Kategorie: Kultur

Dichter und Revolutionär

Zum 150. Todestag von Heinrich Heine
Vor genau 150 Jahren starb am 17. Februar 1856 der Dichter Heinrich Heine. Heine war aber nicht nur „der hervorragendste unter allen lebenden deutschen Dichtern“, wie Friedrich Engels 1845 über ihn schrieb; er war auch ein Revolutionär. Mit Marx und Engels verband ihn nicht nur eine freundschaftliche Beziehung sondern auch eine politische Kooperation.


Marx und Heine arbeiteten bei mehreren Publikationen eng zusammen, so in den „Deutsch-Französischen Jahrbüchern“ oder in der „Neuen Rheinischen Zeitung“. Heinrich Heine wurde rasch einer der wichtigsten Agitatoren unter den deutschen Sozialisten in der Zeit der bürgerlichen Revolution.

In seinem Werk „Deutschland – Ein Wintermärchen“ übte Heine in Versform heftig Kritik an den herrschenden Verhältnissen und ruft zu einer radikalen Umwälzung derselben auf:

Ein kleines Harfenmädchen sang.
Sie sang mit wahrem Gefühle
Und falscher Stimme, doch ward ich sehr
Gerühret von ihrem Spiele.

Sie sang von Liebe und Liebesgram,
Aufopfrung und Wiederfinden
Dort oben, in jener besseren Welt,
Wo alle Leiden schwinden.

Sie sang vom irdischen Jammertal,
Von Freuden, die bald zerronnen,
Vom Jenseits, wo die Seele schwelgt
Verklärt in ew'gen Wonnen.

Sie sang das alte Entsagungslied,
Das Eiapopeia vom Himmel,
Womit man einlullt, wenn es greint,
Das Volk, den großen Lümmel.

Ich kenne die Weise, ich kenne den Text,
Ich kenn auch die Herren Verfasser;
Ich weiß, sie tranken heimlich Wein
Und predigten öffentlich Wasser.
Ein neues Lied, ein besseres Lied,
O Freunde, will ich euch dichten!
Wir wollen hier auf Erden schon
Das Himmelreich errichten.

Wir wollen auf Erden glücklich sein,
Und wollen nicht mehr darben;
Verschlemmen soll nicht der faule Bauch,
Was fleißige Hände erwarben.

Es wächst hienieden Brot genug
Für alle Menschenkinder,
Auch Rosen und Myrten, Schönheit und Lust,
Und Zuckererbsen nicht minder.

Ja, Zuckererbsen für jedermann,
Sobald die Schoten platzen!
Den Himmel überlassen wir
Den Engeln und den Spatzen.

Und wachsen uns Flügel nach dem Tod,
So wollen wir euch besuchen
Dort oben, und wir, wir essen mit euch
Die seligsten Torten und Kuchen.

Ein neues Lied, ein besseres Lied!
Es klingt wie Flöten und Geigen!
Das Miserere ist vorbei,
Die Sterbeglocken schweigen.

Die Jungfer Europa ist verlobt
Mit dem schönen Geniusse
Der Freiheit, sie liegen einander im Arm,
Sie schwelgen im ersten Kusse.

Und fehlt der Pfaffensegen dabei,
Die Ehe wird gültig nicht minder -
Es lebe Bräutigam und Braut,
Und ihre zukünftigen Kinder!

(aus: Heine, Deutschland. Ein Wintermärchen, 1844)

Heine war Anfang der 1840er Jahre zu tief beeinflusst von den Kämpfen der sich herausbildenden Arbeiterklasse gegen die soziale Not in Folge der industriellen Revolution. Im Juni 1844 kam es in Schlesien zu einem Aufstand der Weber. Mit seinem Gedicht „Die schlesischen Weber“ dokumentierte er diesen Aufstand. Der damalige preußische Innenminister bezeichnete es als „eine in aufrührerischem Ton gehaltene und mit verbrecherischen Äußerungen angefüllte Ansprache an die Armen im Volke“ und ließ es verbieten. Friedrich Engels lieferte die erste englische Übersetzung dieses Werks. Erstmals erschien es im von Karl Marx herausgegebenen „Vorwärts“.

Im düstern Auge keine Träne,
Sie sitzen am Webstuhl und fletschen die Zähne:
»Deutschland, wir weben dein Leichentuch,
Wir weben hinein den dreifachen Fluch -
Wir weben, wir weben!

Ein Fluch dem Gotte, zu dem wir gebeten
In Winterskälte und Hungersnöten
Wir haben vergebens gehofft und geharrt,
Er hat uns geäfft und gefoppt und genarrt -
Wir weben, wir weben!

Ein Fluch dem König, dem König der Reichen,
Den unser Elend nicht konnte erweichen,
Der den letzten Groschen von uns erpreßt,
Und uns wie Hunde erschießen läßt -
Wir weben, wir weben!

Ein Fluch dem falschen Vaterlande,
Wo nur gedeihen Schmach und Schande,
Wo jede Blume früh geknickt,
Wo Fäulnis und Moder den Wurm erquickt -
Wir weben, wir weben!

Das Schiffchen fliegt, der Webstuhl kracht,
Wir weben emsig Tag und Nacht -
Altdeutschland, wir weben dein Leichentuch,
Wir weben hinein den dreifachen Fluch,
Wir weben, wir weben!«

(Heine, Die schlesischen Weber, 1844)


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