Kategorie: Wirtschaft

Omikron: Eine vom Kapitalismus geschaffene Bedrohung

Eine besorgniserregende Variante von Covid 19, bekannt als B.1.1.529, oder Omikron, tauchte zuerst in Südafrika auf und breitet sich nun weltweit aus. Dies ist ein unvermeidliches Produkt der kapitalistischen Gier nach schnellem Profit, die den Albtraum der Pandemie nicht enden lässt.

Bild: pixabay


Es ist seit Beginn der Covid-19-Pandemie immer die gleiche Geschichte: Es hätte nicht so weit kommen müssen. Auf der Basis eines rationalen und globalen Plans hätten wir das Virus bis jetzt schon längst ausradiert. 9 Milliarden Impfstoffe wurden bereits produziert, bis zum Ende des Jahres wären es 12 Milliarden: Genug, um jeden auf den Planeten zu immunisieren. Während jedoch über 60% der Menschen in den meisten westlichen Ländern einen vollen Impfdurchlauf hatten, liegt die Quote bei bis zu 3% in ärmeren Ländern. Diese düsteren Zahlen sind ein Resultat der von der Pharma-Industrie geführten Jagd nach Profiten, die dafür über abertausende Leichen gehen. Auch der Impfprotektionismus der reichen Länder spielt eine große Rolle. Dies schuf ideale Bedingungen für stärkere und widerstandsfähigere Mutationen des Virus. Wie wir schon im März schrieben:

,,Durch das Horten und Streiten um Impfstoffe, um zuerst die eigene Bevölkerung zu immunisieren, riskieren die reichsten Länder unzählige Menschenleben... Währenddessen zirkuliert und mutiert das Virus in ärmeren Ländern weiter und riskiert das Auftreten neuer, übertragbarerer und tödlicherer Stämme.''

Die Pharma-Kapitalisten und imperialistischen Staaten haben die ärmsten Länder dazu verdammt, sich auf sich allein gestellt zurechtfinden zu müssen. Milliarden von Menschen wurden schutzlos dem Virus überlassen, nachdem sie sie jahrzehntelang in einem wirtschaftlichen Würgegriff hielten, der die Gesundheits- und Sozialsysteme in Scherben zurückließ. Jetzt bezahlt die ganze Welt den Preis für die bewusste Entscheidung, die jeweils eigene wirtschaftliche Erholung zu priorisieren –gerade jetzt, wo internationale Kooperation am allernötigsten ist.

Die Imperialisten ernten, was sie säen

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) kündigte an, dass die Omikron-Variante ein hohes Risiko im globalen Kampf gegen Covid-19 darstellt und zu schweren Konsequenzen in Form von steigenden Infektionszahlen weltweit führen könnte. Um die 15 Millionen Leute starben bereits – direkt oder indirekt – durch die Pandemie. Weitere Infektionswellen werden diese Todeszahl weiter in die Höhe treiben.

Während die Daten zu Omikron noch begrenzt sind, wissen wir, dass diese Variante einen Rekordwert von 32 Mutationen des Spike-Proteins enthält. Das Spike-Protein dient dem Eindringen in menschliche Zellen. Basierend auf den verfügbaren Daten aus Südafrika könnte es um 100-500% übertragbarer sein als die Delta-Variante und Wissenschaftler befürchten, dass Omikron die Impf-Immunität durchbrechen könnte.

Dies führte die Weltgesundheitsorganisation dazu, Omikron als eine „besorgniserregende Variante" einzustufen, ihre bisher ernsteste Bewertung. Als Antwort darauf sperrten viele Länder Flüge nach Südafrika. Dies ist genau so, als würde man eine Stalltür schließen, nachdem das Pferd bereits ausgebüxt ist. Die Omikron-Variante ist bereits bei uns angekommen. Was wir aber noch nicht wissen, ist, wie ansteckend sie ist, wie hoch die Gefahr eines schweren Krankheitsverlaufs ist und wie resistent aktuelle Impfungen dagegen sind, aber wir können mit Gewissheit sagen, dass die neue Covid-Variante in ärmeren Ländern, die hauptsächlich auf „natürliche Immunität" angewiesen sind, eine Verwüstung anrichten wird.

Es ist kein Zufall, dass dieser Stamm des Virus in Südafrika auftauchte, wo die offizielle nationale Impfquote gerade mal bei 27% liegt (in ländlichen Gebieten ist sie noch niedriger). All die zuvor dominanten Coronavarianten tauchten in Ländern wie Brasilien, Indien oder Großbritannien auf, in denen große, ungeimpfte Menschenmengen über längere Zeiträume durchmischten – entweder aufgrund der von rechten Politikern verfolgten Strategie der „Herdenimmunität", um eine Schließung ihrer Wirtschaft zu vermeiden, oder dem geringen Zugang zu Impfstoffen, oder beides.

Südafrika mit seinen 27% hat eigentlich eine der höheren Impfraten auf dem Kontinent und die südafrikanische Regierung sagt, dass sie genug Impfstoffe für die nächsten fünf Monate hat. Das Problem aber ist, dass viele der Impfstoffe gespendete Exemplare sind, die dem Ablaufdatum nahestehen. Dies führt zu einem schmalen Zeitfenster für die Verabreichung der Impfung und dies gepaart mit Versorgungsproblemen (besonders bei Spritzen) aufgrund inadäquater Infrastruktur und einem Mangel an Kühllagern ist ein Rezept für ein absolutes Desaster. Hätte Südafrika von Anfang an Zugang zu Impfdosen gehabt, wäre es jetzt nicht in dieser Zwickmühle.

Dadurch, dass in vielen Teilen der Welt eine niedrige Impfquote vorliegt, war eine Mutation wie Omikron zu erwarten. Wie wir zuvor erklärten, fördert die Zirkulation „alter" Stämme des Virus dessen Anpassung, um so die Immunität durch Genesung oder Impfung zu durchbrechen. Sowohl die Impfung als auch die Genesung trainieren den Körper, auf das Spike Protein zu reagieren und eine Immunantwort auszulösen:

,,Der Weg, das Auftreten neuer Varianten zu stoppen, die viel mehr Menschen töten, besteht darin, die natürliche Selektion zu stoppen. Der einfachste Weg, die Evolution zu stoppen, besteht darin, die Verbeitung gering zu halten. Politisch bedeutet dies, dass die Reduzierung der Ausbreitung des Virus Vorrang vor dem Unternehmensgewinn haben müsste. Dies ist eine Wahl, zu der kapitalistische Politiker einfach nicht bereit sind.''

Während Omikron eine schlechte Nachricht für die Menschheit ist, ist es eine sehr erfreuliche Nachricht für die Pharma-Kapitalisten, die die Pandemie so lange wie möglich ausnützen wollen, ungeachtet des daraus resultierenden Chaos und der Verluste an Menschenleben.

,,In Berichten an Investoren haben diese Unternehmen hohe Gewinne bei der Entwicklung von Booster-Shots prognostiziert, um auf neue Varianten zu reagieren. Es liegt nicht in ihrem finanziellen Interesse, das Virus auszurotten. In einer modernen Sichtweise der Evolution kann man sich eine symbiotische Beziehung zwischen SARS-CoV-2 und Biotech-Investoren vorstellen, beides Parasiten für den Körper der Arbeiterklasse''

Pfizer, BioNTech und Moderna machen derzeit pro Sekunde 1.000 US-Dollar Gewinn, wobei erstere bis Ende 2021 36 Milliarden US-Dollar aus dem Verkauf von Impfstoffen erwirtschaften sollen. Diese Extraprofite sind das Ergebnis von Direktverkäufen an die reichsten Länder, die es sich leisten können, Impfstoffe in großen Mengen zu kaufen und die sich derzeit um Booster-Impfdosen und Impf-Updates reißen. Als sich die Nachricht der Omikron-Variante verbreitete, schossen die Aktien von Pharmaunternehmen an den Börsen der ganzen Welt in die Höhe. Das ist Zeugnis eines kranken Systems.

In der Zwischenzeit lehnen die Kapitalisten der Pharmaindustrie weiterhin entschieden jeden Versuch ab, die Patente für Covid-19-Impfstoffe rauszurücken. Dies trotz der Tatsache, dass der Großteil der eigentlichen Forschung hinter diesen Impfstoffen vom Staat mit öffentlichen Mitteln durchgeführt wurde. Diese Gangster nutzten einfach ihre finanzielle Schlagkraft und Kontrolle über die medizinischen Produktionsmittel, um sich Patente auf diese lebensrettenden Medikamente zu sichern und die Gewinne abzusahnen.

Vor einem Jahr appellierten Delegierte aus Südafrika und Indien an die Welthandelsorganisation, auf den Patentschutz für Covid-19-Impfstoffe zu verzichten, damit in ärmeren Ländern vor Ort günstige Derivate hergestellt werden könnten. Dies wurde sofort von einer Reihe imperialistischer WTO-Mitglieder, darunter die USA, die EU und das Vereinigte Königreich, auf Geheiß ihrer jeweiligen Pharmakapitalisten, die jedes Jahr Millionen für Lobbyarbeit ausgeben, unterbunden.

Während der US-Präsident Joe Biden sich seither nominell für den Verzicht auf die Patentrechte aussprach (sobald Amerikas Impfstoffversorgung gesichert war), haben die Imperialisten genau nichts unternommen, um dies auch umzusetzen. Im Gegenteil: Insbesondere Deutschland lehnt eine Aufgabe des Patentschutzes bei Impfstoffen entschieden ab und argumentiert, dass ,,geistiges Eigentum eine Innovationsquelle ist und dies auch in Zukunft bleiben muss''. Kurzum, die Institution des Privateigentums kann selbst in der schlimmsten Krise nicht untergraben werden.

Das Horten von Impfstoffen führte dazu, dass wohlhabende Länder 87% des weltweiten Angebots monopolisieren. Die westlichen Bourgeoisien bemühten sich darum, ihre Zahl an Impfstoffen aufzustocken. Sie stritten sich dabei untereinander in einem Wettlauf um die Wiedereröffnung ihrer Volkswirtschaften und um schnellere Gewinne als ihre Konkurrenten.

Man sollte meinen, die Covid-19-Pandemie, die eine existenzielle Bedrohung für das gesamte kapitalistische System darstellt, würde die sogenannten Weltführer davon überzeugen, ihre unmittelbaren nationalen Interessen zugunsten einer Einheitsfront gegen einen gemeinsamen Feind aufzugeben. Stattdessen wetteifern sie gegeneinander, was dazu führte, dass einige Länder vier- oder fünfmal so viele Impfstoffe besitzen, als ihre gesamte Bevölkerung benötigt.

Trotz wiederholter Warnungen wissenschaftlicher Behörden, dass der Impfprotektionismus ihre eigene Bevölkerung und den wirtschaftlichen Aufschwung auf lange Sicht gefährden würde, boten sie ärmeren Nationen nicht mehr als leere Plattitüden und Krokodilstränen.

Booster-Impfungen werden derzeit für alle Erwachsenen in Ländern wie Großbritannien und Österreich durchgeführt. Indes haben nur 25% der Menschen in Simbabwe und 14% in Namibia ihre erste Dosis erhalten. Und da die Nachfrage zuvor aufgrund hoher Impfraten eingebrochen war, haben reiche Länder buchstäblich Millionen von Dosen entsorgt, die sich ihrem Ablaufdatum nähern.

Das ,,British Medical Journal“ stellte fest, dass allein die Vereinigten Staaten bis Ende März bereits mehr als 180.000 Impfdosen entsorgt hatten. Weltweit könnten 241 Millionen Dosen entsorgt werden, weil es keinen unmittelbaren Anreiz gibt, sie vor ihrem Ablauf ins Ausland zu verschicken. Nur die Anarchie des Marktes kann einen derart unsinnigen Widerspruch hervorbringen.

Auf einem G7-Gipfel unter dem Vorsitz von Biden im September wurde das Ziel festgelegt, den 92 ärmsten Ländern zu helfen, bis Ende dieses Jahres eine Impfrate von 40% zu erreichen. Diese Versprechen lösten sich fast sofort in heiße Luft auf. Die G7 werden ihr ohnehin viel zu begrenztes Ziel deutlich verfehlen. Die USA haben nur 25% ihrer versprochenen Quote erreicht, die Europäische Union 19% und das Vereinigte Königreich 11%. All dies bedeutet, dass COVAX, die WHO-Initiative, die gegründet wurde, um Impfstoffe in arme Länder zu bringen, nur zwei Drittel ihres Zwei-Milliarden-Impfstoffziels für 2021 erreicht hat.

Noch dazu kommt ein massiver Abfluss von Impfstoffen aus den Ländern, die sie am dringendsten benötigen. Zum Beispiel wurden im vergangenem Jahr Millionen von Dosen des in Südafrika hergestellten Johnson&Johnson-Impfstoffs, der für die Impfkampagne des Landes nach der Aussetzung von AstraZeneca entscheidend war, exportiert, um Bestellungen aus reichen europäischen Ländern zu bedienen. Die imperialistischen Banditen haben sich also nicht nur geweigert, Impfstoffe, die sie nicht brauchen, dahin zu schicken, wo sie gebraucht werden, die Pharma-Großkonzerne nutzen die afrikanischen Länder auch noch weiterhin aus, um westliche Lagerbestände aufzublähen.

Die Folgen dieser kriminellen Politik sind auch hierzulande spürbar. Noch vor wenigen Monaten verkündeten viele Länder im Westen stolz das bevorstehende Ende der Pandemie und die Rückkehr zur „Normalität". Aber jetzt, da Fälle, Krankenhauseinweisungen und Todesfälle in den Wintermonaten wieder zu steigen beginnen, hat Omikron die Aussicht auf neue Lockdowns wieder ins Bewusstsein aller gerückt.

In mehreren europäischen Ländern sind große Proteste gegen die abrupte Einführung neuer Lockdowns und gegen Impfpflicht ausgebrochen. Ungeachtet der Faschisten und Verschwörungstheoretiker, die diese Demonstrationen anführen, zeigen sie, wie sehr das öffentliche Vertrauen in das Establishment nach zwei Jahren, in denen sie die Pandemie offensichtlich nicht in den Griff bekamen, zusammengebrochen ist.

Was tun?

Die Kurzsichtigkeit und die Ausbeutung ärmerer Länder durch den kapitalistischen Imperialismus sind direkt für die Entstehung der Omikron-Variante verantwortlich. Diese neue Sorte ist ein Frankensteinsches Monster, das alle kommen sahen, aber niemand wagte, es zu verhindern. Trotzki schrieb einmal, dass die herrschende Klasse seiner Zeit mit geschlossenen Augen auf einen Abgrund zu schlittert. Heute tun sie es mit offenen Augen.

Wir haben im Februar erklärt, dass ,,diese Pandemie nicht wirklich vorbei sein wird, bis die Bevölkerung des gesamten Planeten geimpft ist''. Tatsächlich könnte es dafür bereits zu spät sein. Das Virus könnte jetzt endemisch geworden sein, wie die saisonale Grippe: Eine permanente Bedrohung, die über unseren Köpfen schwebt und Teil unseres Lebens wird. Dies war nicht unvermeidlich, sondern eine Folge kapitalistischer Misswirtschaft, die zukünftigen Generationen aufgezwungen wurde.

Der Kapitalismus hat immer wieder bewiesen, dass er organisch unfähig ist, eine globale Krise dieses Ausmaßes zu bewältigen. Es sind alle Techniken und das Know-how vorhanden, um der Pandemie ein Ende zu bereiten. Aber das Privateigentum und die Nationalstaaten sind monströse Hindernisse für eine wirksame Bekämpfung von Covid-19, die eine globale Zusammenarbeit und die transparente, gemeinschaftliche Verwendung von Ressourcen für die Bedürfnisse der Menschen anstatt des Gewinns erfordern würde.

Die einzige Möglichkeit, eine Rückkehr zur Normalität zu gewährleisten, besteht darin, den Kampf gegen die Pandemie mit dem Kampf zum Sturz des verrotteten kapitalistischen Systems zu verbinden, bevor die Menschheit noch weiter in Richtung Barbarei gedrängt wird.

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