Leinwände fand und auf internationale Anerkennung stieß. 

Der Film findet so großen Anklang, weil er mehr als nur Farhas Geschichte erzählt. Die Katastrophe ist bis heute Realität für die palästinensische Diaspora – in Jordanien, im Libanon, in Syrien und anderorts – entweder ausgeschlossen oder weit weg von ‚Zuhause‘ geboren.

Sei es heute der Kampf gegen die Zwangsräumungen in Sheikh Jarrah, die erbärmlichen Zustände im Gazastreifen, die Diskriminierung innerhalb der ‚Grünen Linie‘ oder die de-facto Annexion des Westjordanlandes – der Kampf für die palästinensische Befreiung geht weiter!

„Farha“ bedeutet auf Arabisch „Freude“ oder „Feiern“. Doch es ist ein harter Kampf, bis diese Gefühle für die Völker, die unter der eisernen Ferse des Imperialismus und Zionismus leiden, wieder dauerhaft spürbar werden. Nur durch einen revolutionären Kampf, der die gesamte blutgetränkte Region nach sozialistischen Grundsätzen umformt, kann die Feindseligkeit zwischen den Völkern aufgehoben werden und Freude zwischen Klassenbrüdern und -schwestern aufblühen.

 

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