Kategorie: Theorie

“Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus”

Die Veröffentlichung der mexikanischen Ausgabe von Lenins Schrift hätte kaum zu einem besseren Zeitpunkt erfolgen können. Kein Buch hat das Phänomen des modernen Kapitalismus besser erklärt.


Sämtliche Vorhersagen Lenins bezüglich der Konzentration des Kapitals, der Dominanz der Banken und des Finanzkapitals, den wachsenden Gegensätzen zwischen den Nationalstaaten und die Unvermeidbarkeit von Kriegen, die aus den Widersprüchen des Imperialismus entstehen, haben sich in der gesamten Geschichte der letzten hundert Jahre bewahrheitet.

Was bedeutet Imperialismus?

Es ist möglich zu behaupten, dass es gewisse Arten von Imperialismus in der vorkapitalistischen Periode, sogar in der Welt der Antike, z. B. während des Römischen Weltreichs, gegeben hat. Dazu gehörten die Eroberung, Versklavung und Ausplünderung ausländischer Kolonien. Dieser primitiven Art des Imperialismus kann man sogar in der modernen Welt begegnen (ein Beispiel dafür war das Zarenreich). Dieses Phänomen unterzog sich jedoch im Kapitalismus einer grundlegenden Veränderung. Lenin gab eine wissenschaftliche Definition des Imperialismus im modernen Zeitalter. Er schreibt:

Würde eine möglichst kurze Definition des Imperialismus verlangt, so müßte man sagen, daß der Imperialismus das monopolistische Stadium des Kapitalismus ist. Eine solche Definition enthielte die Hauptsache, denn auf der einen Seite ist das Finanzkapital, das Bankkapital einiger weniger monopolistischer Großbanken, das mit dem Kapital monopolistischer Industriellenverbände verschmolzen ist, und auf der anderen Seite ist die Aufteilung der Welt der Übergang von einer Kolonialpolitik, die sich ungehindert auf noch von keiner kapitalistischen Macht eroberte Gebiete ausdehnt, zu einer Kolonialpolitik der monopolistischen Beherrschung des Territoriums der restlos aufgeteilten Erde.” (Lenin Werke, Berlin/DDR 1960, Band 22, S. 270)

Lenin erklärt die wichtigsten Etappen in der Geschichte der Monopole wie folgt:
„1. In den sechziger und siebziger Jahren des 19 Jahrhunderts die höchste, äußerste Entwicklungsstufe der freien Konkurrenz; kaum merkliche Ansätze zu Monopolen. 2. Nach der Krise von 1873 weitgehende Entwicklung von Kartellen, die aber noch Ausnahmen, keine dauernden, sondern vorübergehende Erscheinungen sind. 3. Aufschwung am Ende des 19. Jahrhunderts und Krise von 1900-1903: Die Kartelle werden zu einer der Grundlagen des ganzen Wirtschaftslebens. Der Kapitalismus ist zum Imperialismus geworden.“ (ebd. S. 206)

Schließlich gelangt er zu der folgenden Definition der grundlegenden Eigenschaften des Imperialismus im modernen Zeitalter:

1. Konzentration der Produktion und des Kapitals, die eine so hohe Entwicklungsstufe erreicht hat, daß sie Monopole schafft,  die im Wirtschaftsleben die entscheidende Rolle spielen; 2. Verschmelzung des Bankkapitals mit dem Industriekapital und Entstehung einer Finanzoligarchie auf der Basis dieses "Finanzkapitals"; 3. der Kapitalexport, zum Unterschied vom Warenexport, gewinnt besonders wichtige Bedeutung; 4. es bilden sich internationale monopolistische Kapitalistenverbände, die die Welt unter sich teilen, und 5. die territoriale Aufteilung der Erde unter die kapitalistischen Großmächte ist beendet. Der Imperialismus ist der Kapitalismus auf jener Entwicklungsstufe, wo die Herrschaft der Monopole und des Finanzkapitals sich herausgebildet, der Kapitalexport hervorragende Bedeutung gewonnen, die Aufteilung der Welt durch die internationalen Trusts begonnen hat und die Aufteilung des gesamten Territoriums der Erde durch die größten kapitalistischen Länder abgeschlossen ist. (ebd. S. 270-271)

Konzentration des Kapitals

Schon im „Manifest der Kommunistischen Partei“ hatten Marx und Engels erklärt, dass der freie Markt unausweichlich zum Entstehen von Monopolen und der Konzentration des Kapitals in wenigen Händen führt. Diese brillante Vorhersage wurde zu einer Zeit gemacht, als sich der Kapitalismus wirklich nur in England entwickelt hatte und auch hier gab es noch keine Großkonzerne. In Frankreich bestand die überwältigende Mehrheit der Fabriken aus kleinen Betrieben, in denen bis ins 20. Jahrhundert nur wenige ArbeiterInnen beschäftigt waren.

Kein anderer Aspekt der Wirtschaftstheorien von Marx ist Gegenstand wütenderer Angriffe von bürgerlichen Ökonomen gewesen, als seine Vorhersage, dass der freie Markt unausweichlich zum Monopolkapitalismus führt. Jahrzehntelang haben Ökonomen diese Behauptung abgestritten und erklärt, dass es die Haupttendenz des Kapitalismus sei, die Entwicklung kleiner und mittlerer Unternehmen zu fördern. Aber der gesamte Verlauf der Wirtschaftsentwicklung in den letzten 150 Jahren hat genau das Gegenteil bewiesen.

Obwohl dieser Prozess während der Lebenszeit von Marx noch nicht seinen Höhepunkt erreichte, war Lenin in der Lage, ihn detailliert zu analysieren, indem er die großen Mengen an statistischen Daten, die ihm zur Verfügung standen, auswertete. Im seinem Werk „Der Imperialismus …“ skizzierte er den Prozess, in dem der Kapitalismus zum Monopolkapitalismus wird. In seinem Buch liefert Lenin eine umfassende Liste von Statistiken, die aufzeigen, dass die Weltwirtschaft von einer kleinen Zahl von Großbanken und Konzernen beherrscht wird. In den letzten Jahrzehnten hat dieser Prozess der Konzentration des Kapitals enorm an Fahrt aufgenommen.

Forbes Global 2000ist eine jährlich erscheinende Liste der 2.000 größten börsennotiertenUnternehmender Welt. Diese Konzerne beschäftigen zusammen 87 Millionen Menschen, besitzen 159 Billionen Dollar an Vermögenswerten und erwirtschaften jährlich Umsätze in Höhe von 38 Billionen Dollar oder ungefähr 51% des Welt-BIP. Als Folge der weltweiten Globalisierung und dem zunehmenden Einfluss der Schwellenländer ist der Anteil der auf der Global-2000-Liste vertretenen Nationen gewachsen. 2004 kamen die Konzerne aus 51 Ländern, 2013 war die Zahl auf 63 Länder angestiegen.

Japan war mit 251 Gesellschaften das zweitgrößte Land auf der Liste, China mit 136 das drittgrößte. Bezeichnenderweise stehen jetzt zum ersten Mal in der Geschichte zwei chinesische Konzerne an der Spitze der Forbes Global 2000. Die staatlich kontrollierte Industrial and Commercial Bank of China (ICBC) verdrängte Exxon Mobil in diesem Jahr von der Spitze, während die Chinese Construction Bank um 11 Plätze stieg und jetzt auf Platz zwei liegt.

Der asiatisch-pazifische Raum hatte regional die größte Anzahl von Unternehmen (insgesamt 715) auf der Liste, gefolgt von Europa, dem Nahen/Mittleren Osten und Afrika (606), den USA (543) und Mittel- und Südamerika (143). Die asiatisch-pazifische Region hatte mit acht Prozent Umsatzwachstum und 15 Prozent Vermögenswachstum auch den größten Zuwachs. Die USA führten bei der Profitsteigerung um 4%, insgesamt betrug die gesamte Gewinnerwirtschaftung 876 Milliarden Dollar, während die Region Europa, Naher/Mittlerer Osten und Afrika den größten Umsatz (13,3 Billionen Dollar) erzielte und über die meisten Vermögenswerte (64 Billionen Dollar) verfügte.

Während das Ranking von Unternehmen aus anderen Ländern (besonders China) zugenommen hat, dominieren US-Konzerne weiterhin die Forbes-Liste. Obwohl heute 208 US-Unternehmen weniger auf der Liste aufgeführt sind als 2004, als Forbes Global 2000 erstmals veröffentlicht wurde, waren die USA 2013 mit 543 Konzernen vertreten, das ist die höchste Zahl seit 2009. Der US-Imperialismus bleibt die dominierende Macht auf unserem Planeten.

Die Macht des Finanzkapitals

Lenin führt weiter aus, dass die gesamte Wirtschaft in der Etappe des imperialistischen Monopolkapitalismus unter der Herrschaft der Banken und des Finanzkapitals steht:
“ Die Industriebeziehungen mit ihrem neuen Gegenstand, ihren neuen Formen und ihren neuen Organen, das ist den gleichzeitig zentralistisch und dezentralistisch organisierten Großbanken, bilden sich als charakteristische volkswirtschaftliche Erscheinungen kaum vor den neunziger Jahren; in gewissem Sinne kann man diesen Anfangspunkt sogar erst in das Jahr 1897 mit seinen großen Fusionen welche die neue Form dezentralistischer Organisation erstmalig aus Gründen industrieller Bankpolitik einführen, oder man kann ihn vielleicht deshalb auf einen noch späteren Termin verlegen, weil die Krise den Konzentrationsprozeß wie in der Industrie so im Bankwesen enorm beschleunigt und verstärkt und den Verkehr mit der Industrie erst recht zu einem Monopol der Großbanken und ihn im einzelnen bedeutend enger und intensiver gemacht hat.
Das 20. Jahrhundert ist also der Wendepunkt vom alten zum neuen Kapitalismus, von der Herrschaft des Kapitals schlechthin zu der Herrschaft des Finanzkapitals.“ (ebd. S. 229)

Wie auffallend zutreffend diese Worte für die aktuelle Lage sind! Heute, einhundert Jahre, nachdem Lenin „Der Imperialismus …“ schrieb, ist die Vorherrschaft des Bank- und Finanzkapitals einhundert Mal größer als zu der Zeit, als Lenin sein Werk verfasste. Der Würgegriff der Großbanken und ihre parasitären und ausbeuterischen Eigenschaften wurden der gesamten Welt während der Krise von 2008 vor Augen geführt, dann folgten die skandalösen Rettungsaktionen, bei denen die Regierungen den Banken mehrere Billionen Dollar an Steuergeldern zukommen ließen. Diese unerhörte Subvention der Reichen durch die Armen ist der deutlichste Beweis für die Verschmelzung der Großkonzerne und Banken mit dem Staat, welche Lenins Imperialismusdefinition zugrunde liegt

Die Trennung des Kapitaleigentums von der Anwendung des Kapitals in der Produktion, die Trennung des Geldkapitals vom industriellen oder produktiven Kapital, die Trennung des Rentners, der ausschließlich vom Ertrag des Geldkapitals lebt, vom Unternehmer und allen Personen, die an der Verfügung über das Kapital unmittelbar teilnehmen, ist dem Kapitalismus überhaupt eigen. Der Imperialismus oder die Herrschaft des Finanzkapitals ist jene höchste Stufe des Kapitalismus, wo diese Trennung gewaltige Ausdehnung erreicht. Das Übergewicht des Finanzkapitals über alle übrigen Formen des Kapitals bedeutet die Vorherrschaft des Rentners und der Finanzoligarchie, bedeutet die Aussonderung weniger Staaten, die finanzielle "Macht" besitzen.“ (ebd. S.242)

Das schrieb Lenin 1916. Wie sieht es heute aus? In der Forbes Global Liste der 2000 größten Konzerne, stellen Banken und andere Finanzinstitute die meisten Unternehmen (496), gefolgt von den Sparten Öl und Gas (124), Materialien (122) und Versicherungen (109).
Es wird gesagt, dass die Welt schrumpft, was man aber nicht von den Banken, den eigentlichen Herren der Weltwirtschaft, sagen kann. Die Finanzkrise von 2008, die ihren Ausgangspunkt im Banksektor hatte, hat den steigenden Reichtum und die Macht der weltgrößten Banken, die jetzt über ein gemeinsames Vermögen von 25,5 Billionen Dollar verfügen, kurzzeitig gestoppt. Fünf Jahre nach dem Rettungspaket durch die US-Regierung erwirtschaftet das Banksystem der USA Rekordgewinne. Allein JPMorgan, die größte Bank des Landes, erwirtschaftete im letzten Jahr ein Nettoeinkommen von 24,4 Milliarden Dollar. 77 Prozent dieses Nettoeinkommens von JPMorgan und anderer Banken sind das Ergebnis staatlicher Unterstützung.

Diese Tatsache entlarven die Mythen vom “freien Wettbewerb” und der “freien Marktwirtschaft” vollständig. Die Großbanken sind mit dem Staat verflochten und könnten keinen Tag ohne die massiven Finanzspritzen mit öffentlichem Geld überleben. Die Banker eignen sich große Geldmengen an, die den Steuerzahlern gestohlen werden, und verwenden sie nicht, um die Produktion auszuweiten oder um Arbeitsplätze zu schaffen, sondern um sich selbst zu bereichern und auf Kosten der Öffentlichkeit an der Börse zu spekulieren.

In dieser seltsamen Alice-im-Wunderland-Welt bezuschussen die Armen die Reichen. Das ist Robin Hood ins Gegenteil verkehrt. Nichts illustriert den dekadenten und parasitären Charakter des modernen Kapitalismus besser als die vollständige Beherrschung durch das Finanzkapital. Es ist ein unwiderlegliches Argument für die Enteignung der großen Banken und Monopole und eine Neuorganisation der Gesellschaft auf der Grundlage einer sozialistischen Planwirtschaft.

Ungleichheit

Genauso wie die bürgerlichen Ökonomen die Konzentration des Kapitals hartnäckig leugneten, versuchten bürgerliche Soziologen aus dem gleichen Grund den parallelen Prozess der Polarisierung zwischen den Klassen in der Gesellschaft, den Marx vorhergesagt hatte, abzustreiten. In einer berühmten Passage im ersten Band seines Werkes „Das Kapital“ schrieb Marx: „Die Akkumulation von Reichtum auf dem einen Pol ist also zugleich Akkumulation von Elend, Arbeitsqual, Sklaverei, Unwissenheit, Brutalisierung und moralischer Degradation auf dem Gegenpol, d.h. auf Seite der Klasse, die ihr eignes Produkt als Kapital produziert.“

Wie empört reagierten die bürgerlichen Soziologen gegen diese Behauptung! Sie verspotteten und verhöhnten die Vorstellung, dass der Kapitalismus zu einer wachsenden Polarisierung zwischen Arm und Reich führt. Sie schreiben einen Band nach dem anderen massenweise gefüllt mit Statistiken, die beweisen sollen, dass die ArbeiterInnenklasse eigentlich verschwunden ist und wir alle zur Mittelklasse gehören, dass die freie Marktwirtschaft die Massen nicht arm, sondern reich macht, dass es gut ist, wenn die Reichen noch reicher werden, denn ein Teil ihres Wohlstands würde auf die Armen „herunterrieseln“ und so die Armut zu einem Relikt der Vergangenheit werden lassen. Aus diesem Grunde würde sich in der besten aller kapitalistischen Welten alles zum Guten wenden.

Soviel zu den Theorien der bürgerlichen Ökonomen und Soziologen. Aber die Tatsachen sprechen eine andere Sprache und Tatsachen sind, so sagt man, unumstößlich. Das vor kurzem veröffentlichte Buch „Das Kapital im 21. Jahrhundert“ vom französischen Ökonomen Thomas Piketty hat eine scharfe Kontroverse ausgelöst. Obwohl der Autor kein Marxist ist (er sagt, er habe das „Kapital“ nie gelesen) und seine Lösungen des Problems der Ungleichheit nicht über die zaghaftesten keynesianischen Rezepten hinausgehen, wurde Piketty zur Zielscheibe wütender Angriffe. Sein „Verbrechen“ bestand darin, zu zeigen, dass die Rendite auf das eingesetzte Kapital in kapitalistischen Ökonomien die Tendenz hat, höher zu sein als die Wachstumsrate und zu einer Konzentration von Vermögen und wachsender Ungleichheit führt, etwas, das man nicht abstreiten kann.

Die Konzentration des Kapitals bedeutet eine immense Anhäufung von Vermögen und Macht in den Händen einer kleinen Anzahl obszön reicher Individuen und eine ständig wachsende Zahl von Menschen, die um das nackte Überleben kämpfen und am Hungertuch nagen. Bei einer Weltbevölkerung von sieben Milliarden fällt nur eine Handvoll (2170 Menschen) in die Kategorie der extrem Reichen. Unter diesen ist auch ein Bürger der Republik Mexiko, Carlos Slim. Jeder Einzelne verfügt im Durchschnitt über 1,79 Milliarden Dollar, zusammen haben sie einen Gesamtwert in Höhe von 6,55 Billionen Dollar – mehr als das BIP von Britannien. Zwei Drittel der Milliardäre haben ein „selbstgemachtes“ Vermögen, aber ein Fünftel von ihnen haben ihr Geld geerbt.

Die Wohltätigkeitsorganisation Oxfam enthüllte kürzlich, dass die 85 reichsten Menschen so viel Vermögen besitzen wie die 3,5 Milliarden ärmsten, das ist eine wahrlich schockierende Tatsache für jeden, der ein bisschen Grips hat. So hat sich Marx‘ Vorhersage bezüglich der Konzentration des Kapitals und der „Akkumulation von Elend, Arbeitsqual, Sklaverei, Unwissenheit, Brutalisierung und moralischer Degradation auf dem Gegenpol“ exakt bestätigt.

Materieller Reichtum erzeugt Macht. Noch nie in der Geschichte ist so viel Macht in den Händen weniger konzentriert. Demokratische Formen sind zu leeren Hülsen geworden, während die wirkliche Macht von einer winzigen Elite aus Bankern und Kapitalisten ausgeübt wird, die Regierungen entsprechend ihren Interessen kontrollieren und manipulieren. Regierung und Großkapital vermischen sich zunehmend zu einer oligarchischen Herrschaft, die mit dem formalen Aspekt der parlamentarischen Regierung getarnt wird. In den USA sind 80 Prozent der Kongressabgeordneten Millionäre und um Präsident zu werden, muss man entweder Milliardär sein oder die finanzielle Unterstützung mehrerer Milliardäre haben.

In formal demokratischen Ländern wie Britannien ist die Macht vom Parlament auf die Regierung übergegangen und von der Regierung auf eine kleine Clique nicht gewählter Bürokraten, Berater und PR-Experten im Umfeld des Premierministers. Die „freie Presse“ wird von einer Handvoll extrem reicher Eigentümer wie Murdoch besessen und kontrolliert. Das Wort Demokratie wird bedeutungslos. In Ländern wie Mexiko, wo Politiker wie ein Sack Zucker ge- und verkauft werden und Wahlmanipulationen zu einer hohen Kunst geworden sind, ist der betrügerische Charakter der bürgerlichen Demokratie natürlich jedem klar. Überall regieren die Reichen und von den Armen wird erwartet, dass sie den Kopf vor dem Joch des Kapitals verneigen.

Hat der Imperialismus seinen Charakter verändert?

Zu Lenins Zeit zeigte sich der Imperialismus als die direkte Herrschaft imperialistischer Mächte über Kolonien. Der britische Imperialismus besaß fast die Hälfte der Welt. Er plünderte den Reichtum Asiens, des Nahen und Mittleren Ostens und des indischen Subkontinents aus und hatte Stützpunkte in vielen Ländern Lateinamerikas. Die deutschen Imperialisten entfachten den Ersten Weltkrieg, um das Weltmonopol des britischen Imperialismus zu brechen und die Welt neu aufzuteilen. Die anderen Mächte beteiligten sich begierig, um die Welt zu zerstückeln und sich Kolonialbesitz anzueignen.

Dazu gehörte auch das zaristische Russland, trotz der Tatsache, dass es ein ökonomisch rückständiges, halbfeudales Land war. Das zaristische Russland exportierte nicht eine einzelne Kopeke an Kapital. Sein Imperialismus ähnelte der alten Art und basierte auf die Besitzergreifung ausländischer Territorien (Polen ist ein deutliches Beispiel) und territorialer Ausdehnung (die Eroberung des Kaukasus und Zentralasiens). Russland, um Lenins Worte zu benutzen, war ein regelrechtes Gefängnis für die Nationen, die es eroberte, versklavte und ausplünderte. Russland selbst war finanziell von Frankreich und anderen imperialistischen Staaten abhängig. Seine ökonomische Rückständigkeit und die Abhängigkeit von ausländischem Kapital, hielt Lenin nicht davon ab, es unter die fünf wichtigsten imperialistischen Mächte zu platzieren.

Diese Situation änderte sich nach 1945 radikal. Die Oktoberevolution stürzte den Zarismus und gab den nationalen Befreiungsbewegungen der unterdrückten Völker in den Kolonien mächtige Impulse. Der Zweite Weltkrieg rüttelte an der Macht der alten imperialistischen Staaten. Britannien und Frankreich gingen geschwächt aus dem Krieg hervor, während die USA und die UdSSR zu herrschenden Mächten wurden. Die rasche Zunahme der Revolutionen in den Kolonien war eine der größten Ereignisse in der menschlichen Geschichte.

Hunderte Millionen Menschen, die zur Rolle von Kolonialsklaven verdammt waren, erhoben sich gegen ihre Herren in Afrika, Asien und dem Nahen und Mittleren Osten. Die großartige chinesische Revolution und die nationale Befreiung von Indien, Indonesien und anderen Ländern kennzeichneten einen historischen Wandel. Obwohl sie ein Schritt nach vorne waren, so lösten die Errungenschaften der nationalen Befreiung jedoch nicht die Probleme der ausgebeuteten Massen. Diese wurden im Gegenteil in vielfacher Hinsicht verschärft.

Heute, sieben Jahrzehnte nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs, befinden sich die früheren Kolonialländer stärker im Würgegriff des Imperialismus als in der Vergangenheit. Der einzige Unterschied ist, dass der Imperialismus anstatt durch eine direkte bürokratische Militärkontrolle seine Vorherrschaft jetzt indirekt, mit Hilfe der Mechanismen des Welthandels, ungleichem Wirtschaftsaustausch, ausländischer „Hilfe“, Kreditzinsen etc., ausübt. Die früheren Kolonialländer blieben dem Imperialismus gegenüber versklavt, obwohl ihre Ketten jetzt unsichtbar sind.

Globalisierung ist ein Wort, welches die Realität der systematischen Ausplünderung ehemaliger Kolonialländer verschleiert. Letztere müssen ihre Märkte für eine Lawine ausländischer Waren öffnen, die ihre eigenen lokalen Industrien ruinieren, ihre Volkswirtschaften lähmen und ihren Reichtum abziehen. Große transnationale Konzerne eröffnen Fabriken in Bangladesch, Indonesien und Vietnam, wo ArbeiterInnen brutal ausgebeutet und unter sklavenähnlichen Bedingungen für Hungerlöhne beschäftigt werden, um Markenjeans und -schuhe zu produzieren, damit der Mehrwert, der von den Blutsaugern abgesaugt wird, wächst. Katastrophen wie Bhopal und kürzlich das Feuer in einer Textilfabrik in Bangladesch zerstören ganze Stadtviertel. Die Bosse der westlichen Konzerne vergießen Krokodilstränen und füllen ihre Schatullen mit den Produkten aus Blut, Schweiß und Tränen von Millionen Kolonialsklaven.

Entwicklungsländer werden unter der Last der Schulden- und Handelspolitik des Internationalen Währungsfonds (IWF), der Weltbank und der Welthandelsorganisation (WTO) zerdrückt. Die Entwicklungsländer zahlen jetzt 1,3 Dollar für jeden Dollar, den sie als Zuschüsse erhalten. Nigeria lieh sich ungefähr 5 Milliarden Dollar, hat 16 Milliarden Zinsen gezahlt, schuldet aber immer noch 28 Milliarden Dollar. Diese 28 Milliarden sind Folge von Verzerrungen bei den Zinsraten ausländischer Kreditgeber

Die Schuldenlast führt dazu, dass die ärmsten Länder der Welt kaum Geld für Grundbedürfnisse wie Gesundheit, Bildung und Infrastruktur zur Verfügung haben. Um nur ein Beispiel zu nennen: Sambia gab 1997 40 Prozent seines gesamten Haushalts für die Rückzahlung ausländischer Schulden aus und nur sieben Prozent für Grundversorgungsleistungen wie die Impfung von Kindern. Die Lage in Pakistan ist noch schlimmer. Alle unterentwickelten Länder werden durch den Imperialismus ausgebeutet, ausgeraubt und unterdrückt.

Die Geschichte kennt verschiedene Formen von Sklaverei und die finanzielle Versklavung ist die modernste Form der Sklaverei. Diese ist nicht so offensichtlich wie die Besitzsklaverei, aber es handelt sich hier ebenfalls um Sklaverei, bei der ganze Nationen unterjocht und ausgeplündert werden. Allein 1999 wurden jeden Tag 128 Millionen Dollar als Schuldenrückzahlung von den ärmsten Ländern in die reichsten transferiert. Davon kamen 53 Millionen Dollar aus Ostasien und dem Pazifikraum, 38 Millionen Dollar aus Südasien und 23 Millionen Dollar aus Afrika. Das Leben von Milliarden Menschen wird durch diese kollektive Schuldensklaverei zerstört. Die Bibel teilt uns mit, dass die alten Kanaaniter Moloch ihre Kinder opferten. Aber als Folge der Sklaverei werden Millionen Kinder auf dem Altar des Kapitals geopfert, was den alten Moloch verblassen lässt.

Wenn die Schulden für zwanzig der ärmsten Länder 1997 erlassen worden wären und das Geld in die medizinische Grundversorgung investiert worden wäre, hätte dies bis zum Jahre 2000 das Leben von 21 Millionen Kindern, 19.000 pro Tag, gerettet. Der Kampagne Jubilee 2000 zufolge versinken 52 Länder in Schwarzafrika, Lateinamerika und Asien mit einer Gesamteinwohnerzahl von einer Milliarde unter einer Schuldenlast von 371 Milliarden Dollar. Das ist weniger als das Gesamtvermögen der 21 reichsten Individuen. So saugt der Imperialismus immer noch das Blut von Milliarden armer Menschen in den früheren Kolonialländern aus.

Schon früh in seiner Geschichte lernte Mexiko, was es bedeutet, neben einem großen und hungrigen imperialistischen Raubtier zu leben. Erinnern wir uns an die berühmten Worte von Porfirio Diaz: „Armes Mexiko, so weit von Gott entfernt, so nah an den USA.“ Obwohl Mexiko seit fast zwei hundert Jahren formell unabhängig ist, so wurde der fiktive Charakter dieser Unabhängigkeit in den letzten Jahrzehnten mit der Unterzeichnung des Freihandelsabkommens mit dem großen Bruder jenseits des Rio Grande eklatant zum Vorschein gebracht. Dieses hatte einen zerstörerischen Effekt auf die mexikanische Industrie und Landwirtschaft, während die Eröffnung von Fabriken in den Händen von US-Amerikanern, den Maquiladoras, im Grenzgebiet die Yankee-Bosse mit einer großen Anzahl billiger Arbeitskräfte versorgt.
Ursprünglich wurden diese Montagewerke, die für den US-Markt arbeiten, in den Grenzstädten Tijuana, Ciudad Juarez, Matamoros und Mexicali y Nogales hochgezogen, mittlerweile haben sie sich in ganz Mexiko angesiedelt. Hier können wir genau sehen, wie der Imperialismus funktioniert. Warum soll man sich den Ärger und die Ausgaben für eine bürokratische Militärherrschaft an den Hals holen, wenn man ein Land auch mit ökonomischen Mitteln beherrschen kann und das unerfreuliche Geschäft der Unterdrückung einer „befreundeten“ (d. h. abhängigen) Regierung überlässt.

Hierbei handelt es sich um die neokolonialistische Form der Ausbeutung, die nicht weniger räuberisch ist als die offene Plünderung von Kolonien in der Vergangenheit, auf der Grundlage einer direkten Militärherrschaft. Im Allgemeinen werden dieselben alten Kolonien in Afrika, Asien und der Karibik von denselben alten Blutsaugern ausgesaugt. Der einzige Unterschied besteht darin, dass der Raub ziemlich legal durch die Mechanismen des Welthandels ausgeführt wird, mit denen die entwickelten kapitalistischen Länder Europas gemeinsam, die ehemaligen Kolonien beherrschen und sich dabei die Kosten für eine direkte Herrschaft sparen, während sie weiterhin riesige Superprofite durch den Austausch von mehr Arbeit gegen weniger erzielen.

Imperialismus und Krieg

Die Aufteilung der Welt unter rivalisierende imperialistische Großmächte, von denen Lenin sprach, war mit dem Ende des 19. Jahrhunderts abgeschlossen. Danach tauchte die Frage nach der Neuaufteilung der Welt auf, eine Frage, die nur durch eine Maßnahme gelöst werden konnte, durch Krieg.
In den letzten einhundert Jahren gab es zwei Weltkriege, im zweiten starben 55 Millionen Menschen und beinahe hätte er mit der Auslöschung der menschlichen Zivilisation geendet. Dies liefert den plastischen Beweis, dass das kapitalistische System aufgehört hat, eine fortschrittliche Rolle zu spielen und zu einem monströsen Hindernis für den menschlichen Fortschritt geworden ist. Die enorme Entwicklung der Produktivkräfte gerät in Konflikt mit zwei fundamentalen Grenzen: Den Privatbesitz an Produktionsmitteln und dem Nationalstaat. Diese sind die Ursachen für Kriege im jetzigen historischen Zeitalter.

Der wiederkehrende Ausbruch von Kriegen, der gewöhnlich als ein Ausbruch eines unerklärbaren kollektiven Wahnsinns dargestellt wird, ist in Wirklichkeit ein Ausdruck für die Spannungen, die in der Klassengesellschaft auftreten und einen kritischen Punkt erreichen können, wenn die Widersprüche nur unter Gewaltanwendung gelöst werden können. Lange vor Lenin erklärte Clausewitz, dass Krieg die Fortsetzung von Politik mit anderen Mitteln sei.

Im Kommunistischen Manifest zeigten Marx und Engels, dass der Kapitalismus, der sich zuerst in Form des Nationalstaats entfaltet, zwangsläufig einen Weltmarkt schafft. Der alles dominierende Weltmarkt ist in der Tat das entscheidende Merkmal unserer Epoche. Kein Land, egal wie groß und mächtig es ist, kann sich dem Einfluss des Weltmarkts entziehen. Das totale Versagen des „Sozialismus in einem Land“ in Russland und China ist ein ausreichender Beweis für diese Behauptung. Das Gleiche gilt für die Tatsache, dass die beiden wichtigsten Kriege des 20. Jahrhunderts auf globaler Ebene geführt wurden und Kriege waren, bei denen es um die Weltherrschaft ging.

Der Kapitalismus und der Nationalstaat, die einst eine Quelle eines gewaltigen Fortschritts waren, wurden zu einer enormen Fessel und einem Hindernis für die Entwicklung der Produktion. Dieser Widerspruch spiegelt sich in den Weltkriegen von 1914-18 und 1939-45 und in der Zwischenkriegszeit wider. Im Ersten Weltkrieg führten die britischen Imperialisten einen „Verteidigungskrieg“, d. h. einen Krieg, um ihre privilegierte Position als größter imperialistischer Räuber der Welt zu verteidigen, der unzählige Millionen Inder und Afrikaner in einer kolonialen Sklaverei hielt. Das gleiche zynische Kalkül kann man jeder, der am Krieg beteiligten Nationen, unabhängig von ihrer Größe, unterstellen.

Die Entwicklung des Welthandels in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg erlaubte es dem kapitalistischen System diesen Widerspruch zumindest teilweise und vorübergehend zu überwinden. Eine Hauptrolle bei diesem Wirtschaftaufschwung spielte die Entwicklung des Welthandels und die Intensivierung der internationalen Arbeitsteilung. Das gipfelte in der so genannten Globalisierung. Ehemalige Marxisten wie Eric Hobsbawn glaubten, dass die Globalisierung nationale Konflikte beseitigen würde. Der Revisionist Karl Kautsky sagte vor einhundert Jahren das Gleiche.

Der Erste Weltkrieg zeigte die Hohlheit dieser Theorie. Und der Zustand unserer Welt im Jahre 2015 zeigt die Dummheit von Hobsbawns Neorevisionismus. Anstatt abzunehmen, haben sich die nationalen Widersprüche erheblich verschärft. Trotz des Geredes von Freihandel und Liberalisierung gibt es zwischen den kapitalistischen Staaten einen heftigen Kampf um die Märkte.

Es gibt deutliche Tendenzen, dass die Welt sich in Handelsblöcke auflöst, die jeweils von den USA, Deutschland und Japan beherrscht werden. Jeder einzelne Block versucht eifersüchtig seine eigenen Märkte und Einflusssphären zu schützen und fordert weiteren Zugang zu denen seiner Rivalen. Die Spannungen zwischen den USA und China im Pazifik werden immer schärfer. In den ersten Jahrzehnten des 21. Jahrhunderts sterben tausende Menschen täglich in Kriegen. Allein im Kongo sind fünf Millionen verschwunden. Wie viel tiefsinniger war Lenin, dessen Klassiker „Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus“ heute genauso aktuell und relevant ist als zu der Zeit, als er geschrieben wurde.

Die EU wurde gegründet, um diese Beschränkungen zu überwinden. Die abgesonderten nationalen Märkte von Britannien, Frankreich, Deutschland und den anderen Mitgliedern waren für die riesigen Monopole zu klein. Sie freuten sich auf einen uneingeschränkten regionalen Markt mit hundert Millionen Einwohnern und außerdem auf den Weltmarkt. Auf der Grundlage des europäischen Wirtschaftsaufschwungs gelang es den europäischen Kapitalisten größtenteils diese glorifizierte Zollunion zu gründen, in der die Abschaffung der Zölle zwischen den Ländern des gemeinsamen Marktes und ein gemeinsamer Zolltarif mit dem Rest der Welt dazu diente, den Welthandel zu entwickeln und zu stimulieren. Aber jetzt verwandeln sich all diese Vorteile in ihr Gegenteil.

Die Gründung von regionalen Handelsblöcken und der Abschluss bilateraler Handelsabkommen, die weit davon entfernt sind, Beispiele für den Freihandel zu sein, stellen eine potenzielle Gefahr für die Globalisation dar. Die EU ist solch ein regionaler Handelsblock, der einerseits gegen die USA und Japan gerichtet ist und andererseits ein Bündnis imperialistischer Mächte, das sich der Ausbeutung der Dritten Welt widmet.

Die EU ist stets eine Union im Interesse der Banker und Kapitalisten gewesen. MarxistInnen sin Internationalisten. Wir sind für ein vereinigtes Europa, aber dieses kann nicht auf kapitalistischer Basis erreicht werden. Haben wir die nationale Teilung Europas überwunden? Nein. Der Euro hat die Lage noch verschlimmert, wie die Menschen in Griechenland nur zu gut wissen. Die Vorstellung von einer gemeinsamen Währung wäre eine vernünftige, wenn es ein sozialistisches Europa gäbe. Unter dem Sozialismus gäbe es einen gemeinsamen Produktionsplan, aber dies könnte nur auf der Grundlage einer freiwilligen demokratischen Union erfolgen und nicht in einer Union, die von Banken und einem Land, Deutschland, beherrscht wird.

Warum ist es in letzter Zeit nicht zu einem neuen Weltkrieg gekommen?

Heute sind die kapitalistischen Widersprüche weltweit auf eine explosive Art erneut aufgetreten. Ein langer Zeitraum kapitalistischer Expansion, der einige auffällige Ähnlichkeiten mit dem Zeitraum vor dem Ersten Weltkrieg hat, endete 2008 auf dramatische Weise. Wir befinden uns jetzt inmitten der schlimmsten Krise in der gesamten 200jährigen Geschichte des Kapitalismus.

Im Gegensatz zu den Theorien der bürgerlichen Ökonomen hat die Globalisierung die fundamentalen Widersprüche des Kapitalismus nicht abgeschafft. Er hat sie nur auf einer viel größeren Ebene reproduziert als je zuvor: Die Globalisierung äußert sich als weltweite Krise des Kapitalismus. Die Hauptursache dieser Krise ist die Auflehnung der Produktivkräfte gegen zwei grundlegende Hindernisse, die den menschlichen Fortschritt behindern, den Privatbesitz an Produktionsmitteln und den Nationalstaat.

Die jetzigen Spannungen zwischen den USA, Japan und Europa hätten zu einer anderen Zeit bereits zu einem Krieg geführt. Aber mit der Existenz von Atomwaffen und einer Reihe weiterer barbarischer Vernichtungsmittel, wie den chemischen und biologischen Waffen, bedeutete ein totaler Krieg zwischen den wichtigsten Großmächten eine gegenseitige Vernichtung oder zumindest einen solch schrecklichen Preis, der einen Krieg unattraktiv machen würde, außer für ignorante Generäle.

Es gibt wichtige Unterschiede zwischen der heutigen Lage und der zu Lenins Zeiten. Bei zwei Gelegenheiten haben die Imperialisten versucht ihre Widersprüche durch Kriege zu lösen, 1914 und 1939. Warum kann das nicht wieder passieren? Die Widersprüche zwischen den Imperialisten sind jetzt so stark, dass sie in der Vergangenheit zu einem Krieg geführt hätten. Man muss sich dann die Frage stellen: Warum befindet sich die Welt jetzt nicht in einem Krieg? Die Antwort heißt: Das veränderte Kräfteverhältnis im Weltmaßstab.

Es ist eine Tatsache, dass die alten Pygmäen-Staaten in Europa vor langer Zeit aufgehört haben, eine eigenständige Rolle in der Welt zu spielen. Aus diesem Grund war die europäische Bourgeoisie gezwungen, die EU zu gründen, mit dem Bestreben im Weltmaßstab mit den USA, Russland und jetzt China zu konkurrieren. Aber ein Krieg zwischen Europa und den o. g. Staaten ist vollkommen ausgeschlossen. Abgesehen von allem anderen fehlt Europa eine Armee, eine Marine und eine Luftwaffe. Die Armeen, die bestehen, werden eifersüchtig unter der Kontrolle der herrschenden Klassen gehalten, die hinter der Fassade der europäischen „Einheit“ wie Katzen in einem Sack kämpfen, um ihre „nationalen Interessen“ zu verteidigen.

Unter den jetzigen Bedingungen heißt die Perspektive nicht Krieg zwischen den europäischen Staaten, sondern Klassenkrieg. Die Einführung des Euro hat die nationalen Widersprüche verschärft. In der Vergangenheit konnten die Staaten im Süden Europas bei finanziellen Problemen ihre Währung abwerten. heute besteht diese Option nicht. Stattdessen müssen sie zu einer „internen Abwertung“ Zuflucht nehmen, d. h. einen Angriff auf den Lebensstandard. Das passiert nicht nur in Griechenland, sondern in ganz Europa und in der ganzen Welt.

Der Drang des deutschen Imperialismus sich als herrschende Macht in Europa zu etablieren, war der Hauptgrund für den Ersten Weltkrieg. Es gäbe keinen Grund, warum Deutschland jetzt in Belgien einmarschieren oder Elsass-Lothringen erobern sollte, aus dem einfachen Grund, weil Deutschland durch seine wirtschaftliche Macht bereits ganz Europa kontrolliert. Alle wichtigen Entscheidungen werden von Merkel und der Bundesbank getroffen, ohne dass ein einziger Schuss fällt. Vielleicht könnte Frankreich einen nationalen Unabhängigkeitskrieg gegen Deutschland führen? Es reicht diese Frage zu stellen, um sofort ihre Absurdität zu erkennen.

Die Bourgeoisie greift momentan die gesamten Errungenschaften, welche die ArbeiterInnen in den letzten 50 Jahren errungen haben, an. Sie wollen uns in die Steinzeit zurückdrängen. Schauen wir uns an, was überall auf der Welt, von Europa bis Brasilien, von Afrika bis Thailand, geschieht: Überall herrscht Instabilität. Deshalb handelt es sich nicht um eine europäische Krise, sondern um eine weltweite Krise des Kapitalismus. Die Perspektive für den Zeitraum, in den wir jetzt eingetreten sind, heißt nicht Krieg, sondern eine beispiellos rasche Zunahme des Klassenkriegs.

Vom militärischen Standpunkt aus, kann es kein Land mit der kolossalen Militärmacht der USA aufnehmen. Aber diese Macht hat auch ihre Grenzen. Es gibt eklatante Widersprüche zwischen den USA, China und Japan im Pazifik. In der Vergangenheit hätten diese zu einem Krieg geführt. Aber China ist nicht länger eine schwache, rückständige halbkoloniale Nation, in die man leicht einmarschieren und sie in eine koloniale Knechtschaft zwingen kann. Es ist eine wachsende wirtschaftliche und militärische Macht, die mit den Muskeln spielt und ihre Interessen durchsetzt.

Pax Americana?

Es ist beinahe 25 Jahre her, als der damalige Präsident George Bush (Sen.) seine berühmte Rede über die “Neue Weltordnung” hielt. Der Präsident des mächtigsten Landes der Welt versprach eine Welt ohne Kriege, Diktaturen und natürlich eine Welt fest unter der Kontrolle eines einzigen mächtigen Weltpolizisten, der USA. Das war 1991, zu einem Zeitpunkt als er den ersten Golfkrieg vorbereitete.
Nach dem Zusammenbruch des Stalinismus glaubte der US-Imperialismus wirklich, dass die Welt fest unter seinem Kommando stehen würde und er imstande wäre, das Schicksal jedes Landes zu bestimmen. Alle Konflikte in der Welt sollten durch einen Dialog in einer Art „Pax Americana“ gelöst werden. Jetzt liegen all diese Träume in Schutt und Asche. Ein Krieg folgt dem nächsten. Mit den Worten des römischen Geschichtsschreibers Tacitus: „Sie schaffen eine Wüste und nennen das Frieden.“

Der historische Zeitraum, in dem wir leben, ist ein besonderer. Früher gab es immer drei oder vier imperialistische Mächte, aber jetzt gibt es nur einen wirklichen Giganten, die USA. Die Macht des imperialistischen Rom war unbedeutend gegenüber der Macht der USA heute. Achtunddreißig Prozent der Rüstungsausgaben weltweit kommen von den USA, dazu gehören die schrecklichsten Massenvernichtungswaffen. Der US-Imperialismus ist wahrhaftig die größte konterrevolutionäre Macht in der Geschichte.

Mit der kolossalen Macht geht jedoch auch eine kolossale Arroganz einher. George W. Bush verletzte sämtliche internationalen Regeln und die internationale Diplomatie, die seit dem 17. Jahrhundert behutsam geschaffen worden waren. Unter dem Begriff „Bush-Doktrin“ beanspruchten die USA für sich selbst das Recht, sich überall einzumischen. Die Kriege, die dem Planeten zusetzen, sind der Ausdruck und ein Symptom eines Systems, das zerfällt. In den USA werden jährlich 750 Milliarden Dollar für Waffen ausgegeben. Mit diesem Geld alleine wäre es möglich, genug Krankenhäuser, Schulen und Häuser für jeden zu bauen und den Hunger auf der Welt zu beenden.

Es ist eine Tatsache, dass die USA sehr mächtig sind, aber diese Macht hat ihre Grenzen, wie wir im Irak gesehen haben. Zwei Jahre nach der Invasion erklärten die US-Imperialisten, die Mission sei „erfüllt“. Heute ist der Irak ein Scherbenhaufen und hat keine funktionierende Armee. 150.000 US-Soldaten waren nicht in der Lage das irakische Volk zu besiegen, obwohl mindestens 100.000 IrakerInnen getötet wurden. Es war das erklärte Ziel, den Irak auszuplündern, aber dieses Ziel wurde nicht erreicht, sondern nur ein schrecklicher Verlust von Blut und Geld, den sich selbst das reichste Land der Welt nicht leisten konnte. Schließlich wurden die US-Streitkräfte gezwungen, sich zurückzuziehen und den Irak zu verlassen. Sie ließen das Land in einem barbarischen Zustand zurück, Elend, Teilung und Verzweiflung waren die Folge.

Die USA haben sich ihre Finger schon im Irak und in Afghanistan schwer verbrannt. Sie waren nicht in der Lage, in Syrien zu intervenieren und müssen jetzt erkennen, dass sie unfähig sind mit Russland über die Ukraine zu kämpfen. Wie könnte Amerika auch nur einen Krieg gegen China in Betracht ziehen, wenn es nicht einmal in der Lage ist, auf die ständigen Provokationen Nordkoreas zu reagieren?Dies ist eine sehr konkrete Frage.

Aus all diesen Gründen kann ein Weltkrieg, wie der Erste oder Zweite Weltkrieg, in absehbarer Zukunft ausgeschlossen werden. Das heißt jedoch nicht, dass die Welt ein friedlicherer und harmonischerer Ort werden wird. Im Gegenteil, ein Krieg wird dem nächsten folgen, aber es werden „kleine Kriege“ sein, wie die im Irak und Afghanistan. Das ist allein ist schon eine schreckliche Perspektive für die Menschheit.

Als ein Pazifist Lenin erklärte, dass Krieg schrecklich sei, antwortete er: “Ja, schrecklich profitabel.“ Große internationale Konzerne wie Halliburton haben vom amerikanischen Steuerzahler Milliarden Dollar erhalten für so genannte „Wiederaufbau-Operationen“ im Irak und es ist kein Zufall, dass Vizepräsident Dick Cheney lange Zeit Vorstandsmitglied dieses Konzerns, der auch die Republikanische Partei großzügig finanziell unterstützt, war. Dies ist sehr deutliches Beispiel für die organische Verbindung zwischen den großen Monopolen und dem Staat, von der Lenin in seinem Werk schrieb.

Krieg und Revolution

Zwei Weltkriege sind ein ausreichender Beweis, dass das kapitalistische System sein Fortschrittspotential vollständig erschöpft hat. Aber Lenin wies darauf hin, dass der Kapitalismus immer wieder einen Ausweg aus sogar den tiefsten Wirtschaftskrisen finden kann, solange er nicht von der ArbeiterInnenklasse gestürzt wird. Was Lenin 1920 als theoretische Möglichkeit sah, geschah nach 1945. Als Ergebnis einer besonderen Verkettung historischer Umstände trat das kapitalistische System in eine neue Periode von Aufschwüngen ein. Die Perspektive einer sozialistischen Revolution wurde, zumindest in den entwickelten kapitalistischen Ländern, verschoben.

Genau wie in den beiden Jahrzehnten vor 1914, waren die Bourgeoisie und ihre Fürsprecher berauscht von Illusionen. Und genau wie damals fanden diese Illusionen bei den Führern der ArbeiterInnenbewegung Widerhall. Sogar mehr als damals gaben sie den Anspruch für den Sozialismus zu stehen auf und begrüßten die Marktwirtschaft. Aber nun hat sich das Rad komplett gedreht. 2008 wurden die Früchte des Erfolgs in ihren Mündern zu Asche verwandelt. Wie 1914 gab die Geschichte ihnen ein jähes Erwachen.

Vor 1914 legten die Führer der Sozialdemokratie noch ein Lippenbekenntnis für die Ideen des Sozialismus und des Klassenkampfes ab. Am 01. Mai hielten sie radikale und sogar revolutionäre Reden. Aber in der Praxis hatten sie die Perspektive einer sozialistischen Revolution aufgegeben zugunsten des Reformismus, der Vorstellung, dass sie irgendwann in der fernen Zukunft den Kapitalismus friedlich, schrittweise und schmerzlos in den Sozialismus transformieren könnten.

In einem internationalen Kongress nach dem anderen stimmten die Sozialdemokraten, zu denen damals Lenin, Trotzki, Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht gehörten, für Resolutionen, in denen sie die Internationale aufforderten, jeden Versuch der Imperialisten einen Krieg zu beginnen, abzulehnen und sogar den Vorteil der Lage zu nutzen, um einen revolutionären Kampf gegen Kapitalismus und Imperialismus zu organisieren.
Zu ihrer ewigen Schande verrieten die Führer der Zweiten Internationalen (mit Ausnahme der Russen und der Serben) die ArbeiterInnenklasse und unterstützten “ihre” herrschende Klasse aus “patriotischen” Gründen. Als Ergebnis wurden Millionen Arbeiter in Uniform im Morast, Blut und Giftgas in Flandern in den Tod geschickt.

Lenin war derart geschockt, als er hörte, dass die deutschen Sozialdemokraten im Reichstag für die Kriegskredite gestimmt hatten, dass er sich zuerst weigerte, es zu glauben. Als es aber bestätigt wurde, zögerte er nicht, mit der Zweiten Internationalen zu brechen und die Fahne für die Dritte (Kommunistische) Internationale zu hissen. Während des Krieges war Lenin in der Schweiz praktisch abgeschnitten. Die Lage schien äußerst hoffnungslos zu sein. Die Parole „ArbeiterInnen aller Länder vereinigt euch!“ schien zur bitteren Ironie geworden zu sein als deutsche, französische, russische und britische Arbeiter sich gegenseitig im Interesse ihrer Herren töteten. Auf der ersten Konferenz der Antikriegssozialisten, der in dem kleinen Dorf Zimmerwald in der Schweiz 1915 stattfand. scherzte Lenin, dass man alle Internationalisten weltweit in zwei Postkutschen unterbringen könnte.

Der imperialistische Krieg endete mit Revolutionen. Die Russische Revolution zeigte der Menschheit einen Ausweg aus dem Albtraum von Kriegen, Armut und Leiden. Aber das Fehlen einer revolutionären Führung auf internationalem Niveau, bedeutete, dass diese Chance in einem Land nach dem anderen aufgegeben wurde. Daraus entstanden eine neue Krise und ein neuer, noch schlimmerer Krieg.

Immense Möglichkeiten

Lenin sagte: “Der Kapitalismus ist ein Schrecken ohne Ende.” Die blutigen Erschütterungen, die sich weltweit ausbreiten, zeigen, dass er richtig lag. Moralisten aus der Mittelschicht weinen und klagen über diese schrecklichen Dinge, aber sie haben keine Ahnung von deren Ursachen, geschweige denn eine Lösung. PazifistInnen, Grüne, Feministinnen und andere zeigen auf die Symptome, aber nicht auf die eigentliche Ursache, die in einem kranken sozialen System liegt, das seine historische Rolle überlebt hat.

Die Schrecken, die wir vor uns sehen, sind nur das äußerliche Symptom des Todeskampfes des Kapitalismus. Es sind aber auch die Geburtswehen einer neuen Gesellschaft, die dafür kämpft, geboren zu werden. Es ist unsere Aufgabe diese Geburtswehen zu verkürzen und die Geburt einer neuen und wirklich humanen Gesellschaft zu beschleunigen.

Dank der Entwicklungen in der Technologie und der Naturwissenschaft hat die Menschheit die Möglichkeit, die alten Übel Hunger, Krieg und Analphabetismus auszumerzen. Aber wie sieht es in Wirklichkeit aus? 1,2 Milliarden Menschen leben unter der Armutsgrenze und jährlich sterben acht Millionen Männer, Frauen und Kinder als Folge davon. Das ist nichts anderes als eine geräuschlose Massenvernichtung im Weltmaßstab, über die niemand spricht. Das ist es, was der Kapitalismus uns jetzt bieten kann.

Heute ist der Kampf gegen den Imperialismus undenkbar ohne den Kampf gegen den Kapitalismus. Gibt es eine Macht auf der Erde, die in der Lage ist, den US-Imperialismus zu überwinden? Ja, es gibt diese Macht. Sie heißt ArbeiterInnenklasse! Keine Glühbirne leuchtet, kein Rad dreht sich, kein Telefon klingelt ohne deren Zustimmung. Das Problem ist, die ArbeiterInnenklasse hat diese Macht, ohne es zu wissen.

Während der dunklen Tage des Ersten Weltkriegs, fand sich Lenin wieder einmal isoliert und war nur in Kontakt mit einer kleinen Gruppe. Aber er fürchtete sich nicht davor, gegen den Strom zu schwimmen. Er widmete sich mit ganzer Kraft der Schulung und Ausbildung der Kader auf der Grundlage der originären Ideen des Marxismus. Sein Meisterwerk „Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus“ ist ein unsterbliches Denkmal seiner Arbeit auf dem wichtigen Gebiet der Theorie.

Lenin zeigte kein Anzeichen von Pessimismus als die Lage aussichtlos zu sein schien. Und auch jetzt ist Pessimismus fehl am Platz. In der unruhigen Zeit, die vor uns liegt, wird die ArbeiterInnenklasse viele Möglichkeiten haben, die Gesellschaft umzuwandeln. Die Macht der ArbeiterInnenklasse war nie so groß wie heute. Aber diese Macht muss organisiert, mobilisiert und mit einer adäquaten Führung ausgestattet werden. Das ist die wichtigste Aufgabe auf der Tagesordnung. Wir stehen fest auf der Grundlage der Ideen Lenins, die den Lauf der Zeit überdauert haben. Zusammen mit den Ideen von Marx, Engels und Trotzki können sie uns die Garantie für einen zukünftigen Sieg bieten.

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