Kategorie: Ökologie

„Es ist nicht das Feuer, es ist der Kapitalismus“

Das Motto vieler Organisationen und Initiativen, die sich die Verteidigung des tropischen Regenwaldes in der Amazonasregion auf die Fahnen geschrieben haben, ist angesichts der verheerenden Waldbrände eindeutig: „Es ist nicht das Feuer, es ist der Kapitalismus.“


Die Brände, die jedes Jahr in der Trockenzeit in den Gebieten mit höherer landwirtschaftlicher Aktivität und Tierzucht auftreten, waren im August 2019 viel stärker und häufiger. Sie nahmen um 283% im Vergleich zum gleichen Vorjahresmonat zu. Die Situation könnte sich verschlimmern, weil die Trockenzeit gerade erst begonnen hat.
Ein Waldbrand im Amazonasgebiet kommt nicht leicht vor und breitet sich auch nicht leicht aus, da der Urwald an sich sehr feucht ist. Daher werden fast alle Brände, die auftreten, durch menschliche Eingriffe ausgelöst. Jedes Jahr werden die Ackerflächen und Viehweiden von Großgrundbesitzern und Agrarunternehmen oder auch von Kleinbauern, die von ihrem Land vertrieben wurden, ausgeweitet.

Die festgestellten Brände sind das Ergebnis früherer Abholzungen. Die Vorgänge und Umstände rund um einen Waldbrand sind bekannt. Zuerst wird eine Waldfläche ausgewählt und das Holz von großem kommerziellem Wert gefällt und abtransportiert. Danach wird der Rest der Bäume gefällt und vor Ort zur Trocknung deponiert. Schließlich wird mit dem Eintreffen der Trockenzeit, wenn die gefällten Baumstämme ausreichend Feuchtigkeit verloren haben, ein Brand gelegt, um den Bereich zu „bereinigen“ und den Boden für Agrarzwecke zu bereiten. Dieser Prozess kann leicht über Satelliten verfolgt werden, deren Daten öffentlich sind und die nahezu in Echtzeit vom Brasilianischen Weltrauminstitut (INPE) veröffentlicht werden. Ein effektiver Staat mit einer Planwirtschaft könnte eingreifen und die Brände leicht verhindern.

Viehzucht und Sojabohnen für den Profit

Die Expansion der Agrarindustrie in Brasilien läuft seit Jahrzehnten. Die Lage hat sich aber dem Ölpreisverfall 2014 verschlimmert. Brasilianische Kapitalisten haben versucht, ihre Renditen durch die Ausweitung der Agrarindustrie zu erhöhen, wobei der Druck auch aufgrund sinkender Preise für ihre eigenen Produkte wie Sojabohnen gestiegen ist. Soja gilt als Hauptprodukt für Tierfutter in Europa. Obwohl Sojabohnen bislang nur zwei Prozent der Entwaldung des tropischen Amazonas-Regenwalds ausgelöst haben, hat ihr Anbau die Zerstörung eines anderen Ökosystems verursacht: der geschlossenen tropischen Savanne. Die Viehzucht gilt als Hauptursache für die Zerstörung des Amazonas-Regenwalds und beansprucht über 60 Prozent der bislang abgeholzten Flächen.
Der Amtsantritt des rechten Präsidenten Jair Bolsonaro war der letzte Schritt der herrschenden Klasse in Brasilien, um die Sozialreformen und Zugeständnisse der früheren Regierung des Sozialdemokraten Lula zu beenden, die der Ureinwohnerschaft und den Kleinbauern das Recht auf eigenes Land verlieh. Vor allem Reservate der Ureinwohner haben sich als sehr effizient bei der Bekämpfung und Vermeidung der Abholzung und Entwaldung erwiesen.

Durch antidemokratische Mechanismen und den Einsatz der korruptesten Abgeordneten und Richter wurde die sozialdemokratische Staatspräsidentin Dilma Roussef per Amtsenthebung im August 2016 verjagt. Ein Prozess, der auch von der Entfremdung der Massen durch eine immer mächtigere evangelikale Kirche mit größerem politischen Einfluss gefördert wurde. Bolsonaro repräsentiert die reaktionärste Seite der brasilianischen Politik und erwies sich als das beste Werkzeug der herrschenden Kapitalisten, um in ihrem Sinne die „Ordnung und den Fortschritt" aufrechtzuerhalten.

Um die Zerstörung des Amazonas zu stoppen, müssen die Eliten und herrschenden Klassen enteignet und eine demokratische Planwirtschaft in Brasilien und anderen Amazonas-Ländern aufgebaut werden. Die Voraussetzungen für die Umsetzung dieser Aufgabe sind vorhanden. Die Mobilisierung der Arbeiterklasse ist die einzige Möglichkeit, im die notwendigen Veränderungen anzustoßen. Dies ist nicht nur für den Urwald, sondern wegen der Bedeutung der Amazonasregion für das Weltklima auch für die Existenz der gesamten Menschheit entscheidend.

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